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 Betreff des Beitrags: Run for her Life (2010)
BeitragVerfasst: 27. Mai 2013, 19:27 
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Run for her Life
(Inhale)
mit Diane Krüger, Dermot Mulroney, Rosanna Arquette, Sam Shepard, Vincent Perez, Jordi Molla, Walter Perez, David Selby, Mia Stallard, Cesar Ramos, Kisha Sierra, Judy Herrera, Quinn Mason, Maria Bethke, Kristian Ferrer
Regie: Baltasar Komakur
Drehbuch: Walter A. Doty III / John Claflin / Christian Escario
Kamera: Ottar Guonason
Musik: James Newton Howard
FSK 16
USA / 2010

Anwalt Paul Chaney (Dermot Mulroney) und seine Frau Diane (Diane Kruger) warten in New Mexico händeringend auf einen passenden Organspender für ihre kranke Tochter Chloe. Durch Zufall erfahren sie von einem Dr. Novarro, der in der mexikanischen Grenzstadt Juarez illegal Transplantationen durchführt. Als sich Chloes Zustand dramatisch verschlechtert, macht sich der verzweifelte Paul auf die Suche nach Novarro. Nach einer wahren Odyssee in Juarez sieht sich Paul mit der grausamen Wahrheit konfrontiert: Die Organe für die Transplantationen stammen nicht von Spendern, sondern von unfreiwilligen Opfern. Wie weit wird Paul gehen, um das Leben seiner Tochter zu retten?


Handeln sie wie ein Staatsanwalt oder wie ein Vater?


Diese Frage wird kurz vor dem Ende gestellt und beinhaltet allein schon die gesamte Dramatik und Tragik dieser sehr emotionalen Geschichte, die dem Betrachter streckenweise wirklich unter die Haut geht. Versucht man doch ständig, sich in die Situation hineinzuversetzen, in der sich das junge Ehepaar Chaney befindet, dessen kleine Tochter unbedingt eine neue Lunge braucht, um nicht schon im zarten Kindesalter zu sterben. Regisseur Baltasar Komakur ist es vortrefflich gelungen gerade den elterlichen Zwiespalt zwischen Liebe und Gerechtigkeitssinn herauszuarbeiten, der insbesondere in den letzten Passagen des Filmes auf erschreckende Art und Weise in den Vordergrund rückt, den man in dieser Form nicht zwingend erwarten konnte. Manch einem mag das gewählte Ende eventuell etwas unrealistisch erscheinen, da Paul Chaney eine für ihn persönlich folgenschwere Entscheidung trifft, die viele Väter warscheinlich nicht getroffen hätten. Jedoch ist der Schlußpunkt dieser ergreifenden und dramatischen Geschichte meiner Meinung nach perfekt und auch vollkommen bewust so gewählt worden, um die entstehenden Gewissenskonflikte eines Menschen darzustellen, in dessen Inneren sich ein nahezu furchtbarer Kampf abgespielt haben muss, den man als Aussenstehender nur sehr schwer nachvollziehen kann.

Wie weit würde man gehen, um das Leben des eigenen Kindes zu retten? Die Problematik dieser Frage ist der Kernpunkt des Filmes, der auf eindrucksvolle Art die Probleme aufzeigt, wenn ein Mensch auf eine lebensrettende Organ-Transplatation wartet, die gesetzliche Regelung des jeweiligen Landes aber die Chance auf ein Spender-Organ auf ein verschwindend geringes Minimum reduziert. Vor diesem Problem steht auch das Ehepaar Chaney, das hier von Diane Kruger und Dermot Mulroney sehr ausdrucksstark und authentisch dargestellt wird. Insbesondere dem überzeugendem Schauspiel von Mulroney ist es zu verdanken, das die Thematik des Filmes eine ungeheuer starke Intensität entwickelt, die sich fast schon zwangsweise auf den Zuschauer überträgt. Man identifiziert sich mit dem verzweifelten Vater, der nun auf illegalem Wege versucht, ein Organ für seine sterbenskranke Tochter aufzutreiben und dies nach etlichen Fehlschlägen auch wirklich schafft.

Wenn man dann allerdings sieht, um welchen Preis die neue Lunge beschafft wird treten erhebliche Zweifel auf, die sich nicht nur im Film beim Vater äussern, man selbst ist hin-und hergerissen und fühlst sich an seine Grenzen geführt. Obwohl man nur vor dem Bildschirm sitzt und das dramatische Szenario verfolgt, fühlt man sich fast schon dazu gezwungen, die anstehende Entscheidung mitzutragen und merkt immer mehr, das man hier keine Wahl treffen will. Zu gewichtig ist doch die Entscheidung die hier getroffen werden muss und die auf jeden Fall das Leben vollkommen verändern wird, ganz egal, welche Wahl auch getroffen wird. Es ist teilweise schon äusserst erschreckend, wie sehr man selbst in die Thematik involviert wird und sich so schon zwangsläufig als Teil des geschehens fühlt, phasenweise fühlt man sich gar wie paralysiert und absolut unfähig, eine Wahl zu treffen. Und so ergeht es auch Paul Chaney, der prinzipiell alles tun würde, um sein Kind zu retten, kurz vor dem Ende aber durch die entstehende Situation schmerzlich feststellen muss, das seine Grenzen erreicht sind und die Entscheidung keineswegs so leicht ist, wie er es sich vorgestellt hat.

"Run for her Life" ist ein wirklich absolut eindrucksvolles und ergreifendes Drama, das mit erstklassigen Darstellern besetzt ist und eine Geschichte erzählt, die immer aktuell ist. Gleichzeitig werden hier Fragen aufgeworfen, die man sich in der Theorie immer recht schnell beantworten kann, doch wenn man dieses Werk gesehen hat kann es gut möglich sein, das man etwas anders darüber denkt. Letztendlich ist man heilfroh darüber, das man doch nur als Betrachter der Ereignisse vor dem Bildschirm sitzt und nicht wirklich die Entscheidung treffen muss wie Paul hier im Film. Doch reicht allein schon die Vorstellung dieser Situation, um einen in arge Gewissenskonflikte zu bringen und sich gedanklich sehr intensiv mit der vorhandenen Thematik auseinanderzusetzen.


Fazit:


Baltasar Komakur hat mit "Run for her Life" ein unter die Haut gehendes Drama geschaffen, das einen äußerst nachhaltigen Eindruck beim Zuschauer hinterlässt. Von der ersten bis zur letzten Minute ist man von dem dramatischen Geschehen fasziniert und wird fast schon automatisch ein Teil der Ereignisse, da man sich förmlich in die Rolle des verzweifelten Vaters einfühlt. Dadurch empfindet man das Ganze noch viel stärker und begibt sich praktisch selbst auf die Suche nach einem Organ, um sein eigenes Kind zu retten. Wer intensive Dramen zu schätzen weiß, sollte sich diesen Film keinesfalls entgehen lassen, jedoch sollte man darauf gefasst sein, das es sich um ein erschreckend realistisches Film-Erlebnis handelt, das deutliche Spuren hinterlässt.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch / Niederländisch
Bild: 2,40:1 (16:9)
Laufzeit: 90 Minuten


8,5/10

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