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Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Betreff des Beitrags: In schwarzer Haut (2008)
BeitragVerfasst: 7. Aug 2013, 18:15 
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In schwarzer Haut
(Skin)
mit Sophie Okonedo, Terri Ann Eckstein, Bongani Masondo, Dan Robbertse, Jeremy Crutchley, Jonathan Taylor, Nomathamsanga Baleka, Valesika Smith, Ella Ramangwane, Alice Krige, Faniswa Yisa, Sam Neill, Hannes Brummer
Regie: Anthony Fabian
Drehbuch: Anthony Fabian / Helen Crawley
Kamera: Dewald Aukema / Nic Hofmeyer / Jonathan Partridge
Musik: Helene Muddiman
FSK 12
Großbritannien / Südafrika / 2008

Sandra ist die Tochter unzweifelhaft weißer Eltern, aber trotzdem ist ihre Haut kaffeebraun, ihre Haar ist schwarz und kraus. Man würde sie mindestens für ein gemischtrassiges Kind halten. Ihr Leben wird deshalb zu einer Odyssee zwischen Schwarz und Weiß. Immer wieder wird sie von den Behörden "umetikettiert". Als sie sich in einen Schwarzen verliebt, entscheidet sich Sandra endgültig für ein Leben als Farbige, was sie für immer ihrer weißen Familie entfremdet.


"In schwarzer Haut" bringt dem Zuschauer das wohl dunkelste Kapitel Südafrikas näher, erzählt der Film doch die wahre Geschichte von Sandra Laing, die durch einen Gen-Defekt als Kind weißer Eltern trotzdem mit schwarzer Haut geboren wurde. In Zeiten der damals noch vorherrschenden Apartheid - Regierung ein Umstand, der logischerweise etliche Probleme aufgeworfen hat die das Leben Sandra's mehr als nur nachhaltig geprägt hat. Regisseur Anthony Fabian hat es dabei perfekt verstanden, der Geschichte eine äusserst einfühlsame Note zu verleihen und dennoch eine Ungläubigkeit beim Zuschauer auszulösen, der fassungslos mitansehen muss, wie Menschen verschiedener Hautfarbe wie Eier nach Klasse sortiert werden. Obwohl man ganz genau weiss wie die damaligen Umstände in Südafrika waren, ist es dennoch schockierend diese Klassifizierung mitanzusehen, die zudem noch von der absoluten Minderheit am kap der guten Hoffnung vorgenommen wurde. Man stellt sich dabei nicht gerade selten die Frage, wer Menschen das Recht gibt andere nur wegen ihrer Hautfarbe zu demütigen und zu entehren, wobei man ihnen noch das Gefühl vermittelt, das sie keine Lebewesen sondern vielmehr eine Ware sind, die eine niedrigere Qualität besitzt wie andere. So passiert es während dieser ergreifenden und tief berührenden Geschichte nicht gerade selten, das sich ein immenses Maß an Wut und Verständnislosigkeit in einem selbst aufbaut und man hilflos mitansehen muss, wie sich eine Regierungsform nahezu willkürlich dazu auserkoren hatte, über die absolute Mehrheit des Volkes zu urteilen und dabei keinerlei Schikanen ausgelassen hat.

Die Geschichte beginnt schon in Sandra's Kindheit, selbst der Schulbesuch gestaltet sich zu einem Spießrutenlauf, wird das junge Mädchen aufgrund ihrer hautfarbe irrtümlicherweise für eine Schwarze gehalten. Trotz Bemühungen ihres Vaters (Sam Neill) können die Komplikationen nicht so leicht aus der Welt geschafft werden, was diesen stellenweise regelrecht auf die Palme bringt. Dieser Zustand wird zusätzlich noch verstärkt, als Sandra später ein Kind von einem Schwarzen erwartet, was die Bande zu ihrer Familie endgültig zertrennt. So muss Sandra von nun an ihr Leben selbst meistern, sind ihr doch selbst Kontakte zu ihrer über alles geliebten Mutter verboten, was die junge Frau extrem belastet. Was hier nur ansatzweise beschrieben ist, entpuppt sich im Film als äusserst brillant umgesetzter Lebensweg einer jungen Frau, der durchzogen ist von Leid und Schikanen, die man sich trotz Kenntnis der damaligen Apartheid - Regierung kaum vorstellen kann. Der hier stattfindende Rassismus wird von der weißen Minderheit im land mit einer solchen Selbstverständlichkeit ausgeübt, das es einem Angst und Bange werden kann und man die gesamte Laufzeit über ein extremes Gefühl der Beklemmung verspürt, das einem fast die Luft zum Atmen nimmt.

Getragen wird diese tief berührende Story in erster Linie durch das hohe Maß an Authenzität, das durch die sehr realistische Wirkung des Geschehens ausgelöst wird, weiterhin sind es die brillanten Schauspieler, die dem Film ihren ganz eigenen Stempel aufdrücken. Besonders herausheben muss man ganz eindeutig Sophie Okonedo, die in der Rolle der Sandra Laing eine absolute Glanzleistung hinlegt und diese Rolle förmlich mit Leben erfüllt. Die nach Aussen hin eher zerbrechlich erscheinende junge Frau legt in ihrer Darstellung eine Kraft frei, die man nur schwer in Worte fassen kann. Man bekommt dabei nie das Gefühl das sie sich in ihr Schicksal ergeben würde, sie lernt lediglich, mit der gegebenen Situation zu leben und die Umstände zu akzeptieren. Durch das herausragende Schauspiel von Sophie Okonedo wird insbesondere diesen Passagen im Film eine ungeheure Größe verliehen, so das man ganz automatisch auch der echten Sandra Laing seinen unbedingten Respekt zollt. Zwar kann man sich wohl nur ansatzweise in die Haut der jungen Frau hineinversetzen, deren Leben ein einziges Martyrium ist und das sich erst ändern kann, als 1994 die Apartheid abgeschafft wurde, was für Sandra allerdings nach eigener Aussage zu spät kam. Hat sie doch zu diesem Zeitpunkt ihre Eltern und Geschwister schon 20 Jahre nicht mehr gesehen. Erste durch einen Brief ihrer Mutter erfährt sie, das ihr Vater schon 2 Jahre zuvor an Krebs verstorben ist, so das eine eventuell versöhnliche Aussprache zwischen den beiden nicht mehr stattfinden kann.

So macht sich die Mutter von mittlerweile 2 fast schon erwachsenen Kindern auf die Suche nach ihrer Mutter, um wenigstens mit ihr ins Reine zu kommen. Die gefühlvolle aber dennoch jederzeit wuchtige Erzählstruktur des Filmes lässt den Zuschauer immer wieder in ein wahres Wechselbad der Gefühle eintauchen, ist da einerseits das starke Mitgefühl für das beschwerliche Leben einer jungen Frau, die eigentlich nie eine richtige Chance hatte, so herrschen andererseits Wut und streckenweise schon regelrechter Hass vor, der gegen eine arrogante Minderheits-Regierung gerichtet ist, die sich durch ihre eigene Anmaßung in eine gottähnliche Position gebracht hat, in der sie Menschen wie eine Ware klassifiziert hat. Fabiani's Film versteht es sehr gut, die allgemeine politische Situation zu beleuchten und gleichzeitig die bewegende Geschichte einer einzelnen Person nachzuzeichnen, so das sich eine äusserst gute und sehr intensive Mischung ergibt, die gleichzeizit faszinierend aber auch schockierend erscheint. Trotz seiner eher bedächtigen Erzählweise entfacht das Geschehen eine ungeheuer starke Intensität, die sich ganz automatisch auf das eigene Sehverhalten niederschlägt. Zudem enthält die Geschichte überhaupt keine Längen, so das letztendlich für ein absolut ungetrübtes Filmerlebnis gesorgt ist, das sich nachhaltig in das Gedächtnis des Betrachterers festsetzt.


Fazit:


"In schwarzer haut" ist ein bewegender Film, der einem nicht selten die Tränen in die Augen treibt. manchmal geschieht dies aus reiner Wut, andererseits ist man streckenweise auch einfach nur über ein Schicksal gerührt, das grausam und menschenunwürdig erscheint, gleichzeitig aber auch die Stärke einer Frau zum Ausdruck bringt, die man am liebsten in den Arm nehmen und in eine bessere Zukunft geleiten will. Die Darsteller - Riege allgemein und Sophie Okonedo im Besonderem machen dieses Werk zu einem absoluten Erlebnis, das man auf keinen Fall verpassen sollte.


8,5/10

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