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Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Betreff des Beitrags: Neverlost (2010)
BeitragVerfasst: 27. Dez 2012, 01:20 
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Neverlost
(Neverlost)
mit Ryan Barrett, Emily Alatalo, Jennifer Polansky,Samuel Borstein, Gary Fischer, Patricia Ball, Peter Higginson, Paige Albrecht, Danny Bruzzi, Alison Campbell, Bryan Crockett, Alexena Whiting, Wilhelmina Maxwell, Ali Rothwell
Regie: Chad Archibald
Drehbuch: Chad Archibald
Kamera: Martin Buzora
Musik: Keine Information
FSK 16
Kanada / 2010

Das Leben von Josh Higgins ist die Hölle. Gefangen in einer lieblosen Beziehung und von einer nicht schwindenden Schlaflosigkeit geplagt, wandelt er auf dem schmalen Grat zwischen Depression und Wahnsinn. Nur die Erinnerung an Kate, seiner großen Liebe, die er vor Jahren bei einem verheerenden Hausbrand verloren hat, beschert ihm kurze Momente des Glücks. Als er eines Tages scheinbar harmlose Schlaftabletten zu sich nimmt, stellt er fest, dass in seinen Träumen ein neues Leben, ein glückliches Leben, ein Leben mit Kate auf ihn wartet. Die Grenzen zwischen Realität und Traum verschwinden und Josh fängt an für das zu kämpfen, was er vor Jahren verloren hat.


Mit "Neverlost" ist in der Störkanal-Reihe nun ein Titel erschienen, der den Zuschauer wirklich an seine Grenzen bringt. Der Film von Chad Archibald bietet nämlich Kopf-Kino in Perfektion, wobei man allerdings von Beginn an wissen sollte, das man am Ende der Geschichte höchstwahrscheinlich mit einigen offenen Fragen zurückbleiben wird. Eine endgültige Lösung des größtenteils sehr mysteriösen Geschehens offenbart sich einem nicht wirklich, so das letztendlich Vieles der Interpretation des jeweiligen Betrachters überlassen wird. Ich persönlich sehe das als sehr positiv an, jedoch wird es ganz sicher auch etliche Leute geben , die mit dem hier dargestellten Szenario so gut wie gar nichts anfangen können. Dabei beginnt die Geschichte noch ziemlich normal und bietet gerade in den ersten Minuten sogar einige Passagen, in denen eine Art skurriler Humor zum Vorschein kommt. Danach entwickelt sich das Geschehen dann in eine Richtung, die eine Menge an Verwirrung stiften kann. Selbst wenn man auf die kleinsten Details achtet fällt es mit zunehmender Laufzeit immer schwerer, die Grenzen zwischen Realität-und Fiktion zu erkennen, denn die zu Beginn noch erkennbaren Unterschiede zwischen Realität-und Traum-Sequenzen gehen immer mehr ineinander über und verschmelzen richtiggehend miteinander.

Immer tiefer wird man in einen Sog von Ereignissen hineingezogen, die einerseits eine ungeheuer starke Faszination ausüben, andererseits aber auch dafür Sorge tragen, das man selbst nicht mehr genau unterscheiden kann, bei welchen Passagen es sich nun um das reale Leben der Hauptfigur Josh handelt. Besonders stark wird dieses Gefühl im letzten Filmdrittel, denn insbesondere hier sind die Wahrnehmungen definitiv nicht mehr zu trennen, Traum-Sequenzen und Realität verschmelzen so sehr miteinander, das man am Ende überhaupt nicht mehr weiß woran man im Prinzip ist. Das mag sich nun eventuell eher negativ anhören, ist aber durchaus positiv gemeint, hat man doch eher selten die Möglichkeit einen Film so dermaßen stark selbst zu interpretieren und seine eigene Sichtweise der Dinge einfließen zu lassen. Meiner Meinung nach hat Chad Archibald ganz bewusst diese Erzählart gewählt, um den Zuschauer in die teils schon bizarren Abläufe mit einzubinden, denn ob man will oder nicht, man kann sich der Faszination dieser Geschichte keinesfalls entziehen.

Absolut prägend ist sicherlich Hauptdarsteller Ryan Barrett, der die Rolle des Josh herausragend interpretiert, wobei das gezeigte Schauspiel aller Akteure weit über dem üblichen Durchschnitt angesiedelt ist. Barrett jedoch ragt absolut heraus und bringt einem die Figur des unter extremen Schlafstörungen leidenden Mannes sehr nahe. Man leidet förmlich mit ihm mit und begleitet ihn nur zu gern auf der Reise, die sich zwischen realen Ereignissen-und einer in Träumen dargestellten anderen Welt darstellt. Sind hier am Anfang noch recht klar erkennbare Unterschiede zu erkennen, so ändert sich dies immer mehr, bis man letztendlich wirklich keinerlei Trennungen mehr erkennen kann. Es werden praktisch 2 vollkommen unterschiedliche Geschichten erzählt, von denen im Endeffekt beide der Realität entspringen könnten. Gerade in diesem Punkt liegt der besondere Reiz von "Neverlost", handelt es sich doch um einen Film, auf den man sich wirklich einlassen muss, um wenigstens einigermaßen die Ereignisse nachvollziehen zu können. Dennoch wird man am Ende keine endgültige Sicherheit darüber haben, wie sich die Dinge zueinander verhalten und muss die Geschichte aus der eigenen Sichtweise deuten.

Letztendlich handelt es sich um einen Film, der ganz bestimmt nicht das breite Mainstream-Publikum ansprechen wird, ist das Szenario doch viel eher für eine bestimmte Zielgruppe ausgelegt, die niveauvolles Kopf-Kino zu schätzen weiß. In gewisser Art und Weise erinnert diese Produktion schon ein wenig an diverse Filme von David Lynch, die ja auch immer wieder die Meinungen der Zuschauer extrem spalten. Wird auch dort immer wieder eine Menge der eigenen Interpretation überlassen, so zielt "Neverlost" genau in die gleiche Richtung. Manchmal ist es sogar ganz gut, wenn man einen Film und dessen Abläufe nicht bis ins kleinste Detail aufschlüsseln kann, denn so entsteht doch ein extrem nachhaltiger Eindruck beim Betrachter und es gibt immer wieder einen Grund, solche Werke noch einmal zu sichten, um vielleicht noch diverse Dinge zu erkennen, die man bei der ersten Sichtung nicht so sehr beachtet hat. Wie dem aber auch sei, Chad Archibald hat hier in meinen Augen ein kleines Meisterwerk geschaffen, dessen Interpretation wohl bei jedem etwas anders ausfällt. Eines dürfte dabei jedoch außer Frage stehen, denn wer dazu in der Lage ist sich auf diese herausragende Kombination zwischen Realität-und Fiktion einzulassen, der wird mit einem wunderbaren Szenario belohnt, das einem nachhaltig im Gedächtnis hängen bleibt.


Fazit:


"Neverlost" präsentiert in teils wunderschönen Bildern einen wahrhaften "Hirn-Verbieger", der ganz bestimmt nicht jeden Geschmack treffen wird, was jedoch letztendlich nichts an der vorhandenen Klasse der Geschichte ändert. Mainstreamer werden wohl kaum etwas mit diesem Werk anfangen können, wer jedoch niveauvolle Filmkunst zu schätzen weiß, ist hier genau richtig aufgehoben und sollte sich den Film auf keinen Fall entgehen lassen.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 92 Minuten
Extras: Trailer, Trailershow, Exklusives Booklet


10/10

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