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 Betreff des Beitrags: Wild Bill - Vom Leben beschissen (2011)
BeitragVerfasst: 20. Feb 2014, 18:30 
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Wild Bill - Vom Leben beschissen
(Wild Bill)
mit Charlie Creed-Miles, Will Poulter, Sammy Williams, Iwan Rheon, Charlotte Spencer, Rain Ryan, Marc Warren, Peter McCabe, Morgan Watkins, Radoslaw Kaim, Aaron Ishmael, Liz White, Hardeep Singh Kohli
Regie: Dexter Fletcher
Drehbuch: Danny King / Dexter Fletcher
Kamera: George Richmond
Musik: Christian Henson
FSK 16
Großbritannien / 2011

Acht Jahre hat Wild Bill im Knast abgesessen, nun kehrt der Mann, der keine Vergangenheit, keine Gegenwart und keine Zukunft hat, zurück nach Hause. Und muss feststellen, dass seine Frau abgehauen ist und ihre beiden Söhne im Teenageralter sich auf eigene Faust herumschlagen müssen. Mit einem Schlag sieht sich Bill mit der Realität konfrontiert, sich um zwei Jungs zu kümmern, die ihn nicht ausstehen können. Als aber das Jugendamt anklopft, muss sich der ungewöhnliche Familienverbund schleunigst zusammenraufen.


Gangster-Dramen aus Großbritannien sind in der Regel eigentlich immer absolut sehenswert, verlaufen jedoch fast immer nach dem gleichen Schema. Nun ist auch "Wild Bill" durchaus in die Gangster-Ecke einzuordnen, aber dennoch hebt sich der Regie-Erstling von Dexter Fletcher sehr wohlwollend von anderen Genre-Kollegen ab. Das ist ganz einfach in der Tatsache begründet, das der Regie-Neuling hier ein äußerst authentisches-und in erster Linie menschliches Drama geschaffen hat, das von der ersten bis zur letzten Minute in allen Belangen zu überzeugen weiß. In der Hauptsache zeichnen dafür die erstklassig gezeichneten Charaktere bei die mit erstklassigen und sehr überzeugenden Darstellern besetzt sind. Hervorstechend fällt dabei vor allem Charlie Creed-Miles ins Auge des Betrachters, der als aus dem Knast entlassener Vater mitbekommen muss, wie seine beiden pubertierenden Söhne von der Mutter verlassen wurden und sich nun selbst irgendwie durchs Leben schlagen müssen. Fletcher ist es absolut erstklassig gelungen den tristen Alltag der Kids überzeugend in Szene zu setzen, wobei ganz besonders die verwahrlosten Lebensumstände und die Abneigung gegen den eigenen Erzeuger sehr eindrucksvoll in den Fokus gerückt wird. Besonders die abwehrende Haltung des älteren Dean gegenüber dem Vater zeigt die gesamte Verbitterung und Verzweiflung eines Teenagers den man praktisch um seine Kindheit beraubt hat. Dieser Aspekt zieht sich dann auch wie ein roter Faden durch die gesamte Geschichte, denn während der jüngere Jimmy doch ziemlich schnell einen Zugang zu Bill findet, dauert es fast bis zum Ende, damit auch das Eis zwischen Dean und seinem Vater gebrochen werden kann und ein versöhnlicher Ton zwischen den beiden zustande kommt.

Obwohl "Wild Bill" hauptsächlich ein waschechtes Drama darstellt beinhaltet das Werk auch jede Menge komödiantische Anleihen, der Humor offenbart sich dabei in erster Linie durch äußerst charmante Situationskomik, lässt aber gleichzeitig auch die Züge einer wunderbaren Tragikomödie erkennen. Neben der generell erstklassigen Beleuchtung sämtlicher für die Geschichte wichtigen Figuren rückt selbstverständlich immer wieder Bill in den Mittelpunkt des Geschehens, wobei die Wandlung seines Charakters extrem gut nachvollziehbar ins Bild gesetzt wurde. Will er zu Beginn eigentlich nur kurz einmal nach über 8 Jahren Haft bei seiner Familie vorbeischauen, so merkt er doch mit der Zeit immer mehr, das seine beiden Söhne wirklich eine echte Vaterfigur brauchen, damit sie nicht vollkommen in der Tristesse ihres Alltages versinken. An dieser Stelle nimmt dann die Figur des jüngeren Jimmy einen größeren Stellenwert ein, denn der 11-Jährige gerät immer mehr auf die schiefe Bahn, was letztendlich auch dazu führt, das "Wild Bill" seinem Namen im Finale der Geschichte alle Ehre macht. Trotz seines legendären Rufes den er genießt kann man sich eigentlich nur schwer vorstellen, das dieser hagere und eher unscheinbare Mann zum echten Vulkan werden kann, dessen Ausbruch man aus gesundheitlichen Gründen lieber nicht erleben möchte.

Der Showdown in einem Pub zeigt dies ganz eindeutig, denn um seinen jüngeren Sohn aus den Fängen einiger Drogen-Dealer zu befreien ist Bill dazu gezwungen, gegen eine zahlenmäßig klar überlegene Gruppe ankämpfen. In dieser Passage bekommt man dann auch die einzigen wirklichen Action-Einstellungen geboten, was aber keinesfalls als negative Kritik aufgefasst werden sollte. vielmehr verhält es sich so, das mehr solcher Szenen der Geschichte geschadet hätten, die ihren eigentlichen Stärken doch ganz eindeutig in den dramatischen Elementen beinhaltet. Die tristen Schauplätze des Ganzen untermalen hier den starken Eindruck eines Sozial-Dramas mit familiärem Hintergrund, das mit einigen, wenigen Action-Inhalten angereichert wurde, die der Authenzität der Ereignisse sehr gut zu Gesicht steht. Die menschlichen Momente tragen dafür Sorge, das einem diese Story streckenweise auch richtig unter die Haut geht und dennoch beinhaltet der Film gleichzeitig einen unglaublich hohen Unterhaltungswert, so das insgesamt ein hervorragender Gesamteindruck entsteht, der "Wild Bill" in die Kategorie der positiv überraschenden Filme hievt.

Man kann Dexter Fletcher nur zu einem rundum gelungenen Regie-Erstling gratulieren der eine extrem gute Geschichte erzählt, in der verschiedene Genre-Elemente absolut grandios miteinander vermischt wurden. Tolle Schauspieler, ein wenig Action und eine glaubwürdige Erzählung sorgen so für ein beeindruckendes Gesamtpaket, das sich einmal jenseits der ansonsten üblichen Gangsterfilme aus Großbritannien ansiedelt und dadurch ganz besonders auffällt. Lediglich das Ende hat mich persönlich etwas gestört, denn hier hätte ich mir wirklich ein Happy End gewünscht, das aufgrund diverser Vorfälle aber leider nicht richtig zustande kommen kann. Und trotzdem wird der Betrachter mit einem sehr befriedigendem Eindruck aus diesem Film entlassen, den man sich ganz bestimmt nicht das letzte Mal angesehen hat.


Fazit:


"Wild Bill" ist ein in allen Belangen vorzüglicher Film-Genuss, den man in dieser Form wohl eher nicht erwartet hätte. Dramatisch, spannend und unglaublich charmant kommt hier ein Drama daher, das trotz seiner Ernsthaftigkeit auch genügend Momente beinhaltet, in denen man sich ein Schmunzeln nicht verkneifen kann. Wer also Lust auf diese außergewöhnliche Kombination verspürt sollte unbedingt zugreifen, denn bei dieser Geschichte kann man nicht viel falsch machen.


8/10

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