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Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Betreff des Beitrags: Shrew's Nest (2014)
BeitragVerfasst: 7. Dez 2015, 17:41 
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Shrew's Nest
(Musarañas)
mit Macarena Gómez, Nadia de Santiago, Hugo Silva, Luis Tosar, Gracia Olayo, Lucía González, Carolina Bang, Tomás del Estal, Jesús Ángel Castrodeza, Pedro Ruigómez, Asier Etxeandia, Silvia Alonso, Jimena Bang, Clara Valencia
Regie. Juanfer Andrés / Esteban Roel
Drehbuch: Juanfer Andrés / Sofía Cuenca
Kamera: Ángel Amorós
Musik: Joan Valent
FSK 16
Spanien / 2014

Spanien in den 1950er Jahren: Nach dem Tod ihrer Mutter und dem anschließenden Verschwinden des Vaters musste sich Montse (Macarena Gómez) alleine um ihre kleine Schwester kümmern. Gemeinsam leben sie zurückgezogen von der Außenwelt in einer finsteren Wohnung in Madrid. Mit der Zeit hat die ältere Schwester eine psychische Störung entwickelt, die es ihr unmöglich macht, einen Fuß vor die Tür zu setzen. Als sich jedoch eines Tages der junge Nachbar Carlos (Hugo Silva) im Treppenhaus verletzt und bei den Schwestern um Hilfe bittet, lässt Montse den Mann trotz ihrer Ängste in das Apartment. Zunächst nimmt sie sich des Verletzten fürsorglich an, doch nach und nach entwickelt sie eine regelrechte Obsession. Als sie dann bemerkt, dass sich Carlos offensichtlich mehr zu ihrer Schwester hingezogen fühlt, werden in ihr ungeahnte Gefühle wach, die sich unaufhaltsam in Gewalt ausschlagen.


Unsere spanischen Nachbarn haben uns vor allem in den letzten Jahren mit so manch herausragendem Beitrag regelrecht verwöhnt und dabei zumeist höchst intensiv wirkende Filme auf den Markt geworfen. Mit "Shrew's Nest" gesellt sich nun das Debüt der beiden Regie Neulinge Juanfer Andrés und Esteban Roel hinzu und präsentiert sich dabei als äußerst gelungene Kombination aus Horror, Drama und Thriller, die sicherlich auch nachhaltig im Gedächtnis hängen bleibt. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Montse die unter Agoraphobie leidet und somit ihr gesamtes Dasein in der eigenen Wohnung fristen muss, in der sie mit ihrer jüngeren Schwester zusammen lebt. Damit sind wir auch gleich beim einzigen Schauplatz der Ereignisse, was das Ganze gleichzeitig wie ein höchst atmosphärisches Kammerspiel erscheinen lässt, das zudem auch mit verhältnismäßig wenigen Akteuren besetzt ist. Durch die beengten Räumlichkeiten entfaltet sich so auch von Beginn an eine extrem beklemmende Grundstimmung, in der auch durchgehend immer eine klasutrophobische Note mitschwingt. Das kommt dem Szenario sehr zu gute und sorgt zudem auch beim Zuschauer für ein äußerst angespanntes Sehverhalten. Die Erzählung gestaltet sich zunächst eher ruhig und bedächtig, wobei sich die Macher auch genügend Zeit lassen, einem die für die Story wichtigen Figuren näher zu bringen. Das Hauptaugenmerk ist dabei auf die Hauptdarstellerin Macarena Gómez gelegt, der fast selbstredend auch die größten Spielanteile zukommen.

Das geschieht auch völlig zu recht, offenbart sich doch in der Figur der Montse das absolute Highlight von "Shrew's Nest", denn das Schauspiel von Gomez ist schlicht und einfach als absolut brillant zu bezeichnen. Sie verkörpert die psychisch ganz offensichtlich gestörte Frau auf eine Art und Weise, die beim Betrachter einerseits das Gefühl von Mitleid aufkommen lässt, im späteren Verlauf allerdings auch Angst und Schrecken verbreitet. Für manch einen mag die Performance eventuell schon an ein gewisses Overacting erinnern, doch meiner Meinung nach handelt es sich vielmehr um ein untrügliches Indiz, das Frau Gomez sich mehr als intensiv mit der von ihr verkörperten Person auseinandergesetzt hat. Nur so ist ihre herausragende Darbietung logisch zu erklären, die diesem Film definitiv einen ganz persönlichen Stempel aufdrückt. Die anderen Akteure agieren zwar auch allesamt auf einem guten Niveau, stehen aber durch die Omnipräsenz der Hauptfigur im Schatten der Geschehnisse und kommen so auch nicht über den Status von notwendigen Nebendarstellern hinaus. Das ist aber auch gar nicht weiter schlimm, denn Juanfer Andrés und Esteban Roel haben ihre Erzählung fast gänzlich auf Montse zugeschnitten, deren vorhandene Paranoia fast im Minutentakt immer stärker in den Fokus rückt. Geplagt von Tagträumen und offenbar auch von einem schlechten Gewissen getrieben verwandelt sich die Frau immer mehr in eine reißende Furie, was insbesondere im letzten Drittel der Geschichte auch visuell gesehen erstklassig bebildert wird.

Hier sind wir dann auch beim nächsten Höhepunkt angelangt, denn während "Shrew's Nest" in der ersten Stunde eher durch ruhige, aber dennoch sehr intensive Momente ins Auge fällt, ist in der restlichen Laufzeit eine enorme Temposteigerung zu erkennen. Der bis dahin eher subtil aufkommende Horror manifestiert sich nun auch in visueller Hinsicht und lässt dabei einen Härtegrad in das Geschehen einziehen, den man in dieser Form nicht unbedingt erwartet hätte. Die sich bis dahin unterschwellig zu erkennende Gewaltspirale explodiert förmlich und es präsentieren sich einige recht derbe Momente, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen. Dieser Aspekt wird jedoch nicht unbedingt durch die blutigen Passagen hervor gerufen, sondern vielmehr durch die Inbrunst, mit der Montse ihre Taten begeht. An den entsprechenden Stellen schwingt dann auch der absolute Wahnsinn mit und um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, muss man lediglich einen Blick in die Augen der Hauptfigur werfen. Nicht nur in diesen Momenten lässt das Werk diverse Ähnlichkeiten zu einem Film wie "Misery" erkennen, denn auch die Verhaltensweisen der jeweiligen Darstellerinnen Gomez und Bates sind zumindest teilweise miteinander zu vergleichen. Wie dem aber auch sei, "Shrew's Nest" ist ein absolut hervorragender Beitrag, der sich aus Elementen verschiedener Genres nahezu perfekt zusammen setzt. Die Tempowechsel innerhalb der Story versetzen den Zuschauer streckenweise in ein regelrechtes Wechselbad der Gefühle und diverse eingebaute Plot Twists tun ihr Übriges, um diesen Film zu einem echten Erlebnis zu machen.

So gestalten sich dann auch insbesondere die letzten gut 30 Minuten extrem wendungsreich und auch wenn man selbst schon die ein oder andere Vorahnung hatte, offenbaren die Macher so manchen Überraschungsmoment, der diese Bezeichnung auch wirklich verdient hat. Ganz besonders das Finale ist davon betroffen, in dem sich dann auch spätestens die letzten noch offenen Fragen fast von selbst beantworten und sämtliche Zusammenhänge erkennbar erkennbar werden. Das man an dieser Stelle nicht unbedingt ein Happy End erwarten sollte dürfte klar sein und so dürfte es auch nicht sonderlich verwundern, das der Schlusspunkt noch einmal eine ordentliche Prise Tragik in die Ereignisse einziehen lässt, was das gewonnene Gesamtbild jedoch perfekt abrundet. Dieses spanische Beitrag dürfte noch längere Zeit nachhallen, denn die Wirkung des Szenarios ist immens und das Gesehene muss auch erst einmal richtig verarbeitet werden. Mit einem gewissen Abstand sollte man dann allerdings zu der Erkenntnis gelangen, das die Iberer uns einmal mehr mit einem Film konfrontiert haben, den man ganz bestimmt nicht so schnell wieder vergessen wird.


Fazit:


Wieder einmal hat das Label OFDB Filmworks sein Gespür für außergewöhnliche gute europäische Werke unter Beweis gestellt. Nach "The Body" veröffentlicht man nun mit "Shrew's Nest" den nächsten spanischen Kracher, denn so und nicht anders kann man diesen Beitrag bezeichnen. Eine überragend aufspielende Macarena Gómez ist das absolute Highlight eines Filmes, der nicht gerade spärlich mit Höhepunkten ausgestattet ist und dürfte gleichzeitig die mit Abstand eindringlichste weibliche Hauptfigur darstellen, die man seit längerer Zeit gesehen hat.


9/10


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