Unsere kleine Filmwelt

Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Betreff des Beitrags: Irreversible (1997)
BeitragVerfasst: 6. Mär 2013, 22:40 
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Herstellungsland: F
Erscheinungsjahr: 1997
Darsteller: u. a. Monica Bellucci, Vincent Cassel, Albert Dupontel, Jo Prestia, Philippe Nahon, Stéphane Drouot, Jean-Louis Costes, Mourad Khima
Regie: Gaspar Noé
FSK: KJ

Inhalt:


Abspann. Von oben nach unten. Der merkwürdig geschriebene Titel. Zu Gongschlägen erscheinen die Namen. Flackernd. Verdrehte Buchstaben...

Eine trostlose Straße. Dunkel. Blaulicht. Ein karger Raum. Ein nackter Mann. Alt. Die Zeit zerstört alles. Ein anderer Mann. Wie wir später erfahren Marcus. Angezogen. Zigarette rauchend. Der Alte war im Knast, weil er mit seiner Tochter Sex hatte. Es gibt Untaten und es gibt Taten. Beide haben kein Geld. Polizeisirenen sind zu hören. Eine Neonschrift: "RECTUM". Ein Verletzter wird auf einer Trage rausgebracht. Alles dreht sich. Ein anderer Mann wird abgeführt. Im Krankenwagen. Polizisten fahren mit. Ein Blick auf den Verletzten. Die Sirene wird leiser und verendet. Dunkelheit. Spärliche Beleuchtung im Club. Bedrohliche Geräusche. Schreien. Schläge. Gestöhne. Es wird jemand gesucht. Le Tenia? Bist du Le Tenia? Kennt irgendjemand Le Tenia? Jemand will ihn zurück halten. Ein Schwulenclub. Wieder Gestöhne. Männer treiben es miteinander. An jeder Ecke des dunklen Clubs. Halbnackte. Du kennst Le Tenia? Wo ist er? Sein Lustsklave. Marcus wird angefasst. Er ist nicht schwul. Und geht deshalb auf ihn los. Sprüche fallen, bis er seinen Kopf gegen einen Metallstuhl knallt. Er treibt den Schwulen vor sich her, dann lässt er von ihm ab. Er schreit ihn noch an, wo zum Teufel Le Tenia ist. Ein anderer Mann mischt sich ein, und es kommt wieder zu einer Rauferei. Doch dieses Mal hat Marcus Pech, denn der Schwule kann ihn überwältigen und er geht zu Boden. Kurz bevor er vergewaltigt wird, kann sich sein Freund Pierre einen Feuerlöscher schnappen, und schlägt dem Angreifer mit diesem den Schädel ein. Wieder und wieder. Matsch.

Das Bild schwankt. Lichter sind an der Straße. Reden. Er geht in eine Kneipe. Wo ist das Rectum? Und er fängt Streit mit den Gästen an. Er steigt wieder in das Auto. Ein Taxi. Pierre will nicht zum Rectum. Doch als Pierre ihn nicht begleiten will, geht Marcus mit der Brechstange auf das Taxi los. Er will Rache und spricht ein paaar Straßennutten oder Transsexuelle an. Er sucht nach jemand anderem - Munoniez vielleicht. Er bedroht einen Transsexuellen mit einem Messer, und er erfährt, dass er ihn im Rectum finden wird. Als er abzischt, gehen die Nutten auf ihn los. Er ist nach dem Opfer gegangen. Etwa 15 Minuten. Pierre. Nicht Marcus. Er ist fast zur gleichen Zeit wie Pierre gegangen. Seine Papiere werden aufgenommen. Er kann gehen. Marcus wartet draußen. Man denkt immer, es passiert nur den anderen. Der Schwarze will Marcus helfen, ihn zu finden. Mit Geld, aber er kenne sich in diesem Viertel aus, und zwar besser als die Polizei. Munoniez. Er hat seinen Ausweis bei der Handtasche gefunden. Marcus und Pierre sind betrunken. Draußen ist ein Menschenauflauf. Die Polizei versperrt den Weg. Er sieht Alex blutüberströmt und schwer misshandelt auf einer Trage liegen. Eine Frau in Abendkleid geht auf der Straße entlang. Sie will die Straße überqueren, doch vierspurig mit viel Verkehr ohne Ampel machen dies nicht ganz so einfach. Ihr wird der Weg zu einer Unterführung gewiesen. Ein halbdunkler leicht rötlich schimmernder Tunnel. Mit flackerndem Licht. Ein Mann schlägt dort eine Frau. Als die Frau in dem Abendkleid in seine Nähe kommt, lässt er von seinem eigentlichen Opfer ab und wendet sich Alex zu. Er spielt er nur mit einem Messer vor ihrem Gesicht, doch irgendwann drückt er sie zu Boden und vergewaltigt sie brutal. Von hinten. Ein Mann betritt den Tunnel. Und geht wieder nach oben. Und Alex wird vergewaltigt und brutal getreten. Ins Gesicht.

Pierre und Marcus unterhalten sich im Fahrstuhl. Sie sind auf einer Party. Alex ist am Tanzen und amüsiert sich. Sie will nach Hause. Sie hat keine Lust mehr auf der Party zu bleiben. ihr Freund Marcus ist ihr zu kindisch. Und sie verlässt die Party - allein, und Pierre sagte ihr noch, dass sie nicht alleine gehen soll. Sie stehen zu dritt im Fahrstuhl auf dem Weg in die U-Bahn-Station. Sie unterhalten sich über Sex, und Pierre will wissen, ob Marcus seine Frau zum Orgasmus gebracht hat. Das Telefon klingelt. Alex und Marcus liegen nackt im Bett. Alles ist ruhig - friedlich. Die Zeit zerstört alles.

Wertung:

Aus meiner Sicht gibt es so gut wie keinen brutaleren Film als den hier vorliegenden, und zwar nicht auf die optische Gewalt bezogen. Als Hartboxensammler bin ich eher zufällig drauf gestoßen, und es war der allererste Gaspar Noé Streifen, den ich gesehen habe. Und ich finde diesen Film faszinierend, und dafür gibt es mehrere Gründe. Die Erzählweise ist gänzlich ungewöhnlich, so dass man erst gar nicht kapiert, was man da gerade sieht. Der Film wird rückwärts erzählt. Ja er beginnt doch sogar mit dem Abspann. Und die Story wird häppchenweise präsentiert.

Man sieht einen Mann, der Rache übt aus einem Grund, den man erst später erfährt. Und gerade das macht diesen Film so ungewöhnlich gut: Es gibt keinen anderen Film, der in ähnlicher Weise dargestellt wird, und das macht dieses Exemplar hier einzigartig. Daneben sind Skandal- wie auch Schockmomente reichhaltig im Film präsent: Die enorme Brutalität, die in dem Schwulen-Club an den Tag gelegt wird, ist schon recht erstaunlich. Fast so, als würde man das Gefühl der Gewalt an sich darstellen wollen. Daneben ist anfangs ein Schwulen-Club die Örtlichkeit, die nicht unbedingt zu den normalsten Szenerien des Filmbusiness zählen. Durch die Dunkelheit und die doch recht drastische Darstellung dort kommt zusätzlich ein gewisses Unbehagen hinzu. Auch die Perspektive der Kamera trägt mit dazu bei, dass man sich wie direkt vor Ort ja wie in einem verdammten Ego-Shooter fühlt. Die Beleuchtung lässt dabei teilweise Dinge aufblitzen, die man vor allem als heterosexueller Mann überhaupt nicht sehen möchte. Man spürt deshalb das Unbehagen, dass auch Marcus dort gefühlt haben muss. Ich bin hetero, fass mich nicht an, FASS MICH NICHT AN.

Die Szene des Films ist aber mit Sicherheit die im Tunnel, und die hat es wahrhaftig in sich. Es gibt einige Filme mit Rape-Szenen, aber diese hier ist vielleicht die brutalste und grausamste, da sie nicht nur die Vergewaltigung an sich sondern auch das Misshandeln des Opfers hinterher zeigt. Es gibt zwar Filme wie "Muttertag" oder "Last House on the Left", die unter anderem wegen einer solchen Szene verboten wurden, aber diese Szene ist wesentlich brutaler. Zum einen Aufgrund der Kameraperspektive, da man mehr oder minder auf Augenhöhe ist, und zum anderen, weil sie von der Länge her wesentlich ausgeschmückter ist, als in den erwähnten Filmen. "I Spit" möchte ich hier ausnehmen, da es dort nicht auf die Einzelszene sondern auf die Masse der Szenen ankommt, weshalb das nicht ganz vergleichbar hinsichtlich der Einzelszene ist.

Das, was diesen Film aber aus macht, ist, dass er einen emotional mitnimmt, und damit ist nicht mitnehmen im Sinne von einstecken gemeint. Kaum ein anderer Film holt den emotionalen Vorschlaghammer dermaßen heftig hervor und knallt einem diesen vor den Latz. Da, friss oder stirb. Und gerade bei Erstsichtung stellt sich ein Gefühl der Trauer und Wut ein, was nach jedem weiteren Ansehen nicht mehr so stark ist. Deshalb sollte man diesen Film auf jeden Fall am Stück sehen, ohne Unterbrechung, denn sonst geht die Wirkung anteilig verloren.

Man denkt immer, es passiert nur den anderen...

10/10

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 Betreff des Beitrags: Re: Irreversible
BeitragVerfasst: 7. Mär 2013, 11:42 
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Bei dem Film scheiden sich wohl die Geister.

Ich muss sagen der Film ist schon recht derbe Kost. Allerdings werde ich mit dem Erzählstil nicht ganz warm, dazu kommt die Kameraführung. Ich hab dadurch 3 Anläufe gebraucht um den Film komplett zusehen, das war mir irgendwie doch etwas zu anstrengend.

Der Film ist nicht schlecht, aber irgendwie nicht meins, vorallem die technische Seite entspricht nicht meinem Geschmack.

Ich würde 6/10 geben.


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 Betreff des Beitrags: Re: Irreversible
BeitragVerfasst: 7. Mär 2013, 15:07 
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Also von mir erhält der Film auch eine volle Punktzahl von 10/10.

Die Kameraführung fand ich genial, gerade die Tasache das die Kamera mit Fortschreiten des Filmes immer ruhiger wurde.

Die perfekte Noir Atmosphäre.

Recht brutal aber auch irgendwie realistisch ?!
Zudem fand ich den Bezug ganz am Anfang (Ende) des Filmes auf dem Film Menschenfeind.

Leider war Enter the Void nicht mehr so ein Knaller.

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 Betreff des Beitrags: Re: Irreversible
BeitragVerfasst: 7. Mär 2013, 19:30 
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Kann mich Sternom nur anschließen. Enter the Void kann auch gar nicht so sein, denn Irreversible ist nunmal einmalig. Die Zeit zerstört alles :D

Gerade die Kameraführung trägt ja mit zu der großartigen Atmosphäre dieses Films bei. Aber natürlich ist er nicht jedermanns Geschmack. Da gibt es wohl nur wenige Filme, die wirklich allen gerecht werden können.

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 Betreff des Beitrags: Re: Irreversible
BeitragVerfasst: 7. Mär 2013, 20:42 
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So sieht es aus, nicht jeder kann etwas mit diesem Film anfangen. Ich persönlich fand ihn gerade aufgrund seines Drehstils absolut genial, dennoch würde ich ihn mir ungern noch einmal anschauen. Ein einmaliges Erlebnis, das jedoch sehr tiefe Spuren hinterlässt. Zudem sehe ich es ähnlich wie Blaine, denn dieses Werk an harter und brutaler Ausstrahlung zu übertreffen, dürfte schwer zu bewerkstelligen sein.


9/10

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 Betreff des Beitrags: Re: Irreversible
BeitragVerfasst: 8. Mär 2013, 17:34 
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Erstmal ein :ds: Blaine, ich hatte mich vor 2-3 Wochen mal an einer Wertung versucht und nach 90 Minuten abgebrochen, dieser Film verweigert sich mir wenn ich ihn beschreiben
soll...

Für mich wird er auch nach mehrmaligem Sehen nicht weniger intensiv, der ganze Film schmerzt mich ob des Gezeigten, der Grundaussage und der Stimmung! Und gleichzeitig
fasziniert und paralysiert Irreversible durch seinen einzigartigen Erzählstil sowie die bis dahin undenkbaren Kamerafahrten - ein visueller Rausch zwischen Himmel und Hölle.

10/10

Lieber Sternom, ETV steht für sich und ist anders - aber auch wieder ein cineastisches Großereignis, würdest Du einen 2001 mit Shining vergleichen? Sorry, ein besseres Bild
fällt mir grade nicht ein! ETV hat zumindest eine Aussage die bei Irreversible zwangsläufig fehlt: Hoffnung!

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 Betreff des Beitrags: Re: Irreversible
BeitragVerfasst: 8. Mär 2013, 20:28 
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Archivmeister
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Clyde hat geschrieben:
Erstmal ein :ds: Blaine, ich hatte mich vor 2-3 Wochen mal an einer Wertung versucht und nach 90 Minuten abgebrochen, dieser Film verweigert sich mir wenn ich ihn beschreiben
soll...


Gern geschehen :)

Kommt gleich noch ein Review, was echt schwierig war auf zu schreiben...

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