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 Betreff des Beitrags: Das Versteck (1969)
BeitragVerfasst: 28. Nov 2015, 09:09 
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Das Versteck
(La Residencia)
mit Lilli Palmer, Cristina Galbó, John Moulder-Brown, Maribel Martín, Mary Maude, Cándida Losada, Pauline Challoner, Tomás Blanco, Víctor Israel, Teresa Hurtado, María José Valero, Conchita Paredes, Ana María Pol
Regie: Narciso Ibáñez Serrador
Drehbuch: Narciso Ibáñez Serrador / Juan Tébar
Kamera: Manuel Berenguer / Godofredo Pacheco
Musik: Waldo de los Ríos
FSK 16
Spanien / 1969

Die etwas schüchterne Waise Theresa wird Anfang des 20. Jahrhunderts von ihrem Vormund auf ein streng geführtes, von der Außenwelt abgeschottetes Mädcheninternat in Südfrankreich geschickt. Dort spielen sich unter der Oberfläche perfekter Disziplin, die von der eisernen Leiterin Madame Forneau überwacht wird, nicht nur brutale Machtspiele unter den Mädchen, sondern auch mysteriöse, unheimliche Vorgänge ab. Schülerinnen verschwinden unerwartet, um am nächsten Tag mit fadenscheinigen Erklärungen entschuldigt zu werden und des Nachts erwachen die endlosen Hallen und Flure des finsteren Herrenhauses zum Leben ...


Manchmal muss man sich wirklich die Frage stellen, warum unzählige Perlen des europäischen Kinos erst Jahrzehnte nach ihrem Erscheinen bei uns auf DVD erscheinen. Dies trifft insbesondere auf vorliegenden spanischen Beitrag zu dem immerhin der Ruf voraus eilt, das es sich um nicht weniger als den besten Horrorfilm Klassiker handelt, den die Iberer je zustande gebracht haben. Bei solch immensen Vorschusslorbeeren wird man selbstverständlich hellhörig und lenkt dabei die eigenen Erwartungen in ziemlich gewaltige Höhen, die der vorliegende Film aber auch fast spielerisch bewältigen kann. Nicht selten wird "Das Versteck" von vielen Leuten auch als spanischer Gialli eingeordnet und so weit hergeholt ist diese Genre Zuordnung dann auch gar nicht. Die Geschichte lässt nämlich sehr wohl starke Züge des italienischen Sub Genres erkennen, wobei der Löwenanteil der Story aber wohl dennoch recht eindeutig dem Gothic Horrorfilm zuzuordnen ist. Wie dem auch sei, Regisseur Narciso Ibáñez Serrador (Ein Kind zu töten) hat definitiv die richtige Mixtur gefunden und präsentiert dabei ein Szenario, das allein von der Location her ganz eindeutig klassische Tendenzen in den Vordergrund rückt.

Als Schauplatz dient ein Mädchenpensionat in Südfrankreich, das von der strengen Madame Forneau (Lilli Palmer) rigoros geleitet wird. Zeitlich befindet man sich am Anfang des 20. Jahrhunderts, was insbesondere durch die tollen Kostüme und die Einrichtung des Pensionats brillant zum Ausdruck gebracht wird. Von echtem Horror oder einer Mordserie ist zu Beginn noch überhaupt nichts zu verspüren und es dauert auch eine geraume Zeit, bis die erste Tötung auf den Zuschauer wartet. Die Zeit bis dahin gestaltet sich aber keineswegs langatmig oder gar uninteressant, denn immerhin bekommt man eine etwas tiefer gehende Charakterzeichnung diverser Figuren, wobei Palmers Rolle als Leiterin die größte Aufmerksamkeit geschenkt wird. Die gute Lilli liefert dabei eine ganz ausgezeichnete Performance ab und drückt dem Geschehen ganz eindeutig ihren persönlichen Stempel auf. Man nimmt ihr die stocksteife Chefin jederzeit ab und ahnt zu keiner Zeit, welch enorme Gewichtung der Figur noch zu teil werden soll. Mehr kann man an dieser Stelle nicht sagen, ansonsten würde man definitiv den erstklassigen Spannungsbogen zerstören, den Ibáñez Serrador hier kontinuierlich immer weiter ansteigen lässt.

Dennoch kann man ohne Weiteres darauf hinweisen, das die Suche nach der Identität des Killers und dessen Motiven sich äußerst interessant gestaltet und beide Dinge erst ganz kurz vor dem Ende preisgegeben werden. Das Erstaunliche daran ist eigentlich, das man bis zur finalen Auflösung wirklich vollkommen im Dunkeln tappt, denn es werden im Prinzip keinerlei Indizien serviert, die einen auf die Spur des Täters bringen könnten. Der Showdown fällt dann eher ziemlich knapp aus und der Zuschauer wird mit einer Lösung konfrontiert, die man nun wirklich nicht vorher sehen konnte. In einer relativ kurzen Passage zeigt sich so ein Finale, das gerade durch die zeitliche Begrenzung wie ein kleiner Schock wirkt. Kurz und knapp werden die Fakten geliefert, um den Betrachter danach mit einem sehr zwiespältigen Gefühl aus diesem Werk entlassen, das zudem auch noch längere Zeit nachhallt. Man muss das auf gerade einmal 5 Minuten begrenzte Finale erst einmal verdauen, da insbesondere die in den Fokus rückenden Motive des Mörders für ein sehr flaues Gefühl in der Magengegend sorgen. Der fast schon abrupt erscheinende Schluss ist meiner persönlichen Meinung nach der absolute Höhepunkt eines Filmes, der schon von Haus aus nicht sparsam mit Highlights ausgestattet ist. Und so hat sich das lange Warten auf diesen herrlichen Klassiker absolut gelohnt und Narciso Ibáñez Serrador hat mit "Das Versteck" ein wahres Juwel des Genres kreiert.

Auch nach mittlerweile weit über 40 Jahren versteht es dieser Beitrag eine unglaubliche Faszination auszustrahlen, der man fast zwangsläufig erliegen muss. Ganz besonders die Mischung aus klassischen Gothic Horror Elementen und Zutaten des italienischen Gialli machen den speziellen Reiz eines Werkes aus, das zudem auch noch die Morde für die damalige Zeit recht explizit ins Bild rückt. So entsteht letztendlich ein überragendes Gesamtbild, das den Ruf dieses Filmes absolut rechtfertigen kann. Selbst die jüngere Generation dürfte ihre Freude an diesem spannenden Horror Puzzle haben und Liebhaber der älteren Klassiker müssten sowieso in wahre Begeisterungsstürme verfallen. Eine Sichtung lohnt sich also auf jeden Fall und ehrlich gesagt dürfte die DVD von Colosseo Film nicht zum einzigen mal im heimischen Player gelandet sein.


Fazit:


"La Residencia", so der Originaltitel des Filmes, ist mehr als nur ein normaler Horrorfilm. Hier ist wirklich ein kleines und zeitloses Meisterwerk entstanden, das in der Gesamtbetrachtung keinerlei negative Kritikpunkte erkennen lässt. Natürlich ist diese Einschätzung rein subjektiv, aber auch aus objektiver Sichtweise dürfte es äußerst schwer fallen, der vorliegenden Geschichte einige Punkte abzuziehen.


10/10


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