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Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Betreff des Beitrags: Der Pianist (2002)
BeitragVerfasst: 8. Mär 2013, 19:36 
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Der Pianist
(Le Pianiste)
mit Adrien Brody, Thomas Kretschmann, Emilia Fox, Ed Stoppard, Frank Finlay, Julia Rayner, Jessica Kate Meyer, Joachim Paul Assböck, Nina Franoszek, John Keogh, Thomas Lawincky, Maureen Lipman
Regie: Roman Polanski
Drehbuch: Ronald Harwood / Wladyslaw Szpilman
Kamera: Pawel Edelman
Musik: Wojciech Kilar
FSK 12
Deutschland / Frankreich / Großbritannien / Polen / 2002

Warschau 1939 Mit dem Einmarsch der Deutschen in Polen beginnt auch für den gefeierten polnisch-jüdischen Pianisten Wladyslaw Szpilman die Zeit des Leids. Tagtäglich wird er Zeuge unerträglicher Demütigung und Brutalität. Nur mit viel Glück und dank der Hilfe des polnischen Untergrunds konnte er der Todesfalle des Warschauer Ghettos entkommen. Voller Angst irrt er allein durch die Stadt, die sich inzwischen in eine leblose, erschütternde Ruinenlandschaft verwandelt hat. Eines Tages endeckt ihn ein Offizier der deutschen Wehrmacht, der sein Schicksal verändern wird.


Das Roman Polanski ein aussergewöhnlich guter Regisseur ist, hat er schon mit mehreren seiner Filme eindrucksvoll unter Beweis gestellt (Rosemary's Baby, Ekel). So ist es dann auch nicht besonders verwunderlich, das auch "Der Pianist" einen besonderen Platz in seiner Fimografie einnehmen dürfte. Erzählt wird die Geschichte des berühmten Pianisten Wladyslaw Szpilman während des zweiten Weltkrieges, der als Jude das schier Unglaubliche fertigbringt und die Schrecken des Holocaust überlebt. Polanski erzählt die mitreissende und dramatische Geschichte selbstverständlich aus der Sicht seiner Hauptfigur, versäumt es dabei aber nicht, auch die generellen Schrecken des Holocaust eindrucksvoll und schockierend in Szene zu setzen. So bekommt der Zuschauer einerseits einen sehr tiefen Einblick über die generelle Situation in Warschau und wie die Situation der jüdischen Bevölkerung immer unerträglicher und gefährlicher wird, bis es dann letztendlich zu den sogenannten Umsiedlungen in die Vernichtungslager kommt. Andererseits. Auf der anderen Seite offenbart sich das Einzelschicksal eines Mannes, der fast allein zurückbleibt und seine gesamte Familie verliert.

Insbesondere die Passagen, in denen Szpilman allein durch das leere Warschauer Ghetto läuft hinterlassen beim Betrachter einen äusserst nachhaltigen Eindruck und lösen gleichzeitig ein extrem beklemmendes Gefühl aus. So ertappt man sich dabei, wie man aus der Situation heraus fast automatisch an einen Film wie "The last Man on Earth" erinnert wird, in dem es ähnliche Passagen zu begutachten gibt. Es entsteht phasenweise eine regelrechte Endzeitstimmung, die sich wie ein bleierner Schleier über den Zuschauer legt, hat die Situation doch etwas vollkommen Endgültiges an sich und ist gleichzeitig von so viel Tristesse und Hoffnungslosihkeit durchzogen, das einem kalte Schauer über den Rücken laufen. Man fühlt sich seltsam befangen und möchte der Hauptfigur am liebsten hilfreich zur Seite stehen, empfindet aber gleichzeitig eine Art Ohnmacht, da man nichts tun kann und das geschehen ganz einfach hinnehmen muss. Erschwerend kommt dabei noch der Aspekt hinzu, das die Geschichte auf einer wahren Begebenheit beruht und die Thematik der Judenverfolgung ganz generell nicht spurlos an einem vorrüberzieht. Denn obwohl man genügend Filme mit der hier vorhandenen Thematik gesehen hat, schnürt es einem doch immer wieder die Kehle zu, wenn man sich die begangenen Greueltaten vor Augen führt.

Obwohl man extrem in die Geschichte eintaucht, kann man noch nicht einmal ansatzweise nachvollziehen, welches Leid die Hauptfigur über sich ergehen lassen musste und welch psychischer Druck auf einen einwirkt, wenn man sich ständig verstecken muss und immer auf die Hilfe einiger weniger Widerstandskämpfer angewiesen ist, die ständig ihr eigenes Leben aufs Spiel setzen, um anderen Menschen zu helfen. man kann sich nur in Brucjstücken vorstellen, wie groß die Angst vor der Entdeckung gewesen sein muss, so das die hier dargestellte Odyssee eines Mannes etwas schier Unglaubliches darstellt. Gerade diese Momente werden durch Adrien Brody in der Hauptrolle absolut brillant in Szene gesetzt, denn sein schauspiel ist erschreckend authentisch und glaubwürdig. Seine Ausdrucksstarke Mimik transportiert die jeweiligen Gefühlslagen in denen er sich befindet, nahezu perfekt zum Zuschauer, der dadurch richtiggehend mit ihm mitleiden kann. Zwar kann man in vorliegendem Werk der gesamten Darsteller-Riege ein ausgezeichnetes Zeugnis ausstellen, ist der Film doch bis in die kleinsten Nebenrollen perfekt besetzt, so muss man Brody doch hervorheben, drückt er der Geschichte doch seinen ganz eigenen Stempel auf. Er erscheint wie prädestiniert für diese Rolle und nur selten entsteht der Eindruck, das er lediglich eine Rolle spielt. Vielmehr wird man das Gefühl nicht los, das er die Figur des Pianisten regelrecht lebt, was wohl so ziemlich das grösste Kompliment ist, das man einem Darsteller aussprechen kann.

Mit "Der Pianist" hat Roman Polanski ein Kriegs-Drama geschaffen, das einen sehr nachhaltigen Eindruck beim Zuschauer hinterlässt. Obwohl ganz eindeutig das Einzelschicksal eines Menschen im Focus der Geschichte steht, werden einem auch die generellen Schrecken der damaligen Situation eindrucksvoll und authentisch vor Augen geführt. Dabei beinhaltet der Film ein so großes maß an Härte, die sich allerdings nicht unbedingt in expliziten Gewaltdarstellungen äussert. Zwar gibt es einige durchaus brutale Passagen zu sehen, der eigentliche Härtegrad entfaltet sich aber vielmehr im Kopf des Betrachters und wird durch die vorherrschende Gesamtsituation ausgelöst. Grandiose Darsteller, ein alles überragender Adrien Brody und eine flüssig erzählte Geschichte ergeben letztendlich ein Gesamtpaket, an dem es meiner Meinung nach keinerlei Makel gibt.


Fazit:


In der Reihe vieler guter Beiträge, die sich der Thematik des Holocaust widmen, nimmt "Der Pianist" sicherlich einen recht hohen Stellenwert ein. Ein erstklassiger Film, der das Einzelschicksal eines Mannes in den Vordergrund rückt und dennoch die ganz allgemeinen Schrecken des Krieges nicht vergisst. Der Zuschauer bekommt dabei die Odyssee eines Einzelnen zu sehen, die für ihn persönlich sogar ein gutes Ende findet. Und gerade das scheint aufgrund der damaligen Situation fast unglaublich, basiert aber nichtsdestotrotz auf einer wahren Begebenheit.


10/10

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