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 Betreff des Beitrags: Der Übergang (2010)
BeitragVerfasst: 18. Apr 2014, 17:20 
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Der Übergang
(The Corridor)
mit Stephen Chambers, James Gilbert, David Patrick Flemming, Matthew Amyotte, Glen Matthews, Mary-Colin Chisholm, Nigel Bennett, Elphege Bernard, Heather Salsbury
Regie: Evan Kelly
Drehbuch: Josh MacDonald
Kamera: Christopher Ball
Musik: keine Informationen
FSK 16
Kanada / 2010

Während ihrer Highschoolzeit hatte eine Gruppe von Freunden ein gemeinsames tragisches Erlebnis, an dem sie Jahre später noch zu kauen haben. Um es endgültig hinter sich zu bringen, treffen sie sich wieder, um ein gemeinsames Wochenende in einer einsam gelegenen Blockhütte in der Wildnis zu verbringen. Das Wochenende nimmt eine unerwartete Wendung, als die Freude mitten im Wald einen blendend hellen Korridor entdecken, der eine eigenartige Wirkung hat: Er amplifiziert ihre Aggressionen. Bald brechen erste Streits aus.


Wenn einem Film erst vier Jahre nach seinem Erscheinen eine deutsche DVD-Veröffentlichung zuteil wird ist dies zumeist ein Indiz dafür, das es sich nicht unbedingt um ein erwähnenswertes Werk handelt. Ganz anders liegt der Fall jedoch beim Regie-Erstling von Evan Kelly, der auf jeden Fall etwas ganz Besonderes darstellt. Dabei handelt es sich in vorliegendem Fall um eine Geschichte die am Ende mehr Fragen aufwirft, als das sie welche beantwortet, worin laut diverser Kritiken auch für viele Leute der größte Kritikpunkt liegen dürfte. Manchmal sind es jedoch insbesondere diese Filme mit etlichen Interpretations-Möglichkeiten für den Zuschauer, die den größten Eindruck hinterlassen und in diese Kategorie sollte man eigentlich auch "Der Übergang" einordnen. Die Geschichte besticht dabei durch eine nicht alltägliche Erzählweise, die insbesondere in der ersten Hälfte sehr ruhig-und fast schon ein wenig einschläfernd daher kommt, bevor der Film danach unvermittelt eine erhebliche Temposteigerung erkennen lässt. Bis dahin wird man lediglich mit einer Eröffnungs-Sequenz konfrontiert die man zunächst nur schwerlich einordnen kann, die allerdings mit zunehmender Laufzeit einen immer größeren Stellenwert im Geschehen einnimmt. Desweiteren passiert nicht sonderlich viel, die Ereignisse beschränken sich auf das Aufeinandertreffen von fünf Freunden, die Jahre zuvor ein traumatisches Erlebnis teilten, das sich letztendlich als Dreh-und Angelpunkt eines äußerst mysteriösen Treibens herausstellen soll, das im Endeffekt aber keinesfalls logisch-und lückenlos erklärt wird.

Es wird vielmehr der Fantasie des Betrachters überlassen, die hier dargestellten Abläufe zu interpretieren und für sich einzuordnen und dieser Aspekt ist es auch sicherlich, der nicht bei jedem auf Gegenliebe stoßen wird. Zugegebenermaßen wären diverse Erklärungsversuche hilfreich gewesen, doch meiner persönlichen Meinung nach hat Regisseur Evan Kelly an dieser Stelle ganz bewusst viel Spielraum für die eigenen Denkansätze gelassen, so das dieser Film genügend Zündstoff für angeregte Diskussionen liefern dürfte. Wie dem aber auch sei, auf jeden Fall präsentiert sich eine gelungene Mixtur aus Horror, Mystery-und ein wenig SCI/FI, die besonders in der zweiten Filmhälfte ihre Stärken beinhaltet. Nachdem der Zuschauer zunächst mit schier endlosen Dialogen in Sicherheit gewiegt wird und die Story in erster Linie vom wirklich gelungenen Schauspiel ihrer Protagonisten zehrt, nimmt das Ganze im zweiten Teil eine Wendung, die man in der vorliegenden Form schon fast nicht mehr erwartet hätte. Das Tempo zieht mächtig an und es tun sich immer mehr Fragen auf, die allerdings während der Sichtung nur unzureichend beantwortet werden. Dennoch geht vom Geschehen eine ganz eigene Faszination aus und irgendwie wird man dabei das Gefühl nicht los, das man in eine Art sogartigen Bann gezogen wird, der einen immer tiefer in den geheimnisvollen Korridor hineinzieht, der im Mittelpunkt der ganzen Chose steht. Man kann sich unmöglich der fast schon hypnotischen Wirkung der Abläufe entziehen und so auch keinesfalls seine Augen vom heimischen Bildschirm lösen, denn zu sehr nimmt einen die charakterliche Veränderung der Akteure gefangen.

Aus scheinbar besten Freunden werden mit einem mal Gegner und offensichtlich aufgestaute Aggressionen kommen unvermittelt zum Ausbruch. An dieser Stelle sollte man anmerken, das sich dieser Umstand auch im vorhandenen Härtegrad zu erkennen gibt, denn während der ersten gut 45 Minuten rein gar nichts in dieser Beziehung zu erkennen war, mischen sich doch nun auch einige für eine 16er Freigabe recht delikate Phasen in die Abläufe ein, was die Intensität der Ereignisse zusätzlich verstärkt. Ganz sicher wird nicht jeder das so empfinden, doch in meinen Augen ist es hier der kontinuierlich ansteigende Spannungsbogen und die äußerst mysteriöse Grundnote, die "Der Übergang" zu einer echten kleinen Film-Perle machen, die man in dieser Form nicht jeden Tag zu sehen bekommt. Natürlich liegt das wie immer im Auge des jeweiligen Betrachters, doch die Kombination aus Fakten, Ahnungen-und eigenen Interpretationen lässt hier ein Gesamtbild entstehen, das ich persönlich nur als sehr gut bezeichnen kann.

Warum dieser Film also nicht gerade selten eher schlecht bewertet wird entzieht sich meiner Kenntnis, doch wahrscheinlich liegt das in dem Aspekt begründet, das die meisten Leute immer eine logische Erklärung auf dem Silbertablett serviert haben wollen. Das bekommt man hier sicherlich nicht, doch wenn man gerade zum Ende hin der Eingangs-Passage die nötige Gewichtung zukommen lässt, dann erklären sich doch viele Dinge von selbst. Das am Ende dennoch diverse Fragezeichen übrig bleiben ist doch umso mehr ein Grund dafür, diesen Film auch noch ein zweites Mal zu sichten, um dann eventuell noch weitere Gesichtspunkte zu erkennen, die das Ganze in ein überdurchschnittlich gutes Gesamtbild rücken, das dieser Film auf jeden Fall hinterlässt. Für Liebhaber eines anspruchsvollen Genre-Mixes kann man also auf jeden Fall eine dicke Empfehlung aussprechen, denn "Der Übergang" bietet durchgehend spannende-und sehr atmosphärische Unterhaltung,. die zudem auch noch die eigenen grauen Zellen anregt und genügend Spielraum für eigene Vermutungen offen lässt. Eine tolle Geschichte, sehr mysteriöse Momente und ein glänzend agierendes Darsteller-Ensemble ergeben hier insgesamt ein Gesamtpaket, das man sich zumindest einmal anschauen sollte.


Fazit:


Man muss nicht zwangsläufig jeden Film bis in das kleinste Teil verstehen um ihm eine gewisse Qualität zuzuschreiben. Diese ist in diesem Regie-Debüt zur Genüge vorhanden und so bleibt eigentlich nur zu hoffen, das "Der Übergang" nicht der letzte Streich von Evan Kelly bleiben wird, denn der gute Mann scheint definitiv ein Gespür für das gewisse Etwas zu haben.


8/10


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