Unsere kleine Filmwelt

Die bunte Welt des unterschlagenen Films
Aktuelle Zeit: 8. Dez 2016, 08:51

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde





Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 1 Beitrag ] 
AbonnentenAbonnenten: 0
LesezeichenLesezeichen: 0
Zugriffe: 284

AutorNachricht
 Betreff des Beitrags: Die Mörderklinik (1966)
BeitragVerfasst: 15. Nov 2015, 21:53 
Offline
Forum Admin
Benutzeravatar

Registriert: 12.2012
Beiträge: 2733
Geschlecht: männlich
Bild




Die Mörderklinik
(La Lama nel corpo)
mit William Berger, Françoise Prévost, Mary Young, Barbara Wilson, Philippe Hersent, Harriet Medin, Germano Longo, Massimo Righi, Delfi Mauro, Anna Maria Polani, Rossella Bergamonti, William Gold
Regie: Elio Scardamaglia
Drehbuch: Ernesto Gastaldi / Luciano Martino / Robert Williams
Kamera: Marcello Masciocchi
Musik: Francesco De Masi
ungeprüft
Frankreich / Italien / 1966

Es ist Nacht. In den düsteren Gängen der abgelegenen Nervenheilanstalt von Dr. Robert Vance werden binnen kürzester Zeit mehrere junge Frauen mit einem Rasiermesser ermordet. Die neue Krankenschwester, Mary, bemerkt schnell, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Die Angestellten des Anwesens verhalten sich merkwürdig. Jeder scheint vor Mary Geheimnisse zu haben. Allen voran Dr. Vance, der im oberen Teil des Hauses ein ganz persönliches Geheimnis hütet. Die Morde werden immer bestialischer. Gerade als Mary die Polizei rufen will, scheint der Täter gestellt: Fred, ein an Schizophrenie leidender Patient der Klinik, ist aus seiner Zelle ausgebrochen...und das nächste Opfer lässt nicht lange auf sich warten.


Manchmal ist es schon recht witzig, in welche Sparte so mancher Film eingeordnet wird. So ist nun gerade beispielsweise der erste und gleichzeitig einzige Film von Regisseur Elio Scardamaglia in der Filmart Giallo Collection erschienen, obwohl er im Prinzip einem ganz anderen Genre zuzuordnen ist. Sicher, "Die Mörderklinik" beinhaltet durchaus das ein oder andere Element des italienischen Gialli, von der Grundausrichtung her handelt es sich allerdings vielmehr um einen wundervollen Gothic Grusler im klassischen Stil, der auch ohne Weiteres aus den berühmten Hammer Studios stammen könnte. Durch die Vermischung mit den Zutaten des Gialli präsentiert sich dem Zuschauer eine extrem atmosphärische Mörderjagd, für die Scardamaglia mit dem riesigen und weitläufigen Gebäude der Nervenklinik den nahezu idealen Schauplatz gefunden hat. Entsprechend dem späten 19. Jahrhundert in dem die Geschichte angesiedelt ist offenbart sich eine perfekte Innenausstattung, wobei hier ganz generell anscheinend sehr viel Wert auf ein Höchstmaß an Authentizität gelegt wurde. So zeigen sich auch die Protagonisten in herrlichen Kostümen und als Betrachter des Szenarios erlebt man das Gefühl, als wenn man eine Zeitreise in die Vergangenheit unternommen hat. So ist das Geschehen dann auch von der ersten bis zur letzten Minute ein visueller Augenschmaus und die von Beginn an vorherrschende Grundstimmung kann mit zunehmender Laufzeit eine immer ansteigende Dichte zum Vorschein bringen, von der man sich nur allzu gern in Beschlag nehmen lässt. Immer tiefer taucht man dabei in die ominöse Mordserie ein, die zu Beginn anscheinend ganz eindeutig eine bestimmte Person als Mörder präsentieren möchte.

Äußerst viele Anhaltspunkte deuten nämlich in eine spezielle Richtung und Scardamaglia versteht es durchaus geschickt, sein Szenario über einen längeren Zeitraum recht vorhersehbar erscheinen zu lassen. Erst im letzten Drittel des Filmes wendet sich das Blatt langsam und die bis dahin immer wieder falsch gestreuten Hinweise lösen sich förmlich in Schall und Rauch auf. Nun handelt es sich in vorliegendem Fall keinesfalls um die absolute Hochspannung, denn mit ein wenig Fantasie kann man sich ohne Weiteres einen Reim auf das Ganze machen, dennoch hat es der Regisseur durchgehend verstanden, einen konstanten Spannungsbogen aufzubauen, der eigentlich auch keinerlei größere Einbrüche zu verzeichnen hat. Auch nach nunmehr fast fünf Jahrzehnten erscheint "Die Mörderklinik" so noch immer als absolut sehenswerter Beitrag, der sehr gekonnt die Elemente des britischen Gruselfilmes mit denen des italienischen Gialli paart und dabei 90 Minuten erstklassige Unterhaltung bietet.

Auch die darstellerischen Leistungen der Akteure können sich sehen lassen, das Schauspiel ist durchaus überzeugend und wird aber auch gleichzeitig in mehreren Passagen von einem gewissen Overacting begleitet, das bei Werken aus den 60er Jahren aber keine Seltenheit darstellt. Dadurch entsteht an diversen Stellen eine leichte Theatralik, was insbesondere in den Passagen zu bemerken ist, in denen es sich um diverse Patienten der Nervenklinik und deren Krankheiten dreht. Manch einer mag das eventuell als negativen Kritikpunkt ansehen, doch meiner persönlichen Meinung nach verleiht insbesondere diese markante Note den Filmen der damaligen Zeit etwas absolut Charmantes und Unverwechselbares. Und genau diese Dinge beinhaltet Scardamaglia's Film, den man ohne zu übertreiben als absolutes Kleinod bezeichnen kann, dem nun endlich eine würdige Veröffentlichung auf DVD und Blu-ray zu teil wurde, was im Prinzip schon längst überfällig war. Solch wunderbar atmosphärische Filme werden in der heutigen Zeit leider nicht mehr gedreht, weshalb jede Veröffentlichung eines solchen Schatzes immer wieder zu begrüßen ist.

Letztendlich ist es wie immer die reine Geschmackssache und wer an dieser Stelle einen reinrassigen Gialli erwartet, dürfte am Ende vielleicht ein wenig enttäuscht sein. Denn auch wenn sich die Inhaltsangabe nach einem typischen Italiener anhört, gewinnt der britische Gothic Grusel doch ziemlich schnell die Oberhand. Das Endergebnis ist dann eine durchgehend sehenswerte Kombination, in der man jedoch keinerlei visuelle Härten erwarten sollte. Aus diesem Grund ist es auch absolut nicht nachvollziehbar, warum "Die Mörderklinik" immer noch mit einer vollkommen überzogenen Alterseinstufung ausgestattet ist, wobei eine Freigabe ab 16 Jahren doch mehr als ausreichend erscheint. Im Endeffekt ist das aber auch vollkommen egal, denn im Endergebnis zählt definitiv der Inhalt dieses Werkes und dieser kann sich ohne Weiteres sehen lassen.


Fazit:


Man sollte schon im Vorfeld wissen, das es sich hier keinesfalls um einen waschechten Gialli handelt, um nach Beendigung der Sichtung keine Enttäuschung zu erleben. Im Prinzip dürfte das aber auch kaum möglich sein, denn das Gesamtbild des Szenarios ist absolut stimmig und die gefundene Mischung tut ihr Übriges, um die Fans des britischen Gruselfilmes ebenso zu begeistern wie die des italienischen Gialli.


8/10


Nach oben
 Profil Besuche Website  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 1 Beitrag ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
Gehe zu:  
cron
© phpBB® Forum Software | phpBB3 Forum von phpBB8.de
» Kontakt & Rechtliches Support / Hilfe Forum Gooof Webdesign Kostenloses Forum Dein Forumo Forum web tracker