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 Betreff des Beitrags: Tatanka - Die Reise zurück in das Reich der Camorra (2011)
BeitragVerfasst: 23. Mär 2014, 14:50 
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Tatanka - Die Reise zurück in das Reich der Camorra
(Tatanka)
mit Rade Serbedzija, Giacomo Gonnella, Susanne Wolff, Giorgio Colangeli, Alexander Yassin, Damir Todorovic, Clemente Russo, Carmine Recano, Linda Chang, Vincenzo Pane, Lorenzo Scialla, Enzo Casertano
Regie: Giuseppe Gagliardi
Drehbuch: Roberto Saviano / Maurizio Braucci / Massimo Gaudioso / u.A.
Kamera: Michele Paradisi
Musik: keine Informationen
FSK 16
Italien / 2011

Neapel – in dieser Stadt gibt es nur einen Weg der Armut zu entrinnen: die Camorra. Mit den Versprechungen von Drogen, Frauen, Macht und Geld angelt sich das organisierte Verbrechen jeden Jugendlichen der Stadt und lässt sie nicht mehr los. Michele sieht im Boxen die einzige Alternative so einem Leben zu entgehen. Doch als er für einen Freund die Schuld eines Verbrechens auf sich nimmt, muss er für 8 Jahre ins Gefängnis. Nachdem er wieder frei kommt, will er nur raus aus Italien doch sein ehemals bester Freund ist jetzt eine große Nummer in der Camorra und will ihn an seiner Seite.


"Tatanka" ist das Erstlingswerk von Giuseppe Gagliardi und bietet eine gelungene Kombination aus Krimi, Sportfilm-und Drama, in dem die Camorra eigentlich nur sekundär im Fokus der Ereignisse steht. Wer also auf einen typischen Film im Mafia-Stil hofft wird eher eine leichte Enttäuschung erleben, denn die Geschichte konzentriert sich doch in der Hauptsache auf ihre Hauptfigur Michele (Clemente Russo), der ganz eindeutig Dreh-und Angelpunkt sämtlicher Geschehnisse ist. Während die meisten Filme aufgrund ihres Aufbaus zumeist über ein gewisses Steigerungs-Potential verfügen und mit der Zeit immer mehr ihre Stärken entfalten, verhält es sich im vorliegenden Fall eher umgekehrt. "Tatanka" präsentiert dem Zuschauer nämlich eine richtig starke erste Filmhälfte, um danach leider ein wenig abzubauen. Baut Gagliardi seine Erzählung nämlich ganz hervorragend auf und setzt dabei in erster Linie auf eine erstklassig agierende Darsteller-Riege, so erscheint der zweite Teil des Filmes ein wenig wirr und hinterlässt das Gefühl, das man zu viele kleine Erzählstränge in eine zu kurze Zeitspanne packen wollte, was den Gesamteindruck letztendlich ein wenig trübt.

Vielleicht mag das ein wenig in der Tatsache begründet sein, das hier etliche Leute für das Drehbuch verantwortlich zeichnen und so einmal mehr der Spruch zum tragen kommt, das zu viele Köche den Brei verderben. Dabei wird die zu Beginn gelegte Basis erstklassig weiter entwickelt und man bekommt einen sehr guten Eindruck über das Leben der Hauptfigur die vom grandios aufspielenden Clemente Russo wirklich hervorragend interpretiert wird. Während sich im ersten Teil genügend Zeit für die Einführung der Charaktere und die in Neapel vorherrschende Lebenssituation genommen wird, erfährt das Ganze nach gut der Hälfte einen nicht unerheblichen Stilbruch, in dem einem von nun an eine eigenartige Hektik präsentiert wird, die sich ein wenig negativ auf die Ereignisse legt. Damit wir uns an dieser Stelle nicht falsch verstehen, "Tatanka" ist in seiner Gesamtheit ein absolut sehenswerter Genre-Mix mit etlichen starken Momenten, der im zweiten teil allerdings diverse Mankos beinhaltet, die man meiner Meinung nach durchaus hätte vermeiden können.

So erscheinen die ständigen Schauplatzwechsel etwas störend und nicht selten überkommt den Betrachter das Gefühl, das die Abläufe nun in einer Art Zeitraffer an einem vorbeiziehen. So wirken diverse Passagen dann schon etwas wirr und es fällt phasenweise gar nicht so leicht den genauen Überblick zu behalten. Dennoch hat der Regisseur immerhin darauf geachtet den Zuschauer mit einem versöhnlichen Ende aus dem Film zu entlassen, denn nachdem im letzten Drittel die Züge eines Dramas in Erscheinung treten wartet die Chose mit einem Showdown auf, der einen befriedigenden Eindruck im Gedächtnis hinterlässt. Trotzdem wäre es meiner persönlichen Meinung nach durchaus sinnvoll gewesen, der Geschichte ein paar Minuten mehr Laufzeit zu verpassen, denn so hätte man den leicht hektischen Eindruck der zweiten Filmhälfte auf jeden Fall vermeiden können. Da es sich jedoch um einen Regie-Erstling handelt, mag dieser Umstand der Unerfahrenheit des Regisseurs geschuldet sein, der insgesamt gesehen definitiv einen guten Film abgeliefert hat, der aber durchaus hervorragend hätte ausfallen können. Eine ausgeglichenere Gewichtung der beiden Filmhälften wäre wünschenswert gewesen, doch auch in vorliegender Form ist "Tatanka" durchaus als ein starkes Stück Film anzusehen, das in erster Linie durch seine überzeugenden Mimen ins Auge fällt.

Letztendlich ist es wie immer Geschmackssache, denn viele Leute werden hier sicherlich einen typischen Mafia-Film erwarten. Stattdessen bekommt man jedoch einen Genre-Mix mit etlichen Schauwerten, einer tollen Kamera-Arbeit, aber auch kleineren Schwächen geboten, der insgesamt gesehen aber im Gedächtnis hängen bleibt. Trotz eines schwächeren Schluss-Teils kann das Werk insgesamt überzeugen und bietet beste Unterhaltung. Der Sport und eine Freundschaft stehen im Vordergrund des Ganzen, wohingegen der Aspekt der Camorra eher einen hintergründigen Anteil im Gesamtbild einnimmt, was manchem Zuschauer eventuell nicht so gut gefallen wird. Dennoch sollte man diesem Werk auf jeden Fall eine Chance geben, beinhaltet es doch genügend starke Momente, um im Endeffekt zu einem überdurchschnittlich guten Gesamteindruck zu gelangen.


Fazit:


Mir persönlich hat die vorliegende Geschichte äußerst gut gefallen, nur hätte ich mir eine etwas stimmigere Gewichtung der beiden Filmhälften gewünscht. Dennoch kann man ohne Bedenken eine Empfehlung für "Tatanka" aussprechen, denn allein schon die erstklassig agierenden Darsteller rechtfertigen eine Sichtung dieses Filmes.


7/10


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