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 Betreff des Beitrags: Die weiße Mafia (1973)
BeitragVerfasst: 17. Mär 2016, 21:29 
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Die weiße Mafia
(Bisturi, la mafia bianca)
mit Gabriele Ferzetti, Senta Berger, Enrico Maria Salerno, Claudio Gora, Claudio Nicastro, Tina Lattanzi, Enzo Garinei, Gino Pernice, Antonella Steni, Luciano Salce, Sandro Dori, Ernesto Colli, Ezio Sancrotti, Luciano Rossi
Regie: Luigi Zampa
Drehbuch: Massimo De Rita / Arduino Maiuri
Kamera: Giuseppe Ruzzolini
Musik: Riz Ortolani
FSK 16
Italien / 1973

Professor Valotti ist einer der führenden Ärzte auf dem Gebiet der Chirurgie. In seiner Nobelklinik werden nur reiche Patienten behandelt. Er führt eine genaue Kartei über jeden Patienten, in der die Vermögensverhältnisse und auch die privaten Gegebenheiten festgehalten sind. Doch das noble Bild trügt: Schlampereien werden vertuscht, Schwerkranke zu früh entlassen, hoffnungslose Fälle mit Tabletten vollgepumpt und ärztliche Kunstfehler fadenscheinig begründet. Als Valotti einen anonymen Brief erhält, in dem ihm ein ärztlicher Fehler, der den Tod eines Patienten zur Folge hatte, nachgewiesen wird, beschließt er sich vor den Augen der Welt mit einem Kartenhaus aus Lügen zu rechtfertigen…


Normalerweise erinnert man sich an das italienische Kino der 70er und 80er Jahre hauptsächlich durch etliche gelungene Beiträge in den Bereichen Gialli, Poliziesco und auch im politischen Film, der sich zumeist mit der Korruption innerhalb der italienischen Justizbehörden beschäftigt. "Die weiße Mafia" stellt in dieser Beziehung einmal eine sehr willkommene Abwechslung dar, präsentiert Regisseur Luigi Zampa doch ein waschechtes Drama, in dem die sogenannten "Götter in weiß" im Fokus des Geschehens stehen. Reichlich angefüllt mit einer ordentlichen Portion Systemkritk wird das damalige Gesundheitssystem an den Pranger gestellt und das Szenario hinterlässt dabei einen äußerst authentischen Eindruck beim Zuschauer. In der Hauptsache dreht sich die Geschichte um ihre charismatische Hauptfigur Professor Valotti, der in seiner Zunft einer der ganz großen Stars ist. Vor allem zu Beginn des Filmes wird seine Person zunächst auch als eine Art Sympathieträger aufgebaut, hat der gute Mann doch anscheinend ein Herz für die armen Leute. Mit zunehmender Laufzeit verflüchtigt sich dieser Eindruck aber immer mehr, denn nach und nach lässt Luigi Zampa in seiner Erzählung die Masken seiner Protagonisten fallen. Das Ergebnis ist nahezu vernichtend und zerstört gleichzeitig sämtliche Illusionen an einen Berufstand, der doch eigentlich dazu bestimmt ist um kranken Menschen wirklich zu helfen.

Stattdessen kristallisiert sich aber immer mehr heraus, das hier Dinge wie die eigene Bereicherung, Manipulation und Gleichgültigkeit gegenüber dem menschlichen Leben im Vordergrund stehen. Das Ganze wirkt dabei jederzeit extrem glaubwürdig und wird zudem vom erstklassigen Schauspiel der Darsteller unterstrichen. Insbesondere Hauptdarsteller Gabriele Ferzetti mimt den von sich selbst überzeugten Valotti ganz hervorragend, denn dieser Charakter hinterlässt wirklich den Eindruck eines Gottes in weiß, der sich gleichzeitig anmaßt, über Wohl und Wehe seiner Patienten zu entscheiden. Das macht sich ganz besonders in den Passagen bemerkbar, in denen man dem Zuschauer eine seltsame Ansammlung von Massen Operationen zeigt, bei denen man ganz unwillkürlich an Simultan Schach denken muss. Wie am Fließband finden mehrere OP's zur gleichen Zeit statt, bei denen der Chef persönlich die Hand anlegt. Dieses Szenario wirkt schockierend und macht einen zudem auch sprachlos, aber von den assistierenden Ärzten gibt es keinerlei eingestreute Bedenken. Lediglich ein Kollege hat unter diesen Zuständen zu leiden und bekämpft seine immer stärker aufkommende Wut mit Alkohol, bevor er endlich das Richtige tut und seinen Vorgesetzten anzeigt.

Aber auch das bleibt nicht ohne Folgen und Valotti setzt sich zur Wehr, wobei die Wahl seiner Mittel hier nicht näher beschrieben werden soll, um niemandem die Spannung zu nehmen. Es kommt jedoch zu Vorfällen die der eigene Verstand einfach nicht begreifen will, die man sich aber andererseits durchaus vorstellen kann, denn schließlich geht es ja immerhin darum, den eigenen Heiligenschein unbeschadet zu lassen. Luigi Zampa hat das alles ungemein spannend und mit sehr viel Fingerspitzengefühl in Szene gesetzt und das Geschehen geht dem Betrachter deswegen auch extrem unter die Haut. Außerdem handelt es sich ja auch um eine äußerst brisante Thematik, die man ohne jeden Zweifel auch in die heutige Zeit übertragen könnte. "Die weiße Mafia" ist alles andere als ein reißerischer Film der den Ärztestand in Verruf bringen will, er schildert lediglich schonungslos eine Thematik, über die zumeist nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird. Mit erstklassigen Darstellern besetzt entfaltet sich dabei eine Story, in der zum Ende hin auch eine gewisse Art von Gerechtigkeit zu erkennen ist. Die Hauptfigur wird nämlich durchaus für ihre Machenschaften zur Rechenschaft gezogen, nur geschieht die keinesfalls auf die Art und Weise, wie man es selbst wahrscheinlich erwartet hätte.

Mit diesem Film kann man wirklich überhaupt nichts falsch machen und nicht nur der überzeugte Liebhaber des italienischen Kinos dürfte hier auf seine Kosten kommen. "Die weiße Mafia" beschäftigt sich schonungslos und ehrlich mit den Machenschaften eines Berufsstandes, in dem es sicherlich mehr als nur ein schwarzes Schaf zu finden gibt. Fehler während der Arbeit kommen immer wieder vor, nur handelt es sich hier um einen Berufszweig, in dem Versäumnisse und bewusst begangenes Fehlverhalten absolut tödlich für andere Menschen ist. Das macht dieses Werk so ungemein authentisch und intensiv, wobei der Betrachter nach Beendigung der Sichtung auch noch lange über die geschilderten Handlungen nachdenken muss, denn die Ereignisse lassen einen definitiv nicht ohne bleibende Spuren zurück.


Fazit:


Mit "Die weiße Mafia" hat Luigi Zampa ein kleines Meisterwerk geschaffen, das gleichzeitig auch ein Paradebeispiel dafür ist, welch grandiose Werke das Cinema Italiano hervor gebracht hat. Wer glaubwürdige Dramen mit einer immer aktuellen Thematik zu schätzen weiß, sollte sich dieses filmische Juwel keinesfalls entgehen lassen.


9/10


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