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Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Betreff des Beitrags: Schonzeit für Füchse (1966)
BeitragVerfasst: 7. Mai 2014, 10:36 
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Schonzeit für Füchse
(Schonzeit für Füchse)
mit Helmut Förnbacher, Christian Doermer, Andrea Jonasson, Monika Peitsch, Edda Seippel, Helmuth Hinzelmann, Suse Graf, Alexander Golling, Willy Birgel, Dom de Beern, Erna Haffner, Siegfried Siegert
Regie: Peter Schamoni
Drehbuch: Peter Schamoni / Günter Seuren
Kamera: Jost Vacano
Musik: Hans Posegga
FSK 16
Deutschland / 1966

Die späte Adenauerzeit, Düsseldorfer Kleinbürgermilieu, die Villen reicher Ruhrgebiets-Bosse und die Jagden der niederrheinischen High Society sind der Hintergrund für eine marode Liebesgeschichte zwischen einem Filmjournalisten und einer Verleihsekretärin. Mit den "Füchsen" sind die Söhne gemeint, die versuchen, sich gegen versteinerte Traditionen, autoritäre Bevormundung, soziale und sexuelle Normen aufzulehnen. Treibjagd! Pardon wird nicht gegeben! Nicht für die Füchse und nicht für die Söhne, die eine Zeit lang glauben, aus dem Gehege einer verhassten bürgerlichen Welt ausbrechen zu können. Bis sie selbst zur Strecke gebracht werden.


Gerade der jüngeren Generation dürfte das Erstlingswerk von Peter Schamoni eher unbekannt sein, dabei handelt es sich bei "Schonzeit für Füchse" doch um einen wichtigen Beitrag des "neuen deutschen Filmes", der sich ganz erheblich von bis dahin erschienenen Produktionen abhebt. In dieser Geschichte wurde doch das 1962 unterschriebene "Oberhausener Manifest" in Spielfilmlänge umgesetzt, so das Schamoni durchaus als Wegbereiter des "neuen deutschen Filmes" angesehen werden kann. "Papas Kino ist tot" lautete die Schlagzeile, die sich auf die als desolat angesehenen deutschen Produktionen bezog und nun sollte eine neue Ära des Filmes eingeleitet werden die sich auch mit zeitgemäßen und kritischen Problemen beschäftigen sollte. Für manch einen mag vorliegender Film insbesondere aus heutiger Sicht ziemlich angestaubt und eventuell sogar antiquiert erscheinen, doch gerade zur damaligen Zeit war es ein schon fast revolutionäres Erlebnis eine Geschichte präsentiert zu bekommen, in der man hauptsächlich mit zeitgenössischen Generationskonflikten konfrontiert wurde. Im Grunde genommen erzählt der Film von einer Liebesbeziehung die seltsam emotionslos und fast schon unterkühlt in Szene gesetzt wurde. Insbesondere durch diesen Aspekt wird jedoch geradezu brillant das Leben eines jungen Film-Journalisten umgesetzt, der wie auch sein bester Freund Viktor dem bürgerlichen leben und eingefahrenen Traditionen entfliehen möchte. In seiner Beziehung zu der Sekretärin Clara ist von Wärme-und Zuneigung eher wenig zu spüren, es tritt vielmehr eine erstaunliche Gleichgültigkeit in den Fokus des Geschehens, die sich mit zunehmender Laufzeit als eine Art Lebens-Motto des Journalisten herauskristallisieren soll.

Man kann es als innere Auflehnung gegen die eingefahrenen Traditionen oder auch als eine Art Arrangement mit seiner Umwelt ansehen, auf jeden Fall erscheint es phasenweise fast schon erschreckend, wie offensichtlich gleichgültig der junge Mann durch sein Leben geht und kaum echtes Interesse an irgendwelchen Dingen zeigt. Stellenweise kommt es dem Zuschauer dabei schon wie eine innerliche Kapitulation vor, denn zu stark scheint die Lebensart der älteren Generation verhaftet zu sein, als das man sich wirklich dagegen auflehnen könnte. So wird die Revolution der jungen Leute auch eher nur durch kleinere Dinge angedeutet die aber dennoch ganz klar zum Ausdruck bringen, das man sich mit der eingefahrenen Schiene der gut-bürgerlichen Lebensart nicht mehr identifizieren kann. So rückt Schamoni ganz hervorragend den Aspekt in den Mittelpunkt das man sehr wohl mit Traditionen brechen will und dabei auch gerne einmal verbal provoziert, andererseits aber auch eine gewisse Hilflosigkeit an den Tag legt, da die notwendigen Mittel für eine echte Änderung anscheinend noch nicht vorhanden sind. So bleibt es dann auch bei einer eher unterschwelligen Auflehnung der jungen Männer, von denen der Journalist ganz eindeutig im Vordergrund steht und sein Freund Viktor viel eher eine untergeordnete Rolle einnimmt. Im Film kommt die Revolte der neuen Generation aber dennoch sehr gut zum Ausdruck, was sich insbesondere durch das Verhalten und die teilweise bissigen verbalen Andeutungen zu erkennen gibt. Gleichzeitig wird immer wieder die Liebesbeziehung in den Fokus gerückt und bei dieser ist es doch streckenweise fast schon erschreckend, wie emotionslos und gleichgültig sich diese darstellt.

Von Herzlichkeit ist weit und breit keine Spur zu finden und so erscheint die Romanze auch viel eher als eine gefühlskalte Zweckgemeinschaft, die einzig und allein auf der Grundlage basiert sich zu arrangieren. Auf manch einen mag das eher gewöhnungsbedürftig wirken, doch vor allem dieser Teil der Geschichte ist es, der auch einen gewissen Teil Verzweiflung eines jungen Mannes beinhaltet, der innerlich zwischen Auflehnung und Aufgabe hin-und her gerissen erscheint. Es ist der erstklassigen schauspielerischen Leistung von Helmut Förnbacher zu verdanken, das diese Elemente auch ganz vorzüglich zum Ausdruck kommen, denn seine Interpretation der Figur ist absolut gelungen. Ganz generell gibt es aber gerade in darstellerischer Hinsicht sehr gute Leistungen zu bewundern, was ganz automatisch für einen äußerst authentischen Eindruck der Geschehnisse sorgt. Ein weiterer wichtiger Punkt in "Schonzeit für Füchse" sind sicherlich die immer wieder eingestreuten Jagdszenen, denn gerade hier werden die tief verwurzelten Traditionen zum Ausdruck gebracht gegen die sich die beiden jungen Männer auflehnen wollen. Einerseits mit diesem Szenario aufgewachsen, nutzen sie die wöchentliche Jagd der älteren Generation ständig dafür, um durch bissige Dialoge auf ihre Ablehnung aufmerksam zu machen. In dieser Hinsicht tut sich besonders Viktor hervor, lässt er doch kein gutes Haar an den erzählten Jagdgeschichten und provoziert nach stärkerem Alkoholkonsum immer wieder durch sarkastische Anspielungen, indem er sich über gewisse Dinge ins Lächerliche zieht.

Jüngere Zuschauer werden eventuell nicht viel mit diesem Film anfangen können, aber meiner Meinung nach handelt es sich bei "Schonzeit für Füchse" um einen der wichtigsten deutschen Filme, wird an dieser Stelle doch praktisch eine neue Ära eingeläutet, in der insbesondere die aufkommenden Konflikte der Generationen hervorragend ins Bild gesetzt wurden. Drei Jahre nach dem Tod von Peter Schamoni hat nun das Label Ascot Elite sich seines ersten Werkes in Spielfilmlänge angenommen und diesen in einem wirklich liebevoll gestalteten Mediabook veröffentlicht. So kann man nun ein Stück deutscher Zeitgeschichte in restaurierter und würdiger Form genießen und erhält gleichzeitig noch ein aufwendig gestaltetes Booklet das eine Menge an interessanten Informationen enthält. Die Veröffentlichung enthält den Film auf DVD sowie auch auf Blu-ray und ist auch noch mit diversen Extras ausgestattet, die allerdings nur auf der DVD enthalten sind. Auf jeden Fall handelt es sich hier um eine äußerst lohnenswerte Anschaffung, denn dieser wichtige deutsche Film sollte in keiner gut sortierten Sammlung fehlen.


Fazit:


Peter Schamoni hat mit "Schonzeit für Füchse" eine unterschwellige Revolution in Szene gesetzt die sich hauptsächlich durch das Verhalten zweier junger Männer zu erkennen gibt. Einerseits provokant, aber auch mit einer extremen Gleichgültigkeit durchzogen präsentiert sich so eine Geschichte, in der man den Kampf zwischen den Generationen einmal auf eine ganz andere Art zu sehen bekommt.


9/10


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