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 Betreff des Beitrags: Cherry Tree Lane (2010)
BeitragVerfasst: 24. Dez 2012, 14:18 
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Cherry Tree Lane
(Cherry Tree Lane)
mit Rachael Blake, Tom Butcher, Jumayn Hunter, Ashley Chin, Sonny Muslim, Jennie Jacques, Corinne Douglas, Kieran Dooner, Tom Kane
Regie: Paul Andrew Williams
Drehbuch: Paul Andrew Williams
Kamera: Carlos Catalan
Musik: Aidan Lavelle
Keine Jugendfreigabe
Großbritannien / 2010

Es sollte ein ganz normaler Abend werden. Der Wein steht auf dem Tisch, das allabendliche Fernsehprogramm liefert belanglose Unterhaltung und die Gespräche der beiden Ehepartner Mike und Christine kreisen um die üblichen Alltagsdinge. Als es an der Tür klingelt, ahnt keiner der
beiden, dass nichts mehr so sein wird wie zuvor. Von einer brutalen Jugendgang überwältigt beginnt für Mike und Christine ein unbeschreiblicher Albtraum, aus welchem es kein Entrinnen zu geben scheint.



"Cherry Tree Lane" bietet ein mittlerweile altbewährtes Szenario, das man aus vergleichbaren Werken wie "Kidnapped" oder auch "Funny Games" her kennt, ein Ehepaar wird von jugendlichen Eindringlingen überwältigt und in der eigenen Wohnung festgehalten. Die Gründe für das Eindringen eröffnen sich dabei erst nach einer geraumen Zeit, haben es die Jugendlichen doch auf eine Racheaktion auf den Sohn des Hauses abgesehen. Die Inszenierung erinnert an ein kammerspiel mit mehreren Personen, spielt sich doch fast die gesamte Geschichte in einem einzigen Raum ab, was sicherlich ebenso Vor-wie auch Nachteile in sich birgt. Positiv ist die entstehende Grundstimmung hervorzuheben, entwickelt sich doch äusserst schnell eine sehr bedrohliche-und beklemmende Atmosphäre, die sich auch konstant durch den ganzen Film zieht. Als Nachteil werden viele Leute eventuell die actionlose Machart dieses Werkes ansehen, denn großartige Action-Passagen sollte man nicht unbedingt erwarten.

Mich persönlich hat das nicht weiter gestört, denn ich mag ganz einfach diese Art von Film, in der sich ein Großteil der Härte im Kopf des Zuschauers abspielt. Nicht anders verhält es sich auch hier, denn die Gewalttaten der Eindringlinge finden zumeist in anderen Räumen statt und sind für einen selbst lediglich durch die Geräuschkulisse mizubekommen. Ansonsten ist "Cherry Tree Lane" sehr dialoglastig ausgefallen, doch eben diese Wortwechsel haben es streckenweise wirklich in sich. Die Art wie die Jugendlichen mit ihren Geiseln reden verursacht doch in etlichen Momenten eine Gänsehaut beim Betrachter, denn einerseits wird immer wieder beruhigend auf die Opfer eingeredet, phasenweise werden insbesondere der Mutter sogar Komplimente gemacht. Andererseits werden versteckte Drohungen ausgesprochen, die einen immensen Härtegrad beinhalten. Wenn man sich in diesen Momenten in die seelische Lage der Opfer hineindenkt, kann man die psychische Drucksituation sehr gut nachvollziehen, in der sie sich befinden.

Aus diesen Situationen bezieht die Story auch ihre Stärke, denn es ist schon ein perfides Katz-und Maus Spiel, das sich zwischen den beiden Parteien entwickelt. Doch auch körperliche Gewalt hält durchaus Einzug in das Geschehen und geht dabei hauptsächlich vom Anführer der Teenager aus, der auch vor einer Vergewaltigung nicht zurückschreckt. Auch hier hört man lediglich die Geräusche, doch die reine Vorstellung der Situation macht einem schon schwer zu schaffen. Und so schafft es "Cherry Tree Lane" auch ohne explizite Gewaltdarstellungen, eine extrem hohe Intensität zu entfalten und den Zuschauer auch nachhaltig zu beeindrucken. Zwar erreicht das Werk von Paul Andrew Williams nicht die Klasse eines "Funny Games", ist aber dennoch ein absolut sehenswerter Genrebeitrag, der zu keiner Zeit Langeweile aufkommen lässt.

Dafür sorgen auch die meiner Meinung nach äusserst gut agierenden Darsteller, wobei einmal mehr die scheinbare Verrrohung der Teenager im Vordergrund steht. Die größtenteils zum Vorschein kommende Emotionslosigkeit ist schon erschreckend und erinnert von der Art her an ein Werk wie "Eden Lake". Die Demütigung anderer Menschen scheint etwas ganz Normales zu sein und selbst die Vorstellung andere zu töten, verursacht keinerlei schlechtes Gewissen. Das gezeigte Schauspiel empfand ich als sehr ansprechend, vor allem aber als authentisch-und glaubwürdig. So kann man dem Film letztendlich ein überdurchschnittlich gutes Gesamtzeugnis ausstellen und bedenkenlos zugreifen, wenn man ein intensives Filmerlebnis haben möchte.


Fazit:


Auch wenn einige leute das wieder einmal vollkommen anders sehen werden, hat mir "Cherry Tree Lane" ausnehmend gut gefallen. Die kammerspielartige Inszenierung erzeugt ein stark beklemmendes Gefühl und der im Kopf des Zuschauers entstehende Härtegrad ist sicherlich nicht zu unterschätzen. Gute Darsteller und eine dichte Atmosphäre sorgen für ganzzeitig spannende Unterhaltung, die man sich nicht entgehen lassen sollte.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 2,35: /16:9)
Laufzeit: 74 Minuten
Extras: Outtakes, Behind the Scenes, Interview, Trailer, Trailershow, Exclusives Booklet

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 Betreff des Beitrags: Re: Cherry Tree Lane
BeitragVerfasst: 24. Dez 2012, 15:15 
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Beiträge: 715
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Also wieder ein Vertreter sogenannter "Terror"-Filme, Vergleiche sind somit vorprogrammiert. Die sich bei mir mit den
ersten Minuten der Handlung allerdings sogleich erledigen, CHERRY TREE LANE ist anders, erheblich anders!

Es mag am Equipment liegen - BD auf einem 40" Screen mit 1,5m Abstand? Von der ersten Minute an ist dieser Fiesling
packend und fesselnd, ich wurde fast körperlich Zeuge diverser Greuel.

Was kann schlimmer sein als in der eigenen Wohnung / dem eigenen Haus überfallen zu werden? Die Frage mag jeder
Betrachter für sich selbst beantworten, machtlos im Sessel der Handlung folgend fiebert man mit und kann doch nicht
mehr tun als ohnmächtig die Fäuste zu ballen und auf Gerechtigkeit zu hoffen.

Mich hat erschreckt mit wie wenig Reflektion ich die Täter als "die Bösen" angenommen und akzeptiert habe, im Nachgang
sind es doch "nur" Stereotypen einer sich radikalisierenden Gesellschaft. Mich hat erschreckt welchen Preis die Täter zu
zahlen bereit sind - für einen lachhaften "Gegenwert". Mich hat erschreckt wie es dieser Film schafft mit ganz wenig
gezeigter physischer Gewalt so brutal auf mich zu wirken. Mich hat erschreckt welche Bilder meine Phantasie entwickelt
wenn ein paar Geräusche und Andeutungen derlei Bilder in meinem Kopf ablaufen lassen.

Mich erschreckt es wenn das die Zukunft wird - oder mancherorts schon ist. An diesem Film kann man nichts beschönigen
oder verharmlosen, es ist eine Gratwanderung zwischen Gegenwart und Zukunft mit dem schlimmen Ende das folgt... 10/10

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