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 Betreff des Beitrags: Die keine Gnade kennen (1977)
BeitragVerfasst: 18. Mär 2013, 15:46 
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Die keine Gnade kennen
(Raid on Entebbe)
mit Peter Finch, Martin Balsam, Horst Buchholz, Charles Bronson, John Saxon, Sylvia Sidney, Jack Warden, Yaphet Kotto, Tige Andrews, Eddie Constantine, Warren J. Kemmerling, Robert Loggia, Allan Arbus
Regie: Irvin Kershner
Drehbuch: Barry Beckerman
Kamera: Bill Butler
Musik: David Shire
FSK 12
USA / 1977

27. Juni 1976: Auf dem Entebbe Airport in Uganda bringen palästinensische Terroristen ein Passagierflugzeug der Air France in ihre Gewalt und nehmen die über 200, meist israelischen Passagiere als Geiseln. Ihr Ziel: Die Geiseln gegen einige ihrer in Gefangenschaft befindlichen Gesinnungsgenossen
einzutauschen. Für die Geiseln beginnt ein sieben Tage dauerndes Martyrium, denn ihre Heimat ist tausende Kilometer entfernt und vom ugandischen Präsidenten Idi Amin und seinem Regime ist keine Hilfe zu erwarten.



So ganz stimmt die Inhaltsangabe zu diesem Klassiker nicht, wurde die Maschine der Air France doch schon kurz nach dem Abflug aus Athen von den Terroristen übernommen, um dann nach einem Zwischenstopp in Lybien den Zielflughafen Entebbe in Uganda anzusteuern. Wie dem aber auch sei, das Werk von Irvin Kershner (Sag niemals nie, Robocop 2) basiert auf wahren Begebenheiten und ist nun endlich auch erstmalig vollkommen ungeschnitten auf DVD erschienen. Bisher war doch lediglich eine um gut 20 Minuten gekürzte Version des Filmes erhältlich, aber dank Ascot Elite kann man nun endlich die Geschichte in ihrer ungekürzten Form genießen. Und das ist auch gut so, denn die zusätzlichen Szenen (im Original-Ton mit deutschen Untertiteln) lassen das Geschehen doch noch ein wenig runder erscheinen. Ohne sich mit einer unnötigen Einführung aufzuhalten, geht die Geschichte auch schon nach wenigen Minuten ans Eingemachte, was von Beginn an für einen erstklassig gezogenen Spannungsbogen spricht, der sich auch konstant durch die gesamte Story zieht. Während sich die erste Filmhälfte hauptsächlich mit den Terroristen und den Entführten beschäftigt, wird das Hauptaugenmerk danach auf die militärische Befreiungsaktion der Israelis gelegt, die mit der "Operation Thundebolt" ihre Landsleute aus den Fängen der Palästinenser befreien wollen.

Obwohl der Film im Prinzip relativ wenig Action-Passagen enthält, gestaltet sich das Ganze extrem spannend und baut zudem eine äußerst beklemmende Grundstimmung auf, die sich aus der Situation der gefangenen Israelis ergibt. Dabei wurde hier ganz generell die Lage der Passagiere sehr gut herausgearbeitet, denn während sich zu Beginn viel eher Ungläubigkeit in ihren Gesichtern ablesen lässt, wandelt sich dieser Zustand mit der Zeit in nackte Panik und grenzenlose Angst. Die Situation wird zunehmend angespannter, wobei Hoffnung und Zuversicht auf eine schnelle Rettung immer mehr dem puren Entsetzen weichen. Das liegt hauptsächlich an der Unbarmherzigkeit der Entführer, die zu keiner Zeit einen Zweifel daran lassen was mit den Menschen passiert, wenn die israelische Regierung nicht auf ihre Forderungen eingeht. Unterstützt werden sie dabei vom ugandischen Präsidenten Idi Amin, der von Yaphet Kotto absolut erstklassig dargestellt wird. Dieser spielt sich in einer selbstherrlichen Art als rettender Vermittler auf, hat dabei aber lediglich eigene Ziele im Auge, da er sich vor aller Welt als rettender Engel darstellen möchte.

Das glänzende Schauspiel der gesamten Darsteller-Riege ist hier ein ganz wichtiger Aspekt für die extrem authentische und glaubwürdige Note die dem gesamten Geschehen beiwohnt. Es fällt einem nämlich überhaupt nicht schwer, sich in das Szenario hineinzudenken, bekommt man doch von der ersten Minute an den richtigen Bezug zu den Ereignissen und kann sich so sehr gut vorstellen, das sich das Ganze auch wirklich so ähnlich abgespielt haben muss. Es ist schon erstaunlich wenn man sieht, welche Ansammlung von Stars sich hier tummelt, mit Charles Bronson, Peter Finch, Martin Balsam oder auch Horst Buchholz seien nur 4 Beispiele genannt. Selbst die kleinsten Nebenrollen sind größtenteils hochkarätig besetzt, wobei man in diesem Film eigentlich gar nicht von Nebenrollen sprechen kann. Es gibt nämlich keinen wirklichen Haupt-Charakter, die einzelnen Spielanteile sind äußerst gut verteilt und niemand eine Art Vormachtsstellung, die dem Zuschauer sonderlich ins Auge fällt. Darin liegt auch die besondere Stärke dieses Filmes, der dadurch umso glaubwürdiger erscheint und keinerlei Helden-Pathos beinhaltet, der den sehr guten Gesamteindruck lediglich verwässert hätte.

Im Endeffekt handelt es sich bei "Die keine Gnade kennen" um ein erstklassiges Drama, das einem die wahren Ereignisse dieser Flugzeug-Entführung plastisch sehr gut wiedergibt. Dabei wird äußerst gut auf die Situation der Entführten eingegangen, gleichzeitig stellt Kershner aber auch die politische Brisanz der damaligen Zeit sehr gut in den Fokus seiner Geschichte. Diese Mixtur verleiht dem Geschehen eine unglaubliche Intensität, die sich ganz automatisch auch auf den Betrachter überträgt. Trotz seiner Laufzeit von gut 140 Minuten beinhaltet die Geschichte keinerlei Längen, denn jede einzelne Einstellung ist ein winziges Puzzle-Teilchen in einem sehr stimmigen Szenario, das zum Ende hin auch noch einige sehenswerte Action-Passagen beinhaltet, die jedoch keinesfalls übertrieben, sondern absolut realistisch ins Bild gesetzt wurden. Für mich persönlich handelt es sich hier um einen absoluten Klassiker, der auch in der heutigen Zeit noch absolut sehenswert erscheint und der nun auch endlich in ungeschnittener Form vorliegt.


Fazit:


Ein glaubwürdiges Stück Zeitgeschichte im Film bekommt man nun wirklich nicht immer geboten, aber "Die keine Gnade kennen" hinterlässt genau diesen Eindruck beim Zuschauer, der über die gesamte Laufzeit mitfiebert, obwohl er den Ausgang des Geschehens schon kennt. Grandiose Darsteller und die nüchterne Darstellung wahrer Ereignisse helfen hier dabei, von Anfang an in das Szenario einzutauchen und den richtigen Bezug zu den Ereignissen zu bekommen.


9/10

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