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Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Betreff des Beitrags: I'll Never Die Alone (2008)
BeitragVerfasst: 24. Feb 2013, 00:01 
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I'll Never Die Alone
(No morire mora)
mit Andres Aramburu, Gimena Blesa, Leonardo Canga, Leonardo Cuchetti, Magdalena De Santo, Andrea Duarte, Rolf Garcia, Marisol Tur, Victoria Witemburg
Regie: Adrian Garcia Bogliano
Drehbuch: Martin Frias / Adrian Garcia Bogliano
Kamera: Fabricio Basilotta
Musik: Herman Penner
Ungeprüft
Argentinien / Spanien / 2008

Auf einem Road Trip sehen die vier Freundinnen Moira, Carol, Leonor und Yasmine ein verletztes Mädchen am verlassenen Strassenrand liegen und kurz darauf drei Typen mit Gewehren im Wald. Die Mädchen bringen das Opfer zur Polizei, werden aber anschliessend selber verfolgt und von der Strasse abgedrängt. Die jungen Frauen werden im Wald verschleppt und nacheinander brutal missbraucht. Die Überlebenden nehmen blutige Rache an ihren Peinigern. Aber schmeckt Rache wirklich süss...?


Es ist schon ein äusserst hartes Stück Rape & Revenge Movie, das einem Regisseur Adrian Garcia Bogliano präsentiert, dies trifft allerdings nur zu, wenn man sich den Film in der ungeschnittenen Version anschaut. Was hier wie eine scheinbar lockere Autofahrt von 4 Freundinnen beginnt, verwandelt sich recht schnell in ein absolutes Horror-Szenario, aus dem es für die 4 Mädchen anscheinend kein Entrinnen gibt. Es ist die spartanische Ausstattung dieses Werkes, die es so extrem authentisch wirken lässt, denn bei einem geschätzten Budget von gerade einmal 6.000 $ waren die Möglichkeiten wohl sehr begrenzt, was sich aber letztendlich als ungeheurer Vorteil herausstellen soll. Denn wurde hier doch mit minimalstem Aufwand wirklich die maximale Wirkung beim Zuschauer erzielt, der eine immer stärker werdende Intensität der schockierenden Ereignisse verspürt, die man auch bis zum Ende nicht mehr los wird. Zu schockierend erscheint das Geschehen, das für die Freundinnen beginnt, als sie am Straßenrand ein totes Mädchen finden und die Leiche in einer nahen Polizeistation abgeben. Denn nachdem sie dort ihre Aussagen zu Protokoll gegeben haben, werden sie nach ihrer Abfahrt von einigen Männern verfolgt, von denen einer zudem wohl selbst ein höherrangiger Polizist zu sein scheint. Und nun beginnt für die Mädchen die wohl schlimmste Zeit ihres noch jungen Lebens, das für einige von ihnen schon bald beendet sein soll.

Was bei diesem Film ganz besonders auffällt ist die Tatsache, das ziemlich wenig mit Dialogen gearbeitet wird. Das mag vielleicht für viele etwas gewöhnungsbedürftig erscheinen, verleiht dem Ganzen aber meiner Meinung nach eine noch intensivere Wirkung, als von haus aus schon vorhanden ist. So wirken die einzelnen Passagen noch viel mehr nach, da die brutalen Bilder größtenteils für sich selbst sprechen und so auch keinerlei Kommentar nötig haben. Insbesondere die Szenen im Wald, wo die 4 Freundinnen jegliche Erniedrigung und Demütigung über sich ergehen lassen müssen, hinterlassen sichtliche Spuren beim Zuschauer, der sich phasenweise fast ohnmächtig fühlt, da er den Ereignissen hilflos ausgeliefert ist und nicht hilfreich eingreifen kann. Gerade die Vergewaltigungen sind doch sehr explizit in Szene gesetzt worden und lassen eine äusserst beklemmende Stimmung aufkommen, doch auch andere Misshandlungen wie beispielsweise das Verbrennen mit einer Zigarette hinterlassen ein extrem bedrückendes Gefühl, dessen man sich nicht erwehren kann. Das jetzt das eigentliche Katz-und Maus Spiel zwischen Peinigern und Opfern erst so richtig losgeht, kann man sich sofort denken, als die Männer die hilflosen Opfer im Wald allein lassen und mit dem Auto verschwinden.

Geschickt hat es Adrian Garcia Bogliano verstanden, die Wut beim Betrachter zu schüren, denn vor allem die Täter werden doch als eiskalt und scheinbar vollkommen emotionslos dargestellt, was es um ein Vielfaches leichter macht, einen regelrechten Hass gegen sie aufzubauen. Und so ertappt man sich selbst dann auch insbesondere im letzten Drittels des Filmes dabei, das man schon fast sehnsüchtig auf die Rache der Überlebenden Mädchen wartet, die dann natürlich auch so selbstverständlich kommt, wie das Amen in der Kirche. Auch wenn Selbstjustiz eigentlich nie als richtiges Mittel gelten sollte, kann man jede Menge Verständnis aufbringen und verspürt auch so etwas wie Genugtuung, nachdem es den Peinigern an den Kragen geht. Was mir dabei äusserst gut gefallen hat sind die fast schon spürbaren Gefühle, die sich in der Mimik der Überlebenden ausdrücken und die ein wirres Gemisch aus Hass, Wut, Schmerz und Genugtuung darstellen. Ganz generell haben die Darsteller einen sehr guten Eindruck hinterlassen und ohne viele Worte durch ausdrucksstarkes und authentisches Schauspiel überzeugt.

Nun kann man sich wie immer bei dieser Art von Film die Frage stellen, ob es unbedingt notwendig ist, Härte so explizit in Szene zu setzen. Ich finde, wenn man schon einen Rape & Revenge Film dreht, dann gehört das einfach dazu, um ein realistisches Szenario zu schaffen. Deshalb sollte man auch die Finger von der deutschen Veröffentlichung lassen, die ja scheinbar um ganze 15 Minuten erleichtert wurde und so ganz sicher einen vollkommen anderen Film präsentiert. Letztendlich zeichnet "I'll Never Die Alone" ein sehr hartes und brutales Szenario nach, über dessen Notwendigkeit man sicher geteilter Meinung sein kann und das insbesondere durch seine schon spartanische Ausstattung eine ungeheure Wucht erzeugt, die den Betrachter mit der Wucht eines Keulenschlages mitten in die Eingeweide trifft. Der Film ist ein Paradebeispiel, wie man mit wenigen Darstellern, einem sehr geringen Budget und nicht gerade vielen Worten einer Geschichte ein Höchstmaß an Intensität verleihen kann. Das schockierende Geschehen kriecht dem Zuschauer richtiggehend unter die Haut und setzt sich dort nachhaltig fest, so das man auch längst nach dem Ende der Story nachdenklich gestimmt ist .


Fazit:


Einen Film, im dem Vergewaltigungen und andere Qüälereien im Focus der Geschichte stehen als gut oder schlecht zu bewerten, ist immer so eine Sache. Vom authentischen Eindruck her ist "I'll Never Die Alone" als sehr gut zu bezeichnen, allerdings muss die Frage gestattet sein, ob man solche Filme überhaupt drehen muss. Für mich persönlich zählt dieses Werk zu den Filme, die man gesehen haben sollte, die man sich aber nicht unbedingt mehrmals anschauen muss.


7/10

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 Betreff des Beitrags: Re: I'll Never Die Alone (2008)
BeitragVerfasst: 3. Aug 2013, 15:21 
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Sehe gerade, dass Master hier schon ein vortreffliches Review verfasst hat. Deshalb verzcihte ich doch auf meins.

Warum also sollte man sich diesen Film ansehen, wenn man Last House on the Left und auch I Spit on Your Grave gesehen hat? Weil er zum einen nicht Mainstream ist und daneben auch noch aus Argentinien stammt, und bisher habe ich einen einzigen Film aus diesem Land gesehen. Die Geschichte hier ist typisch Rape 'n Revenge. Was hier aber auffällt sind auf der einen Seite die Soundeffekte, die ich als absolut passend empfinde. Während der Vergewaltigunen wird der Ton komplett gedämpft und es ist alles wie mit Watte in den Ohren zu hören. Gleichzeitig wird hier meistens der Herzschlag hervorgehoben, was ich als absolut passend empfinde. Auch an anderen Stellen, wenn z. B. ein Glöckchen oder auch eine Telefonklingel ertönt, macht sich das extrem gut.

Mir lag die Extended Version vor. Viele bemängeln hier die unterschiedliche Bildqualität. Das kann ich nicht bestätigen, denn diese schwankt mehrmals im Verlauf des Films. Z. B. als mit Handkamera im Wagen zu Beginn gefilmt wird, ist die Qualität geringer als bei der Standardverfilmung. Auch in den ergänzten Szenen ist das Bild etwas heller als normal. Stört aber nicht weiter, da sich das Ganze nahtlos in die Szenerie einfügt.

Aber es gibt nicht nur positive Seiten. Was hier sehr ungünstig ausfällt, ist die Nennung der Namen in Bezug auf die Person. Man weiß zwar irgendwann wie alle heißen, aber aufgrund dessen, dass die Person nicht entsprechend gezeigt wird, fällt es einem schwer den jeweiligen Namen richtig zuzuordnen. Und das betrifft nicht nur die Frauen, denn der Lieutenant ist auch nicht deutlich genug zu erkennen, so dass man am Anfang nur vermuten kann, dass er es ist.

Einige werden dem Film mit Sicherheit vorwerfen, dass er in Anteilen in die Länge gezogen ist. Das ist mit Sicherheit auch der Fall. Trotzdem bin ich aber der Meinung, dass genau diese Momente einen über das Gesehene nachdenken lassen und der Film aus diesem Grund umso grausamer wirkt, als er eh schon ist. Gore an sich wird dabei nur in reduzierter Weise z. B. aus einer anderen Perspektive gezeigt, so dass dieser Teil hier eindeutig nicht im Vordergrund steht. Das hätte noch das I-Tüpfelchen bedeutet. So bleiben für mich 08/10 Zähler stehen. Ein insgesamt unterbewerteter Film, der entsprechend seinen großen Vorreitern ebenfalls kein Blatt vor den Mund zu nehmen scheint.

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Und Blaine, der Mono fuhr weiter Richtung Südosten unter dem Dämonenmond. "Warum taufte die Frau ihren Sohn Siebeneinhalb?" - "Weil sie seinen Namen aus einem Hut gezogen hat!"


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