Unsere kleine Filmwelt

Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Betreff des Beitrags: The Darkest Day - Story of a Tragedy (2009)
BeitragVerfasst: 26. Okt 2013, 17:22 
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Amok - Columbine School Massacre
(April Showers)
mit Anna Adams, Dominic Arellano, Mark Arnold, Tom Arnold, Tyrone Beasley, Kelly Blatz, Brigette Chizek, Ben Chrystak, Paul R. Coate, Suzanne Deyo, Sean Durrie, Jenna Edwards, Lisa Hinz, Duncan Joyner
Regie: Andrew Robinson
Drehbuch: Andrew Robinson
Kamera: Yoshi Carroll / Miguel Cedillo / Aaron Platt
Musik: Dominik Rausch
FSK 16
USA / 2009

Es ist ein wahrgewordener Albtraum: ein Amoklauf an einer Schule! An einem ganz normalen Schultag verwandelt sich die Jefferson High in einen Ort des Schreckens, als plötzlich Schüsse durch die Korridore hallen. Schüler und Lehrer flüchten um ihr Leben. Doch für viele gibt es kein Entkommen und sie verlieren im Kugelhagel ihr Leben. Auch die anrückende Polizei kann nicht verhindern, dass am Ende des Tages nur Leid und Trauer zurückbleiben...


Filme, die sich der Thematik eines Amoklaufes an einer Schule bedienen haben immer ihren ganz besonderen Reiz, handelt es sich doch immer um ein Schreckens-Szenario, das auch in der Realität leider nur zu oft grausame Realität wird. Anders als beispielsweise im estnischen Film "Klass" wird dem Zuschauer hier nicht die Chronologie der Ereignisse gezeigt die zu dem Amoklauf führen, vielmehr beschäftigt sich das Werk von Regisseur Andrew Robinson mit Auswirkungen, unter denen die Überlebenden leiden müssen. So wird man dann auch gleich zu Beginn mit dem Amoklauf konfrontiert, wobei man keinesfalls auf explizite Gewaltdarstellungen hoffen sollte. Die hat der Film aber auch überhaupt nicht nötig, entfaltet das Szenario doch aus der Thematik an sich eine ungeheure Intensität, die sich ganz zwangsläufig auf einen selbst überträgt. Dabei ist es nahezu unmöglich, sich der grausamen Wirkung der Ereignisse zu entziehen, die sich wie eine zentnerschwere Last auf die eigenen Schultern legt. Denn obwohl es sich hier "nur" um einen Film handelt taucht man tief in das Geschehen ein und leidet förmlich mit den Protagonisten mit. Der entstehende Schockzustand ist förmlich zu spüren und man empfindet die ganze Zeit über ein extremes Gefühl der Beklemmung, das man unmöglich abstreifen kann.

Dies ist insbesondere der Erzählweise der Geschichte zu verdanken, die bis auf den rasanten Beginn eher ruhig daherkommt. Gerade darin liegt aber die große Stärke, offenbaren sich doch vor allem in den stillen Phasen des Szenarios äußerst emotionale Momente, in denen man ganz nahe bei den Überlebenden ist, die das tragische Ereignis auf die verschiedendsten Arten verarbeiten. An dieser Stelle ist das grandiose Schauspiel der Protagonisten zu erwähnen, die durch die Bank sehr glaubwürdige Performances an den Tag legen. Insbesondere Hauptdarsteller Kelly Blatz in der Rolle des Sean weiß hier sehr zu gefallen, seine Mimik und Gestik drücken doch den ganzen Schmerz aus, den die Ereignisse hinterlassen haben. Die Ohnmacht und die Fassungslosigkeit über das Geschehene kommen so stark zum Ausdruck, das die Geschichte in großen Teilen vielmehr wie ein schrecklicher Tatsachenbericht als wie ein Spielfilm erscheint. Es entsteht eine als grausam zu bezeichnende Faszination, die man fast unmöglich in Worte fassen kann, da sie einen schier sprachlos macht. Dazu zählt auch das die eigentlichen Beweggründe des Täters eher recht schwammig im Hintergrund gehalten werden, denn so ist der Amoklauf noch unverständlicher und hinterlässt einen extrem bitteren Beigeschmack. Die Ungläubigkeit über die Ereignisse vertieft sich mit der Zeit immer mehr und man selbst wird immer mehr zu einem Teil des Szenarios, das die unterschiedlichsten Emotionen in einem wachruft.

Betroffenheit, Unverständnis und eiskalte Wut steigen in einem auf und man fragt sich immer wieder was einen jungen Menschen zu einer Tat bewegen kann, die etliche Menschen in ein totales Unglück stürzt, aus dem es anscheinend kein Entrinnen gibt. Die Frage nach dem "Warum" hängt auch die gesamte Zeit über wie ein Damokles-Schwert über den Ereignissen, gibt es doch ganz einfach keine logischen Erklärungen für das Geschehene. Man kann einfach noch nicht einmal in Ansätzen eine gewisse Art von Verständnis für den Amokläufer aufbringen, dessen Beweggründe nicht weiter erläutert werden. Lediglich ein kurz eingespieltes Video lässt erkennen, das ein genereller Hass auf alle Menschen und die gesamte Welt dafür verantwortlich zeichnen, das der Täter einen bleibenden Eindruck hinterlassen wollte. Kam im 2007 erschienenen "Klass" noch so etwas wie menschliches Verständnis auf, so ist in vorliegendem Fall überhaupt nichts davon vorhanden, was dem Ganzen eine noch härtere Note verleiht. Ganz generell gibt es selbstverständlich gar keine Rechtfertigung für einen Amoklauf, doch wurden die Täter im estnischen Genre-Vertreter so lange gedemütigt bis sie sich nicht mehr anders zu helfen wussten, so fehlt hier doch jegliche Rechtfertigung, die das Ganze auch nur annähernd rechtfertigen könnte. Durch diesen Aspekt hämmert sich die Geschichte noch tiefer in das Gehirn des Betrachters und verstärkt das Unverständnis für die Motive um ein Vielfaches.

"Klass" und "April Showers" behandeln zwar die gleiche Thematik, legen ihr Hauptaugenmerk jedoch auf 2 vollkommen verschiedene Sichtweisen. Beide Filme sind auf ihre Art und Weise sehr eindringlich und konfrontieren einen mit Schmerz, Trauer und einer absolut schockierenden Wirkung. Während einmal eingehend die Ereignisse beleuchtet werden die zu einer schrecklichen Tat geführt haben, sind es in vorliegendem Fall die Nachwirkungen für die Überlebenden, die im zentralen Mittelpunkt stehen. Ausgezeichnetes Schauspiel und extrem emotionale Momente sorgen hier für ein Filmerlebnis, das man nicht so schnell verdauen kann. Zu realitätsnah werden die Ereignisse dargestellt, als das man nach der Sichtung des Werkes schnell zur normalen Tagesordnung übergehen könnte. Der Eindruck dieses Filmes hallt noch lange im Gedächtnis nach und hinterlässt einen fast ohnmächtigen Zustand beim Betrachter, aus dem man sich erst nach und nach befreien kann.


Fazit:


"The Darkest Day" behandelt ein Thema, das leider immer wieder zur grausamen Aktualität wird. Man kann einfach nicht begreifen, aus welchen Gründen auch immer ein junger Mensch sein eigenes Leben und das vieler anderer sinnlos wegwirft und dabei den Hinterbliebenen so viel Schmerz zufügt. Die Ohnmacht der Betroffenen wird hier erstklassig eingefangen und man kann den entstandenen Schockzustand förmlich spüren. Wie paralysiert verfolgt man die Ereignisse eines Filmes, der trotz seiner eher ruhigen Erzähl-Struktur wuchtig und kraftvoll daherkommt und letztendlich ein einziger Tiefschlag in die menschliche Seele ist.


8,5/10

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