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Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Betreff des Beitrags: Die Teuflischen von Mykonos (1975)
BeitragVerfasst: 30. Nov 2015, 18:04 
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Die Teuflischen von Mykonos
(Ta Pedhia tou dhiavolou)
mit Robert Behling, Jane Lyle, Jessica Dublin, Gerard Gonalons, Jannice McConnell, Ray Richardson, Marios Tartas, Efi Bani, Clay Half, Jeremy Rousseau, Elizabeth Spader, Nikos Tsachiridis, Mike Murtagh, John Blackman
Regie: Nico Mastorakis
Drehbuch: Nico Mastorakis
Kamera: Nikos Gardelis / Nico Mastorakis
Musik: Nikos Lavranos
SPIO/JK
Griechenland / 1975

Das junge Pärchen Celia und Christopher begibt sich zum Urlaub auf die idyllische griechische Insel Mykonos. Allerdings sind die beiden keine alltäglichen Touristen: Christopher scheint von dem Gedanken beseelt, Mykonos von allen „Perversen“ zu säubern. Und da sich auch Celia mit dieser Idee anfreunden kann, beginnen beide bereits kurz nach der Ankunft mit der Säuberung der Insel. Gefahr droht dabei allerdings nicht nur von Seiten der Polizei, die dem mordenden Pärchen schon länger auf den Fersen ist – auch auf Mykonos selber ist nicht alles so hell und strahlend wie die ständig scheinende Sonne und die weißen Häuser…


Es gibt definitiv immer wieder Filme, die man auf gar keinen Fall nach der inhaltlichen Substanz ihrer Geschichte bewerten darf. Ganz eindeutig dürfte auch die vorliegende Low Budget Produktion von Nico Mastorakis aus dem Jahr 1975 dazu zu zählen sein, der durchgehend keinen wirklichen Leitfaden durch die Geschichte erkennen lässt. Das macht aber ehrlich gesagt rein gar nichts, denn laut eigenen Angaben hat Mastorakis dieses Werk sowieso nur wegen des Geldes gedreht und wollte dabei gleichzeitig den brutalsten Film aller Zeiten in Szene setzen. Nun gut, Letzteres ist ihm sicherlich nicht gelungen, doch gerade zur damaligen Zeit dürfte "Die Teuflischen von Mykonos" ein echter Hammer gewesen sein, beschäftigt sich das Geschehen doch mit so ziemlich jedem Tabu Thema, das man sich in der Mitte der 70er Jahre nur vorstellen konnte. Dabei reihen sich Themen wie Homosexualität, Vergewaltigung, Inzest, oder auch Sodomie fröhlich aneinander, wobei damit nur einige der zur Schau gestellten Perversionen genannt sind. Im Mittelpunkt des Ganzen steht dabei das Geschwisterpaar Celia und Christopher, die sich nach ihrer eigenen Ansicht als Engel Gottes ansehen und in dessen Auftrag die Welt von allen perversen Menschen befreien wollen. Da sie aufgrund diverser Verbrechen schon in Amerika gesucht werden, haben sich die beiden nun die griechische Insel Mykonos zur Säuberung auserkoren und dezimieren dabei deren Einwohnerzahl ganz erheblich.

Fast makaber erscheint dieser Umstand unter der Prämisse, das die beiden Geschwister selbst ein inzestiöses Verhältnis zueinander pflegen, das ihrer Ansicht nach aber witzigerweise vollkommen normal zu sein scheint. Dieser Aspekt lässt das Szenario noch kontroverser erscheinen als es von Haus aus schon ist, denn diese selbstgerechte und anmaßende Differenzierung der Dinge verleiht den Abläufen einen zusätzlich schalen Beigeschmack. Andererseits wirkt es streckenweise so, das die beiden wirklich von dem überzeugt sind was sie anderen antun, aber gleichzeitig niemals ihr eigenes abnormes Verhalten in Frage stellen. Trotz des eher maximal durchschnittlichen Schauspiels der Akteure schimmert dieser Punkt immer wieder durch und lässt so auch eine stark beklemmende Grundstimmung aufkommen, die sich im Prinzip durch den gesamten Film zieht und den Zuschauer voll in Beschlag nimmt.

Wie schon kurz erwähnt gibt "Die Teuflischen von Mykonos" rein inhaltlich nicht sonderlich viel her, wirkt das Ganze doch aus der Sicht des Betrachters nicht anders als die pure Aneinanderreihung von brutaler Gewalt und sämtlicher Perversionen, die man sich nur vorstellen kann. Gerade darin liegt aber die große Stärke des Werkes begründet, das auch in der heutigen Zeit rein gar nichts von seinem teils verstörenden Eindruck verloren hat. Gleichzeitig schwingt hier auch noch eine nicht zu übersehende blasphemische Note mit, denn wenn das Geschwisterpaar in diversen Dialogen immer wieder betont im Namen Gottes zu handeln, kommt hier eine unverhohlene Gotteslästerung zum Ausdruck. Diese Dinge hat Mastorakis trotz eines ganz offensichtlich geringen Budgets erstklassig in den Fokus seiner Erzählung gerückt, die äußerst extrem und intensiv auf den Zuschauer einwirkt. Der Film soll schockieren und dieses Ziel wird auch keinesfalls verfehlt, denn man stellt sich ganz unweigerlich die ganze Zeit über die Frage, wie Menschen dazu in der Lage sein können, andere Menschen für etwas zu bestrafen, das sie zumindest teilweise selbst praktizieren.

Aus rein filmischer Sicht ist "Die Teuflischen von Mykonos" ganz bestimmt alles andere als ein Meisterwerk, dafür handelt es sich jedoch um ein äußerst kontroverses Szenario, das definitiv zu den besten Exploitations Filmen zu zählen ist. Die extrem harte Wirkung der Ereignisse gibt sich dabei eher selten in visueller Hinsicht zu erkennen, denn die wirklich harten Passagen werden zumeist nur in Ansätzen gezeigt. Das macht aber gar nichts, denn dadurch wird erst die Fantasie des Betrachters so richtig in Wallung gebracht, wodurch sich ganz automatisch eine immer stärker ansteigende Gewaltspirale in dessen Kopf in Gang setzt. Wer also in der Hauptsache auch Mainstream gebürstet ist sollte gar nicht erst zum gerade erschienenen Mediabook von OFDB Filmworks greifen, andererseits dürften die Liebhaber von Exploitation und kontroversen Filmen geradezu begeistert sein.


Fazit:


Dank OFDB Filmworks ist dieser verstörende Klassiker nun endlich auch auf Blu-ray zu bewundern. Dabei kann man entweder zur einzelnen Scheibe greifen, oder gönnt sich auch gern einmal eines der beiden sehr schön aufgemachten Mediabooks, die den Film auf Blu-ray wie auch auf DVD enthalten und gleichzeitig auch noch mit einem informativen Booklet sowie sehenswerten Extras ausgestattet sind. Lohnenswert erscheint eine Anschaffung auf jeden Fall für all jene, die auch gern einmal über den Tellerrand hinaus schauen und einen sehr kontroversen Beitrag zu schätzen wissen.


9/10


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