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 Betreff des Beitrags: The Philosophers - Wer überlebt? (2012)
BeitragVerfasst: 16. Feb 2014, 13:04 
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The Philosophers - Wer überlebt?
(The Philosophers)
mit Bonnie Wright, Maia Mitchell, James D'Arcy, Katie Findlay, Rhys Wakefield, Daryl Sabara, Freddie Stroma, Sophie Lowe, Erin Moriarty, Jacob Artist, George Blagden, Cinta Laura Kiehl, Hope Olaide Wilson, Philippa Coulthard
Regie: John Huddles
Drehbuch: John Huddles
Kamera: John Radel
Musik: Jonathan Davis / Nicholas O'Toole
FSK 12
USA / 2012

Am Horizont steigen die Wolken von Atombombenexplosionen empor, die nukleare Apokalypse ist da. 20 junge Erwachsene, Schüler der Abschlussklasse Philosophie an einer internationalen Schule in Jakarta, stehen vor dem Eingang eines Bunkers. Ein Jahr lang können sie dort überleben, um später die Menschheit neu aufzubauen. Doch der Bunker bietet nur Raum für 10 Bewohner. Wer soll leben, wer wird sterben? Ihr Lehrer hat ihnen Berufe und Eigenschaften willkürlich zugeteilt. Sie bilden die Basis für rationale Entscheidungen. Das Ganze ist nämlich ein Gedankenexperiment, mit dem Mr. Zimit ein letztes Mal das Urteilsvermögen seiner Schüler herausfordert. Doch schnell bröckelt das rationale Gebäude und das Experiment bekommt eine gefährliche Eigendynamik …


Wie würdest du entscheiden?


Diese Frage stellt man sich bei der Ansicht der vorliegenden Thematik ganz automatisch, denn eine Klasse von Philosophie-Studenten beschäftigt sich an ihrem letzten Schultag mit einem Gedankenexperiment, in dem sie bei einer möglichen nuklearen Katastrophe den Weiterbestand der Menschheit sichern sollen. Das Ganze spielt sich dabei in einem Klassenraum ab, wobei es sich aber keinesfalls um eine dialoglastige Debatte handelt, die lediglich auf diesen Schauplatz begrenzt ist. Regisseur John Huddles bebildert die Kernthematik nämlich ausgezeichnet und so bekommt der Zuschauer einen sehr plastischen Eindruck der gegebenen Situation, in der die Schüler eine Auswahl treffen müssen und somit einen Teil der Gruppe zwangsläufig zum Tode verurteilen. Dreimal wird das Szenario dabei durchgespielt und um überhaupt entscheiden zu können werden den Schülern Berufe zugeteilt, bei denen vom Eisverkäufer bis zum Ingenieur so ziemlich alles vertreten ist was man sich nur vorstellen kann. Mit der Zeit entfaltet die Geschichte dabei eine gefährliche Eigendynamik und es kristallisieren sich immer bedrohlichere Züge heraus, die auch innerhalb der Gruppe zu diversen Spannungen führen. Davon lebt der Film und bezieht aus diesem Aspekt auch seinen äußerst gelungenen Spannungsaufbau, der jedoch im letzten Drittel der Geschichte einen deutlichen Abfall erkennen lässt. Baut sich bis dahin eine sehr beklemmende Grundstimmung auf die einen auch tief in die Geschehnisse eintauchen lässt, so zerstört der dritte Teilabschnitt des Szenarios ein wenig den bis dahin äußerst guten Gesamteindruck.

Hat zuvor jeweils die gesamte Gruppe darüber entschieden welche Leute im sicheren Bunker überleben dürfen, so ist es im letzten Abschnitt einzig und allein die Vorzeigeschülerin Petra, in deren Händen das Schicksal ihrer Kameraden liegt. An sich wäre das gar nicht weiter schlimm, doch nimmt die Story nun eine etwas kitschig erscheinende Wendung und lässt den Betrachter auch sogleich Vermutungen anstellen, worauf das Ganze letztendlich hinausläuft. Die Wendung am Ende ist so auch nicht ganz nachvollziehbar, denn während das Geschehen zuvor wirklich mit erstklassigen philosophischen Ansätzen versehen ist, gestalten sich die Ereignisse zum Ende hin fast schon banal. Allerdings ergeben diverse zuvor nicht ganz logische Handlungsweisen nun einen Sinn, wobei bei diesem Punkt insbesondere die Taten des Lehrers Zimit in den Vordergrund rücken. Er ist es nämlich, der durchgehend eine absolut unbekannte Größe darstellt und den Zuschauer immer wieder mit Handlungen konfrontiert, die für so manches Fragezeichen sorgen. Warum er das aber letztendlich macht hätte sicherlich eine würdigere Umsetzung verdient und wäre dem Film insgesamt auch weitaus gerechter geworden, denn die Geschichte an sich beinhaltet nun wirklich eine ganze Menge an Potential, das bis auf die letzte Phase auch durchaus ausgeschöpft wurde.

Nun mag sich das alles für manch einen eher negativ anhören, doch "The Philosophers" ist in seiner Gesamtheit ein absolut sehenswertes Drama, das lediglich im letzten Drittel ein wenig schwächelt. Bis dahin jedoch bekommt man einen Plot geboten, in den man sich unheimlich gut einfühlen kann. Dabei wird man selbst an seine moralischen Grenzen geführt und ist heilfroh darüber, das man sich nicht selbst in einer solchen Situation befindet. Huddles hat es sehr gut verstanden einen in die Entscheidungsfindung der Protagonisten einzubeziehen und zeigt dabei auch durchaus logische Kriterien auf, nach denen man seine Auswahl treffen kann, um das Überleben der Menschheit zu gewährleisten. Dennoch fällt die äußerst schwer denn es stellt sich doch immer wieder die Frage, ob die Wichtigkeit eines Menschen lediglich an seinem Beruf oder diversen anderen Dingen festzumachen ist. So stößt man immer wieder an moralische Gegensätze und es entsteht ein Kampf zwischen Logik und Gefühl, der einem richtig schwer zusetzt. Man befindet sich also fast durchgehend in einem furchtbaren Zwiespalt, wobei man auch seine eigene Entscheidung immer wieder hinterfragt, da man gedanklich immerhin über das Leben etlicher Menschen richtet und dabei auf keinen Fall einen Fehler machen will. Wenn da nur nicht dieses leicht schnulzig erscheinende Finale wäre, das die Ernsthaftigkeit des Filmes ein wenig in Frage stellt und den gewonnenen Gesamteindruck ein wenig trübt. An dieser Stelle wäre es sinnvoller gewesen, die bedrückende Atmosphäre aufrecht zu erhalten, die jedoch leider in wenig in sich zusammen fällt.

Trotz dieser offensichtlichen Schwäche sollte man sich aber keinesfalls täuschen lassen, denn "The Philosophers" ist dennoch immer noch ein überdurchschnittlich gutes Drama, das vor allem aufgrund seiner Ausgangslage eine Menge an Spannung und Dynamik verspricht. Huddles hat hier sehr viel richtig gemacht und präsentiert so eine Geschichte, die einen fast durchgehend mit einer Gänsehaut überzieht und gleichzeitig mit moralischen Widersprüchen konfrontiert. Mit gut agierenden Jung-Darstellern besetzt entfaltet die Geschichte eine Menge Kraft und bietet dem Betrachter ein äußerst intensives Film-Erlebnis, in das man sich extrem gut hinein versetzen kann. Der etwas schwächelnde Schluss-Akkord ist dann leider nicht so ganz gelungen aber definitiv kein Grund dafür, einen großen Bogen um diesen sehenswerten Film zu machen.


Fazit:


"The Philosophers" entpuppt sich zum größten Teil als sehr intensive Filmkost, in der man gedanklich mit einem Schreckens-Szenario konfrontiert wird, in dem man auch als Zuschauer zu Entscheidungen gezwungen wird, die man ehrlich gesagt überhaupt nicht treffen will. Teilweise bekommt man hier einen wirklichen Tiefschlag in die Eingeweide versetzt und lediglich der nicht ganz stimmige Showdown der Geschichte verhindert einen überragenden Gesamteindruck eines Szenarios, das einem tief unter die Haut fährt und dabei seine Spuren hinterlässt.


7/10

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