Unsere kleine Filmwelt

Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Betreff des Beitrags: Darfur - Der vergessene Krieg (2009)
BeitragVerfasst: 16. Feb 2013, 00:55 
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Darfur - Der vergessene Krieg
(Darfur)
mit Kristanna Loken, Billy Zane, Edward Furlong, David O'Hara, Noah Danby, Matt Frewer, Hakeem Kae-Kazim, Sammy Sheik, Maggie Benedict, Fatima Masapu, Taurig Jenkins, Thando Sibeko
Regie: Uwe Boll
Drehbuch: Uwe Boll / Chris Roland
Kamera: Mathias Neumann
Musik: Jessica de Roij
Keine Jugendfreigabe
USA / 2009

Seit 2003 begehen arabische Milizen namens Janjaweed in Darfur schwere Menschenrechtsverletzungen an der Zivilbevölkerung und ziehen mordend, plündernd und vergewaltigend von Dorf zu Dorf. Für die Vereinten Nationen handelt es sich um eine der „schlimmsten humanitären Katastrophen der Welt“. Eine kleine Gruppe internationaler Journalisten besucht ein noch unzerstörtes Dorf, um mehr über diese Massaker zu erfahren. Als sich herausstellt, dass die Janjaweed auf dem Weg zu diesem Dorf sind, stehen die Reporter vor einer schwierigen Entscheidung. Entweder sie wenden die Augen von dem anstehenden Blutbad ab oder sie helfen der Bevölkerung, koste es, was es wolle.


Schon seit jeher ist Uwe Boll einer der umstrittensten Regisseure überhaupt und musste nicht gerade selten jede Menge Hohn und Spott über sich ergehen lassen. Es gibt auch genügend Leute, die seine Filme von Anfang an schon rein aus Prinzip niedermachen, obwohl es gar nicht gerechtfertigt ist, denn der gute Mann hat auch schon einige recht gut anzuschauende Werke auf den Weg gebracht. Nun liegt mit "Darfur - Der vergessene Krieg" meiner Meinung nach sein bisher mit Abstand bester Film vor, in dem Boll dem Zuschauer die Grausamkeit des Völkermordes auf eine sehr schonungslose Art und Weise näherbringt, so das einem phasenweise fast zwangsläufig die Tränen in die Augen treten. Dies geschieht allerdings nicht weil der Film so schlecht, sondern das Gesehene teilweise so schockierend und bewegend ist, das man den Tränenfluss nur schwerlich zurückhalten kann.

Dabei hat es der umstrittene Filmemacher nahezu perfekt verstanden, erst einmal einen intensiven Eindruck über die ärmlichen Verhältnisse in einem der ärmsten Länder Afrikas (Sudan) zu vermitteln, so entsteht beim Zuschauer nicht selten das Gefühl, das man sich in einer vollkommen anderen Welt jenseits jeglichen Luxus befindet, in der es an den grundlegendsten Dingen mangelt. Stellvertretend dafür ist hier das kleine Dorf "Dafur", das sich abseits jeder Zivilisation befindet und auf das der Focus der vorliegenden Geschichte gerichtet ist. Die erste Filmhälfte beinhaltet noch keinerlei actionreiches Geschehen, sondern ist einzig und allein von Dialogen geprägt, die zwischen den ausländischen Reportern und den Bewohnern des Dorfes stattfinden. Für manch einen mag das eventuell etwas langweilig klingen, jedoch sind allein schon die geführten Interviews äusserst schockierend und stimmen den Zuschauer auf das folgende und an Grausamkeit kaum zu überbietende schreckens-Szenario ein, das noch folgen soll.

Nur die von der schwarzafrikanischen Bewohnern geschilderten Ereignisse, bei denen es um Vergewaltigungen und Völkermord handelt sind schon so schockierend, das einen fast zwangsweise eine Gänsehaut überkommt, da man sich die geschilderten Grausamkeiten kaum vorstellen möchte. Und obwohl man ganz genau weiss, das man es hier keineswegs mit Fiktion sondern mit der erschreckenden Realität zu tun hat, weigert sich ein Teil des eigenen Verstandes, das Gehörte zu glauben. Schon in dieser Phase des Filmes hat es Boll ausgezeichnet verstanden, seinem Werk eine ungeheure Intensität zu verleihen, die sich im laufe der Zeit noch um ein Vielfaches verstärken soll. Denn als die arabischen Milizen im Dorf eintreffen, spitzt sich die lage in einer Art und Weise zu, die man kaum in Worte fassen kann, das bis hierhin lediglich durch Worte beschriebene Szenario nimmt auf einmal auch visuelle Gestalt an und schockt den Betrachter dann auch mit einer Brutalität, die einen sehr nachhaltigen Eindruck hinterlassen soll, den man nicht so schnell wieder los wird.

Die nun folgenden Greueltaten muss man wirklich selbst gesehen haben um die Wucht beschreiben zu können, mit der sie einen im tiefsten Inneren treffen und erschüttern. Kompromisslos und erschreckend hart hat Uwe Boll in der zweiten Filmhälfte ein Szenario geschaffen, das an Eiseskälte und Brutalität nur schwerlich zu überbieten sein dürfte und das zudem noch einen so furchtbar authentischen und realistischen Eindruck hinterlässt, das es einem phasenweise die Luft zum atmen abschnürt. Die gezeigten Tötungsszenen sind an Intensität und Grausamkeit kaum zu übertreffen, jedoch hinterlassen insbesondere die Tötungen an Babys und Kleinkindern einen besonders nachhaltigen Eindruck im Kopf des Zuschauers, der vor allem bei diesen Szenen die aufsteigenden Tränen kaum unterdrücken kann. Man befindet sich nun zunehmend in einer Art Schockzustand und fühlt sich einer Ohnmacht nahe, sitzt man doch hilflos vor dem heimischen Bildschirm und kann die gezeigten Bilder kaum verarbeiten. Erschwert wird das Ganze durch die Tatsache das man ganz genau weiss, das es sich hier um keinerlei Fiktion, sondern um eine erschreckende Wahrheit handelt, die der eigene Verstand irgendwie am liebsten verdrängen möchte. Und obwohl es einem wohl bekannt ist wie grausam Menschen sein können, will oder kann man es kaum nachvollziehen, wie Menschen dazu in der Lage sein können, anderen menschen etwas so grauenvolles anzutun, wie es hier in unglaublich drastischen Bildern gezeigt wird.

Letztendlich müsste selbst der größte Boll-Kritiker erkennen, das unser Uwe mit "Darfur" einen hervorragenden Film abgeliefert hat, der extrem intensiv die Thematik eines sinnlosen Völkermordes bearbeitet. Geschickt wird der Betrachter dabei in der ersten Filmhälfte lediglich mit Interviews auf das folgende Schreckens-Szenario vorbereitet, das dann eine solche Wucht entwickelt die einen fast aus dem TV-Sessel wirft und mit der Wucht eines Keulenschlags die eigene Seele trifft, die eine gewisse Zeit braucht, um sich von den hier gezeigten Bildern wieder zu erholen. Selten habe ich in den letzten Jahren einen Film gesehen, der einen so nachhaltigen und intensiven Eindruck hinterlässt wie es bei "Darfur" der Fall ist, denn gerade die authentische Umsetzung des Geschehens ist es, die einen auch noch lange nach dem Ende des Filmes sehr stark belastet und nicht zur Ruhe kommen lässt.


Fazit:


Ganz egal wie man persönlich zum Regisseur Uwe Boll steht, hier wurde ein extrem intensiver Film abgeliefert, der selbst den hartgesottensten Menschen die Tränen in die Augen schießt und sie in eine Art ohnmächtigen Zustand versetzt, fühlt man sich doch bei den gezeigten Greueltaten nahezu wie paralysiert und weigert sich, die Authenzität der Ereignisse anzuerkennen. Zu schrecklich ist hier die Gewissheit, das es sich um die erschreckende Wahrheit handelt, die einem in dieser Geschichte kompromisslos und extrem brutal vor Augen geführt wird. "Darfur - Der vergessene Krieg" ist ein Film, den man auf jeden Fall gesehen haben sollte, entführt er einen doch in eine Welt, deren Existenz einem durchaus bewust ist, mit der man sich allerdings viel zu selten auseinandersetzt und sie nur zu gern verdrängt.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 2,40:1 (16:9)
Laufzeit: 95 Minuten
Extras: Audiokommentar von Uwe Boll


8/10

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 Betreff des Beitrags: Re: Darfur - Der vergessene Krieg (2009)
BeitragVerfasst: 18. Nov 2016, 21:09 
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Diesen Film habe ich gestern gesehen und ich bin hier ein wenig zwiegespalten, denn Uwe Boll stellt hier etwas sehr grausames dar, nämlich den Konflikt in Darfur, und das mit teilweise sehr drastischen Methoden, weshalb die Altersfreigabe gerechtfertigt ist. Er beschreibt dabei die Situation von Reportern, die in ein Dorf zur Berichterstattung kommen, welches von Dschandschawid angegriffen wird. Aber die Reporter hier bleiben keine Unbeteiligten, sondern sie greifen bewaffnet in den Konflikt ein. Das ist das Setting, in welchem sich dieser Film abspielt. Die Rahmenbeindungen sind eigentlich klar: Schwarzafrikanische Rebellen fordern mehr Mitbestimmung und die Regierung geht mit Hilfe der arabischen Reitermilizen (Dschandschawid) gegen diese vor, wobei tausende ums Leben kommen. Hier wird es so dargestellt, dass die Dschandschawid zwar grausam sind, aber die schwarze Bevölkerung schuld sei, da das eigentliche Gebiet zuvor von den Arabern beherrscht wurde. Das Problem dabei ist aber folgendes: Das, was die Dschandschawid da veranstaltet haben, wird international als Kriegsverbrechen und teilweise als Völkermord bezeichnet. Dabei gelingt Uwe Boll genau das nicht darzustellen, denn hier kommt es anteilig so vor, als wenn die Araber dort sich nur verteidigen und sie deshalb jedes Recht dazu haben, die schwarze Bevölkerung, die teilweise auch aus Arabern besteht, niederzumetzeln und zu vergewaltigen.

Weiter sagt Boll, dass er auf den Konflikt aufmerksam machen wollte. Das ist zwar löblich, doch hierfür ist das Mittel wieder viel zu drastisch: Mit einem Film, der aufgrund seiner Handlung keine 16er Freigabe erhält, erreiche ich nun mal nicht sehr viele Menschen, vor allem wahrscheinlich nicht diejenigen, die Boll eigentlich erreichen wollte. Das ist echt schade, denn so schlecht ist der Film eigentlich nicht, wenngleich die Mittel hier nicht die richtigen sind und der Standpunkt im falschen Licht dargestellt wird. Das kommt alles teilweise nur im Audiokommentar rüber, und das ist natürlich Mist, denn ein wenig mehr Selbsterklärung im Film wären hier angebracht gewesen.

Action und Blut sowie Grausamkeiten gibt es hier (leider) reichlich. Die Musik untermalt die afrikanische Stimmung, wie dies auch bei Ruanda der Fall gewesen ist. Im Vergleich zu letzterem schneidet dieser Film hier aber wesentlich besser ab und erhält von mir trotz oben genannter Kritikpunkte 07/10 Punkte.

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Und Blaine, der Mono fuhr weiter Richtung Südosten unter dem Dämonenmond. "Warum taufte die Frau ihren Sohn Siebeneinhalb?" - "Weil sie seinen Namen aus einem Hut gezogen hat!"


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