Unsere kleine Filmwelt

Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Betreff des Beitrags: Videodrome (1983)
BeitragVerfasst: 25. Sep 2013, 16:38 
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Videodrome
(Videodrome)
mit James Woods, Sonja Smits, Deborah Harry, Peter Dvorsky, Leslie Carlson, Jack Creley, Lynne Gorman, Julie Khaner, Reiner Schwartz, David Bolt, Lally Cadeau, Henry Gomez, Harvey Chao, David Tsubouchi
Regie: David Cronenberg
Drehbuch: David Cronenberg
Kamera: Mark Irwin
Musik: Howard Shore
ungeprüft
Kanada / 1983

Max Renn ist Teilhaber einer privaten Fernsehgesellschaft, die vor allem Pornos und Gewaltfilme ausstrahlt. Eines Tages stößt er auf eine neue Horror-Sex-Show: Videodrome. Er versucht, an die Hintermänner der Produktion heranzukommen. Dabei lernt er die Psychologin Nicki kennen, die ihm bei der Suche helfen will. Als die Bänder endlich in seinem Besitz sind, stellt Max entsetzt fest, das Videodrome bei ihm und allen anderen Zuschauern schreckliche Veränderungen verursacht. In diesem Alptraum fließen Wirklichkeit und das bunte Geflimmer auf dem Fersehschirm zu einer schrecklichen Einheit zusammen...


Die Filme von David Cronenberg haben sich schon immer durch eine ganz spezielle note ausgezeichnet, ist der kanadische Regisseur mit seinen Szenarien doch zumeist der eigentlichen Zeit voraus und verleiht seinen Werken fast immer einen futuristischen Touch. War dieser Aspekt schon in Filmen wie "Rabid", Shivers" oder auch "Scanners" zu beobachten, so kristallisiert er sich doch in "Videodrome" ganz besonders heraus. Nicht umsonst handelt es sich hier wohl um einen der besten Filme des Kanadiers und obwohl ich persönlich bei meiner damaligen Erstsichtung herzlich wenig mit der Story anfangen konnte, so sendet sie doch heutzutage einen umso größeren Reiz aus. Dabei handelt es sich zu Beginn noch um ein absolut normales Szenario, das zu Beginn keinerlei Indizien aufweist, das man in der Folge mit einem extrem gelungenem SCI/FI-Horrorfilm konfrontiert wird, der einem phasenweise das Blut in den Adern gefrieren lässt. Zugegebenermaßen wird die Geschichte nicht jeden Geschmack ansprechen, denn Cronenberg und seine Art des Horrors trifft längst nicht nur auf Gegenliebe bei den Genre-Fans. Das mag sicherlich auch darin begründet sein, das man hier keine stumpfe Splatter-Gore Orgie erwarten kann, handelt es sich doch vielmehr um größtenteils subtilen Horror, der mit mehreren sehenswerten-und recht derbe ausgefallenen Passagen angereichert wurde und zudem auch noch äußerst nachdenklich stimmt.

Der sogenannte Körper-Horror ist ja nun einmal das berühmte Steckenpferd des Regisseurs und wird in vorliegendem Fall hauptsächlich an Haupt-Charakter Max Renn (James Woods) exerziert, der durch seine Neugier-und der menschlichen Vorliebe für das Verbotene zum Spielball einer Organisation wird, die mit angeblichen Snuff-Videos seine Aufmerksamkeit erregt. Zu spät erkennt Renn das es sich um einen ausgeklügelten Plan handelt, in dem nichts dem Zufall überlassen wird und er lediglich ein Teilchen in einem großen Puzzle ist. Woods spielt hier absolut fantastisch auf und trägt sämtliche Geschehnisse fast im Alleingang. Die anderen Protagonisten wie beispielsweise Sängerin Deborah Harry (Blondie) kommen im Prinzip trotz solider Leistungen nicht über den Status der Nebenrolle hinaus und erscheinen so manchmal fast schon wie nötiges Beiwerk. Zu prägend und omnipräsent ist das Schauspiel von Woods, der insbesondere durch seine grandiose Mimik die Veränderungen des von ihm dargestellten Charakters absolut glaubwürdig zum Betrachter transportiert.

"Videodrome" war seinerzeit nicht gerade ein Kassenschlager beim Publikum, vielmehr kam das Werk aufgrund seiner unverhohlenen Gesellschaftskritik und seiner Vielschichtigkeit gar nicht gut an. Greift die Geschichte doch auch ganz unverhohlen die Sehgewohnheiten des Menschen an und verarbeitet diese in einer äußerst drastischen, aber künstlerisch exzellenten Art und Weise. Gerade wenn man sich einmal die Entwicklung des Horrorfilms von 1983 bis in die heutige Zeit anschaut muss man doch feststellen, das der Zuschauer mittlerweile fast ausschließlich durch einen immer stärker ansteigenden Härtegrad zu befriedigen ist. So kann man dieses Werk auch durchaus als futuristische Version der heutigen Sehgewohnheiten ansehen und in dieser Beziehung setzt Cronenberg mit diesem Meisterwerk absolute Maßstäbe. Natürlich wird die Thematik in diesem Fall extrem überspitzt dargestellt, entfaltet dadurch aber eine unglaublich starke Wirkung und regt auch durchaus zum Nachdenken an. Letztendlich ist es jedoch das Gesamtwerk, das hier eine unglaubliche Faszination ausstrahlt und auch den Betrachter selbst zu einem Teil der ominösen Ereignisse macht, mit denen sich die Hauptfigur auseinandersetzen muss, um am Ende erkennen zu müssen, das es auf jeden Fall besser gewesen wäre, wenn sie nie etwas von "Videodrome" gehört hätte.

Einerseits ein fantastischer-und künstlerisch äußerst gelungener Film, so prangert die Geschichte auch schonungslos diverse Gewohnheiten des Menschen an, die nicht unbedingt als positiv zu bezeichnen sind. Neugier, Sensationslust und die Freude an der Manipulation anderer stehen so im Vordergrund eines Szenarios, das einen sehr nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis hinterlässt. Visuell absolut brillant in Szene gesetzt, verstrahlt auch "Videodrome" diese ganz eigene sterile Kälte, die eigentlich fast alle Werke von Cronenberg beinhalten. Schon dadurch allein verspürt man durchgehend ein extremes Gefühl der Beklemmung, das den hier dargestellten Trip zwischen Realität und absolutem Wahnsinn die ganze Zeit über begleitet. Diesen Film sollte man keinesfalls einfach so nebenbei anschauen, erfordert er doch die gesamte Aufmerksamkeit des Zuschauers, damit man das Gesamtbild überhaupt auf sich wirken lassen kann.


Fazit:


David Cronenberg hat wirklich einige tolle Filme in seiner Vita stehen, doch der hier vorliegende ist ein kleines Meisterwerk. Sicherlich nicht für den breiten Mainstream geeignet, präsentiert sich ein fantastischer SCI/FI-Horrorfilm, der sich nicht nur durch explizite Gewaltdarstellungen definiert, sondern auch jede Menge kritische Ansätze in den Vordergrund rückt, über die jeder einmal nachdenken sollte.


9/10

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 Betreff des Beitrags: Re: Videodrome (1983)
BeitragVerfasst: 14. Apr 2014, 11:24 
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Videodrome
mit James Woods, Sonja Smits, Deborah Harry, Peter Dvorsky, Leslie Carlson, Jack Creley, Lynne Gorman, Julie Khaner, Reiner Schwartz, David Bolt, Lally Cadeau, Henry Gomez, Harvey Chao, David Tsubouchi
Regie: David Cronenberg
Drehbuch: David Cronenberg
Kamera: Mark Irwin
Musik: Howard Shore
Laufzeit: 87 Min. (Kinofassung), 89 Min. (Director`s Cut)
ungeprüft
Kanada / 1983

Kritik:

David Cronenberg ist bekannt dafür, dass seine Werke immer etwas spezieller sind. Es macht ihm sehr viel Spaß den Zuschauer so zappeln zu lassen, dass man nicht mehr genau weiss, was nun Realität oder Fiktion darstellt. Einer seiner bekanntesten Filme ist „Videodrome“, in welchem James Woods zwischen Realität oder Fiktion umherwandert und sich selbst nicht mehr im Klaren ist, was er nun für real halten sollte.

Max Renn liebt das Fernsehen, weshalb er sich auch zu einem der führendsten Produzenten eines Senders entwickelt hat. Zu seinem Spezialgebiet zählen Filme, welche sich weit vom Mainstream distanzieren und auch die Abgründe eines Menschen aufzeigen. Eines Tages schafft es ein Mitarbeiter einen verschlüsselten Sender zu empfangen. Die Bilder die Max zu Gesicht bekommt, sind sowohl faszinierend als auch abstoßend. Was er zu sehen bekam war, anscheinend ein Snuff Film. Getrieben von blinder Gier, macht er sich auf die Suche nach den Erschaffern dieses Werkes. Je weiter er nach den grausamen Hintergründen forscht, desto weiter gerät er in eine Welt aus Perversion und Gewalt.

Es ist immer sehr schwer etwas über die Filme von Cronenberg zu schreiben, denn diese Filme hinterlassen immer verschiedene Eindrücke auf den jeweiligen Betrachter. Außerdem hat man schnell etwas über den Handlungsverlauf verraten, was natürlich sowohl für den Leser einer Review als auch den Schreiber ziemlich schade ist. Deshalb versuche ich mich so gut es geht zurück zu halten mit Details über die Handlung.
„Videodrome“ ist mit einer der faszinierendsten und zugleich auch erschütterndsten Filme die Cronenberg jemals erschaffen hat. Wenn man bedenkt, dass es sich bei „Videodrome“ um einen Film handelt, der bald 31 Jahre auf dem Buckel hat, ist es immer noch faszinierend, wie zeitgemäß die Handlung auch ist. Klar, wenn man heute noch jemanden fragt ob er VHS-Kassetten kennt, dann wird man erst einmal irritiert angeschaut, doch darum geht es ja nicht. Erschreckend ist, dass die Handlung heute immer noch solch eine Präsenz hat und es weiterhin auf die heutige Zeit beziehen kann. Das Thema Gewalt findet sich in unserer Gesellschaft weiterhin wieder wie auch schon damals. Vielleicht war „Videodrome“ seiner Zeit vielleicht schon um einiges voraus?
Cronenberg hat in jedem seiner Filme eine gewisse Botschaft, die er dem Zuschauer mit auf den Weg bringen möchte. In „Videodrome“ stellt es sofort die Gewalt dar, von der wir jeden Tag umgeben sind. Seien es nun die Nachrichten, normale Unterhaltungsfilme oder auch Computerspiele, doch er möchte damit nicht die übliche Unterhaltung kritisieren, möchte lediglich zeigen, wie weit ein Mensch in einen Sumpf geraten kann und ob man sich aus diesem wieder befreien kann.

„Videodrome“ stellt einen klugen Vertreter des Thriller-Genres dar, der zu unterhalten weiss, falls man sich darauf einlässt. Leichte Kost stellt dieser Film zu keiner Zeit dar, was natürlich auch an der Umsetzung hängt. Cronenberg inszenierte den Film so, dass er den Zuschauer etwas zappeln lässt und ihn mit etwas längeren Handlungssequenzen in Schacht halten möchte. So dauert es eine Weile bis der Film so richtig in Fahrt kommt, doch heißt dies nicht, dass es langweilig inszeniert wurde. Vorerst werden die Charakter genauer belichtet, so auch James Woods, der schon von Anfang an als sehr makabrer Mensch dargestellt wird und daher auch etwas unsympathisch auf den Zuschauer wirken mag. Was man aber berücksichtigen sollte ist, dass James Woods alias Max ein Mensch ist, der davon lebt an die Grenzen des Normalen zu gehen. Als weiblicher Part sieht man die sehr reizende Deborah Harry, welche ein gewisses Maß an Absurdität mitbringt. So kann man den Figuren auf jeden Fall keine Stereotype darstellweise vorwerfen, denn sie heben sich enorm von den üblichen Charakterisierungen ab.

Mit fortschreitender Laufzeit wird der Zuschauer regelrecht in einen Strudel auf Perversion und Absurditäten gezogen und kann sich davon auch nur schwer losreisen. Wann genau der Moment beginnt in dem Cronenberg damit anfängt Realität mit einer fiktionalen Welt verschmelzen lässt, werde ich nicht erläutern, dass muss jeder für sich selbst herausfinden. Was man auf jeden Fall sagen kann ist, dass der Zuschauer selbst irgendwann nicht mehr weiß, was jetzt eigentlich abgeht. Es ist wieder mal einer der typischen Cronenberg Filme, der es schafft ein strukturiertes Chaos in den Synapsen des Hirnes des Zuschauers zu kreieren.

Faszinierend ist auch die Verschmelzung beider Welten beizuwohnen. Mit Geschick wird man hier veräppelt und traut stellenweise seinen Augen nicht. Wie so üblich bei Cronenberg, lässt er hier auch ab und an ein paar blutige Szenen auf den Zuschauer los und erschafft somit seinen ganz persönlichen Strudel aus Gewalt. Diese Gewaltspitzen dürften wohl auch dafür gesorgt haben, dass der Film in Deutschland indiziert wurde und es bis heute auch noch ist. Erstaunlich wenn man bedenkt, was in den letzten Jahren so alles vom Index geflogen ist. Doch ich glaube trotzdem nicht, dass der Film in den nächsten 2 bis 3 Jahren den Weg von der Liste finden wird.

So, was bleibt über „Videodrome“ zu sagen?

Es ist wieder mal einer der Filme, den man sich mit bedacht anschauen sollte. Um pure, hirnlose Unterhaltung zu bekommen, sollte man sich lieber anderen Werken widmen. Hier wird man mit einer äußerst klugen Handlung abgefertigt, die es dem Zuschauer nicht leicht man den Film ganz zu folgen. Die Darsteller sind allesamt perfekt ausgewählt worden und können in ihren Rollen überzeugen und wirken durch ihre Charakterisierung sowohl faszinierend als auch abstoßend. Wer den Film beim ersten Mal nicht verstanden haben sollte, kein Problem, ging mir auch nicht anders. Mehrmaliges Anschauen bietet sich hier auf jeden Fall an (!). Auch kann es sein, dass der Film bei der ersten Sichtung nicht gerade überzeugend erscheinen mag, doch davon sollte man sich nicht täuschen lassen. Die volle Wirkung wird erst nach mehrmaliger Sichtung erzielt und schafft es somit einer der von mitreißendsten Filme der 80er Jahre zu sein. Anschauen würde ich auf jeden Fall empfehlen.

9/10 Punkte

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"Alles, was ich habe auf dieser Welt, sind meine Eier und meine Wort, und das breche ich nicht, für niemanden, ist das klar?" -Tony"Scarface" Montana


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