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 Betreff des Beitrags: Moebius, die Lust, das Messer (2013)
BeitragVerfasst: 26. Mär 2014, 10:28 
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Moebius, die Lust, das Messer
(Moi-bi-woo-seu)
mit Jae-hyeon Jo, Eun-woo Lee, Young-ju Seo
Regie: Ki-duk Kim
Drehbuch: Ki-duk Kim
Kamera: Ki-duk Kim
Musik: keine Information
keine Jugendfreigabe
Südkorea / 2013

Die Mutter hat den Vater beim Seitensprung ertappt. Außer sich vor Wut sinnt sie auf Rache, greift zum Küchenmesser. Doch Vater ist stärker, hält sie sich vom Leib. Da betritt die Mutter stattdessen das Zimmer des schlafenden Sohnes und kastriert ihn. Nun sind alle verzweifelt: Die Mutter wird/bleibt verrückt, der Sohn gerät zum gesellschaftlichen Außenseiter, und der Vater fühlt sich schuldig, sucht nach Abhilfe. Im Internet erfährt er, dass auch Schmerz zu sexueller Erregung führen kann. Das wäre doch was für seinen Sohn.


Schon mit seinem letzten Film "Pieta" bescherte uns Südkoreas "Enfant Terrible" Ki-duk Kim Filmkost die unter die Haut geht, doch mit seinem neuesten Werk "Moebius, die Lust, das Messer" setzt der Regisseur noch einmal eine Spitze drauf. Schon die Inhaltsangabe der Geschichte deutet dabei an das man es hier sicherlich nicht mit dem üblichen Mainstream zu tun bekommt, doch was einem dann in den gut 81 Minuten Netto-Laufzeit wirklich erwartet, ist ein kontroverses Drama das einen extrem nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis hinterlässt. Im Prinzip eröffnet sich ein Szenario, in dem Schmerz, Lust und Sexualität durchgehend im Fokus der Ereignisse stehen und eine enorme Gewaltspirale freigesetzt wird, die dem Zuschauer phasenweise wirklich die Sprache verschlägt. Die Sprachlosigkeit des Ganzen ist ganz generell der herausragende Aspekt der Geschichte die nämlich gänzlich ohne jegliche Dialoge auskommen muss, denn Ki-duk Kim konfrontiert den Betrachter vielmehr durch eine immense Bildgewalt und lässt seine Protagonisten durch eine hervorstechende Mimik brillieren, als das sie einen eventuell durch zu viele Worte langweilen könnte. Durch diesen genialen Schachzug wird dem Film eine fast schon brachiale Note verliehen, denn man taucht immer tiefer in das streckenweise schon grotesk anmutende Szenario ein, das eine äußerst hohe Intensität freisetzt der man sich beim besten Willen nicht entziehen kann. Grausam und absolut schockierend erscheinen einem die Bilder die lediglich von ein wenig Musik und diversen Lauten der Darsteller untermalt sind, wobei diese entweder im Bereich von Lust oder aber Schmerz angesiedelt sind.

Manch einem mag das eventuell stark gewöhnungsbedürftig erscheinen, doch gerade durch die fehlenden Dialoge kann "Moebius, die Lust, das Messer" seine volle Kraft entfalten und stark in das Unterbewusstsein des Zuschauers vordringen, der sich die ganze Zeit über nicht gerade wohl in der eigenen Haut fühlt. Zudem sorgen die wenigen Darsteller durch ihre brillante Mimik dafür, das man ziemlich tief in die Gefühlswelt der jeweiligen Figuren eintauchen kann, die sämtliche Facetten der Emotions-Palette anbietet. Nun könnte man schnell zu dem Eindruck gelangen, das doch ein Film ohne jegliche Wortwechsel auf die Dauer ziemlich anstrengend oder gar langweilig daher kommt, doch weder das eine noch das andere ist in vorliegendem Fall zutreffend. Viel zu sehr nimmt einen das Gesehene mit und im Laufe der Zeit merkt man kaum noch, das während der gesamten Ereignisse nicht ein einziges Wort gesprochen wird. Zu ausdrucksstark und intensiv sind doch allein schon die Blicke der Protagonisten, die dabei weitaus mehr ausdrücken, als jeder Dialog es tun könnte. Die gewaltige Bildsprache tut ihr Übriges um den Eindruck zu verstärken, das Worte an dieser Stelle sogar überflüssig wären und den brachialen Gesamteindruck dieses Dramas sogar nur zerstören würden. Ki-duk Kim hat mit diesem Werk wirklich ein verstörendes und brutales Stück Film geschaffen und obwohl die visuelle Härte zumeist lediglich angedeutet wird, setzt sich das Gesehene unauslöschlich im Gehirn fest.

Die extreme Härte der Ereignisse entfaltet sich hauptsächlich auf der psychischen Ebene, denn die unzähligen Andeutungen körperlicher Gewalt setzen eine Härte im Kopf des Betrachters frei, die einem selbst äußerst schwer zu schaffen macht. Dies kommt besonders in den schmerzvollen Passagen des Filmes immer wieder vermehrt zum Ausdruck und so leidet man auch selbst mit den jeweiligen Charakteren mit. Schmerz und Lust sind dabei die Elemente die hier untrennbar miteinander verbunden sind und in so mancher Szene vermeint man die Schmerzen körperlich selbst zu verspüren. Das ist ein untrügliches Indiz dafür, wie tief man in das Geschehen eintaucht und wie sehr einem die Ereignisse zusetzen. Dabei eröffnet sich eine Mischung aus Faszination und Grausamkleit, die phasenweise dann auch noch mit dem puren Wahnsinn Hand in Hand geht und einem so fast schon die Luft zum atmen nimmt. Ich weiß nicht wie es anderen bei der Sichtung dieses Filmes ergangen ist, aber mich persönlich hat in letzter Zeit kaum ein Film so sehr beeindruckt, wie es bei "Moebius, die Lust, das Messer" der Fall war. Jenseits des üblichen Mainstreams angesiedelt wird hier eine Geschichte erzählt, die ausschließlich durch ihre Bildgewalt und die hervorstechende Mimik ihrer Darsteller eine solch immense Kraft freisetzt, das man sich die ganze Laufzeit über wie erschlagen fühlt.

Dem Zuschauer eröffnet sich eine Welt der Perversion, in der sämtliche moralischen Grundsätze ad Absurdum geführt werden. Gerade letzterer Punkt kommt eindrucksvoll im letzten Drittel der Geschichte zum Ausdruck und man ist hin-und her gerissen zwischen der Genialität eines Regisseurs und dem unverhohlenem Wahnsinn der sich einem entgegenstellt. Sicherlich handelt es sich in vorliegendem Fall um eine Story, die die Meinungen spalten wird, denn jedem wird das Gesehene ganz bestimmt nicht gefallen. Wie dem aber auch sei, Freunden kontroverser Filme dürfte an dieser Stelle ein wahres Fest bevorstehen, denn "Moebius, die Lust, das Messer" stellt ein absolut außergewöhnliches Film-Erlebnis dar, das man sich keinesfalls entgehen lassen sollte. Und so sollte man sich selbst einen Eindruck über die polarisierende Geschichte machen die sich hier offenbart und die ganz sicher einen nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis des Betrachters hinterlässt. Man braucht eine geraume Zeit um sich nach der Sichtung erst einmal wieder ein wenig zu erholen, sollte jedoch im Endeffekt zu einem überragendem Gesamteindruck eines Werkes gelangen, das man in einer solchen Form wohl eher selten zu sehen bekommt. Mir persönlich hat das Szenario einen unvergesslichen Eindruck beschert und ich kann nur eine dicke Empfehlung für all jene aussprechen die auch gern einmal etwas sehen möchten, das nicht dem üblichen Mainstream entspricht.


Fazit:


Einmal mehr hat Regisseur Ki-duk Kim sein feines Händchen für das Außergewöhnliche unter Beweis gestellt und sein neuestes Werk zählt definitiv zu jenen, die man nicht so schnell vergessen wird. Ein Film der unter die Haut geht und durch die psychische Komponente eine Wucht entfacht die einem selbst fast körperliche Schmerzen beschert. Grandios agierende Schauspieler und eine hervorragende Kameraarbeit machen diesen Film zu einem wahren Erlebnis, das definitiv sichtbare Spuren hinterlässt.


9/10


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