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 Betreff des Beitrags: Assault on Wall Street (2012)
BeitragVerfasst: 9. Okt 2013, 09:33 
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Assault on Wall Street
(Bailout: The Age of Greed)
mit Dominic Purcell, Erin Karpluk, Edward Furlong, John Heard, Keith David, Michael Paré, Lochlyn Munro, Tyron Leitso, Mike Dopud, Barclay Hope, Heather Feeney, Eric Roberts, Michaela Mann, Carrie Genzel
Regie: Uwe Boll
Drehbuch: Uwe Boll
Kamera: Mathias Neumann
Musik: Jessica de Rooij
FSK 16
Kanada / 2012

Jim Baxford (Purcell), Angestellter einer Security-Firma, und seine Frau Rosie sind Opfer der Finanzkrise und stehen vor dem finanziellen Ruin. Rosie ist schwer Krank und die Versicherung will keine Kosten für Behandlungen übernehmen. Finanzielle Rücklagen wurden von der Rücksichtslosen Investmentbankern aufs Spiel gesetzt und vernichtet. Als Jim seinen Job verliert sieht Rosie keinen Ausweg mehr und nimmt sich das Leben. Jetzt hat Jim nichts mehr zu verlieren und sieht rot! Er entwickelt einen todbringenden Plan und macht gnadenlos Jagd auf die skrupellosen Investmentbanker...


Und wieder einmal hat der äußerst umstrittene Uwe Boll zugeschlagen, wobei er mit "Assault on Wall Street" ein absolut gelungenes Rache-Drama auf den Zuschauer loslässt, in dem Hauptdarsteller Dominic Purcell zu einem Amoklauf ansetzt, der in vorliegendem Fall korrupte-und vollkommen skrupellose Wall Street Bänker das Leben kostet. Der auf der Rückseite des deutschen DVD-Covers angebrachte Vergleich "Wall Street trifft auf Rampage" sollte dabei jedoch nicht unbedingt auf die Goldwaage gelegt werden, denn im Bezug auf die vorhandene Härte und die Eskalation der Gewalt liegt hier ein eher ruhiger Vertreter seiner Art vor. Wer also ein wahres Feuerwerk an Schießereien und brutal in Szene gesetzter Tötungen erwartet wird eher eine kleine Enttäuschung erleben, doch insbesondere der Umstand, das Boll dieses Mal viel eher auf einen ruhigen, aber dennoch extrem intensiven Spannungsaufbau setzt, ist ihm meiner persönlichen Meinung nach sehr hoch anzurechnen. Natürlich gibt es jetzt auch wieder die typischen Boll-Gegner, die ihm gerade diesen Aspekt vorwerfen, doch mittlerweile müsste sich der gute Uwe daran gewöhnt haben, das er es im Prinzip niemandem recht machen kann.

Dabei handelt es sich hier um einen seiner mit Abstand besten Filme, in dem er auch durchaus erkennen lässt das er sehr wohl dazu in der Lage ist, eine äußerst interessante Thematik glaubwürdig in Szene zu setzen. Anhand der Erzählung eines Einzelschicksals bedient sich der Regisseur hier der Thematik der Finanzkrise in den USA, während der durch skrupellose Machenschaften diverser Wall Street Bänker unzählige Menschen um ihre Ersparnisse gebracht werden und dabei ihre gesamte Existenz verlieren. Wenn sich wie in vorliegendem Fall auch noch ein kranker Mensch das Leben nimmt, erhält die ganze Sache einen zusätzlich sehr bitteren-und tragischen Beigeschmack, der hier besonders gut zur Geltung kommt. Und so muss die Hauptfigur Jim Baxford (Dominic Purcell) nicht nur mit ansehen wie er die Behandlung seiner kranken Frau nicht mehr bezahlen kann, sondern er wird auch noch mit deren Freitod konfrontiert, was die in ihm aufkommende Wut zum überkochen bringt. Nun verhält es sich jedoch keinesfalls so, das sich in der Folge ein nahezu blinder Rachefeldzug gegen die verantwortlichen entwickelt, vielmehr besticht das Geschehen dadurch, das der Mann in seiner Trauer dennoch die Übersicht behält und methodisch seine Rache plant. Manch einer hätte sich jetzt wohl viel eher ein Szenario gewünscht, in dem es einmal mehr an überzogener Action nur so wimmelt, doch Uwe Boll hat stattdessen eine äußerst ruhige Erzählweise für seine Geschichte gewählt, was mir extrem gut gefallen hat.

Wirklichen Aktionismus bekommt der Zuschauer dabei erst in den letzten gut 20 Minuten des Filmes geboten, doch gestaltet sich die Zeit davor keinesfalls langatmig oder gar uninteressant. Viel eher das Gegenteil ist der Fall und man ist ehrlich gesagt phasenweise richtig erstaunt darüber, mit welchem Feingefühl der gute Mann hier ein richtig packendes Drama inszeniert, dessen Wirkung von Minute zu Minute immer intensiver erscheint und den Betrachter dabei fast magisch in seinen Bann zieht. Menschliche Emotionen wie pure Wut, Hass und totale Verzweiflung stehen im Vordergrund einer Geschichte, die einen größtenteils auch menschlich berührt. So kann man auch die Handlungen der Hauptfigur absolut nachvollziehen und auch wenn seine Taten vom gesetzlichen Standpunkt her sicherlich nicht zu rechtfertigen sind, so kann man sie doch menschlich absolut nachvollziehen. Wird man doch bei den hier gezeigten Machenschaften einiger Geschäftemacher selbst von grenzenloser Wut gepackt und möchte am liebsten selbst auf die Jagd nach den Verantwortlichen gehen, die ohne jeden Skrupel Existenzen zerstören, aber selbst dabei immer reicher werden. Dieser Punkt kommt insbesondere im finalen Showdown sehr gut zur Geltung und Herr Boll hat an dieser Stelle eine Variante gewählt, die eventuell nicht unbedingt glaubwürdig erscheint, das Ganze jedoch mit einer fast schon makaberen Note untermalt und absolut hervorragend in das gewonnene Gesamtbild passt. Der Dialog zwischen Baxford und dem Hauptverantwortlichen für sein Schicksal strotzt dabei vor unverhohlenem Zynismus und unterstreicht noch einmal den äußerst bitteren Beigeschmack, den der Film hinterlässt.

Uwe Boll hat bisher ganz sicher viel mehr schlechte als gute Filme auf den Weg gebracht, doch mit "Assault on Wall Street" ist ihm in meinen Augen ein richtig guter Wurf gelungen. Eine absolut gelungene Mischung aus Tragödie und Rache-Drama, die durch ihre ruhige Erzählweise extrem intensiv erscheint und den Zuschauer auf keinen Fall unberührt lässt. Ein sehr gut agierender Dominic Purcell kann dabei mit einer äußerst gelungenen-und glaubhaften Performance überzeugen und trägt die gesamte Chose fast im Alleingang. Die Entscheidung hier nicht mit brutaler und überzogener Gewalt zu agieren ist ein durchaus gelungener Schachzug des Regisseurs, erzeugt das Werk doch allein durch seine gelungene Gesamt-Inszenierung ein sehr hohes Maß an Intensität, ohne das man dabei auf explizite Gewaltdarstellungen zurückgreifen muss. Und so sollten selbst die größten Gegner des deutschen Regisseurs dazu hinreißen lassen diesem Werk eine Chance zu geben, da ihnen ansonsten ein wirklich gelungener Film durch die Lappen gehen könnte.


Fazit:


Bei aller auch zum größten Teil oft berechtigten Kritik an den Fähigkeiten eines Uwe Boll sollte man an dieser Stelle auch einmal ein dickes Lob aussprechen, denn "Assault on Wall Street" erzählt eine ungemein interessante Geschichte, die zudem auch sehr gut umgesetzt wurde. Ein emotional äußerst berührendes Schicksal wurde trotz eher ruhigen Tönen extrem intensiv untermalt und ergibt einen Gesamteindruck, den man letztendlich nur als sehr gut bezeichnen kann.


8,5/10

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