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 Betreff des Beitrags: Ein leben für ein Leben - Adam Resurrected (2008)
BeitragVerfasst: 12. Dez 2012, 12:02 
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Ein Leben für ein Leben - Adam Resurrected
(Adam Resurrected)
mit Jeff Goldblum, Willem Dafoe, Derek Jacobi, Ayelet Zurer, Hana Laszlo, Joachim Krol, Jenya Dodina, Tudor Rapiteanu, Veronica Ferres, Idan Alteman, Juliane Köhler, Dror Keren, Shmuel Edelman, Yoram Toledano, Mickey Leon
Regie: Paul Schrader
Drehbuch: Yoram Kaniuk (Roman) / Noah Stollman (Drehbuch)
Kamera: Sebastian Edschmid
Musik: Gabriel Yared
FSK 12
Deutschland / Israel / USA / 2008

Anfang der 60er Jahre grassiert in einer Heilanstalt für Holocaust-Traumatisierte der Wahnsinn...
Um im Konzentrationslager unter dem sadistischen Lagekommandanten Klein (WILLEM DAFOE) zu überleben, muss der einstmals gefeierte Berliner Varieté-Star Adam Stein (JEFF GOLDBLUM) lernen, buchstäblich wie ein Hund zu leben. Jahre danach wird Adam immer noch von den grausamen Dämonen der Vergangenheit gequält. Gemeinsam mit anderen Opfern lebt er in einem Sanatorium für Überlebende des Holocaust mitten in der Wüste Israels, wo er seinen Schmerz in wilden Kapriolen und Zaubertricks erstickt. Dann entdeckt Adam einen neuen Patienten, der bislang vor ihm verborgen wurde: ein zwölfjähriger Junge, der sich für einen Hund hält. Er redet nicht, sondern bellt. Er geht nicht, sondern kriecht. Durch seine magischen Fähigkeiten kann Adam dem kleinen Jungen helfen.



Man weiss kaum noch, wie viele Filme es gibt, die sich mit der Thematik des Holocaust beschäftigen und die damaligen Greueltaten beleuchten, die von den Nazis an den Juden begangen wurden. Fast alle davon laufen nach einem ähnlichen Schema ab und stellen die Massenvernichtung eines ganzen Volkes dabei in den Vordergrund. "Ein Leben für ein Leben" ist ein ganz anders gelagerter Film, der sich damit schon einmal sehr wohlwollend von anderen Vertretern abhebt, denn der Film beschäftigt sich vielmehr mit den Spätfolgen bei einem Überlebenden des Krieges, der sein Leben in einer Heilanstalt für Holocaust-Traumatisierte verbringt und jeglichen Respekt vor dem eigenen Leben verloren hat.

Der Film basiert auf dem Roman "Adam Hundesohn" vom israelischen Schriftsteller Yoram Kaniuk, der einst sehr umstritten war, doch mittlerweile zu einem Bestseller avanciert ist. Das hervorstechendste Merkmal dieses filmischen Dramas ist ganz sicher die brillante Darstellung eines Jeff Goldblums, der die Figur des ehemaligen Variete-Stars Adam Stein auf eine Art und Weise darstellt, wie man es besser und eindrucksvoller nicht hätte tun können. Besonders der Kampf gegen die eigenen Dämonen, die ihn auch Jahre nach dem Ende des Krieges immer noch verfolgen, wurde hier sehr eindringlich und überzeugend in Szene gesetzt, so das man als Zuschauer richtiggehend mit diesem Mann mitleidet, der einen scheinbar inneren Kampf mit sich selbst austrägt, den man sich nur ansatzweise vorstellen kann. Immer wieder wird dabei die Zeitebene gewechselt, in der sich die Geschichte abspielt, befindet man sich einerseits in der Heilanstalt, die irgendwo in einer Wüste, weitab von jeder Zivilisation steht, wird man man andererseits mit ständigen s/w Rückblenden konfrontiert, die Adams Leben im Konzentrationslager zeigen.

In den Passagen, die in der Anstalt spielen, lernt man Adam als Menschen kennen, der eigentlich gegen sämtliche Regeln verstösst, sich ständig mit Alkohol zu betäuben versucht, eine Affäre mit einer Krankenschwester hat, aber auch die gleichzeitig die wichtigste Bezugsperson für die anderen Patienten ist. Durch kleinere Zaubertricks versucht er dabei, sich von sich selbst abzulenken und die anderen zu unterhalten, was ihm auch fast immer gelingt. Und dann sind da immer wieder diese äusserst schockierenden Rückblenden, die sein Leben im KZ zeigen, das man eigentlich gar nicht als Leben bezeichnen kann. Denn Adam musste hier ein wahres Hundeleben führen, jede Handlung musste er wie ein Hund ausüben. Er kroch auf allen Vieren, musste essen wie ein Hund und durfte auch nur bellen, ausser der sadistische Lagerkommandant Klein, der übrigens großartig von Willem Dafoe gespielt wird, forderte ihn zum Reden auf. Und wenn das noch nicht genug wäre, hat er auch noch seine Nächte neben einem Schäferhund im Zwinger verbracht.

All diese Demütigungen und Erniedrigungen kann man sich als Betrachter des Szenarios kaum vorstellen, weshalb sie umso intensiver und schockierender auf einen einprasseln und es mehr als verständlich machen, das ein Mensch daran zerbricht. Erst die Einweisung eines Jungen, der auch wie ein Hund lebt, ändert die Situation und verhilft im Endeffekt Adam wie auch dem Jungen zu einer vollkommen anderen Sichtweise des Lebens, das mit einemmal wieder einen Sinn zu ergeben scheint. Dabei überträgt sich während der Geschichte eine so starke Faszination auf den Betrachter, der man sich einfach nicht entziehen kann. Durch die immense Intensität, die vom Geschehen ausgeht, ist man teilweise wie ohnmächtig, da man sich das Gesehene nur schwerlich vorstellen kann und sich fragt, wiviel Schmerz und Demütigung eine menschliche Seele aushalten kann, bevor sie vollkommen abgestorben ist.

Und genau diese Gefühle werden von Jeff Goldblum auf eine absolut brillante Art zum Ausdruck gebracht, er schafft es in jeder einzelnen Sequenz, dem Zuschauer die innere Zerrissenheit dieses Menschen näherzubringen, so das man phasenweise fast körperlich den Schmerz zu spüren, der hier den gesamten Film erfüllt. Es ist ganz einfach eine Darstellung der ganz großen Schauspielkunst, wie man sie in der heutigen Zeit nicht mehr allzu oft geboten bekommt. Doch auch die anderen Darsteller wissen in ihren Rollen vollkommen zu überzeugen und tragen so dazu bei, das dieses Werk seine volle Wirkung erzielen kann. In einigen Nebenrollen kann man auch Schauspiler der ersten deutschen Riege sehen, so wirken hier bekannte Gesichter wie Veronica Ferres, Moritz Bleibtreu oder Joachim Krol mit.


Fazit:


Regisseur Paul Schrader hat mit "Ein Leben für ein Leben" ein sehr bewegendes Drama geschaffen, das durch seine erzählte Geschichte und hervorragende Schauspieler zu überzeugen weiss, bei denen die Leistung von Jeff Goldblum ohne Übertreibung als brillant zu bezeichnen ist. Hier ist ein Film entstanden, der auch einen nachdrücklichen Eindruck hinterlässt und der keinesfalls spurlos an einem vorbei geht. Einfühlsam, bewegend und erschütternd sind wohl die Bezeichnungen, die diese Geschichte am besten charakterisieren und für ein grandioses Filmerlebnis stehen, das man sich keinesfalls entgehen lassen sollte.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 2,35:1 (Widescreen anamorph)
Laufzeit: 102 Minuten
Extras: Trailershow

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