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Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Betreff des Beitrags: Inland Empire (2006)
BeitragVerfasst: 15. Jan 2013, 17:31 
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Inland Empire - Eine Frau in Schwierigkeiten
(Inland Empire)
mit Laura Dern, Jeremy Irons, Justin Theroux, Karolina Gruszka, Jan Hencz, Krzysztof Majchrzak, Grace Zabriskie, Ian Abercrombie, Karen Baird, Bellina Logan, Amanda Foreman, Peter J. Lucas, Harry Dean Stanton, Cameron Daddo, Jerry Stahl
Regie: David Lynch
Drehbuch: David Lynch
Kamera: David Lynch
Musik: Keine Information
FSK 12
Frankreich / Polen / USA / 2006

Nikki Grace, deren Ruhm als Schauspielerin deutlich verblasst ist, erhält ihre wohl letzte Chance auf ein Comeback. Für den Regisseur Kingsley Stewart soll sie die Hauptrolle in einem Film an der Seite von Devon Berk übernehmen. Doch schon bei den Proben zu dem Film häufen sich die Merkwürdigkeiten. Kurz vor Drehbeginn erfahren die beiden Hauptdarsteller, dass der Originalfilm nie fertiggestellt werden konnte, weil die damaligen Schauspieler ermordet wurden... Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft vermischen sich auf beängstigende Weise mit Fiktion und Realität.


Filme von David Lynch haben schon immer die Meinungen extrem gespalten, denn sind seine Werke doch für die eine Seite an Genialität kaum zu überbieten, so präsentieren sie sich doch für viele Leute lediglich als Ansammlung schwer zusammenfügbarer Puzzle-Teilchen, deren Deutung in den seltensten Fällen logisch oder leicht nachvollziehbar erscheint. Was der Meister des Mystery-Thrillers jetzt aber mit "Inland Empire" abgeliefert hat, setzt dem Ganzen doch die Krone auf, denn offenbart sich doch von der ersten Minute an eine Geschichte, die so ineinander verschachtelt ist, das es selbst dem aufmerksamsten Zuschauer äusserst schwer fallen dürfte, eine wirkliche Struktur zu erkennen. Dabei verlaufen die ersten 45 Minuten noch verhältnismäßig normal, wobei der Ausdruck normal immer unter dem Aspekt zu sehen ist, das es sich hier um ein Werk von Herrn Lynch handelt.

Danach allerdings wird die Aufmerksamkeit des Betrachters doch extrem auf die Probe gestellt, denn nicht selten überkommt einen das Gefühl, das die Geschichte nun vollkommen aus dem Ruder läuft und nur noch über die surreale Schiene läuft. Erschwerend kommt hinzu, das sich das Geschehen auf insgesamt drei Zeit-Ebenen abspielt (Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft), die sich so intensiv und phasenweise wirr miteinander vermischen, das es wirklich nicht leicht ist, den dargestellten Ereignissen auch nur einigermaßen zu folgen. Andererseits liegt aber ganau darin der ganz besondere Reiz des Filmes, der durch die Vermischung von Realität und Fiktion eine ungeheuer faszinierende Wirkung auf den Zuschauer ausübt, der man sich trotz teilweise auftretendem Unverständnis für die Zusammenhänge nur sehr schwer entziehen kann. Lynch hat wirklich einmal wieder alle Register gezogen, um ein sehr bizarres Szenario zu erschaffen, das für mehr als nur vorrübergehende Verwirrung sorgt und im Endeffekt die Deutung des Gesamt-Geschehens vollkommen in die Hände des Zuschauers legt, der sich nun seinen Reim auf das teils recht konfus erscheinende Gesamtbild machen muss.

Dazu passt auch das Einfügen skurriler Figuren (Darsteller im Hasenkostüm) und ein vermehrtes Auftreten diverser Charaktere, von denen man einige gar nicht so recht einordnen kann. Erst im späten Verlauf der Geschichte ergeben sich hier einige Zusammenhänge, so das man die Berechtigung der meisten Charaktere zuordnen kann und sich somit einen besseren Eindruck über das Gesamtgefüge machen kann, das ansonsten doch extrem verschachtelt ist.

Im Prinzip gibt es in dieser sehr surrealen Story nur eine einzige Konstante und das ist die Angst, die durch Mimik, Erzählungen oder diverse Andeutungen immer wieder in den Focus des Geschehens tritt. Man kann dies dabei nicht an einer bestimmten Sache festmachen, man merkt lediglich die gesamte Laufzeit über, das die Thematisierung der Angst im Allgemeinen der Hauptbestandteil dieser Geschichte ist, die ansonsten hauptsächlich durch ihre surrealen Einflüsse auffällt, die meiner Meinung nach um ein Vielfaches höher sind als in anderen Filmen von David Lynch. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, das insbesondere bei "Inland Empire" die Meinungen noch stärker auseinandergehen und selbst eingefleischte Lynch-Verehrer diesem Film mit großer Skepsis begegnen. Denn ist doch in vorliegendem Fall wirklich fast alles der eigenen Sichtweise des Szenarios untergeordnet, weshalb man auch gar nicht weiter auf die Story eingehen sollte, die man anderen gar nicht richtig näherbringen kann, was meiner Meinung nach auch vollkommen beabsichtigt ist.

So sollte man auch die kurze Inhaltsangabe, die sich ja noch recht normal liest, lediglich als Grundgerüst für einen Film nehmen, der doch in den meisten Passagen wie ein wirrer Drogen-Cocktail erscheint, in dem man mit scheinbar zusammenhanglosen Puzzle-Teilchen konfrontiert wird, die aber im Endeffekt doch irgenwie einen Sinn ergeben, wenn man sie richtig einordnet. Doch gerade diese Einordnung ist sichtlich schwer und hängt ganz eindeutig von der Betrachtungsweise eines jeden Einzelnen ab. Wer jedenfalls auf intelligentes Kopf-Kino steht, das im Endeffekt keine logische Aufklärung der Geschehnisse bietet und somit seine Deutung vollkommen in die Hände des Betrachters legt, der das Szenario selbst interpretieren muss, der sollte sich diesen fantastischen, aber sehr schwer nachvollziehbaren Film keinesfalls entgehen lassen, der irgendwo zwischen Genie und Wahnsinn angesiedelt ist. "Inland Empire" ist ganz sicher kein Film, der für das breite Mainstream-Publikum geeignet ist, sondern vielmehr für eine kleinere Gruppe, der es auch überhaupt nichts ausmacht, knapp 3 Stunden intensivstes Kopf-Kino über sich ergehen zu lassen. Wenn man dazu bereit ist, wird man aber auf jeden fall mit einem erstklassigen Film-Erlebnis bedient, das einem auch im Nachhinein noch einiges an Kopfzerbrechen bereiten wird.


Fazit:


Man sollte gar nicht erst versuchen, einen Film wie "Inland Empire" wirklich zu verstehen, denn das wird man wohl nie so richtig. Doch gerade darin liegt wohl die Absicht des Regisseurs, nämlich die Bewertung und die Deutung der Geschehnisse in die Verantwortung des Zuschauers zu legen. Lynch hat bewust lediglich ein Grundgerüst geliefert, das sich durch seine starken surrealen Einflüsse in ein Gesamtkonstrukt verwandelt, das jeder anders interpretiert. Der dabei entstehende Spielraum für eigene Interpretationen ist so riesig, das jede Menge Diskussionsstoff geliefert ist. Erstklassige Darsteller, von denen sich die brillant agierende Laura Dern noch einmal zusätzlich positiv abhebt, machen dieses Werk zu einem der wohl aussergewöhnlichsten Film-Erlebnisse, die man in den letzten Jahren bewundern durfte.


8,5/10

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