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 Betreff des Beitrags: Mysterious Skin (2004)
BeitragVerfasst: 26. Okt 2013, 17:23 
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Mysterious Skin
(Mysterious Skin)
mit Chase Ellison, Joseph Gordon-Levitt, Brady Corbet, George Webster, Rachael Nastassja Kraft, Jeffrey Licon, Lisa Long, Chris Mulkey, Bill Sage, Elisabeth Shue, David Lee Smith, Riley McGuire, Ryan Stenzel, Billy Drago, Richard Riehle
Regie. Gregg Araki
Drehbuch: Gregg Araki / Scott Heim
Kamera: Steve Gainer
Musik: Harold Budd / Robin Guthrie
Keine Jugendfreigabe
Niederlande / USA / 2004

Als der 8-jährige Brian im Keller seines Elternhauses zu sich kommt, kann er sich nicht daran erinnern, was in den letzten Stunden mit ihm passiert ist. Die für ihn naheliegendste Erklärung für seinen Black Out scheint eine Entführung durch Außerirdische zu sein. Zur gleichen Zeit erlebt der gleichaltrige Neil eine weitaus greifbarere, aber ähnlich schicksalhafte Erfahrung, als er sich in den Trainer seiner Baseballmannschaft verliebt. Auch für Neil beginnt eine verhängnisvolle Verkettung von Umständen, die sein weiteres Leben auf eine unmoralische Weise prägen wird. 10 Jahre später treffen sich beide in ihrer Heimatstadt wieder und versuchen gemeinsam, die Ereignisse in ihrer Kindheit zu ergründen. Doch die Reise in ihre Vergangenheit wird zu einem Trip in die Hölle, als sich nach und nach die ganze Wahrheit offenbart…


Wieder einmal stellt das Label "Störkanal" eindrucksvoll unter Beweis, das es dem Zuschauer wirklich aussergewöhnliche Filmerlebnisse präsentieren will, denn "Mysterious Skin" entpuppt sich als eine Geschichte, die allein schon aufgrund ihrer Erzählstruktur etwas ganz Besonderes darstellt. Pararllel zueinander wird man mit 2 Erzählsträngen konfrontiert, die einem das Leben der beiden Hauptcharaktere Brian und Neil näherbringt, die vollkommen unabhängig voneinander aufwachsen, aber dennoch durch ein schockierendes Geheimnis untrennbar miteinander verbunden sind. Dieses jedoch ist zu Beginn der Story keinesfalls zu erkennen und lüftet sich erst zum Ende hin, als die beiden grundverschiedenen jungen Männer aufeinandertreffen und dabei ihre gemeinsame Verbindung miteinander aufarbeiten. Eigentlich galt die auf dem Roman von Scott Heim basierende Geschichte insbesondere wegen ihrer skandalträchtigen Thematik als unverfilmbar, wenn man allerdings die von Regisseur Gregg Araki Umsetzung des Stoffes gesehen hat muss man zweifelsfrei feststellen, das man gerade einen nachhaltig bewegenden Film gesehen hat, der extrem unter die Haut geht und einen auch nachhaltig noch sehr stark berührt.

Und dabei kann man gerade zu Beginn noch keinerlei Gemeinsamkeiten zwischen den beiden vollkommen verschiedenen Jungen feststellen, von denen einer (Neil) schon im zarten Alter seine ersten sexuellen Erfahrungen macht, indem er von seinem Baseball-Trainer zu sexuellen Handlungen verführt und missbraucht wird. Allerdings erscheinen die Dinge zu dieser Zeit nicht unbedingt wie ein Missbrauch, da der junge Neil das Zusammensein mit dem älteren Mann richtiggehend genießt. Doch gerade dadurch wirkt das Geschehen noch schockierender auf den Betrachter, denn die Selbstverständlichkeit mit der die Dinge geschehen, versetzt einen schon in eine Art Schockzustand. Andererseits ist da der junge Brian, der nach eigenem Empfinden zur gleichen Zeit von Ausserirdischen entführt wurde und seitdem unter ständigen und nicht erklärbaren Blackouts leidet die ihn immer wieder heimsuchen und so sein Leben erschweren. Der ständige Wechsel zwischen den beiden Lebensgeschichten der Hauptcharaktere, die übrigens beide in der gleichen Kleinstadt wohnen, ist die absolut herausragende Stärke des Filmes, bekommt man doch eine äusserst intensive Beleuchtung der einzelnen Personen und ihrer jeweiligen Entwicklungsstufen präsentiert, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Entwickelt sich Brian schon rein optisch zu einer Art perfektem Streber, der aber immer auf der Suche nach seinen unbeantworteten Fragen ist und jedem Hinweis nachgeht, um seine angebliche Entführung durch Außerirdische zu belegen, lebt Neil ein eher rebellisches Dasein und verdient sich sein geld schon in frühen Jahren als Strich-Junge. Dabei erscheint der junge Mann innerlich wie abgestorben, denn Emotionen jeglicher Art scheinen ihm irgendwie fremd zu sein.

Es ist in erster Linie den grandiosen Darstellern zu verdanken, das die hier gezeigten Ereignisse eine äusserst hohe Intensität entfalten und den Zuschauer auch emotional sehr stark berühren. Mir persönlich hat dabei vor allem Joseph Gordon Levitt in der Rolle des jugendlichen Neil besonders gut gefallen, denn verleiht er doch der von ihm dargestellten Figur äusserst viel Authenzität und Glaubwürdigkeit. So kommen insbesondere die nach aussen hin dargestellte Coolness wie auch die inhaltliche Leere des jungen Mannes besonders gut zur Geltung und vermitteln dem Zuschauer auch trotz des coolen Auftretens das Gefühl, das man es hier mit einer zerstörten Kinderseele zu tun hat, die gewaltsam ihrer Kindheit beraubt wurde und dies nie verkraftet hat. Aber ganz generell kann man die schauspielerischen Leistungen durch die Bank als überragend bezeichnen, denn was hier an Mimik, Gestik und Ausdruckskraft geboten wird, fordert einem schon den größten Respekt ab und wertet den von Haus aus schon fantastischen Film noch einmal ganz erheblich auf. Unbekannte und unverbrauchte Schauspieler laufen hier zu absoluten Höchstleistungen auf und verleihen den von ihnen dargestellten Charakteren eine echte Seele, so das zu keiner Zeit das Gefühl entsteht, das es sich um Schauspieler handelt. Vielmehr entsteht im laufe der Zeit immer mehr der Eindruck, das die jungen Leute ihre eigene Lebensgeschichte erzählen, die zwar an Jahren gemessen noch sehr kurz ist, aber durch die am Ende erkennbaren Erlebnisse schon mehr Schmerz beinhaltet, als manch Einer während seines gesamten Lebens über sich ergehen lassen muss.

Fast die ganze Zeit über handelt es sich bei "Mysterious Skin" eigentlich um einen Film, den man keinem einzelnen Genre zuordnen kann. Erst in den letzten Minuten der Geschichte ist zu 100 % zu erkennen, das es sich im Prinzip um ein waschechtes und zutiefst berührendes Drama handelt, in dem 2 junge Männer ohne es richtig zu wissen, durch ein schreckliches Erlebnis in frühester Kindheit miteinander verbunden sind. Auch wenn man diese Gemeinsamkeit sicherlich ab einem bestimmten Zeitpunkt erahnen kann, bekommt man die endgültige Bestätigung für diese Vorahnung erst einige Minuten vor dem Ende präsentiert. Denn durch die geniale Erzählweise der Geschichte hat es Gregg Araki perfekt verstanden, dem Zuschauer immer wieder einige Puzzle-Teilchen hinzuwerfen, die jedoch lediglich für diverse Vermutungen ausreichend waren und erst wenige Minuten vor dem Schluß die Gesamtzusammenhänge offenbaren und somit die ganze schreckliche Wahrheit preisgeben. So kann man auch als Betrachter erst nach dem Ende des Filmes so ganz verstehen, warum die vorhandene Thematik als teilweise skandalös angesehen wird und gerade deswegen auch als unverfilmbar galt. Nicht weiter verwunderlich dürfte es deshalb auch sein, das man auch noch lange nach dem Gesehenen nachhaltig schockiert ist, denn das Geschehen hinterlässt doch nachhaltige Spuren im Gedächtnis des Zuschauers, die nicht so leicht zu beseitigen sind.


Fazit:


Mit "Mysterious Skin" hat Gregg Araki ein cineastisches Meisterwerk erschaffen, in dem eine Thematik auf ihre ganz eigene Art und Weise bearbeitet wird, die manchem Zuschauer sicherlich auf den magen schlagen wird. Insbesondere den herausragenden Schauspielern ist es zu verdanken, das die geschehnisse extrem authentisch und glaubwürdig erscheinen, was dem ganzen eine ungeheure Intensität verleiht. Die von der Geschichte ausgehende Faszination legt sich wie eine zweite Haut über den Zuschauer, der sich nur zu gern mit den beiden Hauptfiguren auf die Suche nach ihrer wirklichen Identität begibt und so auch die während der Reise entstehenden Schmerzen, als auch die am Ende erscheinende und schreckliche Wahrheit mit ihnen teilt. Wer ein äusserst intensives und streckenweise schockierendes Filmerlebnis zu schätzen weiss, kommt an diesem Film keinesfalls vorbei.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,85:1 (16:9)
Laufzeit: 105 Minuten
Extras: Audiokommentar, Interviews, Vorlesung, Trailer, Trailershow, Exklusives Booklet

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