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Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Betreff des Beitrags: Fando & Lis (1967)
BeitragVerfasst: 27. Feb 2014, 13:50 
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Fando & Lis
(Fando y Lis)
mit Sergio Kleiner, Diana Mariscal, María Teresa Rivas, Tamara Garina, Juan José Arreola, Rene Rebetez, Amparo Villegas, Miguel Álvarez Acosta, Raul Romero, Julio Castillo, Adrián Ramos, Henry West, Luis Urias
Regie: Alejandro Jodorowsky
Drehbuch: Fernando Arrabal / Alejandro Jodorowsky
Kamera: Rafael Corkidi / Antonio Reynoso
Musik: Mario Lozua / Hector Morely / Pepe Ávila
keine Jugendfreigabe
Mexiko / 1967

Fando und seine schwer kranke Geliebte Lis machen sich auf eine Reise in die geheimnisvolle Stadt Tar, wo sie Linderung für ihre Leiden zu finden hoffen. Unterwegs begegnen sie vielen skurrilen Gestalten.


Alejandro Jodorowsky zählt wohl ganz eindeutig zu der Gruppe von Regisseuren, deren Filme alles andere als leicht verdaulich sind. Gleich in seinem Spielfilm-Debüt "Fando & Lis" wird dies mehr als eindrucksvoll unter Beweis gestellt, denn was sich in der kurzen Inhaltsangabe noch recht simpel und überschaubar anhört, gestaltet sich von der ersten Minute an als extrem bizarrer Bilderrausch, in dem sicherlich nicht jeder einen wirklichen Sinn erkennen kann. In seiner episodenartigen Erzählweise präsentiert der Film rein optisch fast schon wie ein Road Movie, in dem zwei Menschen durch eine steinige-und vollkommen zerstörte Einöde wandern und dabei die sagenumwobene Stadt Tar suchen, die einem Ekstase, Glückseligkeit und die Linderung aller Leiden verspricht. Durch diese kurze Beschreibung wird gleichzeitig deutlich, das dieses Werk über ziemlich stark ausgeprägte Fantasy-Elemente verfügt, die auch durchgehend immer wieder äußerst stark in Erscheinung treten. Dennoch sind damit noch längst nicht alle Elemente der verschiedensten Genres aufgezählt, aus denen sich "Fando & Lis" zusammensetzt und aufgrund dessen einen sehr wilden und undurchsichtigen Genre-Flick an den Tag legt, bei dem man sich im Prinzip erst gar nicht die Mühe machen sollte, einen echten Sinn in den Ereignissen zu erkennen. Jodorowsky hantiert nämlich vielmehr mit unzähligen Anspielungen auf die unterschiedlichsten Dinge und setzt dabei ganz eindeutig auf die Fantasie des Zuschauers, der hier seine ganz eigene Interpretation finden muss, um die Abläufe auch nur annähernd erklären zu können. Im Vordergrund stehen dabei Dinge wie Missbrauch, unzählige sexuelle Anspielungen und Gewalt, wobei diese Themen auch noch durch Rückblenden in die Kindheit der beiden Hauptfiguren unterstützt werden.

Die Umsetzung des Ganzen ist von Jodorowsky bewusst provokativ umgesetzt worden und als Betrachter der Szenerie muss man sich dabei mit bizarren Bildfolgen und Gestalten auseinandersetzen. Das fällt an etlichen Stellen gar nicht einmal so leicht, versucht man doch einige Male vergeblich den wirklichen Sinn der ganzen Chose zu erkennen, denn in etlichen Passagen erscheinen die Geschehnisse schon beinahe kryptisch und erschweren das Verständnis für die Zusammenhänge doch zusehends. So ist man dann auch oft genug auf eigene Vermutungen angewiesen, um sich in seinem Kopf die Bedeutung der unzähligen Anspielungen zu machen, die doch auf den ersten Blick kaum nachvollziehbar erscheinen. Man merkt also das es sich in vorliegendem Fall um alles andere als einen typischen Mainstreambeitrag handelt, denn "Fando & Lis" ist wohl einer der außergewöhnlichsten und gewöhnungsbedürftigsten Filme, die man in seinem leben zu sehen bekommt. In diesem Punkt liegt jedoch auch gleichzeitig die größte Stärke dieses wirren-und streckenweise konfusen Szenarios, dessen Bedeutung der eigene Verstand nur schwerlich erkennen kann. Die surrealen Elemente prasseln streckenweise dermaßen auf einen ein das man sich schon fast erschlagen fühlt und man braucht auch gleichzeitig eine geraume Zeit, um diesen Film erst einmal so richtig sacken zu lassen.

Es ist sicherlich absolut nachvollziehbar, wenn etliche Leute rein gar nichts mit dieser Geschichte anfangen können, kommt es doch auch ganz eindeutig auf den persönlichen Geschmack an. Doch selbst wenn man ein Liebhaber des außergewöhnlichen Filmes ist offenbart sich hier ein echter Spagat zwischen Genie und Wahnsinn, den man nicht alle Tage zu sehen bekommt. Gleichzeitig zeigen sich auch etliche skurril anmutende Momente, so wird man beispielsweise mit Menschen konfrontiert, die in mitten der trostlosen Einöde und in vollkommen zerstörten Städten edel gekleidet einem Tanzvergnügen nachgehen. Als wenn das alles zusammen genommen nicht schon genug an bizarren Eindrücken wäre, hat Jodorowsky aber auch noch dezente Einflüsse des Horrorfilms einfließen lassen, indem er den Zuschauer auch mit diversen Untoten konfrontiert, so das man kurzerhand auch schnell einmal den Eindruck erlangen kann, das man sich in einem abstrusen Zombiefilm befindet. Wenn man dann nach der Sichtung dieses genial-wahnsinnigen Film-Tripps die Geschichte noch einmal in seinem Kopf abspielt und nach Erklärungen für das fiebrige Intermezzo sucht , erkennt man je nach Geschmack und Vorliebe schon recht deutlich, das "Fando & Lis" sehr wohl eine echte Perle des außergewöhnlichen Filmes darstellt, die unzählige revolutionäre-und provokante Stilmittel beinhaltet, die diesem Werk eine nicht zu erklärende Brillanz verleihen und es gleichzeitig zu einem echten Kunstwerk machen.

Diese Ansicht mag ganz bestimmt nicht jeder teilen, denn der Zugang zu diesem bizarren Bilderrausch ist nicht unbedingt leicht. Wenn man jedoch seine ganz eigene Interpretation der Abläufe findet, dann wird man definitiv mit einem Film-Erlebnis belohnt, das man nicht so schnell vergessen wird. Dennoch sollte man zu bedenken geben das man hier auf eine echte Geduldsprobe gestellt wird, denn teilweise mag einem das Szenario an einigen Stellen etwas in die Länge gezogen erscheinen, was sich jedoch bei genauerer Betrachtung als eine Art Trugschluss herausstellen soll, da jede einzelne Szene ein äußerst wichtiger Mosaikstein in einem Gesamtbild ist, das man schwerlich in Worte fassen kann. So fällt es dann letztendlich auch sehr schwer an dieser Stelle eine wirklich objektive Bewertung abzugeben, denn selten war bei einem Film so sehr der persönliche Geschmack gefragt, wie es beim Regieerstling von Alejandro Jodorowsky der Fall ist. An dieser Stelle muss man auch einmal mehr das Independent Label Bildstörung loben das einem dieses bizarre Kunstwerk als ersten Film in der gerade erschienenen Jodorowsky Box in gewohnt erstklassiger Qualität präsentiert.


Fazit:


Manchmal muss man eine Geschichte nicht immer gänzlich verstehen und kann sich dennoch an einem Szenario erfreuen, das etliche Genres miteinander verbindet und einem letztendlich einen wahnsinnigen-und surrealen Fiebertraum offenbart, in den man mit zunehmender Laufzeit immer intensiver eintaucht. Die Deutung der Abläufe ist dabei einem jeden selbst überlassen und das macht "Fando & Lis" zu einem absolut hervorstechenden Beitrag, der sicherlich seine nicht gerade kleine Fan-Gemeinde finden wird.


9/10

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