Unsere kleine Filmwelt

Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Betreff des Beitrags: Dellamorte Dellamore (1994)
BeitragVerfasst: 1. Jan 2013, 15:47 
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O-Titel: Dellamorte Dellamore
Herstellungsland: D/F/I
Erscheinungsjahr: 1994
Darsteller: u. a. Rupert Everett, François Hadji-Lazaro, Anna Falchi, Mickey Knox, Fabiana Formica, Clive Riche, Katja Anton, Barbara Cupisti, Anton Alexander, Pietro Genuardi, Patrizia Punzo, Stefano Masciarelli
Regie: Michele Soavi
FSK: 18

Inhalt:


Das Telefon klingelt bei Francesco Dellamorte (Rupert Everett). Es ist sein fast einziger Freund Franco. Ein Toter steht bei Francesco vor der Tür. Er erschießt ihn und die Titelmusik beginnt. Ein Toter muss wieder auf dem Friedhof eingebuddelt werden, und wie wir von Francesco selbst aus dem Off erfahren, ist er der Friedhofswächter von Buffalore. Leider bleiben die Toten dort nicht tot, sondern sie erwachen nach spätestens einer Woche zu neuem Leben. Einzig die Spaltung des Schädels mittels eines Gegenstands oder eines Revolvers kann dem Abhilfe gewährleisten. Gnaghi ist der dem Glöckner von Notre Dame in seiner Statur nicht unbedingt unähnliche Gehilfe des Friedhofswärters, und er tut alles, um Francesco beim Schlafenlegen der Wiederkehrer zu unterstützen, falls er nicht gerade durch eine interessante Fernsehsendung abgelenkt sein sollte.

An keinen speziellen Tag sieht Francesco eine ihm unbekannte Frau bei einer Trauerzeremonie für ihren verstorbenen Mann, und er ist fasziniert von ihr und verliebt sich auch in sie. Aber vorerst hat er mit einer "Anmache" keinen Erfolg bei ihr. Auch die spätere Lüge, dass er ein studierter Biologe sei, denn Dellamorte hat noch nichtmal einen Schulabschluss, hat nicht zum Ziel geführt. Francesco ist leider jemand, der keinen leichten Stand in der Stadt hat. So wird er von vielen Bewohnern verachtet und auch verspottet.

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Als er wieder auf seinem Friedhof ist, unternimmt er einen 2. Anlauf bei der schönen Unbekannten, die im ganzen Film namenlos bleiben wird. Er stellt ihr das Gebeinhaus vor, und sie ist tatsächlich interessiert. Sie fangen an ein wenig rumzumachen. Irrlichter tauchen auf. Sie verlassen aber das Gebeinhaus wieder und sie lieben sich auf dem Grab ihres verstorbenen Mannes. Als sie auf dem Grab liegt, wird ihr verstorbener Mann plötzlich in seinem Sarg wach und schlägt die Augen auf. Er bekommt unten Panik, dringt an die Oberfläche und kann die Zweisamkeit unterbrechen. Bei seinem Angriff, verletzt er seine Witwe am Arm. Dellamorte kann ihn jedoch mit einem Kreuz erschlagen, bevor noch Schlimmeres passiert.

Er wendet sich an Dr. Vicese, der die Verletze verarzten soll, doch bevor er eintreffen kann, gleitet sie hinab zu den Toten und ist scheinbar tot. Unter einem Leichentuch liegend, schwirren Fliegen um sie herum. Eines Nachts erwacht sie plötzlich und Dellamorte hält sie für eine Wiederkehrerin, weshalb er sie mit einem Kopfschuss erledigt. Anschließend begräbt er sie auf dem Friedhof.

Am nächsten Tag ist er wieder in der Stadt, um mit seinem Assistenten den Bürgermeister und seine Tochter Valentina zu treffen. Gnaghi ist faszinert von dieser und er verliebt sich in sie. Leider ist er dabei so in Aufregung, dass er sie vollkotzt. Außerdem ist sie die Freundin des Bikers Claudio. Gnaghi ist enttäuscht, da er nicht bei ihr landen konnte.

Als die Bikertruppe kurz darauf einen Ausflug macht, kommt es zu einem tragischen Unfall: Die Biker kollidieren mit einem Schulbus voller Pfadfinder. Der Busfahrer verliert die Kontrolle, und der Bus stürzt den Abhang hinunter. Alle Biker, Valentina sowie alle Insassen des Busses kommen ums Leben und werden auf Dellamortes Friedhof beerdingt. Bei der Beerdigung taucht eine andere Frau auf, die behauptet, die Freundin von Claudio zu sein, und sie hat gehört, dass die Toten auf dem Friedhof wieder auferstehen. Sie hofft dadurch wieder mit Claudio zusammen zu kommen. In der Nacht muss Dellamorte mehrere Wiederkehrer erledigen, die sich aus seinen Gräbern erhoben haben. Auch der Fernseher von Nagi, seinem Lieblingsbeschäftigungsgerät, wird dabei zerstört.

Draußen hört er die unbekannte Frau um Claudio weinen. Plötzlich jedoch schießt dieser auf seinem Motorrad aus seinem Grab und nimmt die Frau mit. Dellamorte erschießt Claudio, doch leider trifft er auch seine Freundin. Damit hat er neben dem Toten auch eine lebende Person erschossen, und er befürchtet, dass er dadurch einige Probleme bekommen könnte. Er begräbt sie deshalb gleich mit in Claudios Grab.

Gnaghi macht sich am nächsten Tag dran, die Tochter des Bürgermeisters wieder auszugraben. Als er beim Schaufeln an der Glasfront des Sargs ankommt, schlägt Valentina die Augen auf. Kurzerhand entschließt sich Gnaghi den Kopf mitzunehmen und ihn anstelle seiner Mattscheibe in seinem Fernseher aufzubewahren.

In der Nacht ist die unbekannte Geliebte von Francesco Dellamorte wieder auf den Beinen. Er begreift, dass sie noch gelebt haben muss, als er sie erschossen hat. Er tötet sie ein zweites Mal.

Am nächsten Tag will Gnaghi die Telefonbücher verbrennen, doch sie türmen sich zum eigentlichen Tod auf. Dieser warnt Dellamorte ihm nicht seine Toten zu stehlen. Man sieht Dellamorte darauf nachts durch die Gegend fahren, wie er insgesamt 7 lebende Personen umbringt. Sein Auto wird gesehen, und der Inspektor glaubt, dass Gnaghi für den Mord an diesen Unschuldigen verantwortlich ist. Als Dellamorte Gnaghi deswegen holen soll, entdeckt er Valentina im Fernseher von Gnaghi. Der Bürgermeister, der den Inspektor begleitet hatte, da er ein Foto seiner Tochter für seine Wahlkampagne anfertigen wollte, kommt ebenfalls hinzu und wird von seiner eigenen Tochter bzw. deren Kopf getötet. Dellamorte erschießt den Kopf, doch der Bürgermeister ist bereits tot.

Als am Tag darauf der neue Bürgermeister mit seiner Sekretärin auftaucht, erkennt Dellamorte in der Sekretärin seine Geliebte. Es kommt ihr vor, als sei sie schon einmal auf dem Friedhof bei Dellamorte gewesen. Und sie eröffnet ihm, dass sie nur einen impotenten Mann lieben kann. Dellamorte, verliebt wie er ist, bittet darauf Dr. Vicese um Hilfe, der in einem absurd wirkenden OP-Eingriff mit einer Spritze Dellamorte impotent macht. Nachdem Francesco die darauffolgende Infektion überstanden hat, und er wieder auf die namenlose Schöne trifft, hat er allerdings ein Problem, denn sie möchte nun keinen Impotenten mehr, da sie erkannt hat, als sie vom Bürgermeister vergewaltigt worden war, wie schön das Gefühl beim Geschlechtsakt ist. Sie wird deshalb den Bürgermeister heiraten.

Am Abend ist Dellamorte wieder in der Stadt unterwegs, und dort trifft er neben Magda auch Laura, die wieder wie seine Geliebte aussieht. Er vergnügt sich mit Laura, da er erkannt hat, dass die Sprize des Arztes ihre Wirkung verfehlt hat. Doch im Anschluss daran will Magda abkassieren, denn Laura war doch nur eine Prostituierte. Das Geld dafür hat Francesco jedoch nicht, und so legt er in ihrem Haus mit Hilfe eines Heizlüfters Feuer, in dem beide sterben.

Der Scheck, den Dellamorte für die Bezahlung ausgestellt hatte, ist nicht gänzlich verbrannt, aber der Inspektor eröffnet ihm am nächsten Tag, dass ein anderer mittlerweile in der Psychiatrie sitzender Mann die Morde gestanden hat. Es handelt sich dabei um Francescos Freund Franco. Als Dellamorte in seinem Krankenzimmer ist, erschießt er unter anderem zwei Schwestern und einen Arzt, aber dennoch hält der inspektor jeden Verdacht von ihm fern. Dellamorte weiß inzwischen nicht mehr, wer lebt und wer tot ist. Deshalb will er nur noch weg, weg aus Buffalore.

Als er mit Gnaghi in seinem Käfer durch den Tunnel aus der Stadt fährt, erlebt er aber eine Überraschung: Die Welt geht nicht weiter als bis zum Rand der Straße, und so bleiben Dagi und Francesco dort sitzen, da sie ihr Auto nie weiter als bis zu diesem Punkt bringen wird.

Wertung

Eine klassische Horrorkomödie mit light Gore und ein wenig Humor. Das ist das, was diesen Film ausmacht. Auch bei einmaliger Sichtung hat der Film etwas, was einen nicht los lässt. Das fängt schon bei der prägnanten Eingangsmelodie an, die einfach im Kopf bleibt. Francesco, verkörpert durch Rupert Everett, macht seine Sache gut, und ist eigentlich ein Charakter, mit dem man weniger zu tun haben möchte, aber hier kommt er sympathisch rüber, sozusagen als Wächter der Toten. Auch die Rolle des Gnaghi ist exzellent besetzt, da sie in einer Weise wie ein buckliger Glockenwärter gespielt wurde.

Hinzu kommen im Film einige komische Elemente, die zwar nicht lustig aber absolut abstrus sind: Gnaghis Liebesaffaire mit dem Kopf von Valentina, Dellamorte, der morden kann wie er will, ohne, dass er verhaftet wird, eine trauernde Witwe, die Signora, die eigentlich nichts zum Film beiträgt, ein merkwürdig erscheinendes Krankenhaus, in dem Franco liegt, wo auch gerne im Krankenzimmer eine geraucht wird. All das macht diesen Film irgendwie liebenswert. Und deshalb entwickelt man starke Sympathien für Dellamorte.

Das Bild des Films ist gestochen scharf aber in der vorliegenden Form von 84 Entertainment ein klein wenig zu dunkel, so dass teilweise Konturen nicht richtig abgrenzbar sind. Insgesamt ist es aber okay. Die Ur-Version wirkt zwar unschärfer aber ein klein wenig heller, was zu mehr Details führt.

Die Synchro ist gut und hat nur wenige Schwachpunkte. Gut gelungen dabei ist vor allem das Erzählen von Francesco aus dem Off. Die Musik ist allein mit der prägnanten Titelmelodie hervorragend zum Film ausgesucht, kann aber allein für sich nicht überzeugen.

Die Splatter-Effekte, wenn man diese denn so nennen möchte, sind nur gering vorhanden, da dieser Film eher eine romantische Horrorkomödie ist, die dadurch aber trotzdem recht brutal ausgefallen ist, ohne aber eine gewisse Komik dabei vermissen zu lassen. Ich meine, wer bewahrt schon den Kopf einer Angebetenen in seinem eigenen Fernseher auf?

Dellamorte Dellamore ist einer der bekannteren früheren Filme von Rupert Everett, der im Anschluss auch in größeren Filmen wie "Pret-a-Porter", "Die Hochzeit meines besten Freundes" oder "Shakespear in Love" mitgespielt hat, allerdings eher in kleineren Rollen. Die Rolle des Francesco Dellamorte ist mit seine bekannteste und größte gewesen.

Michele Soavi kennen die Horrorfans natürlich als Regisseur von "Aquarius - Stagefright - Theater des Todes" sowie von "The Church", wobei ich Dellamorte Dellamore zu seinem besten Wert kühren würde. Als Darsteller war er unter anderen in "Alien - Die Saat des Grauens kehrt zurück", "Ein Zombie hing am Glockenseil" oder in "Absurd", "The New York Ripper" und "Phenomena" zu sehen.

Dellamorte Dellamore gehört deshalb zu den Filmen, die man als Horrorfan unbedingt gesehen haben sollte, und zwar egal in welcher Fassung. Auch die Red Edition, auch wenn diese manchmal nicht ganz den technischen High-End-Produkten entsprechen, reicht hier durchaus auch aus.

Insgesamt für einen gelungenen, wenn auch manchmal gewöhnungsbedürftigen und ungewöhnlichen Horrorfilm, der garniert worden ist mit romantischen Ansätzen und komödianten Einlagen, 09-10/10 Punkten.

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 Betreff des Beitrags: Re: Dellamorte Dellamore
BeitragVerfasst: 1. Jan 2013, 16:06 
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Ich mag diesen Film sehr gerne und denke Soavi hat hier grundsolide Arbeit geleistet uns einen etwas anderen Zombiefilm zu präsentieren.
Auch wenn er hier die "Goreschraube" nicht so hart anzieht wie z.B. in STAGEFRIGHT überzeugt DELLAMORTE DELLAMORE auf ganzer Linie!
Was den Film wirklich seine eigenen Note gibt ist die Kombination von Horror mit Humor ohne das er aber in die "Over-The-Top Fun Splatter" Kategorie rutscht.
Ich denke es ist nicht falsch diesen Film auch schon als einen Klassiker des Genres zu bezeichen; Rupert Everett und auch Anna Falchi sind eine Augenweide in ihren darstellerischen Leistungen.
François Hadji-Lazaro , der hier in der Rolle des Gnaghi zu sehen ist, spielt seinen Part so überzeugend und charmant das man ihn und seinen Charakter einfach ins Herz schliessen muss!

"In seinem Pass steht unter besondere Kennzeichen : Alle" :Up:

9/10 Friedhoswärtern

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 Betreff des Beitrags: Re: Dellamorte Dellamore
BeitragVerfasst: 1. Jan 2013, 16:26 
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DanGore hat geschrieben:
François Hadji-Lazaro , der hier in der Rolle des Gnaghi zu sehen ist, spielt seinen Part so überzeugend und charmant das man ihn und seinen Charakter einfach ins Herz schliessen muss!


Siehste, und ich habe die ganze Zeit versucht herauszufinden, wie der heißt. Ich ändere das mal, denn im Film ist es nicht richtig zu verstehen. :ds:

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 Betreff des Beitrags: Re: Dellamorte Dellamore
BeitragVerfasst: 31. Mai 2013, 10:03 
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Dellamorte Dellamore
(Dellamorte Dellamore)
mit Rupert Everett, François Hadji-Lazaro, Anna Falchi, Mickey Knox, Fabiana Formica, Clive Riche, Katja Anton, Barbara Cupisti, Anton Alexander, Pietro Genuardi, Patrizia Punzo, Stefano Masciarelli
Regie: Michele Soavi
Drehbuch: Gianni Romoli / Tiziano Sclavi
Kamera: Mauro Marchetti
Musik: Riccardo Biseo / Manuel De Sica
FSK 18
Deutschland / Frankreich / Italien / 1984

In einem kleinen Ort in der Lombardei, der Buffalora heißt, gibt es einen kleinen Friedhof. Hier arbeitet der junge Francesco Dellamorte und sein geistig zurückgebliebener Assistent Gnaghi. Das ist aber kein normaler Friedhof, denn alle Toten, die hier beerdigt werden, stehen nach sieben Tagen wieder als Zombie auf. Francesco und Gnaghi müssen genau aufpassen, daß sie auch alle Zombies erwischen und mittels Pistole oder Hacke wieder zurück ins Jenseits zu befördern. Besonders viel Arbeit hat er, als ein Bus voller Touristen bei seinem Ort an einem Hang verunglückt und die Opfer auf seinem Friedhof begraben werden...Eines Tages lernt er ein hübsches Mädchen kennen und lieben, doch sie stirbt und als sie sieben Tage später wieder von den Toten aufersteht, muß er sie ebenfalls töten. Von hier an scheint der ganze Wahnsinn, der ihn sein Leben lang begleitet hat, auch etwas auf ihn abzufärben...


Michel Soavi (Aquarius) hat mit "Dellamorte Dellamore" wohl einen der außergewöhnlichsten Genre-Beiträge überhaupt abgeliefert, präsentiert sich hier doch ein etwas anderer Horrorfilm, der phasenweise wie eine wunderbare Schauer-Mär daher kommt und manchmal schon märchenfafte Züge trägt. Gleichzeitig wurde dem Szenario aber auch eine Menge Humor einverleibt und an einigen Stellen erscheint einem das Ganze fast schon ein wenig trashig. Die Location des alten Friedhofs sorgt dabei für eine ideale Grundstimmung und die Ereignisse auf diesem sorgen beim Zuschauer für die ein-oder andere gepflegte Gänsehaut. Soavi hat es erstaunlich gut verstanden, seiner Geschichte eine morbide Ästhetik zu verleihen, denn ganz egal wie absurd sich einige Passagen präsentieren, so ästhetisch wurden sie doch ins Bild gesetzt. Auch die diversen Nacktszenen des Filmes bringen diesen Aspekt sehr gut zur Geltung, wirken sie doch trotz des morbiden Schauplatzes elegant und kunstvoll, bevor sie dann letztendlich durch eine Zombie-Attacke zerstört werden. Selten hat man ein so skurriles Treiben beobachtet, das sich mit der Thematik Liebe und Tod beschäftigt und das dabei so viele verschiedene Fawcetten offenbart, das dadurch ein extrem kurzweiliges Film-Vergnügen entsteht, das den Betrachter durchgehend bei Laune hält.

Soavi hat sein Hauptaugenmerk nicht unbedingt auf den enthaltenen Härtegrad gelegt, denn obwohl man einige nette Einstellungen geboten bekommt, wirkt "Dellamorte Dellamore" zu keiner Zeit überladen und offenbart seine härteren Passagen sehr gut über die gesamte Laufzeit verteilt. Im Vordergrund steht vielmehr der streckenweise tief-schwarze Humor, der sich nicht nur in den Dialogen, sondern hauptsächlich in herausragender Situationskomik zu erkennen gibt. Gleichzeitig ist man von der visuellen Ausstrahlung des Geschehens zunehmend fasziniert, beinhaltet sie doch eine magische Komponente, der man sich beim besten Willen nicht entziehen kann. Ganz egal, wie absurd und makaber diverse Einstellungen erscheinen, sie vermitteln doch jederzeit den Eindruck, das man sich hier in einer Art Märchen befindet, das äußerst morbide Züge trägt. Ein ganz wichtiger Bestandteil dieses fantastischen Filmes sind sicherlich die Darsteller, die allesamt durch hervorragende Leistungen überzeugen können. Hervorheben muss man jedoch Rupert Everett, der in der Rolle des Francesco Dellamorte eine wahre Glanzleistung abliefert. In der Beziehung zu seinem geistig zurückgebliebenen Helfer Gnaghi liegt dann auch ein besonderer Reiz, offenbart sich doch insbesondere im Umgang der beiden untereinander so viel Humor, das es eine wahre Pracht ist.

Insbesondere die Charakter-Veränderung von Dellamorte wird hier ganz hervorragend in den Fokus gerückt, denn nimmt der junge Mann zu Beginn noch eher unbeteiligt die Tatsache hin, das die Toten auf seinem Friedhof nach einigen Tagen wieder auferstehen, so verändert sich sein Wesen doch mit der Zeit ganz erheblich. Durch den Tot seiner Geliebten und einiger anderer skurrilen Dinge springt der Wahnsinn mit der Zeit auch auf ihn über und man bekommt es nun mit einem Mann zu tun, der auch nicht davor zurückschreckt, einige Morde zu begehen. Everett legt an dieser Stelle eine Performance an den Tag die sich wirklich sehen lassen kann und drückt der Geschichte damit seinen ganz persönlichen Stempel auf. Man merkt also, das man hier ein wunderbares Gesamtpaket serviert bekommt, das sich doch in etlichen Dingen sehr wohlwollend von den handelsüblichen Horrorfilmen abhebt. Soavi präsentiert mit "Dellamorte Dellamore" ein wahres Kunstwerk und gleichzeitig ein absolutes Juwel des Genres, das allerdings nie die Beachtung erlangt hat, die es aufgrund der vorhandenen Qualität sicherlich verdient hätte. Nur ganz selten bekommt man nämlich eine so außergewöhnlich gute Kombination geboten, wie sie sich einem hier präsentiert.

Letztendlich liegt es wie immer im Auge des jeweiligen Betrachters, doch meiner persönlichen Meinung nach handelt es sich hier um einen Film, der das Genre ungemein bereichert hat. Der Spagat zwischen Horror, Märchen, Komödie-und teilweise extrem skurrilen Momenten ist absolut herausragend gelungen und bietet so eine Geschichte, die kurzweilig, spannend und äußerst atmosphärisch in Szene gesetzt wurde. Die morbide Ästhetik des Geschehens strahlt dabei eine unglaublich starke Faszination aus und zieht einen dabei in einen sogartigen Strudel der Ereignisse, aus dem es kein Entkommen gibt.


Fazit:


"Dellamorte Dellamore" ist ein visuell sehr ansprechendes Horror-Märchen, das dem Zuschauer des Öfteren den Eindruck vermittelt, sich zwischen den Grenzen von Realität und Fiktion zu bewegen. Erstklassiger Humor, harte Passagen und wunderbar agierende Schauspieler servieren im Einklang mit der bedrohlich-morbiden Atmosphäre ein grandioses Seh-Vergnügen, das man sich immer wieder gut anschauen kann, ohne das die Geschichte etwas von ihrem ganz speziellen Reiz verliert.


9/10

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 Betreff des Beitrags: Re: Dellamorte Dellamore
BeitragVerfasst: 31. Mai 2013, 10:22 
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Master, ich muss dir mal wieder Recht geben: der Begriff "Märchen" passt sehr gut zu Dellamorte Dellamore. Vielleicht entsteht der Eindruck durch die herrlich morbide Atmosphäre, die sich wie ein roter Faden durch den Film zieht, vielleicht ist es die Story an sich, die gefühlvoll aber nicht gefühlsduselig von Liebe und Tod handelt. Auf jeden Fall mag ich den schwarzen Humor von Dellamorte Dellamore. Die Art und Weise, wie die Toten aussehen, wenn sie wieder auferstehen, ist schon ein Fest. 9/10

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