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Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Betreff des Beitrags: Kaliber 9 (2011)
BeitragVerfasst: 12. Jul 2013, 18:18 
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Kaliber 9
(Calibre 9)
mit Laurent Collombert, Nathalie Hauwelle, Phillippe Burel, Philippe Bussière, Jean-Jacques Lelté, Mory Gueye, Christophe Lafargue, Marie Therese Izard, Clémentine Decremps, Frédéric Menuet, Jean-Marc Brisset
Regie: Jean-Christian Tassy
Drehbuch: Eric Cherrière / Jean-Christian Tassy
Kamera: Chloé Robert
Musik: Fabien Auguy / Jonathan Latorre / Jonathan Verie-Massot
keine Jugendfreigabe
Frankreich / 2011

Die Prostituierte Sarah wird von ihrem Zuhälter ermordet. Der Stadtplaner Yann Moreau sieht sich in seinem Job mit der Tatsache konfrontiert, dass die Stadt von korrupten Politikern geleitet wird. Nichts verbindet die Lebenswege dieser beiden so unterschiedlichen Menschen, wäre da nicht die 9-mm-Pistole, die im Bauch von Sarahs Leichnam gefunden wird. Niemand ahnt, dass in der Pistole der Geist von Sarah lebt. Mit Hilfe von Yann, der unfreiwillig in den Besitz der Schusswaffe kommt, erklärt Sarah den Gangstern und korrupten Politkern den Krieg. Es entbrennt ein bleihaltiger Kampf, wie er gnadenloser nicht sein könnte.


Liest man sich das erste Mal die Inhaltsangabe zu dieser französischen Produktion durch dann weiß man wirklich nicht, was man davon halten soll. Und genau so abstrus wie beschrieben gestaltet sich dann auch die Geschichte, die man beim besten Willen nicht nach ihrem Ralitätsgehalt bewerten sollte, da "Kaliber 9" ansonsten völlig durchfallen würde. Doch auch, wenn sich die Geschehnisse vollkommen hanebüchen und an den Haaren herbeigezogen präsentieren, ist es Regisseur Jean-Christian Tassy hervorragend gelungen, die skurrilen Ereignisse so dermaßen unterhaltsam in Szene zu setzen, das man ganz einfach seine helle Freude an diesem unkonventionellen Film haben muss, in dem es größtenteils so richtig zur Sache geht. In Sachen Härte und Action wurde in dieser absoluten Low Budget Produktion nämlich mächtig aufgefahren. Bei einem Budget von gerade einmal geschätzten 45.000 Euro bekommt der geneigte Freund blutiger Passagen so einige wilde Schießereien präsentiert, bei denen die Einschüsse teilweise richtig derbe eingefangen wurden.

Zwar ist der Look des Filmes aufgrund des Budgets auch ziemlich billig ausgefallen, was sich jedoch in keinster Weise negativ auf das Ganze auswirkt. Eher das Gegenteil ist der Fall, entsteht dadurch doch eine wunderbar schmierige-und siffige Grundstimmung, die auch die Kern-Thematik des Szenarios hervorragend unterstreicht. Im Prinzip beinhaltet "Kaliber 9" nämlich auch eine herrlich sozialkritische Note und prangert die Korruption und Machenschaften diverser Politiker an, die hier nur auf ihr eigenes Wohl bedacht sind und dafür letztendlich ihre Quittung präsentiert bekommen. Das Ganze ist selbstverständlich sehr überspitzt ins Bild gesetzt worden, kann aber gerade durch diesen Aspekt seine ganze Wirkung entfalten, denn die Boshaftigkeit und Rücksichtslosigkeit gegenüber anderen Menschen kommt mehr als nur einmal äußerst gut zum Ausdruck. Dafür zeichnet auch das dargebotene Schauspiel verantwortlich, denn insbesondere in den Rollen der Bösewichter bekommt man überzeugende Darstellungen zu sehen, die den jeweiligen Charakter der Personen ausgezeichnet in den Vordergrund rückt. Vor allem der Bürgermeister wird so herrlich überzeichnet dargestellt, das man schon fast über die Performance des Darstellers lachen könnte, denn der zum Vorschein kommende Sarkasmus hat richtig viel Biss und ganz generell sind hier etliche Passagen vorhanden, die einen richtig raben-schwarzen Humor beinhalten, was die gesamte Chose noch einmal zusätzlich aufwertet.

Es ist schon wirklich erstaunlich, wie man aus einer so hanebüchenen Story einen so außergewöhnlichen Action-Kracher kreieren kann, der zwar in Sachen Logik und Glaubwürdigkeit jenseits aller Grenzen angesiedelt ist, dafür aber in Sachen Unterhaltung ein absolutes Brett ist. Mit jeder Menge Tempo ausgestattet, offenbaren sich gut 80 Minuten Kurzweil, bei der man lediglich keinerlei Ansprüche an eine realistische Geschichte stellen sollte. Inhaltlichen Tiefgang darf man also nicht erwarten, aber dafür umso mehr Tempo, Action und einen sehr ansehnlichen Härtegrad. Die zudem vorhandene sozialkritische Note verleiht dem Ganzen dann sogar noch ein wenig Klasse, die man im ersten Moment gar nicht einmal erwarten würde. In einigen Phasen erinnert "Kaliber 9" schon an einen Film wie beispielsweise "Shoot 'em Up", denn auch wenn sich die jeweiligen Szenarien eigentlich grundlegend unterscheiden, sind sie im Bezug auf die vollkommen übertrieben Umsetzung doch sehr gleich.

Wer also eher Wert auf eine sinnvolle und logische Story legt, wird hier wohl eher nicht auf seine Kosten kommen, wer jedoch seine Freude an überzeichneten und extrem unterhaltsamen Szenarien hat, für den wird dieses Filmchen ein wahres Feuerwerk der guten Laune. Der leicht sozialkritische Anstrich des Ganzem verleiht den Geschehnissen dann auch noch ein wenig Ernsthaftigkeit, die dem Zuschauer aber zumeist erst auf den zweiten Blick ins Auge fällt. Insgesamt gesehen kann man jedenfalls durchaus eine dicke Empfehlung an alle Action-Junkies aussprechen, denn diese werden hier definitiv voll auf ihre Kosten kommen.


Fazit:


"Kaliber 9" bietet alles andere als eine glaubwürdige Geschichte, kann aber durchgehend durch seinen extrem hoch angesiedelten Unterhaltungs-Faktor punkten. Eine gute Grundstimmung und etliche äußerst raue Passagen lassen die Zeit wie im Flug vergehen und entlassen einen mit einem sehr befriedigenden Gefühl aus einem Szenario, das gerade durch seine starke Überzeichnung mehr als nur sympatisch erscheint.


7/10

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