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 Betreff des Beitrags: Essential Killing (2010)
BeitragVerfasst: 21. Jan 2014, 21:25 
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Essential Killing
(Essential Killing)
mit Vincent Gallo, Emmanuelle Seigner, Zach Cohen, Iftach Ophir, Nicolei Cleve Broch, Stig Frode Henriksen, David L. Price, Tracy Spencer Shipp, Mark Gasperich, Phillip Goss, Klaudia Kaca, Dariusz Juzyszyn, Raymond Josey
Regie: Jerzy Skolimowski
Drehbuch: Jerzy Skolimowski / Ewa Piaskowska
Kamera: Adam Sikora
Musik: Keine Information
FSK 16
Island / Norwegen / Polen / Ungarn / 2010

Mohammed will leben! Mit aller Kraft kämpft er sich durch die eisige Hölle einer feindlichen Schneewelt, irgendwo in Osteuropa. Amerikanische Soldaten sind ihm dicht auf den Fersen. Sie haben ihn in den Schluchten seiner afghanischen Heimat eingefangen, gefoltert und verschleppt, denn er hat drei von ihnen getötet. Jetzt ist er auf der Flucht. In dieser abweisenden, kältestarren Weite gibt es nur eines: am Leben bleiben! Laufen, sich wärmen, essen, sich verteidigen und töten - immer wieder töten, um nicht zu sterben. Gejagt wie ein wildes Tier kämpft sich der Mann weiter und weiter...


Ich war doch einigermaßen erstaunt als ich in einer anderen Kritik zu diesem Film lesen musste, das man die Aussage der Geschichte des Regisseurs Jerzy Skolimowski nicht erkennen würde und sich somit die Frage nach dem Sinn des hier dargestellten Szenarios stellen würde. Dabei ist die Aussage der Geschehnisse doch mehr als nur deutlich, dreht es sich doch einzig und allein um den Überlebenskampf eines afghanischen Soldaten auf der Flucht, der mit allen Mitteln versucht am Leben zu bleiben. Was an dieser Aussage missverständlich sein soll vermag ich wirklich nicht zu beurteilen, aber Skolimowski hat es brillant verstanden, die Geschehnisse aus der Sichtweise der Hauptfigur Mohammed (Vincent Gallo) zu zeigen, der übrigens während der gesamten Laufzeit kein einziges Wort spricht. Dies ist allerdings auch überhaupt nicht notwendig, denn das Szenario braucht keinerlei großartige Dialoge um seine Intensität zu entfachen, das besorgen nämlich die kravtvollen Bilder die ihre ganz eigene und schockierende Sprache sprechen.

So wird dem Zuschauer gleich zu Beginn des Filmes wieder einmal der Schrecken des Krieges und gleichzeitig auch seine generelle Sinnlosigkeit eindrucksvoll vor Augen geführt, wobei im weiteren Verlauf der Ereignisse ein vollkommen anderer Krieg in den Vordergrund rückt, nämlich der Krieg eines einzelnen Menschen der von seinen Verfolgern wie ein Tier gejagt wird und dabei sein ganz eigenes Kampfgeschehen gegen die Natur und seine Mitmenschen führen muss, um sein eigenes Leben zu schützen. Ist es doch gerade dieser Aspekt, der sich wie ein roter Faden durch die gesamte Szenerie zieht und dabei eine äusserst beklemmende Wirkung auf den Betrachter hinterlässt. Dabei bleibt man selbst eigentlich eher neutral, schlägt man sich gedanklich doch weder auf die Seite des Gejagten, noch entwickeln sich irgendwelche Symphatien für die Jäger. Unparteisch verfolgt man allerdings wie gebannt die Geschehnisse, die hier wirklich absolut authentisch und glaubwürdig in Szene gesetzt wurden und so extrem realistisch erscheinen.

Das ist in erster Linie auch dem Hauptdarsteller Vincent Gallo zu verdanken, der für die Rolle des Mohammed absolut perfekt erscheint und den erbarmungslosen Kampf eines Mannes gegen eine schier aussichtslose Situation hervorragend interpretiert. Durch die Tatsache, das der gesamte Film im Prinzip äusserst wenige Passagen beinhaltet in denen man mit Dialogen konfrontiert wird, entsteht eine extrem bedrückende-und beklemmende Atmosphäre, die sich wie ein bleierner Mantel auf die Schultern des Zuschauers legt und einem phasenweise die Luft abschnürt. Ganz unwillkürlich versucht man dabei, sich selbst in die gegebene Situation hineinzuversetzen und kann so die entstehende Wucht des Szenarios fast körperlich spüren. Dennoch ist man lediglich ansatzweise dazu in der Lage, die emotionale Gefühlswelt eines Mannes nachzuvollziehen, der auf seiner anscheinend aussichtslosen Flucht auch über Leichen geht, um sein eigenes Leben nicht zu verlieren. "Essential Killing" ist ein Paradebeispiel für den authentischen Überlebenskampf eines einzelnen Menschen, der durch kraftvolle und wuchtige Bilder zum Zuschauer transportiert wird, der streckenweise nicht den Eindruck hat sich in einem Spielfilm zu befinden, sondern vielmehr in einer Art Reality-Doku, die sich in diesem Moment vor den eigenen Augen abspielt.

Es mag ja sein, das dieses Werk eventuell nicht jeden Geschmack trifft, aber wer den Geschehnissen ihren Sinn oder gar die Kraft ihrer Aussage abspricht, der hat den Film ganz einfach nicht verstanden. Die Sinnlosigkeit eines Krieges an sich wird hier zwar eher nebensächlich thematisiert und gilt lediglich als Auslöser für einen ganz anderen Krigsschauplatz, der sich im Inneren eines einzelnen Menschen auftut, der sich auf einmal nicht mehr mit der übermächtigen Kriegsmaschinerie des Gegners, sondern mit Naturgewalten und dem eigenen Überlebenskampf auseinandersetzen muss, der seine ganz eigenen Schrecken beinhaltet. Das dabei fast gänzlich auf Dialoge verzichtet wurde, lässt das Ganze noch viel intensiver erscheinen und verfehlt auf keinen Fall seine eindringliche Wirkung auf den Betrachter, der über die gesamte Laufzeit ein Gefühl der starken Beklemmung nicht abschütteln kann und auch lange nach dem Ende des Filmes noch über das Gesehene nachdenkt.


Fazit:


"Essential Killing" schafft es jederzeit, mit eher minimalistischen Mitteln ein sehr realistisches Bild eines Überlebenskampfes zu zeichnen, der intensiver kaum hätte ausfallen können. Ein erstklassiger Hauptdarsteller und ein erschreckend authentisches Szenario sind vollkommen ausreichend, um dem Zuschauer den Schrecken einer Situation näher zu bringen, in der man sich selbst nie befinden möchte. Beklemmung, Ekel und Grausamkeit wechseln sich hier ständig ab und sind mitverantwortlich für ein äußerst glaubhaftes Filmerlebnis, das man nicht so schnell vergessen wird.


8/10

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