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 Betreff des Beitrags: FPS - First Person Shooter (2014)
BeitragVerfasst: 12. Jun 2014, 15:06 
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trashig-exploitativer Chef
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Originaltitel : FPS – First Person Shooter
Produktionsjahr : 2013 / 2014
Produktionsland : Deutschland
Regie : Andreas Tom Lützelschwab
Produzent: Achim Luetzelschwab, Andreas Luetzelschwab, Atlanta Luetzelschwab
Darsteller : Sebastian Kettner, Atlanta Lützelschwab, Achim Lützelschwab, Sascha Strack
Laufzeit : 80Min
Freigabe: ungeprüft
Webseite : FPS - First Person Shooter offizielle Webseite

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Story :

In einer Klinik ist ein Virus ausgebrochen, der die Menschen in blutgierige Zombies verwandelt und die Menschheit in ihrer gesamten Existenz bedroht .
In diesem abgelegenen Hospital arbeiten Wissenschaftler mit Hochdruck an einem Gegenmittel, um zu verhindern das diese noch lokale Seuche sich zu einer Pandemie ausbreitet.

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"Say Hello to my little Friend"


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Als Sam aufwacht, stellt er fest das seine Frau Linda immer noch nicht von der Arbeit zurück ist, wie es eigentlich der Fall sein sollte.
Im Fernseher sieht er eine Sondersendung über den Virus,der in dem Sanatorium langsam aber sicher außer Kontrolle gerät und stellt mit erschrecken fest da dies der Arbeitsplatz seiner schwangeren Linda ist.
Sam fackelt nicht lange um das leben seiner Frau und des Ungeborenem zu retten, schmeißt sich seine Schutzkleidung und macht sich auf den Weg zur Klinik.

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Schon vor den Toren des Hospitals bekommt Sam einen Vorgeschmack was ihn in den Gemäuern erwarten wird, was ihn aber nicht aufhält sich in die Höhle des Löwen zu begeben.
Ein Wettrennen gegen die Zeit beginnt in dem lediglich das eigene Überleben zur Rettung von Kind und Frau zählt.


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Bewertung :

Deutsche Horrorfilme - vor allem aus dem Low Budget Bereich - haben meist zu Recht einen schweren Stand bei den Fans und oft wissen nur wahre Fans die meisten Genrebeiträge bedingungslos zu schätzen.
Einfach zu viele selbsternannte Regisseure greifen zur Kamera und in bester Guerilla Manier wird mal eben drauf losgefilmt, damit der cineastischen Blutzoll unter die Fans gebracht werden kann.
Bedingt durch einen Mangel an Budget und/oder Erfahrungen kann dies schnelle zu einem filmischem Fauxpas werden.
Doch grade in den letzten Jahren ist eine positive Entwicklung zu verzeichnen und einige, hiesige Filmemacher mischen die "Szene" von unten Neu auf.
Namen wie "Boredom Production", "extreme-scRIPt-crew", "Bogatzki Movie Production", "Sandermania", "Moral im Keller" oder auch "Grindhouse Family Filmworks" haben uns eines besseren belehrt und zeigen, dass es nicht in einem Debakel enden muss.

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In diese Liste der frischen Talente reiht sich Andreas Tom Lützelschwab und Gravelight nahtlos ein.
Während des Studiums der Medieninformatik baute Andreas seine Fähigkeiten schon aus und es folgten einige der obligatorischen Kurzfilme um Erfahrungen auf dem Gebiet sammeln zu können.
2012 folgte dann das Spielfilmdebüt namens GHOSTFILES, das auf der Found-Footage Welle surfte, aber aus verschiedenen Gründen nie veröffentlicht wurde.
Somit stellt FPS quasi das Debüt der Geschwister Andreas, Achim und Atlanta Lützelschwab dar, das dem Genre frischen Wind in die Segel bläst.

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Bei FPS, was als Kurzform für FIRST PERSON SHOOTER steht, offenbart sich dem Zuschauer eine vollkommen neue Dimension des deutschen Indie-Horrorfilms, die mehr als zu überzeugen kann!
Wie schon aus der Bezeichnung FIRST PERSON SHOOTER hervorgeht, wurden die Macher von Shootern wie DOOM, DUKE NUKEM, QUAKE, BLOOD und BLOOD 2 : THE CHOSEN, HALF-LIFE oder auch CASTLE WOLFENSTEIN inspiriert.
Bei FPS wurde aber nicht der Fehler gemacht eine belanglose Adaption eines Videospiels zu drehen, sondern die Vorbilder wurden als Stilelement genutzt um einen innovatien Hybrid aus Shootergame und Horrorfilm zu schaffen.
Aber auch andere Spiele aus der Blütezeit der 8-Bit -Heimcomputer Ära, wie zum Beispiel MANIAC MANSION oder ZAK MCKRAKEN, haben deutliche Spuren hinterlassen.
Dies macht sich schon direkt zu Beginn von FPS bemerkbar, wo der Film im DOS Modus startet und im 8-Bit Look der oben genannten Point & Click Adventures in einer animierten Sequenz die für den Zuschauer/Spieler relevanten Infos über die fortlaufende Handlung näher bringt.

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"I dont have time to bleed!"


Nach dieser Eröffnungssequenz folgt dann auch schon der Wechsel in den Realfilm, der durch seine Ego-Shooter Perspektive den Zuschauer sofort in seinen Bann zieht.
Ähnlich wie bei den zahlreichen Vertretern der Found-Footage Filme verschmilzt der Zuschauer hier mit dem Film, auch wenn dies auf eine andere, wesentlich positivere Art geschieht.
Anstelle verwackelter Handkamerabilder, die oft vom Auge nicht wahrgenommen und verarbeitet werden können, wurde viel Wert drauf gelegt das wichtige Details nicht zur Sekundarität herab degradiert werden.
Dazu trägt auch die stets lineare und flüssige Kameraarbeit bei, die selbst in teils hektischeren Sequenzen den Spieler nie in ein Handwackelkamera-Schleudertrauma versetzt.
Dies ist auch eine sehr logische Schlussfolgerung, da in den Ego-Shootern ja auch die Gegend oft akribisch nach neuen Waffen oder für das Spiel wichtige Gegenstände abgesucht werden muss.
Auch Szenarien, die man aus RESIDENT EVIL oder SILENT HILL kennt wurden bei FPS nicht ausgelassen.
Verschlossene Türen die einen Schlüssel benötigen, eine Vergiftung für die ein Antiserum gefunden werden muss oder das auffinden und lesen von Briefen und Tagebüchern runden Chose perfekt ab, damit keine Langeweile aufkommt.
Wie in jedem guten Shooter dürfen aber auch andere Aspekte in FPS nicht fehlen :
von der obligatorischen Spielerleiste, die über den Gesundheitsstatus und verbleibenden Munition informiert, über Level Completed Bildschirme, die Kombination von zwei Waffen zu einer Neuen, bis hin zu Autosaves ist wirklich alles enthalten, was FPS zu einem runden und unkonventionellem Unikat macht.

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Auch wenn die Verantwortlichen mit Ernsthaftigkeit an ihr Werk ran gegangen sind, kommt der Humor in FPS nicht zu kurz.
Permanent hat man einen Einblick in die Gedanken des Spielers, der in Form von Monologen zotige Sprüche , die vor Sarkasmus und Zynismus nur so strotzen, am laufendem Band von Stapel lässt.
Die Voice-Over Stimme des Spielers hört sich übrigens genauso an wie die von "Caleb" aus BLOOD und BLOOD 2 : THE CHOSEN und dies wird wohl so auch beabsichtigt gewesen sein.
Dieser Humor ist ein wichtiger Bestandteil von FPS und sorgt dafür das es über die gesamte Laufzeit nicht zu Durststrecken kommt, ohne das der Film in die Lächerlichkeit abdriftet.
Hier kommt dann auch der Filmfan nicht zu kurz und der Beweis das die Geschwister Lützelschwab neben zahlreichen Computerspielen auch den Horrorfilm akribisch studiert haben, liegt mehr als auf der Hand.
Schon in der animierten Eröffnungssequenz dürfte für das aufmerksame und geschulte Auge zu erkennen sein, welche Filme zu den Favoriten der Macher gehören.
Denn dort kann man dezent im Hintergrund einige Fimposter wie HELLRAISER, FROM BEYOND oder TANZ DER TEUFEL sehen.
Noch ersichtlicher wird diese Tatsache aber bei den zahlreichen Zitaten im Film, denn hier werden knapp 30 Jahre Filmgeschichte zitiert.
ARMEE DER FINSTERNIS, PREDATOR, THE SIXTH SENSE, SCARFACE, JUDGE DREDD oder DAS DING sind nur einige Filme und die Liste könnte hier noch ausführlich fortgeführt werden.
All diese Aspekte führen letztendlich dazu, das ein einzigartiges, homogenes Konglomerat aus Ego-Shooter und Horrorfilm entstanden ist.
In dieser Form hat man es noch nicht gesehen, wenn man mal von der kurzen Ego-Perspektive in der enttäsuchenden DOOM Filmadaption absieht.

"I see dead people!"


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Zwar haben die Leute von "Necrostorm" vor kurzem mit HOTEL INFERNO etwas ähnliches abgeliefert, aber FPS hat meinem persönlichem Empfinden nach definitiv die Nase vorne.
Außerdem behaupte oder vermute ich einfach mal, das die Lützelschwabs die Idee zu FPS schon hatten bevor die Italiener mit ihrem Film an den Start gingen.
Für die Gorehounds dürfte HOTEL INFERNO wohl befriedigender sein, was aber nicht heißt das FPS die Splatter- und Gore-FX vernachlässigt; diese nehmen bei FPS nur keine primäre Rolle ein.
Denn wenn wir ehrlich sind machen viele, harte SFX noch lange keinen guten Film aus und oft wertet sich ein Film durch diese nur selbst ab, was auch bei HOTEL INFERNO bedingt der Fall ist.
Auch bei FPS gibt es einiges an blutigen Schauwerten zu bewundern; Köpfe und Bäuche werden zerschossen, mit Därmen gewürgt oder Schädel eingeschlagen.
Die artet aber nie in eine uninspirierte, überflüssige Gewaltorgie aus die dadurch an Qualität einbußt.
Gekonnt werden handgemachte Gore-FX und Masken, mit pixeligem CGI Blut kombiniert, was sich bestens in das Gesamtbild einfügt.
Horrorfans haben meist ihre Zweifel wenn sie hören das Effekte aus der Retorte stammen und am PC generiert wurden, da an die handgemachten SFX nichts rankommt und diese einfach in den meisten Fällen realistischer aussehen.
Doch bei FPS kann ich eine Entwarnung aussprechen, das dieser Aspekt das Gesamtbild komplettiert.
Im Vergleich zu der Necrostorm Produktion geht FPS somit ganz klar als Sieger aus dem Rennen, da er persönlicher ist und wesentlich mehr Substanz und Tiefe inne hat.

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Auch Soundtechnisch kann FPS überzeugen und der Score selbst ist zum größten Teil wohl dem Industrial zuzuschreiben.
Wer mit der TETSUO Trilogie von Shinya Tsukamoto vertraut ist, wird durchaus Parallelen zu diesen Filmen oder auch anderen Beiträgen des japanischen Cyberpunk Kinos wie RUBBERS LOVER, 964 PINOCCHIO oder DEATH POWDER im Sounddesign erkennen können.
Abgerundet wird der Soundtrack noch von den Sound-FX, die im Stil der Videogames eigentlich alles Parat halten was sich der Fan wünscht .
Knacksende Türen, verzweifelte und schmerzerfüllte Schreie, heftige Schusssalven und 8-Bit Retrogamemusik prasseln im wuchtigem Sound auf den Zuschauer nieder und sorgen mitunter für nette Schockmomente.

"Hail to the King, Baby"


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Interessant ist auch, das die Storyline eine Abwechslung zu den sonst gängigen, postapokalyptischen Szenarien bietet, wie sie aus zig anderen Filmen bekannt sind.
Hier wird der Virus, der die Zombies hervorbringt ,im Anfangsstadium vor einer Pandemie gezeigt und wurde grade erst gezüchtet.
Diese kleine Änderung ist sehr begrüßenswert, da sich FPS etwas von anderen Filmen abhebt und eine willkommene Abwechslung bietet.

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Ein anderer Punkt auf den ich unbedingt eingehen möchte, ist das der Film komplett in Englisch präsentiert wird.
Dies ist bei Low Budget Produktionen aus Deutschland oft ein großes Manko, da der deutsche Akzent sich Negativ auf das Gesamtbild auswirkt.
Hier geht alles volkommen Akzentfrei von statten, was sich mehr als Positiv in die Waagschale wirft.

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Nach dem ganzen Lob, muss aber auch ein minimales Defizit angesprochen werden.
Bei den Masken der Zombies hätte ein wenig mehr herausgeholt werden können, da diese Teils doch recht kostengünstig wirken.
Dies ist aber nichts was man FPS wirklich ankreiden kann, da die Lützelschwabs diese Projekt wohl aus eigener Tasche finanziert haben dürften und das Budget begrenzt war.
Eventuelle Probleme bei der Realisierung, die durch Geldmangel zustande kamen wurden hier aber auf der anderen Seite durch Kreativität wieder ausgebügelt.
So gibt es zum Beispiel eine Sequenz in den Katakomben, in der eine große Horde von Zombies angreift.
Eingeläutet von der Nachricht "Adjusting Graphics" wird dort einfach wieder in den 8-Bit Retrostil gewechselt.
Durch die geschickte, kreative Lösung des Problems kommt in dieser Szene einmal mehr der Gamecharakter zur Geltung und bietet eine visuelle Abwechslung für den Zuschauer/Spieler.

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Letztendlich bekommt man als das geboten was der Trailer verspricht : blutige Ego-Shooter Horror-Action!
FPS ist der innovativste, erfrischendste Indie-Film der letzten Dekade.
Hier wird der deutsche Low Budget Film auf ein gänzlich neues Level gehoben und stellt einen Quantensprung für die Szene dar.
Wenn ein Film das Prädikat "Der zu Zelluloid gewordene Ego-Shooter" verdient, ist es zweifelsohne FPS!

9 von 10 Medipacks

www.youtube.com Video From : www.youtube.com

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"Are you gonna bark all day little doggie, or are you gonna bite?"


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 Betreff des Beitrags: Re: FPS - First Person Shooter
BeitragVerfasst: 15. Jun 2014, 01:59 
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Nominiere ich einfach mal für den Beitrag des Monats. An wen muss ich das weiterleiten? ;)


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 Betreff des Beitrags: Re: FPS - First Person Shooter (2014)
BeitragVerfasst: 14. Jul 2014, 10:47 
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Unser Forum hat es mal wieder auf ein Poster geschafft.
Das Artwork mit den Pressestimmen zu FPS enthält sogar direkt 3 Zitate aus meiner Rezension. :Up:
Das ist doch mal wieder eine tolle Honorierung für die Arbeit und das Forum!

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"Are you gonna bark all day little doggie, or are you gonna bite?"


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