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 Betreff des Beitrags: Der Babadook (2014)
BeitragVerfasst: 11. Feb 2016, 19:13 
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Der Babadook
(The Babadook)
mit Essie Davis, Noah Wiseman, Hayley McElhinney, Daniel Henshall, Barbara West, Benjamin Winspear, Chloe Hurn, Jacquy Phillips, Bridget Walters, Annie Batten, Tony Mack, Carmel Johnson, Tiffany Lyndall-Knight, Lucy Hong
Regie: Jennifer Kent
Drehbuch: Jennifer Kent
Kamera: Radek Ladczuk
Musik: Jed Kurzel
FSK 16
Australien / 2014

Amelia hat schwer an ihrem Leben zu knabbern. Nicht nur ist sie nach dem Tod ihres Mannes verwitwet und allein erziehend, ihr sechsjähriger Sohn Samuel fällt auch durch sein seltsames und aggressives Verhalten in Schule und familiären Umfeld auf. Dann taucht plötzlich im Kinderzimmer ein düsteres Bilderbuch über einen dunklen Mann auf, das sich auch scheinbar nicht aus dem Haus verbannen lässt, während sich Samuel immer mehr von Monstern verfolgt fühlt. Nach und nach schleicht sich der Horror in Amelias und Samuels Leben.


Nach einem Kurzfilm und einer Episode aus einer TV Serie stellt "Der Babadook" das Langfilmdebüt der Australierin Jennifer Kent dar, die mit ihrem Erstling wohl einen der bemerkenswertesten Genre Beiträge der letzten Jahre abgeliefert hat. Sich selbst als Horrorfilm deklarierend stellt der Film jedoch vielmehr einen äußerst gelungenen Mix aus verschiedenen Genres dar, der den Zuschauer auch gleichzeitig zum mitdenken anregt, da nicht alle Abläufe logisch erklärt werden. Schon im Vorfeld mit etlichen Auszeichnungen geehrt schaffte diese sehr feine Produktion sogar den Sprung in die deutschen Kinos, was in der heutigen Zeit längst nicht so selbstverständlich erscheint. Nach Sichtung der Geschichte ist dieser Umstand aber definitiv nachvollziehbar, denn das vorhandene Potential und die Qualität des Werkes haben das auf jeden Fall verdient. Zu Beginn des Geschehens ist von aufkommendem Horror noch überhaupt nichts zu verspüren, denn zunächst einmal konfrontiert Kent den Betrachter mit einer ungemein komplizierten Mutter-Sohn Beziehung, die auch die ganze Zeit über im Vordergrund stehen soll. Dabei entwickelt sich das Ganze wie ein Drama und beinhaltet gleichzeitig aber auch die Elemente eines waschechten Psycho Thrillers, was von Beginn an für ein Höchstmaß an Intensität sorgt.

Im weiteren Verlauf sind dann die ersten Vorläufer des subtilen Horrors zu erkennen, bevor sich das Szenario später in einen erstklassigen Gruselfilm verwandelt und dem Betrachter so manchen kalten Schauer über den Rücken jagt. Immer stärker treten dabei bedrohliche Züge in den Mittelpunkt und es entfaltet sich eine Atmosphäre, die man kaum dichter hätte gestalten können. Das wird aber sicher nicht jeder so empfinden, denn ehrlicherweise muss man eingestehen, das "Der Babadook" ganz bestimmt nicht alle Geschmäcker treffen wird. Das mag in erster Linie an der außergewöhnlichen Kombination der verschiedenen Genres liegen, gleichermaßen aber auch darin begründet sein, das es sich keinesfalls um einen Horrorfilm im eigentlichen Sinne handelt. Das kommt insbesondere in der ersten Hälfte des Filmes zum Ausdruck, in der das problematische Verhältnis zwischen Mutter und Sohn stark thematisiert wird. Der junge Samuel malträtiert dabei nicht nur die Nerven seiner überforderten Mutter, sondern auch die des Zuschauers, der durch das ständige Geschrei des Knaben auf eine harte Geduldsprobe gestellt wird. Hegt man dabei schon selbst den immer stärker werdenden Wunsch dem Jungen den Mund zu stopfen, so kann man sich aber dennoch nur ansatzweise in die junge Amelia hinein versetzen, die aufgrund von Samuels Verhalten schon mehrere Wochen nicht mal mehr schlafen konnte. Gleichzeitig verliert sie auch fast sämtliche sozialen Kontakte, denn auch in ihrem überschaubaren Freundeskreis gilt der Junge als kranker Außenseiter, mit dem man nicht unbedingt seine Zeit verbringen möchte.

Auch wenn in diesem Teil des Filmes die echten Horror Elemente noch nicht zugegen sind wirkt das Geschehen zu keiner Zeit langweilig. Eher das Gegenteil ist der Fall, zudem sind diese Passagen auch unverzichtbar für den weiteren Verlauf der Story, die nun immer mehr in die Richtung des Gruselfilmes tendiert. Die Richtungsänderung bezieht sich aber längst nicht nur auf die immer bedrohlicher erscheinenden Ereignisse, denn auch die beiden Hauptfiguren erfahren eine regelrechte Charakter Wandlung. Während Samuel nun nämlich immer ruhiger und fast erwachsen wirkt, verliert die gute Amelia immer mehr die Fassung und tritt wie ein psychisches Wrack in Erscheinung. An dieser Stelle werden dann auch stellenweise Elemente der Besessenheits-Thematik eingeführt und dieser Schachzug steht dem Gesamtbild extrem gut zu Gesicht. Besonders hervor zu heben ist dabei auch das exzellente Schauspiel der Akteure, denn sowohl der junge Noah Wiseman in der Rolle des Samuel und insbesondere Essie Davis als Amelia liefern dermaßen brillante Performances ab, das einem manchmal fast die Spucke weg bleibt. Es ist einfach grandios mit anzusehen wie sich hier auch die Rollen vertauschen und phasenweise kommt es einem sogar so vor, als wenn zwei Seelen einfach ihre Körper getauscht hätten. Im Zusammenspiel mit dem erstklassigen Schauspiel der Protagonisten macht sich dabei eine Faszination breit, der man sich unmöglich entziehen kann, denn viel zu sehr wird man in den Strudel der Ereignisse hinein gezogen, die mit zunehmender Laufzeit immer mehr Intensität und Wucht entfalten.

Ein weiterer Aspekt des Geschehens ist auch der unterschwellige Wunsch der Mutter ihr Kind zu töten. Die Thematisierung des Wunsches kann dabei auf verschiedenste Arten interpretiert werden, denn einerseits geschieht dies im Zusammenhang mit den kurz erwähnten Elementen der Besessenheit, andererseits wird aber auch in diversen Aussagen Emilias ziemlich deutlich, das sie ihres Sohnes überdrüssig ist und einfach nur ein normales Leben führen möchte. Hier kommt in regelmäßigen Abständen immer wieder der enorme Druck durch, der ganz offensichtlich auf der vollkommen überforderten Frau liegt. Manch einer wird das eventuell aus seiner Sicht völlig anders interpretieren, doch genau darin liegt der ganz besondere Reiz von "Der Babadook". Der film erklärt längst nicht alles und lässt so genügend Freiraum, um die eigene Fantasie in Gang zu setzen. Dadurch ist hier etwas ganz Besonders und Außergewöhnliches entstanden und man kann letztendlich der guten Jennifer Kent nur ein ganz dickes Lob für dieses grandiose Erstlingswerk aussprechen. Das der Babadook selbst dabei eine visuell eher untergeordnete Rolle spielt ist nicht weiter schlimm, denn ist das Wesen aus einem Kinderbuch doch fast durchgehend als unheilvolle aber unsichtbare Bedrohung immer mit an Bord. Auch als er sich nach einer ziemlich langen Zeitspanne zum ersten Mal materialisiert ist er lediglich als schemenhafte Gestalt zu vernehmen, doch dieser Umstand ist sogar als äußerst positiv zu bewerten, da die unterschwellige Bedrohung so noch viel stärker zum Ausdruck kommt. Wie dem auch sei, man sollte sich diesen tollen Beitrag zumindest einmal anschauen, denn nur so kann man sich auch wirklich ein Urteil bilden. Mich persönlich hat dieses Werk jedenfalls vollends überzeugt und in seinen Bann gezogen, so das ich definitiv eine dicke Empfehlung an all jene aussprechen kann, die einen recht außergewöhnlichen Horrorfilm zu schätzen wissen.


Fazit:


Zwei grandios aufspielende Hauptdarsteller, eine spannende Geschichte und eine extrem dichte Atmosphäre sind nur drei der Aushängeschilder, die "Der Babadook" beinhaltet. Jenseits der üblichen Horror Konventionen präsentiert sich eine gelungene Mischung aus verschiedenen Genres, die dem Zuschauer wirklich unter die Haut geht.


9/10


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