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Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Betreff des Beitrags: Ben & Mickey vs. the Dead (2012)
BeitragVerfasst: 27. Apr 2014, 12:52 
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Ben & Mickey vs. the Dead
(The Battery)
mit Jeremy Gardner, Adam Cronheim, Niels Bolle, Alana O'Brien, Jamie Pantanella, Larry Fessenden, Kelly McQuade, Eric Simon, Ben Pryzby, Sarah Allen, Nichole Kinnett, Lyles Williams IV, Olivia Bonilla, Elise Stella
Regie: Jeremy Gardner
Drehbuch: Jeremy Gardner
Kamera: Christian Stella
Musik: Ryan Winford
FSK 16
USA / 2012

Eine Zombie-Apokalypse hat fast die gesamte Menschheit ausgelöscht, zwei der letzten Überlebenden sind Ben (Jeremy Gardner) und Mickey (Adam Cronheim). Die Beiden kannten sich zwar schon vom Baseball, waren aber nie wirklich beste Freunde. Als Zweckgemeinschaft schlagen sich die entwurzelten Buddies durch das von Untoten besiedelte Land, ständig in nervöser Gewissheit, dass die nächste Zombie-Attacke nicht lange auf sich warten lassen wird. Während sich Ben mit Hilfe seines Baseball-Schlägers trotzig den lebensfeindlichen Herausforderungen stellt, klammert sich Mickey verzweifelt an hoffnungslos-romantische Ideen vergangener Zeiten und sucht fieberhaft nach Spuren menschlicher Zivilisation. Als sie eines Tages tatsächlich auf eine kleine Gruppe Überlebender treffen, geraten die Dinge außer Kontrolle ...


Oft genug bekommt man gerade bei einem Regie-Debüt recht eindrucksvolle Werke serviert und manchmal offenbart sich dabei sogar eine wahre Perle eines bestimmten Genres. Vorliegender Film von Jeremy Gardner stellt sich als solches Juwel heraus, hat der gute Mann hier doch einen Zombiefilm kreiert, der sich ganz erheblich vom ansonsten in den letzten Jahren dargebotenen Einheitsbrei abhebt. Dabei handelt es sich wohl ohne jede Frage um einen außergewöhnlichen Beitrag der in erster Linie durch seine großartige Kombination aus Zombiefilm, Drama-und Tragikkomödie besticht, was andererseits aber auch nicht bei jedem auf ungeteilte Gegenliebe stoßen wird. Wer nämlich den handelsüblichen Reißer voller Action und blutiger Passagen erwartet wird am Ende ziemlich ernüchtert sein, denn "Ben & Mickey vs. the Dead" präsentiert sich vielmehr als eine Art Kammerspiel in freier Wildnis, das hauptsächlich von seinen beiden großartig agierenden Hauptfiguren getragen wird. Nun wird von mehreren Seiten ein Vergleich zu den frühen Werken von Romero heran gezogen und phasenweise treten wirklich diverse Ähnlichkeiten auf den Plan. So sind die Ereignisse mit einer großartigen Atmosphäre versehen, die dem Zuschauer ganz ausgezeichnet den Eindruck einer postapokalyptischen Welt vermitteln, die so voller Tristesse und Hoffnungslosigkeit dargestellt wird, das man das dabei entstehende Gefühl der extremen Beklemmung fast körperlich verspüren kann.

Die Geschichte lebt dabei von den beiden vollkommen unterschiedlichen Charakteren, die eine jeweils total andere Vorstellung davon haben, wie man mit der gegebenen Situation umgehen soll. Während Ben immer weiter ziellos durch das Land ziehen will, sehnt sich Mickey nach einer gewissen Geborgenheit und einem einigermaßen sicheren Platz, an dem man vor den Untoten sicher sein kann. Der zufällig entstehende Kontakt zu einer Gruppe von Überlebenden scheint dann auch diesen Wunsch zu erfüllen, stellt sich aber letztendlich als falsche Hoffnung heraus und ist sogar letztendlich für einen tragischen Schluss verantwortlich. Obwohl hier der Kontakt zu anderen Überlebenden der Zombie-Invasion thematisiert wird hat Jeremy Gardner diesen Aspekt eher hintergründig eingebaut, bekommt man doch nur einmal ganz kurz zwei Personen dieser Gruppe zu Gesicht und erfährt ansonsten kaum etwas Erwähnenswertes, so das die Ereignisse an dieser Stelle auch mit einer eher geheimnisvollen Note versehen werden. Das tut dem Geschehen sogar sehr gut, kann man sich doch so noch intensiver mit den eigentlichen Hauptpersonen und deren Verhalten beschäftigen, das phasenweise sogar eine gewisse Art von Komik enthält. Diese kommt insbesondere im Umgang der beiden untereinander zum Ausdruck und ganz besonders der Aspekt wie Ben teilweise mit Mickey umgeht, lässt trotz der beklemmenden Grundstimmung so manchen Schmunzler aufkommen.

Ein absoluter Höhepunkt wird dabei wohl in einer Szene erreicht, als Ben seinem Freund einen Zombie in das Zimmer eines Hauses schickt, in dem die beiden die Nacht verbracht haben. Damit will er seinem Kumpanen die Ernsthaftigkeit ihrer Situation vor Augen führen und Mickey dazu bewegen, im Ernstfall auch Gewalt anzuwenden um sein Leben zu schützen. Bis zu diesem Zeitpunkt nimmt dieser nämlich das Ganze eher auf die leichte Schulter und ist fast ausschließlich damit beschäftigt, sich mit Musik über seine Kopfhörer voll zu dröhnen, anstatt auf die Gefahren zu achten, die in seiner unmittelbaren Umgebung jederzeit vorhanden sind. Ansonsten schwimmen die beiden jedoch durchaus auf einer Wellenlänge und vertreiben sich ihre Zeit mit Baseball spielen und schwelgen in Erinnerungen an vergangene Tage. Für einen Zombiefilm wird man in vorliegendem Fall verhältnismäßig selten überhaupt mit Untoten konfrontiert, denn bis auf wenige Ausnahmen bekommt man kaum einmal die Beißer zu Gesicht. Das mag sich jetzt für manch einen sehr befremdlich-und gewöhnungsbedürftig anhören doch Gardner hat es sehr geschickt verstanden seine beiden Protagonisten (von denen er auch selbst einen spielt) in den Fokus zu rücken und die Armee der Untoten lediglich als drohende Gefahr fast unsichtbar im Hintergrund zu lassen. Ich persönlich empfinde diesen Schachzug als nahezu genial, denn nur so ist es durchgehend möglich, sich auch auf Ben & Mickey und die Lage in der sie sich befinden zu konzentrieren. So sollte man hier keinesfalls viel Action erwarten, vielmehr offenbaren sich unzählige Dialoge, die aber größtenteils eine hohe Qualität beinhalten und phasenweise mit bissigem Humor angereichert sind.

"Ben & Mickey vs. the Dead" ist definitiv kein gewöhnlicher Vertreter des Sub-Genres und aufgrund einiger Kritiken im Netz kann man auch erahnen, das dieser Film die Meinungen der Fans in zwei Lager spaltet. Die Freunde temporeicher-und blutiger Zombiefilme werden nicht auf ihre Kosten kommen und dieses Werk höchstwahrscheinlich auch als langweilig hinstellen. Wer aber ein wenig frischen Wind erwartet und sich von einer ruhigen-und bedächtigen Erzähl-Struktur nicht abschrecken lässt wird mit einer kleinen Perle belohnt, die erfrischend anders daher kommt als so viele andere Zombie-Mopeds. Für mich hat Gardner an dieser Stelle einen herausragenden Erstling hingelegt in dem eine erstklassige apokalyptische Grundstimmung und zwei herausragende Darsteller die größten Stärken darstellen. Zudem wurde fast gänzlich auf visuelle Gewalt verzichtet was für einen Film dieser Art zwar ungewöhnlich ist, in dieser Geschichte jedoch die vollkommen richtige Maßnahme war. Wie dem aber auch sei und ganz egal wie auch immer man zu diesem Werk stehen mag, eine Chance sollte man ihm auf jeden Fall geben, da man ansonsten eventuell ein großartiges-und überraschendes Film-Erlebnis verpasst.


Fazit:


Änderungen und Innovation sind nicht immer gern gesehen, doch gerade im Bezug auf das Sub-Genre des Zombiefilms kommt "Ben & Mickey vs. the Dead" mit viel frischem Wind daher und geht dabei äußerst ungewohnte Wege, die längst nicht jedem Betrachter gefallen werden. Mir hat diese Kombination aus Kammerspiel, Drama und Tragikkomödie in der Ummantelung eines Zombiefilms ausnehmend gut gefallen, so das ich nur eine ganz dicke Empfehlung aussprechen kann.


9/10


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