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 Betreff des Beitrags: The Divide (2011)
BeitragVerfasst: 10. Dez 2012, 12:08 
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The Divide
(The Divide)
mit Michael Biehn, Lauren German, Milo Ventimiglia, Courtney B. Vance, Ashton Holmes, Rosanna Arquette, Ivan Gonzalez, Michael Eklund, Abbey Thickson, Jennifer Blanc
Regie: Xavier Gens
Drehbuch: Karl Mueller / Eron Sheean
Kamera: Laurent Banes
Musik: Jean-Pierre Taieb
Keine Jugendfreigabe
Deutschland / Kanada / USA / 2011

Starr vor Schreck erlebt Eva am Fenster ihres Apartmentblocks den Augenblick des Weltuntergangs: Mit gewaltigen Explosionen verabschiedet sich New York in einem Inferno aus Feuer und Rauch. In letzter Sekunde erreicht sie zusammen mit ihrem Ehemann und einigen Nachbarn den schützenden Keller. In dem bunkerartigen Komplex eingeschlossen, hoffen die Menschen auf baldige Rettung. Doch als klar wird, dass diese nicht kommt, muss sich die zusammengewürfelte Gruppe selbst helfen. Es kommt zu ersten Konfrontationen; was mit verletzter Eitelkeit beginnt, steigert sich nach der ersten Bedrohung von draußen zu einem Machtspiel mit grausamer Konsequenz.


Xavier Gens hatte sich mit dem französischen Horrorfilm "Frontier(s)" einen Namen gemacht und wie Kollege Alexandre Aja ist nun auch er dem Ruf Hollywood's gefolgt. Sein neuestes Werk "The Divide" hat mit Horror im eigentlichen Sinne recht wenig zu tun, handelt es sich doch vielmehr um ein intensives Drama, das nach dem nuklearen Holocaust unter den wenigen Überlebenden der Katastrophe entfacht wird. Schaut man jedoch ein wenig hinter die Fassade dann stellt man ziemlich schnell fest, das es sich sehr wohl um ein wahres Horror-Szenario handelt, das sich jedoch auf eine vollkommen andere Art und Weise zu erkennen gibt. Die eigentliche nukleare Katastrophe steht in dieser Geschichte auch überhaupt nicht im Vordergrund, lediglich in der ersten Einstellung des Filmes sieht man im Hintergrund die die Explosion der Bombe. Danach dreht sich das Geschehen einzig und allein um die wenigen Überlebenden, die es in einen sicheren Keller eines Wohnhauses schaffen und dort ihrem Schicksal überlassen sind. So sollte der Zuschauer auch keinerlei Erklärungsversuche erwarten, denn wer den atomaren Angriff verursacht hat wird zu keiner Zeit wirklich geklärt, sowie auch eventuelle Motive im Dunkeln gelassen werden. So dient die Anfangs-Sequenz lediglich als Mittel zum Zweck, um den darauf folgenden Ereignisse im Keller ein Grundgerüst zu verleihen. Dieser Aspekt wird noch mehr hervorgehoben, als nach einer geraumen Zeit eine Gruppe bewaffneter Männer in atomaren Schutzanzügen den Keller stürmt, um lediglich die kleine Tochter von Marilyn (Rosanna Arquette) zu entführen. Auch dieser Nebenerzählstrang wird nicht weiter verfolgt, so das die Ausgangslage eines Atomkrieges nun vollends zu den Akten gelegt wird und prinzipiell keine weitere Rolle spielt.

Xavier Gens hat das gesamte Szenario äußerst geschickt bewerkstelligt, der Zuschauer wird beispielsweise in eine Lage versetzt, in der jegliches Zeitgefühl abhanden kommt. Zu keiner Zeit erfährt man, wie lange sich die Personen schon in dem Keller befinden, was phasenweise schon für eine gewisse Orientierungslosigkeit sorgen kann. Dieser Schachzug ist meiner Meinung nach jedoch vollkommen bewusst eingesetzt worden, verleiht er den Abläufen doch eine weitaus intensivere Wirkung. Und diese Wirkung steigert sich praktisch im Minutentakt und lässt dabei die von Beginn an schon äußerst beklemmende Grundstimmung in schier schwindelerregende Höhen ansteigen. Ist man selbst durch den aggressiven Einstieg in die Geschichte schon genügend schockiert worden, so wird dieser Zustand mit zunehmender Laufzeit immer weiter gesteigert. Dabei ist es in der Folgezeit nicht einmal die Ausgangsposition des Atomkrieges die einen erstarren lässt, sondern vielmehr der menschliche Krieg der sich innerhalb des Keller-Komplexes abspielt. Kam es dort schon zu Beginn unter den Überlebenden zu einigen Auseinandersetzungen und Machtspielchen, so war dies nur ein sogenannter Probelauf für die folgenden Ereignisse.

Aus Menschen werden regelrechte Bestien, Dinge wie Vergewaltigung und Mord stehen auf einmal auf der Tagesordnung und als Betrachter ist man regelrecht davon geschockt, in wie weit sich Menschen doch verändern können, wenn sie sich in einer schier aussichtslosen Lage befinden. Anstatt zusammenzuhalten wird erbarmungslos gegeneinander gekämpft, gefoltert und bis aufs Tiefste gedemütigt. Umgangssprachlich wird ja immer wieder gesagt, das jeder Mensch auch ein Tier in sich habe und wenn diese Aussage auch nur irgendeine Bedeutung hat, dann wurde sie durch Xavier Gens extrem gut und kompromisslos in Szene gesetzt. Während einige aus der Gruppe zu beginn noch versuchen, sich ihre Menschlichkeit zu bewahren, tendieren andere wiederum in eine ganz andere Richtung und scheinen sich an einem selbst erworbenen Machtgefühl regelrecht zu berauschen. Psychische-und physische Folter werden wie ein Spiel angewendet, bei dem die männlichen Täter sichtbare Freude erkennen lassen. Sadismus und Genuss an der Demütigung anderer Menschen treten in den Focus des Geschehens, das immer mehr die dunkle Seite der Seele in den Vordergrund rückt.

Der Umgang mit der vorherrschenden Situation lässt dabei so unterschiedliche Aspekte erkennen, das es einem selbst stellenweise wirklich eiskalt den Rücken runter läuft. Dabei eskaliert die Gewaltspirale immer mehr und eine vollkommen Eskalation der Gewalt ist definitiv nicht mehr aufzuhalten. Die ganze Szenerie ist zudem mit einer absolut grandiosen Atmosphäre versehen, die dem Ganzen eine unglaublich realistische Note verleiht, was im vorliegenden Fall für äußerste Beklemmung beim Zuschauer sorgt. man möchte sich überhaupt nicht vorstellen, wie man selbst in einer solchen Situation reagieren würde und möchte das Geschehen nur zu gern weit von sich fernhalten. Dieser Versuch misslingt jedoch gründlich, denn die Ereignisse strahlen eine viel zu große Faszination aus, als das man sich nicht gedanklich mit ihnen auseinandersetzen würde. Das liegt auch an den ganz hervorragend agierenden Darstellern, die allesamt eine wirklich überzeugende Performance abliefern und so den sehr guten Gesamteindruck des Filmes noch zusätzlich etwas aufwerten. Natürlich gibt es auch wieder genügend Leute, die Etliches an diesem Werk zu bemängeln haben, doch für mich persönlich hat Xavier Gens einen absolut überzeugenden Film abgeliefert. Spannung von der ersten bis zur letzten Minute, eine tiefgehende Beleuchtung der einzelnen Charaktere und eine Ausgangslage, die vollkommen in den Hintergrund gerät sind neben der herausragenden Grundstimmung die absoluten Höhepunkte eines Filmes, der ganz schön unter die haut geht und einen sehr nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis hinterlässt.


Fazit:


Was hier als nukleare Katastrophe beginnt entwickelt sich zu einem Krieg, der auf einer ganz anderen Ebene stattfindet. Gens gewährt dabei einen tiefen Einblick in die dunkelsten Winkel der menschlichen Seele und verleiht seiner Geschichte dabei eine unglaublich starke Intensität. Das Szenario kann einen nicht vollkommen unberührt lassen und hinterlässt zudem einen äußerst schalen Beigeschmack. Ganz normale Menschen verwandeln sich in reißende Bestien, deren Egoismus lediglich durch ihre Freude am Leid anderer noch übertroffen wird. Ein sehenswerter Film mit guten Schauspielern, den man sich unbedingt anschauen sollte.


8/10

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