Unsere kleine Filmwelt

Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Betreff des Beitrags: Intruder (1997)
BeitragVerfasst: 15. Mär 2013, 19:12 
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trashig-exploitativer Chef
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Originaltitel : Kong bu ji

Herstellungsland : Hongkong

Erscheinungsjahr : 1997

Regie : Tsang Kan-Cheung

Darsteller : Moses Chan,Wayne Lai Yiu-Cheung,Bonnie Wong Man Wai,Wu Chien-Lien,Yuki Lai Yuen Tung u.a.

Laufzeit : 85:47 Minuten

Freigabe : ungeprüft


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Story :

Schon zu Beginn des Films werden wir mit einem grausamen Mord konfrontiert, denn "Chen Chi-Min" mittels Strangulation an einer jungen Prostituierten begeht.
"Chen Chi-Min" ist eine gesuchte Mörderin und will nach Hong Kong fliehen, da sie aufgrund ihrer Taten von der Polizei gesucht wird.
Sie nimmt die Identität der Prostituierten an und es gelingt ihr auf diesem Weg sogar ins Land einzureisen und einen Pass ausgestellt zu bekommen.
In Hong Kong angekommen ist sie aber Mittellos und versucht sich schon bald ihr Einkommen auf dem Straßenstrich zu verdienen.
Dort trifft sie in einer veregneten Nacht auf den Taxifahrer "Kwan Fai" der auf der Suche nach käuflicher Liebe ist und sie mit zu sich nach Hause nimmt.
Die junge Prostituierte verhält sich aber sehr merkwürdig und stellt ihm am laufenden Band persönlich Fragen.

Dieses seltsame Verhalten bewegt Kwan dazu die Frau nach einer schnellen Nummer und erfolgter Bezahlung wieder aus seinem haus heraus zu befördern.
Kurze Zeit später wird Kwan in bester "Hit & Run" Manier von einem Auto angefahren und am Unfallort zurück gelassen.
Dieser Unfall bringt ihm ein Gipsbein ein und er ist an den Rollstuhl gefesselt und auch sich alleine gestellt da weder seine alte Mutter oder 4 jährige Tochter sich um ihn kümmern können.
Plötzlich taucht die mysteriöse Frau wieder vor seiner Tür auf und biete ihm an sich um ihn zu kümmern.
Kaum in seinem Haus offenbart sie aber ihr wahres Gesicht und fesselt den Taxifahrer mit 2 Rollen Klebeband an den Rollstuhl.

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Vollkommen hilflos ist er der psychopatischen Fremden ausgeliefert und kann keinen ersichtlichen Grund für ihr Handeln ausmachen.
Die Ereignisse überstürzen sich als Kwan's Mutter sich um ihn sorgt und ihrem Sohn einen Besuch abstattet.
Doch die Psyschopathin weiß nicht das der Ehemann der von ihr ermordeten Prostituierten dicht auf den Fersen ist; seine Frau die nämlich eigentlich anstatt Chen nach Hong Kong kommen sollte wird von ihm vermisst und er hat auch schon einen Verdacht das die Identitätsdiebin mit ihrem Verschwinden zu tun hat.


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Bewertung :

INTRUDER Regisseur Kan-Cheung Tsang hat im asiatischen Raum eher seinen Namen durch seine Drehbücher zu den Stephen Chow Filmen SHAOLIN SOCCER, KUNG FU HUSTLE oder KING OF COMEDY etabliert.
Im Jahr 1997 legte Tsang mit INTRUDER sein Regiedebüt und gleichzeitig auch seine bisher einzige Arbeit als Regisseur vor.
Eigentlich sehr schade da es Tsang durchaus gelungen ist einen guten CAT III Thriller zu drehen der wenig Anlass zur negativen Kritik offen läßt.

Auch wenn die Story ein wenig an Stephen King's MYSERY erinnert kann man hier nicht von einem billigen,asiatischen Plagiat sprechen, da die Motivationen der weiblichen Hauptcharaktere sich unterscheiden.
In der Intensität der Darstellung kann man aber Yiu-Cheung Lai, die hier die eiskalte Mörderin und Kidnapperin spielt, durchaus mit Kathy Bates vergleichen!
Aber auch den männlichen Gegenpart, der von Moses Chan gespielt wird, kann ich hier nur loben; man nimmt ihm sein Leiden und die Qual zu jeder Zeit vollends ab.

Hier sollte interessanterweise noch erwähnt werden, das die Charakterzeichnung der weiblichen Protagonistin wirklich exzellent ist!
Denn auch wenn sie noch so skrupellos ist, schimmert den ganzen Film über in bestimmten Situationen immer wieder ein Funken Mitleid und Menschlichkeit in ihr durch.
In diesen Momenten nimmt man wahr das sie eine tragische Person ist, die eigentlich nur gerhorsam Befehle befolgt, um in Frieden ihr Leben leben zu können.
Dies heißt aber nicht das es den Charakter der "Chen Chi-Min" sympathischer macht und man in irgend einer Weise mit ihr mitfühlt.

Auch der Charakter des Taxifahrers "Kwan Fai" ist zu Beginn nicht das was man als Identifikationsfigur bezeichnen würde.
Dies führt von daher das er zu einem billige Prostituierte auf dem Straßenstrich aufgabelt und zudem auch noch seine alte Mutter und kleine Tochter vollkommen vernachlässigt.
Die Sympathien und das Mitleid für den männlichen Hauptprotagonist stellt sich erst mit fortschreitender Laufzeit ein, so das man auch hier durchaus von einer gelungenen Charakterentwicklung- und zeichnung sprechen kann.


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INTRUDER gelingt es die ganze Zeit über die Spannung und die düstere Grundstimmung beibehalten zu können, und genau dies sind auch die beiden Faktoren die die Intensität des Films ausmachen.
Die klaustrophobische und kühle Grundstimmung die hier zelebriert wird hat eine bedrückende Wirkung - wenn nicht schon fast erdrückende Wirkung - auf den Zuschauer, der sich beim Betrachten in einem Struddel der Hilfslosigkeit wiederfindet.
Garniert wird das ganze mit einigen krassen Splatter Effekten die ihren Zweck vollends erfüllen um dem Betrachter keine Grausamkeit vor zu enthalten.
Hierbei sollte aber erwähnt werden, das die zum Einsatz kommenden FX eine eher sekundäre Rolle spielen und der Film als Thriller auch ohne diese funktionieren würde.
Primär spielt hier nämlich der psychologische Horror und der Terror dem man sich ausgesetzt sieht die tragende Rolle und einige Szenen die vollkommen blutleer sind, sind mit die härtesten im Film und schlagen herzzerreißend-brutal auf den Betrachter ein.

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Verstärkt wird dieses ganze Szenario des asiatischen Serienkiller-Horrors zusätzlich noch von dem superbem Score der sich Dezent im Hintergrund hält, aber die ganze Zeit über eine hypnotisch-bedrohliche Wirkung entfaltet.
Was diesen Vertretter der Kategorie III von anderen unterscheidet, ist das er vollkommen frei von dem oft üblichen Humor ist; auch dies unterstützt die hoffnungslose Grundstimmung ungemein und wirkt realistisch.
Was diesen Realismus auch ausmacht ist die unterschwellig angedeutete Angst der Hongkong-Chinesen vor den Festlandchinesen, da die Kolonie zur Entstehungszeit von INTRUDER ja kurz vor der Rückübergabe stand und man somit bei INTRUDER sogar von einer politischen Parabel sprechen kann.
Auch wirklich erheblich für die Atmosphäre ist, das der Film meist im Dunkeln spielt und es kaum eine Szene gibt in der es nicht in Strömen vom Himmel regnet.

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Eine ruhig geführte der Kamera fängt bei diesem Thriller tolle Bilder ein, die von einer versierten Ausleuchtung in kühlen Farben noch abgerundet wird.
Farbtechnisch hat man bei dieser Ausleuchtung hier sehr oft auf ein kühles Blau und vibrantes Gelb gesetzt und stellenweise hat dies etwas von den guten, alten Gialli aus Italien.
Beim wohl recht geringen Budget war nicht viel über um auf große Locations oder Sets zurückgreifen zu können, was sich letztendlich aber als positiv entpuppt und INTRUDER so seine volle Wirkung als kompromissloses Kammerspiel entfalten kann.


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Grade in der zweiten Hälfte wird der Film immer drastischer und die psychologische Härte ist steigert sich so sehr das man sich schon fast das Ende des Films herbei wünscht.
Sehr förderlich ist auch, das INTRUDER zu keiner Zeit wirklich vorhersehbar ist und somit den Betrachter doch oft in seiner Storyentwicklung überraschen kann.
Grade in den letzten 20 Minuten macht sich dies stark bemerkbar und einiges Unverhofftes drückt nochmal zusätzlich auf das Gemüt des Zuschauers.

Wirklich geschickt wird sich auch mit der wahren Motivation der Kidnapperin erstmal zurückgehalten um dann im letzten Drittel die Winkekatze (auch wenn diese eigentlich aus Japan kommt :)) aus dem Sack zu lassen.
Warum INTRUDER in der vielfältigen Welt der CAT III Filme ein wenig untergeht ist wahrscheinlich darauf zurück zu führen das der Film alles andere als massentauglich ist und die deprimierende, kühle Atmosphäre dem ein oder anderem auf's Gemüt schlagen dürfte.
Man hat es hier nicht mit einem Film zu tun, den man sich anschaut um Spaß zu haben oder der einem Freude oder Spaß beim Anschauen bereitet.
Vielmehr bekommt an einen Einblick in die menschlichen Abgründe, die Motivation und Egomanie einer Killerin die alles tut um ein mit Freude und Liebe erfülltes Leben führen zu können.


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Leute die also vorzugsweise die ganz harten und blutdurchtränkten CAT III Vertretter schauen, könnten von INTRUDER eher enttäsucht sein.
Hier verhält es sich eher so als würde man Hitchcock im Hong Kong Style schauen und Leute die diese Umschreibung anspricht sollten dem Film definitiv eine Chance geben!
Man sollte aber darauf vorbereitet sein ein nihilistisches, sadistisches und kompromissloses Werk zu Gesicht zu bekommen.

Von der von MIB veröffentlichten Fassung ist abzuraten, da diese alle geschnitten sind!
Es gibt aber 3 Uncut Fassungen welche von Cine Club, Adrenafilm und '84 Entertainment in Deutschland erschienen sind.


8 von 10 Fingerabdrücken

www.youtube.com Video From : www.youtube.com

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"Are you gonna bark all day little doggie, or are you gonna bite?"


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 Betreff des Beitrags: Re: Intruder
BeitragVerfasst: 22. Mär 2013, 19:40 
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Die von Dan - hervorragend - beschriebene Atmosphäre und die sehr guten Darstellerleistungen sind Highlights. Die Story entwickelt sich zügig,
der Spannungsbogen weist keine Dellen auf, das Ende ist akzeptabel, mir persönlich hätte ein "schlimmeres" besser gefallen weil realistischer.

Aber: Woran genau es liegt weiss ich ich nicht, auch wenn dieser etwas untypische CAT III zum Glück keine Slapstickeinlagen
a la Untold Story oder Ebola beinhaltet, ganz ernst nehmen kann ich auch Intruder nicht, er berührt mich nicht richtig wie etwa Gini Piggu 1 und 2.
Ein High Tension oder Martyrs packt mich schon noch einen Ticken mehr an!

Dennoch sehr solide gemacht, nicht nur keine Zeitverschwendung, sehr gute Unterhaltung 8/10 Digitalis

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