Unsere kleine Filmwelt

Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Betreff des Beitrags: Exodus (2007)
BeitragVerfasst: 21. Sep 2013, 18:35 
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Exodus
(Exodus)
mit Reza Ali, Vladimir Jacsik, Muhim Ahmed, Carlos Yesiloz, Odera Muriel Ojukwu, Delroy Moore, Muska Khpol, Jack Greenbough, Aston Fredericks, Bernard Hill, Ger Ryan, Harcus Copper, Justin Smithers
Regie: Penny Woolcock
Drehbuch: Penny Woolcock
Kamera: Jakob Ihre
Musik: Malcolm Lindsay
FSK 16
Großbritannien / 2007

Eine biblische Geschichte in neuem Gewand: Wir schreiben die nahe Zukunft. Der Pharao - ein rechtsextremistischer Politiker - kommt an die Macht. Er säubert die Straßen von allen Menschen, die seiner Meinung nach die Gesellschaft verschandeln: Kleine Kriminelle, Alkoholiker, Süchtige, Asylanten, Flüchtlinge. Sie werden in Ghettos gebracht, Arbeitslager, die sie nicht verlassen dürfen. Moses, der Sohn von Pharao, findet eines Tages heraus, dass er gar nicht der Sohn des privilegierten Politikers ist, sondern der Sohn eines Flüchtlings, der 20 Jahre zuvor ins Ghetto kam. Und so schreibt es diese Geschichte: Moses beginnt einen gnadenlosen Kampf gegen seinen Vater, um die Menschen im Ghetto zu befreien. Kann er sie in das gelobte Land führen?


In gekonnter George Orwell Manier hat Regisseurin Penny Woolcock mit "Exodus" eine düstere Zukunftsversion geschaffen, die sich zudem noch die biblische Geschichte des Monumental-Klassikers "Die zehn Gebote" zum Vorbild nimmt. Zugegebenermaßen ist die Geschichte an einigen Stellen mit etwas gewöhnungsbedürftigen Zutaten versehen, erscheint im Gesamtbild jedoch überwiegend stimmig und hinterlässt einen überdurchschnittlich guten Eindruck beim Zuschauer. Die Anlehnung an den biblischen Hintergrund verleiht dem Ganzen etwas sehr Reizvolles, doch sind es insbesondere die diversen Änderungen der Abläufe, die meiner Meinung nach als absolute Höhepunkte anzusehen sind. Diese geben sich vor allem im letzten Filmdrittel zu erkennen, denn wo "Die zehn Gebote" doch mit einem eher harmonischen Ende daherkommt, hinterlässt vorliegendes Werk einen sehr schalen Geschmack beim Betrachter. Von einem Happy End meilenweit entfernt bekommt man ein eher hartes-und sehr tragisches Finale geboten, das aber ganz hervorragend in das gewonnene Gesamtbild hineinpasst und ein Szenario abrundet, das die ganze Zeit über wie eine zentnerschwere Last auf den eigenen Schultern liegt.

Selbst bei der Namensvergabe bei den Hauptfiguren hat man sich an dem grandiosen Monumentalfilm aus dem Jahre 1956 orientiert, denn im Mittelpunkt des Geschehens stehen mit dem Pharao Man, Moses und Zippora gleich 3 bekannte Charaktere aus dem Bibel-Epos. Die Geschichte wurde lediglich in die nahe Zukunft verlegt und erzählt von einem totalitär geführten Staat, in dem unliebsame Menschen in einem riesigen Ghetto leben müssen, das sarkastischerweise den Namen "Dreamland" trägt. Woolcock's Story ist dabei herrlich düster gezeichnet und beinhaltet trotz fehlender Gewaltdarstellungen einen ziemlich hohen Härtegrad, der sich hauptsächlich im Kopf des Zuschauers abspielt. Ausgelöst wird dieser vor allem durch düstere Ausgangslage der unter der Knechtschaft des Pharao lebenden Menschen, denn die Lebensumstände im Ghetto spotten jeglicher Beschreibung und vermitteln ein Gefühl der Tristesse-und Hoffnungslosigkeit. Doch auch die Abweichungen von der biblischen Geschichte sorgen für eine starke Beklemmung, erscheint doch beispielsweise die Figur des Moses nicht lediglich als Retter in der Not, seinem Charakter werden fast schon terroristische Züge beigemischt. So bringen seine Methoden-und Taten einen selbst phasenweise in einen moralischen Zwiespalt, kann man doch den Drang nach Freiheit durchaus nachvollziehen, muss dabei aber die Notwendigkeit gewisser Aktionen sehr wohl in Zweifel ziehen. So entsteht dann auch ein sehr angespanntes Verhältnis zwischen Moses und seiner Frau Zippora, die ihn im Laufe der Geschichte selbst als Mörder bezeichnet.

Und der Retter der Unterdrückten ist in der Wahl seiner Mittel wirklich nicht unbedingt wählerisch, was seiner Figur auch nicht nur Symphatiepunkte beim Betrachter einbringt. Gerade dieser Aspekt verleiht den Ereignissen jedoch auch etwas ganz Außergewöhnliches und hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis. Das kann man auch ganz generell auf die letzten Minuten des Filmes beziehen, denn nachdem die Unterdrückten endlich ihre Freiheit erlangt haben, gestalten sich die Abläufe keinesfalls so, wie man es aus der Bibel-Verfilmung her kennt. In dieser Phase erlangt die Geschichte wohl die größte Intensität und kriecht einem ganz extrem unter die Haut. Hier herrscht nämlich nicht in erster Linie die Freude über das Ende eines Lebens im Ghetto vor, es entwickelt sich vielmehr eine Gewaltspirale, die in unglaublich kurzer Zeit vollkommen außer Kontrolle gerät und durch nichts mehr zu stoppen ist. Gewalt löst Gegengewalt aus, diese Botschaft ist absolut unmissverständlich und wird auch sehr gut zum Zuschauer transportiert. Diese Abänderung der Geschichte ist für mich persönlich ein absolutes Highlight, wie auch die persönlichen Konsequenzen für Moses, der die Folgen-und Konsequenzen seiner Handlungen nun hilflos mit anschauen muss. Mehr möchte ich wirklich nicht verraten, um dem Ganzen nicht jede Spannung zu nehmen.

Letztendlich war es sicherlich ein mutiger Versuch, eine biblische Thematik in ein neues Gewand zu packen, doch mich persönlich hat Penny Woolcock's Variante von "Die zehn Gebote" absolut überzeugt. Vor allem ist die Vision eines totalitären Staates ja auch nicht vollkommen realitätsfremd, hat man ähnlich gelagerte Szenarien doch auch schon in der Wirklichkeit erleben müssen. Phasenweise erinnert der Film doch auch stark an die Zeit des Nazi-Regimes in Deutschland, denn gewisse Ähnlichkeiten sind keinesfalls von der Hand zu weisen. Trotz einiger nicht ganz stimmigen Momente ist das Werk in seiner Gesamtheit absolut empfehlenswert und stellt ein erstklassiges Drama dar, das hauptsächlich durch seine düster-und beklemmende Grundstimmung jederzeit überzeugen kann. Auch im darstellerischen Bereich gibt es nichts zu bemängeln, sämtliche Schauspieler liefern eine sehr gute Performance ab und tragen so ihren Anteil zu einem tollen Film-Erlebnis bei, das man sich keinesfalls entgehen lassen sollte.


Fazit:


"Die zehn Gebote" in einer düsteren Zukunftsversion, die doch streckenweise vielmehr an die jüngere Vergangenheit erinnert. So kurz und knapp könnte man "Exodus" beschreiben, doch das würde dem Film nicht gerecht werden. Trotz einiger kleiner Schwächen bietet sich insgesamt ein wirklich toller Film, dessen Botschaft auch wirklich beim Zuschauer ankommt. Ich fühlte mich bestens unterhalten und kann das Werk nur wärmstens weiterempfehlen.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 106 Minuten


8/10

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