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Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Betreff des Beitrags: Ekel (1965)
BeitragVerfasst: 13. Jun 2015, 18:30 
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Ekel
(Repulsion)
mit Catherine Deneuve, Ian Hendry, John Fraser, Yvonne Furneaux, Patrick Wymark, Renee Houston, Valerie Taylor, James Villiers, Helen Fraser, Hugh Futcher, Monica Merlin, Imogen Graham, Mike Pratt, Lewis Alexander
Regie: Roman Polanski
Drehbuch: Roman Polanski / Gérard Brach / David Stone
Kamera: Gilbert Taylor
Musik: Chico Hamilton
FSK 16
Großbritannien / 1965

Die junge Londonerin Carol, von Beruf Maniküre, fühlt sich in einer von Männern dominierten Welt hilflos, von den Menschen angewidert und bedroht. Als ihre Schwester verreist und sie allein lässt, gerät sie immer stärker in den Bann ihrer Paranoia und Wahnvorstellungen. Die psychische Hölle ihrer Angst und der Ekel gegenüber dem männlichen Geschlecht lässt sie schließlich zur Mörderin werden...


Das der polnische Regisseur Roman Polanski ein absoluter Meister seines Fachs ist, stellt er auch mit diesem Film aus dem Jahr 1965 wieder einmal unter Beweis. "Ekel" ist eine gelungene Mischung aus Thriller, Drama und auch etwas Horror. Man sollte allerdings keinen waschechten Horrorfilm erwarten, denn hier handelt es sich um eine sehr feine, subtile Art des Horrors, der sich im Kopf des Zuschauers abspielt, wenn man versucht, sich in die Rolle der Hauptdarstellerin hineinzuversetzen. Polanski ist es hier gelungen, einen sehr ruhigen Film zu kreieren, der ohne unnötigen Aktionismus auskommt und fast vollkommen von der genialen Darstellung der jungen Catherine Deneuve lebt, die den Charakter der Carol einfach fantastisch und sehr glaubhaft spielt. Kaum merklich verändert sich das junge und von Natur aus schüchterne und in sich zurückgezogen wirkende Mädchen immer mehr. Der Übergang zur vollkommenen Paranoia vollzieht sich so still und schleichend, aber trotzdem sehr intensiv, das dies auf den Betrachter eine unglaubliche Faszination ausübt. Und genau dieser ruhige, aber sehr intensive Übergang wird von Deneuve mit einer unglaublichen Ausdruckskraft dargestellt, das es eine wahre Freude ist, ihr beim spielen zuzusehen. Auch die anderen Darsteller machen ihre Sache sehr gut, obwohl sie in diesem Film doch eher wie nötiges Beiwerk wirken und über einen Statisten-Status nicht hinauskommen, was aber keineswegs despektierlich gemeint ist.

Besonders gut sind bei diesem Film die Veränderungen der Spannung und der vorherrschenden Atmosphäre herausgearbeitet. Wirkt der Film am Anfang noch eher etwas belanglos oder gar langatmig (obwohl er das zu keiner Zeit ist), so steigt die Spannung von Minute zu Minute an und die Atmosphäre verdichtet sich immer mehr, so das beim Betrachter ein starkes Gefühl der Beklemmung entsteht, dessen man sich einfach nicht entledigen kann. So kommt es, das man fast zwangsläufig mit Carol mitleidet, ihr am liebsten helfen möchte, aber genau weiß, das dies nicht möglich ist und sich deshalb selbst hilflos und gar ohnmächtig fühlt. Die junge und bildhübsche Deneuve brilliert hier von der ersten Minute an in der Rolle des augenscheinlich schüchternen Mädchens und drückt dem Szenario durch ihre famose Performance ganz eindeutig ihren persönlichen Stempel auf. So fasziniert die Hauptfigur den Betrachter auch von der ersten Minute an und Polanski ist es absolut großartig gelungen, den Fokus der Geschehnisse durchgehend auf Carol zu legen, so das man das Geschehen fast zwangsläufig nur aus ihrer Sichtweise betrachten kann. Ganz normale Dinge und Handlungsweisen anderer Akteure wirken auf einmal bedrohlich und es ist absolut grandios mit anzusehen, welch extrem dichte Grundstimmung der Film dadurch zum Vorschein bringt. Es scheint ganz einfach vollkommen unmöglich, sich der beklemmenden Atmosphäre zu entziehen und "Ekel" schafft es auch in der heutigen Zeit noch spielerisch, den Zuschauer fast ganzzeitig mit einer Gänsehaut zu überziehen.

Die eingebauten Wahnvorstellungen der jungen Frau mögen aus der heutigen Sichtweise auf manch einen eventuell etwas altbacken erscheinen, denn mittlerweile kommen ja etliche Leute nicht mehr ohne grandios inszenierte Effekt Gewitter aus. Hier wurde jedoch mit den einfachsten Mitteln die maximale Wirkung erzielt und der durch die immer stärker in den Vordergrund tretende Paranoia entstehende Horror springt auch auf einen selbst über. Das Carol in diesen Phasen auch zumeist allein in der Wohnung ihrer Schwester lässt das Ganze dann noch um ein Vielfaches intensiver erscheinen, muss das Gefühl der absoluten Einsamkeit doch wahre Höllenqualen in der Hauptfigur auslösen. Deneuve verleiht diesem Aspekt ausschließlich durch ihre Mimik und Gestik dermaßen viel Kraft, das man vor dem heimischen Bildschirm regelrecht von unangenehmen Gefühlen überflutet wird. Man wird selbst zu einem Teil dieser toll erzählten Geschichte, die im Prinzip ohne jeglichen Aktionismus daher kommt und aus ihrer ruhigen und bedächtigen Erzählstruktur ein solch hohes Kraftpotential freisetzt, das es einem in diversen Momenten regelrecht schwindelig werden kann.

Polanski ist es hier eindrucksvoll gelungen, das Thema der aufkommenden Paranoia einer jungen Frau absolut perfekt in Szene zu setzen. Hervorheben sollte man dabei ganz besonders die erstklassige Kameraarbeit, die in etlichen Phasen der Geschichte bestimmte Momente extrem lang erscheinen lässt. Manchmal wird man dabei an eine Art Standbild erinnert und es sind insbesondere diese vollkommen beabsichtigt lang gehaltenen Szenen, die dem Zuschauer am meisten unter die Haut gehen. Die Einstellungen erscheinen einem quälend lang und so kann man sich noch intensiver mit der kranken Seele der Hauptdarstellerin auseinandersetzen, wobei man deren innerliche Tortur regelrecht nachempfinden kann.


Fazit:


Eine grandios umgesetzte Geschichte und eine herausragende Catherine Deneuve sind absolut ausreichend, um einen Film wie "Ekel" in den Status eines grandiosen Klassikers zu erheben. Hinzu kommen die fantastischen Kamerafahrten und die absolut perfekte musikalische Untermalung, so das sich letztendlich ein Gesamtbild eröffnet, das man im Prinzip nur als hervorragend bezeichnen kann. Ein klaustrophobisch anmutendes Meisterwerk, das in Sachen Intensität und Wirkung nicht so leicht zu übertreffen ist.


9/10


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