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 Betreff des Beitrags: Die letzte Kriegerin (Once Were Warriors) (1994)
BeitragVerfasst: 28. Apr 2016, 15:12 
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Die letzte Kriegerin
(Once Were Warriors)
mit Rena Owen, Temuera Morrison, Mamaengaroa Kerr-Bell, Julian Arahanga, Taungaroa Emile, Rachael Morris Jr., Joseph Kairau, Cliff Curtis, Pete Smith, George Henare, Mere Boynton, Shannon Williams, Calvin Tuteao
Regie: Lee Tamahori
Drehbuch: Riwia Brown 7 Alan Duff
Kamera: Stuart Dryburgh
Musik: Murray Grindlay / Murray McNabb
FSK 16
Neuseeland / 1994

Dies ist die Geschichte der Maori-Familie Heke, die in Neuseeland ein Leben am Rande der Gesellschaft führt. Das Familienoberhaupt ist Jake, genannt Jake the Muss, der seine Frau Beth und die Kinder über alles liebt. Wenn Jake jedoch Alkohol getrunken hat, verwandelt er sich in ein Monster und verprügelt Beth immer wieder aufs Schlimmste. Trotzdem versucht Beth alles, um die Familie zusammenzuhalten und die Gewalt ihres Mannes von den Kindern fernzuhalten. Doch am Ende kann sie nicht verhindern, dass die von Jake ausgehende Gewalt die ganze Familie beeinflusst und auf eine Tragödie zusteuern lässt...


Die große Welt der Filme bringt immer wieder echte Perlen zum Vorschein, die beim Zuschauer einen wirklich nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Und dann gibt es auch noch die Kategorie jener Werke, die sich schon bei der ersten Sichtung dermaßen in das Gehirn des Betrachters einbrennen, so das der Betrachter sie nie mehr vergessen wird. Der neuseeländische Beitrag "Die letzte Kriegerin" dürfte wohl genau in diese Kategorie fallen, denn was Lee Tamahori im Jahr 1984 als sein Erstlingswerk veröffentlichte ist ein wahres Monster von einem Film. Zur damaligen Zeit höchstens von einigen wenigen Leuten als Geheimtipp gehandelt, wird der Beitrag mittlerweile von vielen als bester neuseeländischer Film aller Zeiten gehandelt. Ich möchte sogar noch einen Schritt weiter gehen, denn zumindest in der Sparte des Familien Dramas fällt mir kein einziger Beitrag ein, der dieser grandios inszenierten Geschichte das Wasser reichen könnte. Tamahoris Verfilmung basiert auf dem Roman "Once Were Warriors" von Alan Duff und erzählt die Geschichte der Familie Heke, die ein eher trostloses Leben am Rande der Gesellschaft führt. Alkohol und Gewalt beherrschen den Alltag, wobei ganz besonders Mutter Beth immer wieder unter den ekstatischen Gewaltausbrüchen ihres Mannes Jake leiden muss.

An sich ist das noch nichts Besonderes, denn ähnlich gelagerte Szenarien hat man schon des Öfteren zu Gesicht bekommen. Es ist vielmehr die Umsetzung der vorliegenden Thematik, denn Tamahori ist es ganz fantastisch gelungen eine gelungene Kombination aus extrem gefühlvollen Momenten und Passagen rasender Brutalität ins Bild zu setzen. Das Ganze wirkt dabei so grausam authentisch, das man sich mehrmals ganz offensichtlich die Frage stellt, wie dieser Film so unglaublich gut gedreht werden konnte. Gerade die Gewalt Passagen erscheinen nämlich dermaßen echt das einem der Schrecken in die Glieder fährt. Man vermeint stellenweise selbst körperliche Schmerzen zu spüren, wenn Jake einmal wieder im besoffenen Kopf so unglaublich brutal auf seine Frau einprügelt, das man diese am Tag danach fast nicht mehr erkennen kann. Nun besteht "Die letzte Kriegerin" aber längst nicht nur aus diesen teils schockierenden Sequenzen, denn ganz generell beinhaltet das Werk eine unglaubliche inhaltliche Tiefe. Der Regisseur beschäftigt sich nämlich längst nicht nur mit der vorherrschenden Gewalt, er rückt auch die Gründe dafür immer wieder sehr gut in den Mittelpunkt des Geschehens. Diese sind hauptsächlich in einem Klassenkampf unter den Eheleuten zu finden, der sich allerdings nur im Kopf von Jake abspielt. Da Beth vom edlen Stamm der Maori abstammt redet er sich nämlich andauernd ein nicht gut genug für sie zu sein, was zwangsläufig die tief verwurzelten Minderwertigkeitskomplexe beleuchtet, die im Inneren des Mannes schlummern. Dabei würde man rein optisch nie auf diese Idee kommen, handelt es sich bei Jake doch um einen Mann, der ganz augenscheinlich nur aus unzähligen Muskelbergen besteht, die aber ausschließlich dazu dienen, seine ureigenste Unsicherheit zu überspielen. Dieser Aspekt zieht sich durch das gesamte Geschehen, gleichzeitig wird dem Zuschauer aber auch ein toller Einblick in die Lebensweise und die Rituale der Maori gewährt, der sich in erster Linie bei einer Begräbnis Zeremonie zu erkennen gibt.

Damit ist man dann auch bei einem ganz entscheidenden Wendepunkt der Geschichte, der gleichzeitig auch die ganze Tragweite dieses grandiosen Dramas zum Ausdruck bringt. Erst der Selbstmord ihrer geliebten Tochter Grace öffnet Beth die Augen und nun zeigt diese starke Frau, das in ihr wirklich eine echte Kriegerin schlummert. Von nun an lehnt sie sich gegen die Gewalt auf und kommt auch an die Hintergrundinformationen, die zum Tod ihrer Tochter geführt haben. Insbesondere die Hintergründe hinterlassen einen ganz schalen Geschmack und lösen auch beim Zuschauer größte Betroffenheit aus. Man ist regelrecht sprachlos über das Gesehene und der eigene Verstand baut eine Art Schutzbarriere auf, um die Ereignisse nicht zu emotional auf einen wirken zu lassen. Das gelingt allerdings zu keiner Zeit, denn man kann sich unmöglich der grausamen Intensität dieses Filmes verweigern, der mit der Wucht eines Keulenschlags brachial auf einen einprügelt. Dazu wirkt das Szenario viel zu authentisch, zudem sind die schauspielerischen Leistungen der Protagonisten viel zu brillant und glaubwürdig, als das die Abläufe einen nicht in ihren verstörenden Bann ziehen würden.

Lee Tamahori ist mit diesem Beitrag ein absolut herausragender Film gelungen, der im Laufe der vergangenen Jahre längst zu einem echten Klassiker aufgestiegen ist. Eine perfekt agierende Darsteller Riege, eine immer stärker aufkommende Gewaltspirale und eine alles überragende Hauptdarstellerin machen dieses Werk zu einem echten Erlebnis, das man nie mehr im Leben vergessen wird. Auch nach nunmehr über zwei Jahrzehnten hat "Die letzte Kriegerin" rein gar nichts von seiner teils schockierenden Faszination eingebüßt und feiert nun dank Mad Dimension seine würdige Blu-ray Premiere in Deutschland. Dafür hat das Label ein tolles Mediabook heraus gebracht, das neben dem Film auf Blu-ray sowie auf DVD auch noch eine weitere DVD mit sehenswerten Extras beinhaltet. Wer diesen fantastischen Film also noch nicht kennen und besitzen sollte darf hier bedenkenlos zugreifen, wobei Liebhaber des filmischen Dramas sowieso nicht um dieses echte Meisterwerk herum kommen.


Fazit:


"Die letzte Kriegerin" dürfte ohne wenn und aber zu den intensivsten und besten Filmen zählen, die das Genre des Dramas je hervor gebracht hat. Hier stimmt einfach alles bis in das kleinste Detail und es gibt noch nicht einmal ansatzweise einen Grund, warum man an dieser Stelle nicht die Höchstnote vergeben sollte.


10/10


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