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 Betreff des Beitrags: Hellraiser - Hellseeker (2002)
BeitragVerfasst: 11. Dez 2012, 23:40 
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Originaltitel : Hellraiser: Hellseeker

Herstellungsland : USA

Erscheinungsjahr : 2002

Regie : Rick Bota

Laufzeit : 85:19 Minuten

FSK : 16

Prolog :


Typischerweise gelten auch für den Horrorfilm die gleichen Marktgesetze wie für jedes andere Genre auch:Ist ein Film besonders erfolgreich, dann folgen auch schon bald die Sequels. Und wie in jedem Genre gibt es auch hier nur selten Fortsetzungen, die an den ursprünglichen Originalfilm heranreichen.
Auf HELLRAISER folgte schon kurz darauf HELLBOUND als direktes Sequel und er markierte nicht nur das Ende des blutigen, ernsthaften Horrorfilms in den frühen Neunzigern, sondern konnte tatsächlich weitestgehend die Klasse des Vorgängers halten.
Leider verkam Clive Barkers fantastischer Beitrag zum Horrorgenre schon recht schnell zum Franchise-Objekt. Teil 3 HELL ON EARTH und TEIL 4 BLOODLINES versteiften sich zu sehr darauf, mit PINHEAD den nächsten Horror-Hero a la JASON oder FREDDY KRUEGER in die Herzen der Horrorfans zu platzieren, scheiterten aber inhaltlich an den von Barker und Randell vorgegebenen stilistischen und formalen Grenzen.
Ein PINHEAD und ein Würfel allein machen eben noch keine sinnvolle Fortsetzung und entsprechend fielen auch die Ergebnisse aus.
Erschwerend kommt hinzu, das die Stärken von HELLRAISER und mit Abzügen auch HELLBOUND in den ungelösten Teilen der Handlung lagen, die offen für jeden Zuschauer zur eigenen Erklärungsbildung einluden.
Gerade die Fortsetzungen 3 + 4 versuchten aber, diese Erklärungen bis ins Detail zu liefern, ließen aber dabei die kathedralenhafte, düstere Atmosphäre völlig vermissen. Demnach scheiterten sie dadurch auf ganzer Linie, wenn sie auch im Bereich der Fortsetzungen einen besonderen Stand genießen. So ging die von den Produzenten kalkulierte Formel auf und eine Veränderung der eingeschlagenen Spur wurde zu einer Unmöglichkeit, was sich auch schon bald zeigen sollte.
Die fünfte Episode INFERNO versuchte sich handlungsbezogen wieder dem Ursprungfilm zu nähern und scheiterte bei den Fans kläglich. Zuwenig PINHEAD, runtergeschraubter Gore, und keine Verbindung zu den beiden vorangegangenen Sequels waren die Hauptangriffspunkte der breiten Masse. Dabei ist die Geschichte des 5. Teils durch ihre Schuld- und Sühne-Motive weitaus mehr mit dem eigentlichen HELLRAISER – Universum verknüpft, als die beiden überstilisierten und oberflächlichen Vorgänger.
Nun also HELLSEEKER. Die Erwartungen sind hoch, schließlich hoffen die Fans durch die Kritik an Teil 5 wieder auf ein entsprechendes Schlachtfest mit angemessenem Cenobythen-Anteil . Die Verpflichtung Ashley Laurence in ihrer Rolle als Kirsty, die Protagonistin des ersten und zweiten Teils, ließ die Herzen hier schon höher schlagen. Eine Angliederung an HELLBOUND? So einfach ist die Sache dann doch wieder nicht. Aber kommen wir mal zum Film und seiner Handlung.

Story :

Kirsty Cotton hat mittlerweile geheiraten. Jenseits ihrer dunklen Vergangenheit in der Lodovico-Street und dem Channard-Institut lebt sie mit ihrem Mann Trevor ein beschauliches Leben in den Staaten.
Ein Unfall zerstört diese Idylle jäh: Ihr Auto kommt durch ein Ausweichmanöver von einer Brücke ab und stürzt in einen Fluss. Während sich Trevor befreien kann, versinkt Kirsty in den Fluten.
Er erwacht in einem Krankenhaus und stellt fest, das das einzige woran er sich erinnern kann, der Unfall selber ist, alles andere ist wie ausgelöscht in seinen Kopf. Die Polizei ermittelt wegen des Unfalls und aufgrund der Tatsache, das die Leiche Kirstys im Fluss bislang nicht aufzufinden ist, vermuten sie schon bald ein Mordkomplott, wobei Trevor hier der Hauptverdächtige zu sein scheint.
Trevor versucht nun verzweifelt, die Vorkommnisse zu ordnen. Was ist wirklich passiert? Wer ist dieser seltsame Fremde der ihn verfolgt? Warum gehen so viele merkwürdige Dinge um ihn herum vor? Seine Erinnerung beginnt an dem Punkt in die richtige Richtung zu starten, an dem ihm einfällt Kirsty ein Geschenk gemacht zu haben: einen Puzzlewürfel, der bei seiner Frau pures Entsetzen ausgelöst hatte. Aber was passierte dann? Und was hat das alles mit ihm und seiner Frau zu tun?

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Wertung :

Mehr darf man zu diesem Film wirklich nicht verraten, ohne böse zu spoilern.
Die Story ist sehr komplex und baut sich auch für den Zuschauer nur Schritt für Schritt wie ein Puzzle auf. Trevors Suche nach der Wahrheit ist den ganzen Film über aus seinem Fokus her aufgebaut und so wird man auch als Betrachter sehr gefordert. So muss man sich nicht nur einmal fragen, wie diese Handlung zum Schluss hin verlaufen mag. Einen Bezug zu Nolans MEMENTO möchte ich nicht schaffen, aber ähnlich wie in diesem Film wird auch in HELLSEEKER die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf äußerste strapaziert. Das Finale, also der Punkt wo alle Fäden zusammenlaufen, überrascht dann auch ziemlich, lässt dem Publikum aber genug Freiraum zu weiteren eigenen Gedankenspielen.
Ob diese Herangehensweise im Fandom gut aufgenommen wird, ist eher fraglich. PINHEAD ist zwar tatsächlich mit einer neuen Horde von Cenobythen vertreten, diese treten aber nur sehr verhalten auf, ähnlich wie im Original-HELLRAISER. Auch der Gore kocht eher auf Sparflamme, nimmt man sich zumindest HELLBOUND oder BLOODLINE als Maßstab. Zwar gibt es hier wieder einige nette Effekte, diese machen aber bei der sehr handlungsfixierten Inszenierung nur einen Bruchteil des Ganzen aus.
Die Figur der Kirsty ist zwar praktisch der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, sie selber ist aber nur sehr selten im Film zu sehen und entsprechend groß dürfte die Enttäuschung bei den Fans liegen, die auf einen im Fokus der Handlung stehenden Kampf zwischen Kirsty und PINHEAD gehofft haben
Trotzdem: der Film ist mit seinem unmittelbaren Vorgänger INFERNO kaum zu vergleichen. Zwar war auch die Suche nach einer wie auch immer gearteten Wahrheit Dreh- und Angelpunkt der Story, doch wurden die Ansätze hier von der sehr trockenen und unterkühlten Machart fast völlig verdeckt. Bei HELLSEEKER ist zwar auch das Budget eher karg ausgefallen (Direct-to-Video-Produktion), allerdings wurde hier mit dem rennomierten Kameramann Rick Bota ein Regisseur gefunden, der schon bei vielen Big-Budget-Genre-Filmen wie beispielsweise RITTER DER DÄMONEN oder HAUNTED HILL mit seinem Gespür für schwindelige Kameraspielereien sein technisches Talent bewiesen hat. Seine eindrucksvolle Filmographie zeigt, das er bei weitem kein unbeflecktes Blatt in der Film- und Fernsehwelt ist, auch wenn HELLSEEKER sein Regiedebüt darstellt.
Die recht düstere Ausleuchtung und die für den Videomarkt außerordentlich gelungene Kamerarbeit sprechen da eine deutliche Sprache.
Auch der Soundtrack ist ungewöhnlich gelungen ausgefallen und ähnelt durch seine bombastischen Orchestersounds eher der musikalischen Untermalung die man von Kinofilmen gewohnt ist.
HELLSEEKER ist kein erneuter derbbrutaler Abstieg in die Hölle, dafür aber gewiss wieder ein Beitrag zur HELLRAISER-Reihe der die Fans wieder mal auf das äußerste spalten wird. Geht man aber ganz ohne Erwartungen an diesen 6. Teil heran, wird man vielleicht positiv überrascht sein von diesem sehr mysteriösem und twistreichem Film.
Clive Barker selbst zeigte sich diesmal seit langem wieder begeistert von dem Ergebnis und dem kann ich eigentlich nur zustimmen, auch wenn die naheliegensten Wünsche der Fans bestimmt wieder nicht erfüllt worden sind.
Aber eine weitere Chance lauert ja schon in dem soeben in Rumänien in Produktion gegangenen HELLRAISER DEADERS. Doug Bradley ist auch hier wieder als PINHEAD zu sehen, aber ob seine Performance diesmal die 15 min – Grenze gemessen an der Gesamtlaufzeit überschreiten wird, steht bislang noch in den Sternen.

HELLSEEKER ist kein neuer Meilenstein. Aber er ist interessant genug um als eigenständiger Genrebeitrag mit bekannten Figuren zu begeistern.

6 von 10 Punkten


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"Are you gonna bark all day little doggie, or are you gonna bite?"


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 Betreff des Beitrags: Re: Hellraiser - Hellseeker (2002)
BeitragVerfasst: 19. Feb 2014, 11:06 
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Dieser Teil ist von den späteren Hellraiser - Teilen mein absoluter Favorit. Hier ist meiner Meinung nach eine sehr gute Story absolut überzeugend in Szene gesetzt worden. Es gibt auch ein Wiedersehen mit Kirsty, die ja noch aus den ersten beiden Teilen bekannt sein dürfte und mittlerweile mit Trevor verheiratet ist. Und Trevor ist auch die Hauptperson der teils sehr mysteriösen Geschehnisse, die sich nach einem schrecklichen Autounfall absoielen, nach dem Kirsty anscheinend verschwunden ist. Beim Versuch, die Vorfälle zu rekonstruoeren, die zu dem Unfall geführt haben, hat Trevor immer wieder Erlebnisse, bei denen man manchmal nicht so recht weiss, ob es sich um Realität oder Fiktion handelt, was auch den ganz besonderen Reiz dieses Filmes ausmacht. Nichts ist wie es scheint und zum Ende hin nimmt die Geschichte dann auch eine Wendung, die man zwar ab einem gewissen Zeitpunkt vorhersehen kann, die aber dennoch einen kleinen Überraschungsmoment bietet.

Die sich hierbei entfaltende Grundstimmung finde ich hier besonders gelungen, es geht eine starke Bedrohlichkeit von ihr aus und sie ist auch sehr dicht. Gleichzeitig verströmt sie etwas sehr unheilvolles und mysteriöses, was durch die wie Tagträume erscheinenden Visionen von Trevor noch zusätzlich unterstützt wird. Teilweise sehr düstere Schauplätze tun ihr Übriges, um hier ein sehr atmosphärisches Filmerlebnis zu präsentieren, an dem man wirklich seine Freude haben kann, auch wenn nicht mehr die Klasse der ersten teile der Reihe erreicht werden kann. Es kann auch durchaus vorkommen, das man etwas die kompromisslose Härte vermisst, die insbesondere Teil 1-3 enthalten haben, in denen auch von den Cenobiten weitaus mehr zu sehen war als in den darauffolgenden Filmen denn nehmen Pinhead 6 Co. doch leider nur noch eine Art Nebenrolle ein und sind nur sehr selten im Bild zu sehen, jedoch kann gerade "Hellseeker" auch ohne einen großen Härtegrad absolut überzeugen.

In Sachen Spannung weiss der Film vollends zu überzeugen, der Spannungsbogen ist straff gespannt und kann sich meiner Meinung nach auch konstant hochhalten, so das keine Langeweile auftritt. Dabei wird die vorhandene Spannungsschraube Stück für Stück kontinuirlich fester gezogen, so das man phasenweise einen enormen Druck verspürt, da man die Lösung des ominösen Geschehens nun endlich erfahren will. Die endgültige bestätigung für seine eventuelle Vorahnung erhält man allerdings erst wenige Minuten vor dem Ende und auch wenn man Ähnliches schon geahnt hat, ist durchaus ein gewisser Überraschungsmoment gegeben. Der Richtungsumschwung zum Horrorthriller mag vielen Hellraiser-Fans schwer im Magen liegen und auch die Tatsache, das die Cenobiten immer weniger Platz in den Filmen erhalten ist nicht unbedingt ein Vorteil, aber gerade "Hellseeker" ist ein Film, der absolut überzeugen kann und dabei erstklassige und sehr spannende Unterhaltung bietet.

Alles in Allem präsentiert sich hier ein sehr guter, bestens unterhaltender Horrorthriller, der jederzeit spannend ist und auch nach mehrmaligen Anschauen nicht langweilig wird. Gute Darsteller, eine tolle Atmosphäre und ein dramaturgisch sehr gelungener Spannungsaufbau ersetzen zwar nicht den harten Horror der ersten Hellraiser-Filme, dennoch hat Regisseur Rick Bota einen in allen Belangen überzeugenden Horrorthriller kreiert, den man sich unbedingt anschauen sollte, da man ansonsten etwas verpasst.




7,5/10

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Bild Big Brother is watching you


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 Betreff des Beitrags: Re: Hellraiser - Hellseeker (2002)
BeitragVerfasst: 19. Feb 2014, 11:42 
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Also bei dem Film bin ich mal einer Meinung mit Master der war echt nicht schlecht.


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