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 Betreff des Beitrags: Memories of Murder (2003)
BeitragVerfasst: 26. Feb 2013, 14:48 
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Memories of Murder
(Salin-ui Chueok)
mit Kang-ho Song, Sang-kyung Kim, Roe-ha Kim, Jae-ho Song, Hie-bong Byeon, Seo-hie Ko, No-shik Park, Hae-il Park, Jong-ryol Choi, Mi-seon Jion, In-seon Jeong, Ha-kyeong Kim, Jae-iung Lee
Regie: Joon-ho Bong
Drehbuch: Joon-ho Bong / Kwang-rim Kim
Kamera: Hyung-ku Kim
Musik: Taro Iwashiro
FSK 16
Südkorea / 2003

1986: Südkorea steht unter einer Militärdiktatur. In einem kleinen Dorf nahe Seoul erschüttern die Taten eines Serienmörders die Bevölkerung. Die beiden örtlichen Polizisten Park und Jo jagen den brutalen Frauenmörder, wobei ihre Methoden jenseits der Legalität stehen. Obwohl sie schon diverse Verdächtige mittels Einschüchterung und körperlicher Gewalt zu Geständnissen gezwungen und inhaftiert haben, bleibt der wahre Mörder weiterhin auf freiem Fuß. Erst als ein gewitzter Detective aus Seoul zur Hilfe kommt, lichtet sich nach und nach das Geheimnis um den Mörder.


Angeblich auf einer wahren Begebenheit basierend erzählt dieser südkoreanische Thriller eine Geschichte, die auf der Serienkiller-Thematik beruht. Dabei unterscheidet sich dieses Werk doch ganz erheblich von etlichen Genre-Vertretern, denn im Gegensatz zu Genre-Größen wie beispielsweise "Sieben" oder "Resurrection - Die Auferstehung" wartet Regisseur Joon-ho Bong hier mit einer eher beschaulichen und ruhigen Erzählstruktur auf, die aber auch ohne großartige Gewaltdarstellungen eine hohe Intensität freisetzt, die sich ganz unweigerlich auch auf den Zuschauer überträgt. Freunde härterer Passagen werden hier nicht auf ihre Kosten kommen, denn wohlweislich hat man auf explizite Gewaltdarstellungen verzichtet, so das der Anblick der toten Frauen schon das Härteste ist, was diese Geschichte zu bieten hat. Vielmehr entfaltet sich die wahre Härte im Kopf des Zuschauers, wenn man die Taten des Mörders durch die Schilderungen der ermittelnden Beamten zu hören bekommt. Das mag nun auf viele Leute einen eher langweiligen Eindruck entstehen lassen, wer aber nicht ausschließlich auf visuelle Gewalt geeicht ist, wird die vorhandene Klasse dieses intensiven Thrillers ziemlich schnell erkennen und so mit einem hochklssigen Filmerlebnis belohnt, das gerade durch seine ruhige Erzählstruktur eine ungeheuer starke Faszination freisetzt.

Zu Beginn des Filmes wird man dabei sogar mit einigen witzig erscheinenden Momenten konfrontiert, die eher unfreiwillig komisch wirken und so ziemlich jedes Klischee bedienen, das man sich nur vorstellen kann. Ereignet sich die Mordserie doch in einer ländlichen Gegend und die ortsansäßigen Ermittler fallen hauptsächlich durch äusserst stümperhafte Ermittlungsarbeit auf. Allein schon die Spurensicherung wird dabei so dilletantisch dargestellt das man es kaum glauben kann. Wenn man dann noch die Verhörmethoden der Beamten dazunimmt, wird die Klischeebehaftung der Geschichte so richtig deutlich, wirkt aber andererseits vollkommen authentisch und glaubwürdig. Da werden Verdächtige auch gern einmal mit illegalen Methoden dazu gebracht, ein falsches Geständnis abzulegen und man ist sogar noch stolz darauf, einen mutmaßlichen Täter präsentieren zu können. Dieser Zustand ändert sich erst, als ein Inspektor aus Seoul dazukommt, der mithelfen möchte, diesen Fall aufzuklären. An dieser Stelle offenbart sich dann die meiner Meinung nach größte Stärke des Filmes, wird der Focus doch hauptsächlich auf die vollkommen unterschiedlichen Ermittlungsmethoden gelegt, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Während die ortsansäßigen Ermittler nun fast ausschließlich auf illegale Mittel zurückgreifen und zumeist nach ihrem Bauchgefühl handeln, verlässt sich der Inspektor aus der Großstadt auf logische Gedankengänge und geht die Ermittlungen sachlich an.

Besonders interessant erscheint dieser Aspekt vor allem, da sich die verschiedenen Herangehensweisen an den Fall zum Ende hin fast vollkommen umkehren, was in den letzten Minuten der Geschichte ganz besonders gut zum Ausdruck gebracht wird. Doch auch die Beziehung der Beamten untereinander ist ein wesentlicher Bestandteil des Geschehens, da es auch immer wieder zu Meinungsverschiedenheiten und teilweise sogar zu öffentlichen Feindseligkeiten kommt. Im Prinzip kommt hier aber nur der immense Druck zum Vorschein, unter dem die Männer stehen und die Hilflosigkeit der Behörden erhält ein Gescicht, da an den Tatorten nie auch nur die kleinsten Spuren gefunden werden. Und so fallen immer mehr Frauen dem Serienmörder zum Opfer, der seine Taten lediglich in regnerischen Nächten begeht und auch nur, wenn vorher im Radio ein bestimmter Song gespielt wurde. Auf diese Zusammenhäge kommt man eher zufällig, doch scheint man nun eher durch einen glücklichen Zufall dem wirklichen Täter auf die Spur zu kommen. Dessen Identität ist aber eigentlich gar nicht so wichtig für die Geschichte und so wird diesem Punkt auch nicht die größte Aufmerksamkeit gewidmet. Man bekommt keinerlei Motive geliefert und obwohl man am Ende ganz genau weiss wer der Mörder ist, bekomm tman keine hundertprozentige Bestätigung dafür. Denn eine am letzten Opfer gefundene Spermaspur ist nicht identisch mit der DNA des Verdächtigen. Den DNA-Test musste man sogar in den USA vornehmen, da zur damaligen Zeit in Südkorea solche Tests noch nicht durchgeführt werden konnten.

"Memories of Murder" ist sicherlich ein Thriller, der längst nicht jeden Geschmack treffen wird. Wer einen äusserst temporeichen und actiongeladenen Vertreter erwartet, der wird in diesem Fall wohl weniger auf seine Kosten kommen. Wer allerdings eine bedächtige Erzählweise zu schätzen weiss, in der sich die aufkommende Spannung eher langsam aufbaut, der sollte sich dieses Werk keinesfalls entgehen lassen. Langsam aber sicher kriecht einem das Geschehen richtig unter die Haut und bis zur letzten Minute ist man der von der Geschichte ausgehenden Faszination ausgeliefert. Zu guter Letzt noch ein paar Worte zu den darstellerischen Leistung, die ausnahmslos als hervorragend bezeichnet werden können. In diesem Punkt bewegt sich das Werk auf einem äusserst hohen Niveau, denn bis in die kleinsten nebenrollen ist die Geschichte absolut perfekt besetzt und es gibt auch nicht den kleinsten Ansatz für negative Kritik. Letztendlich hat Joon-ho Bong wirklich alles richtig gemacht und einen fantastischen Thriller mit Serienkiller-Thematik abgeliefert, der sich zwar ganz erheblich von den üblichen Genre-Kollegen unterscheidet, dies aber auf eine angenehme und wohlwollende Art tut.


Fazit:


"Memories of Murder" legt sein Hauptaugenmerk auf ganz andere Dinge, als wie man es ansonsten in den meisten Vertretern dieser Art zu sehen bekommt. Keinerlei explizite Gewaltdarstellungen, keine Motive des Täters und auch keine temporeiche Erzählweise des Geschehens, vielmehr stehen hier grundverschiedene Ermittlungsmethoden und schauspielerische Glanzleistungen im Vordergrund. Zudem ist es auch besonders interessant, die vorherrschende Hilflosigkeit der Beamten zu beobachten, die größtenteils noch nicht einmal die nötigen Hulfsmittel besitzen, um einen solchen Fall auch gewissenhaft und lückenlos aufzuklären, was sogar einen leicht bitteren Beigeschmack hinterlässt. Auf jeden Fall kann man für diesen Film eine unbedingte Empfehlung aussprechen, wird der Zuschauer doch mit äusserst hochwertiger Thrillerkost belohnt, die man sich nicht entgehen lassen sollte.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Koreanisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,85:1 (16:9)
Laufzeit: 132 Minuten
Extras: Trailer, Trailershow, Exklusives Booklet


8/10

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