Unsere kleine Filmwelt

Die bunte Welt des unterschlagenen Films
Aktuelle Zeit: 3. Dez 2016, 01:19

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde





Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 1 Beitrag ] 
AbonnentenAbonnenten: 0
LesezeichenLesezeichen: 0
Zugriffe: 367

AutorNachricht
 Betreff des Beitrags: MR 73 (2008)
BeitragVerfasst: 22. Feb 2014, 11:25 
Offline
Forum Admin
Benutzeravatar

Registriert: 12.2012
Beiträge: 2732
Geschlecht: männlich
Bild




MR 73 - Bis dass der Tod dich erlöst
(MR 73)
mit Daniel Auteuil, Olivia Bonamy, Catherine Marchal, Francis Renaud, Gerald Laroche, Guy Lecluyse, Philippe Nahon, Clement Michu, Moussa Maaskri, Christian Mazucchini, Louise Monot, Maxim Nucci, Christine Chansou, Mireille Viti, Camille Ramos
Regie:Olivier Marchal
Drehbuch: Olivier Marchal
Kamera: Denis Rouden
Musik: Bruno Coulais
FSK 16
Frankreich / 2008

Der vom Leben schwer gebeutelte Kommissar Schneider entführt im Suff einen Linienbus, was ihm die Degradierung an den Schreibtisch fort von den Ermittlungen in einem Serienkiller-Fall einbringt. Seinen Instinkt hat das Alkoholwrack dennoch nicht verloren: Als ein sadistischer Sexualmörder aufgrund seines vorgeblichen Sinneswandels freikommt, wendet sich Justine, die traumatisierte Überlebende seines letzten Massakers, hilfesuchend an Schneider. Der entdeckt, dass entscheidende Beweise verschwanden.


Wer bei "MR 73" einen knallharten und vor allem actiongeladenen Cop-Thriller erwartet, der wird hier sicherlich nicht auf seine Kosten kommen, denn das Werk von Regisseur Olivier Marchal ist doch vielmehr ein Drama, dessen Hauptaugenmerk ganz eindeutig auf die Hauptfigur Schneider gerichtet ist, dessen verkrachte Existenz den Löwenanteil der Geschichte einnimmt. So führen auch die verschiedenen Erzählstränge des Filmes im Endeffekt alle wieder zum genannten Hauptcharakter, der von Daniel Auteuil einfach nur brillant dargestellt wird. Marchal setzt in seiner Story auf mehrere kleine Erzählstränge, so dreht sich das Geschehen beispielsweise um eine aktuelle Mordserie, gleichzeitig wird ein 25 Jahre zurückliegender Doppelmord inclusive des damaligen Täters und einer Überlebenden thematisiert und auch die illegalen Machenschaften innerhalb der Polizei nehmen einen gewissen Teil der Story ein, die aber letztendlich die Figur des vollkommen zerstörten Polizisten Schneider in den Vordergrund rückt, der an seinem Schicksal gänzlich zu zerbrechen droht.

Die aktuellen Morde und der weit zurückliegende Fall nehmen hier nicht mehr als den Stellenwert eines Nebenerzählstranges ein, so das auch der aktuelle Mörder recht schnell gefasst wird und dessen identität eher nebensächlich erscheint. Vielmehr die in Schneiders Polizei-Truppe vorherrschenden Machenschaften aus Korruption und Intrigen sind wichtig für den Story-Plot, ist es doch anscheinend das Ansinnen seiner Kollegen, ihm den endgültigen Todesstoß zu versetzen. Wenn man die Lebensumstände des alkoholkranken Polizisten sieht und dann noch das Verhalten der meisten Kollegen berücksichtigt, dann kommt selbst beim Zuschauer eine fast schon depressive Stimmung auf. Und insbesondere diese Stimmung wohnt auch ganzzeitig den geschehnissen bei, hat Olivier Marchal es doch erstklassig verstanden, durch kalte und trostlose Bilder eine düstere Atmosphäre zu schaffen, die einem wirklich auf das Gemüt schlagen kann. Das gesamte Szenario ist dabei von einer solch starken Tristesse durchzogen, das man selbst den Zustand von Hoffnungslosigkeit fast körperlich spüren kann.

Wie ein bleierner Mantel legt sich die deprimierende Grundstimmung auf die Schultern des Betrachters, der die Auswegslosigkeit aus Schneiders Situation durchaus erkennt und ziemlich schnell erahnen kann, das die Ereignisse kein gutes Ende nehmen werden. Immer mehr verschmelzt man dabei mit der Figur eines Mannes, der durch einen Unfall alles verloren hat, was ihm lieb und teuer war. Seine kleine Tochter ist bei diesem Unfall gestorben und seine Frau vegetiert in einem Krankenhaus viel eher vor sich hin, als das man ihren Zustand als echtes Leben bezeichnen könnte. Das Schauspiel von Daniel Auteuil ist in diesem Film der absolute Höhepunkt, denn nur selten erlebt man einen Schauspieler, der sich so intensiv in eine Rolle hineinversetzen kann, wie es hier der Fall ist. Seine Mimik und Gestik verleihen dem von ihm dargestellten Charakter dabei ein solch hohes Maß an Glaubwürdigkeit und Authenzität, das eigentlich zu keiner Zeit der Eindruck entsteht, das man es überhaupt mit Schauspiel zu tun hat. Ohne Übertreibung kann man wohl behaupten, das eine Figur hier richtiggehend gelebt wird, was für den gewonnenen Gesamteindruck von der Geschichte alles andere als unerheblich ist.

Auch wenn Auteuil ganz sicher herausragt, muss man doch dem gesamten Darsteller-Ensemble ein großes Kompliment aussprechen, jeder einzelne Charakter wird grandios und extrem glaubhaft dargestellt, wodurch der realistische Eindruck der Geschehnisse noch zusätzlich hervorgehoben wird. Da macht es dann eigentlich auch gar nichts aus, das dieses Werk so gut wie gar keine Action enthält, die meiner Meinung nach der Dramaturgie der Geschichte sogar eher geschadet hätte, als das sie dem Film insgesamt zu Gute gekommen wäre. Man muss halt nur von Beginn an wissen, auf welche Art von Film man sich hier einlässt und sich nicht von der Inhaltsangabe täuschenlassen, die eventuell vollkommen falsche Hoffnungen wecken könnte. Es handelt sich ganz eindeutig um ein Krimi-Drama, dessen Focus auf einer äusserst tiefen und gelungenen Charakterzeichnung seiner Hauptfigur liegt. Vielen mag das vielleicht nicht genügen, doch wenn man deswegen auf dieses Werk verzichtet, dann wird man nie erfahren, welch fantastischer Film einem da entgangen ist.

Besonders erwähnenswert ist auch der verwendete Schlußpunkt, in dem die vorherrschende und sehr deprimierende Grundstimmung ihren absoluten Höhepunkt erreicht. man sollte an dieser Stelle nicht zuviel verraten, aber ein Happy End sieht doch entschieden anders aus. So versetzt einem das gewählte Ende noch einmal einen zusätzlichen Tiefschlag, den man zwar im Prinzip vorhersehen kann, der aber genau passend gewählt wurde und eine Geschichte abrundet, die dem Zuschauer doch merklich unter die haut geht und auch einen äußerst nachhaltigen Eindruck in dessen Gedächtnis hinterlässt.


Fazit:


"MR 73" ist meiner persönlichen Meinung nach einer der düstersten und atmosphärischsten Filme, die man gesehen hat. Auch wenn dieses Werk bestimmt nicht jeden Geschmack treffen dürfte, ist es auf jeden Fall eine absolute Empfehlung für Freunde tiefgehender Charakterzeichnungen. Dabei entfaltet die Story ein immenses Maß an Intensität, das hauptsächlich durch das Schicksal der Hauptfigur ausgelöst wird. Düstere und kalte Bilder sowie eine deprimierende Tristesse tun ihr Übriges, um dem Betrachter ein erstklassiges Filmerlebnis zu bereiten, das man nicht so schnell wieder vergisst.


8,5/10

_________________
Bild

Bild Big Brother is watching you


Nach oben
 Profil Besuche Website  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 1 Beitrag ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
Gehe zu:  
© phpBB® Forum Software | phpBB3 Forum von phpBB8.de
» Kontakt & Rechtliches Support / Hilfe Forum Gooof Webdesign Kostenloses Forum Dein Forumo Forum web tracker