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 Betreff des Beitrags: Tenebre (1982)
BeitragVerfasst: 7. Jan 2013, 23:10 
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Tenebrae
(Tenebre)
mit Anthony Franciosa, Christian Borromeo, Mirella D'Angelo, Veronica Lario, Ania Pieroni, Eva Robins, Carola Stagnaro, John Steiner, Lara Wendel, John Saxon, Daria Nicolodi, Giuliano Gemma
Regie: Dario Argento
Drehbuch: Dario Argento
Kamera: Luciano Tovoli
Musik: Massimo Morante / Fabio Pignatelli / Claudio Simonetti
Ungeprüft
Italien / 1982

In Rom will der Autor Peter Neal sein neues Buch vorstellen. Sein Besuch wird jedoch von einem grausamen Mord überschattet. Das Opfer, eine junge Frau, wird mit durchtrennter Kehle und zerknüllten Seiten von Neals Roman im Mund gefunden. Die Polizei sucht nach einem Zusammenhang mit dem beliebten Autor, dieser hält das Ganze noch für einen Zufall. Doch als es zu neuen Opfern kommt und er selbst in den Fokus des irren Killers rückt, ändert sich seine Einstellung. Zusammen mit seiner Assistentin versucht er, dem tödlichen Treiben auf die Spur zu kommen und gerät dabei sehr schnell selbst in erhebliche Gefahr.


Sieben Jahre nach dem Erscheinen von "Profondo Rosso" und den zwischenzeitlichen Regie-Arbeiten zu den ersten beiden Teilen der "3 Mütter-Trilogie" (Suspiria, Inferno) kehrte Dario Argento 1982 mit "Tenebre" zu seinen Wurzeln zurück und präsentierte dem Zuschauer einmal mehr einen Giallo, der es nun wirklich in sich hat. Dies bezieht sich in allererster Linie auf den vorhandenen Härtegrad, der im Gegensatz zu den meisten anderen Vertretern dieser Gattung fast schon astronomisch hoch angesiedelt ist. Dabei lässt der Meister eine kaum gekannte Blutrünstigkeit erkennen, denn die vorliegende Geschichte beinhaltet so manche wirklich derbe Passage, die man bisher vom italienischen Regisseur nicht unbedingt gewohnt war. Nun wäre es jedoch vollkommen falsch, diesen Film einzig und allein auf seine harten Passagen zu reduzieren und es würde diesem fantastischen Werk auch nicht annähernd gerecht werden. So wartet Argento beispielsweise mit einer in allen Belangen interessanten Story auf die von Beginn an ein ordentliches Tempo vorlegt und zudem auch gleich zu Beginn einige mysteriöse Momente beinhaltet, die der Zuschauer lange Zeit nicht so wirklich zuordnen kann. Das beginnt schon mit der ominösen jungen Frau, die am Anfang am Flughafen zu sehen ist und die erst im späteren Verlauf der Ereignisse eine tragende Rolle einnehmen soll. Erst mit der Zeit stellt sich nämlich heraus, das mit ihr ein kleiner Nebenerzählstrang verbunden ist, der in der ersten Stunde so gut wie gar nichts mit der eigentlichen Geschichte zu tun hat und erst danach eine Gewichtung erfährt, die man bis dahin nicht vorhersehen konnte.

Und gerade dieser Aspekt verleiht diesem Film etwas ganz besonderes, denn während diverse andre Genre-Vertreter nach einer manchmal schon kurzen Zeitspanne sehr vorhersehbar erscheinen, liegt der Fall bei der Erstsichtung von "Tenebre" vollkommen anders. Weist das Szenario doch einige Wendungen auf, die für wirkliche Überraschungsmomente sorgen und das Geschehen durchgehend spannend- und interessant gestalten. Sicherlich kann man durch diverse Andeutungen auch schon vorher auf des Rätsels Lösung kommen, doch Argento hat die Ereignisse so herrlich ineinander verschachtelt und einige falsche Fährten gelegt, das man bei der ersten Sichtung des Filmes schwerlich auf die endgültige Lösung kommen kann. Eine weitere große Stärke sind ganz bestimmt die überaus gut aufspielenden Darsteller, wobei sich der Cast allein schon von den Namen her ganz ausgezeichnet liest. Namen wie John Saxon, Daria Nicolodi, Giuliano Gemma oder auch Anthony Franciosa bürgen hier fast zwangsläufig für ein hohes Maß an schauspielerischer Qualität, was sich im Laufe der Zeit auch keinesfalls als Fehleinschätzung entpuppt. Im Gegensatz zu anderen Werken Argentos fehlt es dem Film eventuell ein wenig an dem ansonsten extrem kräftigen Farbenspiel, "Tenebre" erscheint in dieser Beziehung eher weniger kunstvoll und hinterlässt einen etwas raueren-und nüchternen Eindruck. Das empfand ich allerdings als absolut passend, kommen doch so die eiskalt-und brutal in Szene gesetzten Morde irgendwie besser zur Geltung und hinterlassen einen äußerst authentischen Eindruck.

Wenn man das Gesamtwerk gesehen hat muss man feststellen, das dieses Werk auch einen tiefen Einblick in die Abgründe der menschlichen Seele offenbart. Diverse verbale Andeutungen zu einem noch recht frühen Zeitpunkt geben schon gewisse Hinweise darauf, die jedoch erst kurz vor Schluss auch im Bild ihre Bestätigung erfahren, das hier auch eine starke psychologische Note mitschwingt, die für die Aufklärung des Ganzen von erheblicher Wichtigkeit ist. Erst dann kann man auch die immer wieder eingespielten Szenen erklären, in denen man immer eine wunderschöne Frau in roten Schuhen sieht, die von irgend jemandem ermordet wird. Sieht man diese Passagen zunächst noch als zusammenhanglose Bildfetzen, so kann man sich doch gleichzeitig denken, das sie ein wichtiges Puzzle-Teil darstellen, das für die Gesamtzusammenhänge unbedingt erforderlich ist. "Tenebre" ist insgesamt gesehen ein knallharter Giallo, der dem Zuschauer eine Geschichte voller geheimnisvoller Andeutungen bietet und einen bis ganz kurz vor dem Ende noch weitesgehend darüber im Dunkeln lässt, wie sich die ganzen Abläufe zueinander verhalten. Das damit verbundene Ratespiel beinhaltet einen Verbrauch an Kunstblut, der sich auch in der heutigen Zeit immer noch sehr gut sehen lassen kann. Für einen Giallo geht es phasenweise extrem hart-und derbe zur Sache, so das selbst die Liebhaber der härteren gangart voll auf ihre Kosten kommen dürften.

Letztendlich aber ist es eine absolute Wohltat, das dieses herrliche Produkt des italienischen Kinos vor allem als Gesamtwerk vollkommen zu überzeugen weiß. Dazu tragen die hervorragenden Darsteller einen nicht unwesentlichen Anteil bei, wobei insbesondere Anthony Franciosa ganz besonders hervorzuheben ist, der den smarten und weltmännischen Schriftsteller Peter Neal ganz ausgezeichnet interpretiert und ihm einen äußerst glaubwürdigen Anstrich verleiht. Doch ganz generell ist dieser Film bis in die kleinsten Nebenrollen absolut perfekt besetzt und man merkt den Akteuren ihre Spielfreude regelrecht an. So kann man im Endeffekt nur eine absolute Empfehlung für diesen herausragenden Genre-Beitrag aussprechen und wer "Tenebre" immer noch nicht kennen sollte, muss diesen Zustand schnellstmöglich ändern, ansonsten verpasst er ein wahres Highlight des Cinema Italiano.


Fazit:


Knallhart, blutig aber auch mit einer psychologischen Note versehen, bekommt der Zuschauer hier um die 100 Minuten erstklassige Filmkost geboten. Ein mehr als gelungener Spannungsbogen, eine einzigartige Grundstimmung und erstklassige Darsteller machen diesen Film zu einem echten Erlebnis. Hinzu kommt ein absolut beachtlicher Anteil an blutigen SFX, die das Geschehen jedoch zu keiner Zeit in ein sinnbefreites Schlachtfest ausarten lassen. Hier wurde genau die richtige Mixtur gefunden, so das es sich im Endeffekt um einen in meinen Augen nahezu perfekten Film handelt, den man sich immer wieder gern anschaut.


9/10

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 Betreff des Beitrags: Re: Tenebre
BeitragVerfasst: 7. Jan 2013, 23:35 
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Einer der besten Thriller überhaupt. Die Kameraführung ist eine Wucht und der Score hämmert sich in Dein Gehirn...großartig! Die Kamerafahrt über das Haus der 2 Lesben ist einfach nur genial. Auch die Verfolgungs-Szene mit dem Hund ist brachial spannend gemacht. Die Handlung reisst einen mit und die Auflösung trifft Dich wie ein Schlag aus heiterem Himmel.

Großartig 10/10 Pkt

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Wer im Glashaus sitzt, sollte ich sich im Dunkeln ausziehen!


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