Unsere kleine Filmwelt

Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Betreff des Beitrags: Code Blue (2011)
BeitragVerfasst: 20. Jan 2013, 12:12 
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Herstellungsland: NL
Erscheinungsjahr: 2011
Darsteller: u. a. Bien de Moor, Lars Eidinger, Annemarie Prins, Sophie van Winden, Christine Bijvanck, Hans Kesting, Renée Fokker, Mitchell van Dijk, Sam de Man
Regie: Urszula Antoniak
FSK: 18

Inhalt:


Code Blue habe ich jetzt auch endlich gesehen, und ich kann dem Covertext nicht ganz zustimmen. Und das aus mehreren Gründen. Marian ist auf der Suche nach Intimität - eine Intimität, die sie in ihrem wirklichen Leben vielleicht nie erlebt hat. Und wir alle schlüpfen in eine Rolle, wenn wir unseren Beruf ausüben. Dabei ist der Kleidungswechsel in die Arbeitskleidung fast wie das Wechseln der eigenen Person, und in dieser Rolle findet Marian eine Aufgabe. Inhalt dieser Aufgabe ist in erster Linie sich um Schwerkranke und Sterbende zu kümmern, wobei der Ort vielmehr einer Palliativ- als einer Intensivstation gleicht. Während der Begleitung der Sterbenden und das Nahe sein während der letzten Augenblicke des Lebens gibt Marian das, was sie in ihrem eher tristen Leben nie erfahren hat - Intimität. Und das geben ihr die Kranken im Augenblick des Todes. Deshalb ist es vielmehr die Anwesendheit während der Lebensfaden zerschnitten wird, das, was Marian das Gefühl von Intimität vermittelt, als das Begleiten der Personen an sich. Und das findet seinen Höhepunkt irgendwann darin, dass sie diesen Augenblick - in Form von Sterbehilfe durch eine Spritze - künstlich herbeiführen möchte. Dabei ist es anscheinend unerheblich, ob die Betroffenen diesem Wunsch zustimmen, oder - wie in mindestens einem Fall - während der Verabreichung der Spritze zumindest für den Zuschauer klar wird, dass dieser jemand den Wunsch und die Sehnsucht nach dem Tod nicht teilte.

Verstärkt wird diese Intimität durch die Art und Weise der Geräuschkulisse des Films. Denn dieser Film ist leise. Er ist so leise, dass man teilweise glaubt selbst mit am Geschehen beiteligt zu sein und sich dabei ertappt, das man schuldbewusst den Kopf abwendet, wenn sie es wieder getan hat. Dabei ist das nur Mittel zum Zweck, denn anscheinend braucht Marian dieses Gefühl um sich selbst lebendig zu fühlen. Denn sie will leben. Das merkt man daran, als sie sich einen Mann versucht zu nähern. Das beginnt damit, dass sie den gleichen Film wie ein ihr unbekannter Mann ausleiht, obwohl es ein Porno oder etwas ähnliches ist. Und dies auch nur, um auf eine ganz andere Art Intimität zu spüren. Durch den Masturbationsakt vor ihrem Fenster, den der Fremde von seinem Fenster aus beobachten kann, gibt sie ihm zu verstehen, dass sie mehr von ihm möchte, doch dies hat nichts mit Liebe zu tun. Vielleicht weil Marian nicht weiß, was Liebe ist. Aber als er dann vor ihrer Tür steht, lässt sie ihn nicht ein. Vielleicht fürchtet sie, dass ihre Intimität zerstört werden könnte. Als sie ihn später wie zufällig auf einer Party trifft, ist es so dass sie in devoter Rolle ihm gegenüber das Gefühl der Leere und Trostlosigkeit ihres Alltagslebens bekämpfen möchte. Vielleicht auch, weil sie dadurch nicht mehr gezwungen ist, durch die Verabreichung der Todesspritze das Gefühl des gebraucht werdens herauf zu beschwören.

Durch die extrem drastrische Darstellung der Szene, in der klar wird, dass auch er nicht richtig in der Lage ist Marian zu lieben oder eine geordnete Beziehung zu haben, erhält der Film wohl seine Freigabe. Der Film wäre ohne diese Szene kontrovers genug. Das macht es noch ein wenig markanter, lenkt aber auch ein wenig von der eigentlichen Problematik des Urthemas ab: Der Sterbehilfe. Denn die Intimität, die von Marian so begehrt wird, findet sie nicht in ihrem Gegenüber. Dabei ist diese Szene nur ein Bruchteil des Films und sie wird im Eingangstext als wichtiger dargestellt, als sie eigentlich ist. Denn durch die leisen Töne des Films ist beim Sehen Intimität vorhanden. Unabhängig davon, was wirklich zu sehen ist. Und deshalb allein ist dieser Film brilliant.

Die Geschichte an sich hätte auf 1000 verschiedene Weisen erzählt werden können, aber sie wurde eben auf diese ganz besondere leise Weise erzählt, und das macht diesen Film hier einzigartig in seiner Art. Und selbst die Regisseurin spricht in der Dokumentation darüber, dass auch Töne in besonderer Art verwendet worden sind, da man diese nur wahrnehmen aber nicht hören kann. Und genau das kommt beim Betrachter auch an, denn es ist nicht wirklich wichtig was hier zu sehen ist, sondern das, was man dabei fühlt. Dadurch hat der Zuschauer genau das Gefühl, welches Marian die ganze Zeit gesucht hat - Intimität - und deshalb kann es hier nur die Höchstnote geben: 10/10.

Eine Anmerkung zur Aufmachung: Diese ist aus meiner Sicht in einem Mediabook brilliant gelöst, denn das Cover findet sich eingeklebt auf der rechten Seite während die Discs links unter gebracht worden sind. Der Aufsatz ist entsprechend anderen KK-Veröffentlichungen gestaltet. Ich habe ihn mit Absicht nur angelesen, damit die Wertung des Films wertfrei von den Texten geschieht.

Die Extras sind im Menü auf sehr ansehnliche Weise anwählbar, da das Ursprungsbild die ganze Zeit erhalten bleibt und lediglich das aufgeklappte Menü sich im unteren Teil ändert. Und an Extras gibt es reichlich. Allein der Kurzfilm, der wahrscheinlich eine Extra-Rezension nötig machen könnte, geht fast 40 Minuten, was für einen Kurzfilm schon recht lang ist. Auch das Interview mit der Regisseurin geht gut und gerne über eine Stunde. Das ist der Grund, weshalb ich mir die Extras nur angesehen habe. Wahrscheinlich lohnen sie, zumindest wenn man sich den Film angesehen hat.

Deshalb bekommt man abschließend gesprochen für einen günstigen Preis ein wunderbares Stück Filmkunst aus den Niederlanden präsentiert - einem Land, dass bereits seit langem anders mit der Sterbehilfe-Situation umgeht als wir hier in Deutschland.

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Und Blaine, der Mono fuhr weiter Richtung Südosten unter dem Dämonenmond. "Warum taufte die Frau ihren Sohn Siebeneinhalb?" - "Weil sie seinen Namen aus einem Hut gezogen hat!"


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 Betreff des Beitrags: Re: Code Blue
BeitragVerfasst: 20. Jan 2013, 13:37 
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trashig-exploitativer Chef
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Na, das liest sich doch klasse!
Habe dem Film wenn ich im Laden war immer eher weniger beachtung geschenkt.
Das wird eventuell daran liegen das mMn das Cover nicht wirklich spektakulär wirkt.
Aber jetzt, nach deinem Review Clyde, werde ichmir den definitiv mal zu Gemüte führen!

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"Are you gonna bark all day little doggie, or are you gonna bite?"


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