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 Betreff des Beitrags: Hara-Kiri - Tod eines Samurai (2011)
BeitragVerfasst: 11. Dez 2012, 00:28 
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Hara-Kiri - Tod eines Samurai
(Ichimei)
mit Koji Yakusho, Naoto Takenaka, Eita, Hikari Mitsushima, Ebizo Ichikawa, Munetaka Aoki, Kazuki Namioka, Ayumu Saito, Hirofumi Arai, Takashi Sasano, Takohiro Hira, Goro Daimon, Ippei Takahashi
Regie: Takashi Miike
Drehbuch: Kikumi Yamagishi / Yasuhiko Takiguchi
Kamera: Nobuyasu Kita
Musik: Ryuichi Sakamoto
FSK 16
Japan / 2011

Als der verarmte Ronin Motome im noblen Haus Ii darum bittet, ihm den Hof für seinen rituellen Selbstmord zur Verfügung zu stellen, möchte er keineswegs sterben. Vielmehr hofft der junge Krieger darauf, mit einem kleinen Geldgeschenk weggeschickt zu werden. Doch Chef-Verwalter Kageyu ist es leid, dass immer mehr Samurai ihre Betteleien so tarnen, und nimmt Motome beim Wort. Selbst als sich herausstellt, dass dieser nur noch eine Schwertimitation aus Bambus besitzt, zwingt ihn Kageyu unnachgiebig in einen überaus qualvollen Tod. Wenige Tage später steht wieder ein todeswilliger Samurai vor der Tür. Kageyu ahnt nichts von dessen enger Verbindung zu Motome und seinen ganz speziellen Plänen für den eigenen Tod.


Nach "13 Assassins" hat Vielfilmer Takashi Miike mit "Hara-Kiri" gleich eine weitere Neuauflage eines Klassikers auf den Weg gebracht. Nun trifft man in der umfangreichen Filmografie des Regisseurs so ziemlich alles an was man sich vorstellen kann, ganz egal ob es sich dabei um echte Skandalfilme, extrem harte Splatter-und Gore Orgien oder auch üblen Trash handelt. Mit vorliegendem Werk jedoch bekommt man ziemlich Ungewöhnliches von ihm geboten, denn in der vorliegenden Geschichte gibt es im Prinzip keinerlei Härten oder großartige Action-Passagen zu sehen. Wer also einen vor Blut nur so triefenden Schwertkampf-Film erwartet, ist hier ganz eindeutig an der falschen Adresse, denn bis auf einen finalen Endkampf bekommt man eigentlich überhaupt keine Action zu sehen. Diesen Aspekt sollte man jedoch keinesfalls als negativ ansehen, man muss lediglich mit der richtigen Erwartungshaltung an diesen imposanten Film herangehen. Anstelle expliziter Gewaltdarstellungen überrascht Miike dieses Mal mit einer tiefgehenden Geschichte, die eine ideale Kombination aus Drama-und Tragödie darstellt und in erster Linie durch das grandiose Schauspielkunst ihrer Darsteller zu überzeugen weiß.

Dabei sollte man die beiden Haupt-Charaktere Motome (Eito) und Tsugumo (Ebizo Ichikawa) ganz besonders hervorheben, die hier im Laufe der Geschichte besonders viele Symphatiepunkte beim Zuschauer sammeln können und durch ihre absolut erstklassige Performance ein Höhepunkt des Geschehens sind. Nun fällt es während der gesamten laufzeit allerdings relativ schwer, eine wirkliche Abneigung gegen die eigentlichen Bösewichte zu entwickeln, denn nach den zur damaligen Zeit vorherrschenden Regeln haben sie im Prinzip richtig gehandelt. Dieser Eindruck entsteht insbesondere in der Anfangs-Phase der Story, kann man zu diesem Zeitpunkt die absichtliche Täuschung des Samurai Motome noch nicht so ganz nachvollziehen. Erst im weiteren Verlauf wird man mit den Zusammenhängen konfrontiert die überhaupt erst dazu führten, das der junge Mann mit einer vorgetäuschten Selbstmord-Absicht ganz anderes als seinen Tod im Sinn hatte. Der dann folgende Teil des Geschehens wird am intensivsten bearbeitet, Miike hat sich sehr viel Zeit dafür genommen, dem Betrachter ein tragisches Melodram zu offerieren, das einem sichtlich unter die Haut geht.

Kennt man einen Samurai im Normalfall viel eher als eine Art ritterlichen-und strahlenden Krieger, dem Stolz und Ehre alles bedeuten, so bekommt man im vorliegenden Fall auch einmal die Kehrseite der Medaille zu sehen. Vollkommen verarmte Krieger, die aus Angst um das Wohlergehen ihrer Familie jegliche Traditionen über Bord werfen, nur um das Überleben ihrer Liebsten zu sichern. Das alles wird auf eine sehr ruhige-und bedächtige Art erzählt und das Fehlen jeglichen Aktionismus gibt einem auch eine hervorragende Möglichkeit, sich auf die menschliche Komponente der Geschichte zu konzentrieren. Dabei fällt es gar nicht einmal so leicht, die eigenen Emotionen im Zaum zu halten, versetzt man sich doch immer mehr in die Lage der Samurai und kann eine fast schon spürbare Beziehung zu ihnen herstellen. Zwangsweise drängt sich dabei auch die Frage auf, welche Opfer man selbst für die eigene Familie bringen würde, wenn man sich in einer solch aussichtslosen Lage befinden würde, wie sie sich für den verzweifelten Motome darstellt. Als wenn dessen Situation nicht schon tragisch genug wäre, bringt die Lage seines Ziehvaters Tsugumo noch mehr Verzweiflung hervor und bringt noch weitaus mehr Emotionen in die Ereignisse, als es bisher schon der Fall war. Ehre, Stolz, Verzweiflung und Rachegefühle sind die Kernpunkte dieses Filmes, der bis auf die letzten gut 10 Minuten gänzlich ohne Action und Härten auskommt. Wer nun jedoch einen furiosen Showdown in blutiger Manier erwartet, wird einmal mehr von Miike überrascht, fällt doch selbst der Schluss-Akkord eher klassisch aus und bietet keinerlei Härten.

Die einzige Härte der gesamten knapp 127 Minuten Spielzeit entstehen durch die Story an sich und setzt sich im Kopf des Zuschauers fest. Sie entsteht einzig und allein aus der ausweglosen Situation eines jungen Mannes und den daraus entstehenden Konsequenzen, die eine ganze Familie ins Unglück stürzen. Das dies alles ohne jegliche Action-Passagen ins Bild gesetzt wurde, mag manchem eventuell etwas befremdlich vorkommen, doch sollte man sich davon auf keinen Fall abschrecken lassen. "Hara-Kiri - Tod eines Samurai" ist nämlich im Endeffekt ein absolut herausragendes Melodram, das keinesfalls spurlos an einem vorüberzieht und zudem einen äußerst nachhaltigen Eindruck hinterlässt. Und auch wenn der Film dialoglastig ausfällt, erscheint er in keiner einzigen Phase auch nur annähernd langatmig oder gar zähflüssig, denn dafür ist das Szenario viel zu interessant gestaltet. Ein weiterer großer Pluspunkt ist meiner Meinung nach auch der Aspekt, das der typisch asiatische Hang zur Melodramatik niemals übertrieben oder aufgesetzt erscheint, hier passt ganz einfach alles absolut perfekt zusammen und ergibt im Endeffekt ein überragendes Gesamtbild.


Fazit:


Man weiß eigentlich nie so richtig, was einen bei einem Film von Takashi Miike erwartet. In diesem Fall überrascht der gute Mann mit einem sehr ruhigen, aber umso intensiveren Drama, das einen von der ersten bis zur letzten Minute begeistern kann. Der fast vollkommene Verzicht auf Action und Blut war dabei ein sehr weiser Entschluss, denn nur so kann das Gesehene auch seine volle Wirkung erzielen. Alles andere hätte viel zu sehr von der eigentlichen Geschichte abgelenkt und die Ereignisse verwässert. So aber kann man sich wirklich auf das Wesentliche konzentrieren und wird dafür mit einer tiefgründigen Story belohnt, die wirklich unter die haut geht.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton. Deutsch DTS 5.1, DD 5.1 / Japanisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 127 Minuten
Extras: Originaltrailer, Trailershow


9/10

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