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 Betreff des Beitrags: Drecksau - Es ist Zeit, versaut zu sein (2013)
BeitragVerfasst: 28. Feb 2014, 12:38 
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Drecksau - Es ist Zeit, versaut zu sein
(Filth)
mit James McAvoy, Jamie Bell, Imogen Poots, Joanne Froggatt, Shirley Henderson, Jim Broadbent, Eddie Marsan, Martin Compston, Iain De Caestecker, Emun Elliott, Pollyanna McIntosh, Kate Dickie, Shauna Macdonald
Regie: Jon S. Baird
Drehbuch: Jon S. Baird / Irvine Welsh
Kamera: Matthew Jensen
Musik: Clint Mansell
FSK 16
Belgien / Großbritannien / Deutschland / Schweden / USA / 2013

Der Edinburgher Inspektor Bruce Robertson ist korrupt bis ins Mark. Da er kurz vor einer Beförderung steht, begeht der heillos Drogen- und Sexsüchtige freiwillig jede verwerfliche Schandtat. Ihm geht es weniger darum, den brutalen Mord an einem Asiaten aufzuklären, sondern vielmehr, mit gezielten Intrigen konkurrierende Kollegen auszuschalten, und das direkt vor der Nase seines Chefs Toal. Während er jedes schmutzige Geheimnis seiner Abteilung nutzt, ahnt niemand, dass ihn Frau und Kind verlassen haben. Unterdessen driftet Robertson in unkontrollierten Drogenwahn.


Wohl eher selten war ein deutscher Filmtitel so zutreffend wie in vorliegendem Fall, denn Inspektor Robertson ist im wahrsten Sinne des Wortes eine echte Drecksau. Vom Charakter her meint man deshalb auch diverse Parallelen zu einem echten "Bad Lieutenant", denn die Hauptfigur tut nun wirklich alles, um seinem fragwürdigen Ruf gerecht zu werden. Alkohol, Drogen, Sex und etliche Intrigen stehen dabei im Mittelpunkt einer Charakter-Beleuchtung, die zum Ende der Geschichte hin noch eine fast tragische Beinote erhalten soll. In den ersten gut 60 Minuten verläuft die Story hauptsächlich in die Richtung einer typisch britischen Komödie, wobei der hier zur Schau gestellte Humor sicherlich nicht jeden Geschmack treffen wird. Pechschwarz, voller Sarkasmus und mit einem Hauch Zynismus ausgestattet offenbart der Plot jedoch unzählige Momente, in denen der Zuschauer sich ein Lachen definitiv nicht verkneifen kann. Das liegt streckenweise auch an der absolut brillanten Situationskomik, die an etlichen Stellen schon grotesk-absurde Formen annimmt, aber auch die äußerst bissigen-und deftigen Dialoge tragen ihren Teil dazu bei, das man jederzeit voll auf seine Kosten kommt.

Betrachtet man einmal das Schauspiel der Akteure, so wird man hier mit absolut erstklassigen Leistungen verwöhnt, denn bis in die kleinsten Nebenrollen ist der Film nahezu perfekt besetzt. Dennoch sollte man Hauptdarsteller James McAvoy besonders hervorheben, verleiht er doch der Figur des verkommenen Polizisten eine unglaublich authentische Ausstrahlung und wenn man es nicht besser wüsste würde man doch glatt annehmen, das der gute Mann sich hier selbst spielt. Trotz seiner unzähligen negativen Eigenschaften empfindet man von Beginn an sehr viel Sympathie für den Charakter, was sich in der letzten halben Stunde des Szenarios noch einmal zusehends verstärkt, sich aber auch gleichzeitig mit einer Prise Mitleid vermischt. Insbesondere dieses letzte Drittel der Geschichte stellt aber auch gleichzeitig eine Art Stilbruch dar, denn was zuvor noch wie eine bitter-böse Komödie daher kam, nimmt letztendlich die Züge eines echten Psycho-Dramas an, was bei manchen Leuten eventuell nicht unbedingt auf Gegenliebe stoßen dürfte. Mir persönlich hat jedoch gerade dieser Umschwung äußerst gut gefallen und außerdem ist es auch beileibe nicht so, das man nicht schon vorher erahnen könnte, das der Plot noch eine rigorose Wendung nehmen würde. Regisseur Jon S. Baird ist nämlich von der ersten Minute an wohl darauf bedacht, den Betrachter mit zunehmender Spieldauer immer intensiver mit dem seelischen Zustand der Hauptfigur zu konfrontieren und dieser präsentiert sich in Form von immer stärker zum Vorschein kommenden fieberartigen Wahrnehmungsstörungen und Visionen, die so manches Mal schon an einen Film wie "Trainspotting" erinnern.

Gleichzeitig wurde aber auch nicht vergessen, das Ganze extrem humoristisch zu untermalen und so entfaltet sich immer mehr eine Art wahnsinniger Drogen-Trip, der visuell erstklassig in Szene gesetzt wurde. Der in der Inhaltsangabe erwähnte Mordfall nimmt im Geschehen dabei eine eher untergeordnete Rolle ein, denn der Fokus ist eindeutig auf Robertson und seine üblen Machenschaften, sowie seinen immer weiter entgleitenden Geisteszustand gelegt. Das ist auch gut so, denn nur so kann "Drecksau" auch seine gesamte Intensität an den Tag legen, die fast im Minutentakt immer weiter ansteigt. Man bekommt also im Prinzip einen rundum gelungenen Film geboten der nicht nur einen phasenweise starken Angriff auf die Lachmuskulatur beinhaltet, sondern ganz nebenbei auch noch exzellente Züge des Psycho-Dramas in den Vordergrund rückt. Dadurch steigt diese Produktion in meinen Augen zu etwas ganz Besonderem auf und beinhaltet eine Menge an Qualität, die dem Zuschauer förmlich ins Gesicht springt. Sämtliche Zutaten wurden absolut perfekt miteinander vermischt und das Szenario funktioniert so auch von der ersten bis zur letzten Einstellung glänzend, so das ein hochwertiger Film-Genuss vorprogrammiert ist. Natürlich sollte man eine Vorliebe für den schwarzen und bissigen Humor sein Eigen nennen, ansonsten wird man nämlich nicht sehr viel mit diesem Werk anfangen können, das doch so brillant zu unterhalten weiß.

Je nach Geschmack wird man "Drecksau" also eher verteufeln oder aber in den Himmel loben, wobei ich mich persönlich doch zur zweiten Gruppe zählen möchte. Selten habe ich in den letzten Jahren eine solch grandiose Mixtur aus Komödie, Krimi und Psycho-Drama gesehen, die trotz ihrer etlichen humorigen Phasen auch eine beeindruckende Ernsthaftigkeit an den Tag legt. Gleichzeitig wird man mit einem Haupt-Charakter bekannt gemacht den man aufgrund seines Verhaltens eigentlich hassen müsste, stattdessen aber unglaublich viel Sympathie für einen Mann empfindet, der ganz offensichtlich nicht mehr Herr seiner Sinne ist. Natürlich hat man das alles schon des Öfteren zu Gesicht bekommen, doch in vorliegendem Fall ist es ganz einfach die grandiose Umsetzung der Chose, die echte Begeisterung aufkommen lässt. "Drecksau" ist zynisch, brillant und trieft nur so vor pechschwarzem Humor, bietet aber auch gleichzeitig eine intensive Charakter-Studie eines verwirrten Menschen, der dem Alkohol und den Drogen verfallen ist. Diese Kombination ist es dann auch letztendlich, die aus einem guten Film einen überragenden macht und das ist hier meiner Meinung nach definitiv der Fall.


Fazit:


"Drecksau" trägt seinen deutschen Titel nicht umsonst, macht der Hauptdarsteller diesem Namen doch jede Menge Ehre. Grandioses Schauspiel, jede Menge Witz-und Charme, sowie eine grandiose Umsetzung dieser Geschichte sind in meinen Augen mehr als genügend Gründe, um eine ganz dicke Empfehlung für diese herausragende Produktion auszusprechen, die man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.


9/10

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