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 Betreff des Beitrags: The Perfect Husband (2014)
BeitragVerfasst: 11. Dez 2015, 15:38 
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The Perfect Husband
(The Perfect Husband)
mit Gabriella Wright, Bret Roberts, Carl Wharton, Tania Bambaci, Daniel Vivian, Philippe Reinhardt
Regie: Lucas Pavetto
Drehbuch: Lucas Pavetto / Massimo Vavassori
Kamera: Davide Manca
Musik: Giuseppe Capozzolo
ungeprüft
Italien / 2014

Viola und Nicola führen eine perfekte Ehe. Als die beiden ihr erstes gemeinsames Kind erwarten, könnte das Gluck kaum größer sein. Doch dann verliert Viola das Kind und ihre Beziehung wird auf eine harte Probe gestellt. Nicola scheint dieses traumatische Ereignis verarbeiten zu können, Viola jedoch stürzt in eine tiefe Depression. Zur Ablenkung fahren die beiden für ein entspannendes Wochenende in eine abgelegene Waldhütte. Dort hoffen sie, gemeinsam eine romantische Zeit erleben zu können. Doch in den Tiefen des Waldes offenbart sich die dunkle Seite des Menschen & Viola muss erkennen, dass eine vermeintlich perfekte Ehe auch ihre Schattenseiten hat -abgründige, düstere und grauenvolle Seiten ...


Als großer Fan des Cinema Italiano war ich sehr gespannt auf diese kostengünstige Produktion, die gerade einmal mit einem Budget von 80.000 $ ausgestattet ist und unter der Regie des gebürtigen Argentiniers Lucas Pavetto entstanden ist. Insbesondere die bisher wenigen, dafür allerdings schon sehr unterschiedlichen Meinungen zu dem Film machen neugierig und nach der Sichtung der Geschichte kann man durchaus nachvollziehen, das man über "The Perfect Husband" wohl auch in Zukunft eher kontrovers diskutieren wird, denn nicht jeder wird etwas mit diesem Werk anfangen können. Zunächst einmal fällt es gar nicht so leicht eine Kritik zu dem Gesehenen zu verfassen, da man nicht zu viel verraten will. Zudem dürfte die Einführung in die Ereignisse nicht jedermanns Ding sein, denn Pavetto lässt sich hier genügend Zeit, dem Zuschauer die beiden Hauptfiguren etwas näher zu bringen. So passiert in den ersten 40 Minuten dann auch nicht wirklich viel, was ich persönlich aber keinesfalls als negativ bewerten würde. Was für manch einen eventuell langatmig erscheinen mag ist gerade im nachhinein absolut unverzichtbar für das Gesamtbild, denn ohne eine etwas tiefer gehende Charakter Beleuchtung und diverse kleine Rückblenden würde man am Ende nur schwerlich die Gesamtzusammenhänge erkennen.

Zeitlich gesehen setzt die Story kurz vor dem in der Inhaltsangabe erwähnten Wochenende ein, zu dem das scheinbar glückliche Ehepaar auch sogleich aufbricht. Gleich zu Beginn stellt man aber relativ schnell fest, das die Beziehung der beiden Eheleute ganz offensichtlich in einer Art Zerreißprobe steckt und insbesondere die hübsche Viola schwer mit dem Geschehenen umgehen kann. In der einsam gelegenen Waldhütte angekommen präsentiert sich ein wahrhaft liebevoller Nicola, der mit dem größt möglichen Einfühlungsvermögen alles tut, damit es seiner Frau gut geht. Diese Phase des Filmes gestaltet sich zwar einerseits äußerst ruhig und bedächtig, doch gleichzeitig schwingt auf eine kaum zu definierende Art etwas sehr Unheilvolles in der Luft, das man zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht wirklich greifen kann. Nach etwas über 40 Minuten erfährt das Ganze dann eine recht heftige Richtungsänderung, denn mit einem Mal kommt die bis zu diesem Zeitpunkt nur unterschwellig spürbare Aggression zum Ausdruck, in dem sich der Charakter des Nicola vehement verändert. Nichts ist mehr zu verspüren von Verständnis und Einfühlung, der Mann verwandelt sich regelrecht von der einen zur anderen Minute in eine echte Bestie und malträtiert Viola auf unsagbare Art und Weise.

Man kann sich also denken, das nun nicht nur eine erhebliche Temposteigerung Einzug in die Ereignisse hält, denn nun gibt sich auch ein Härtegrad zu erkennen, der wirklich nicht von schlechten Eltern ist. Einmal ganz davon abgesehen das die Effekte erschreckend echt wirken, trifft einen die zum Vorschein kommende Brutalität mit der Wucht eines Dampfhammers. Mit dieser Richtungsänderung konnte man nämlich beim besten Willen nicht rechnen, weshalb die Intensität der folgenden Taten auch nachhaltig auf den Zuschauer einwirkt. Gleichzeitig erahnt man aber auch, das noch viel mehr hinter der Sache stehen muss und der Regisseur hat auch durchaus mehrere Hinweise gestreut, damit die Ahnungen in eine ganz bestimmte Richtung abzielen. Näher kann man aber nicht darauf eingehen um die Spannung nicht vorweg zu nehmen, aber insbesondere für Neueinsteiger dürfte das Finale eine ziemliche Überraschung darstellen. Wie auch immer, "The Perfect Husband" hat mir persönlich äußerst gut gefallen, wobei vor allem die beiden vollkommen unterschiedlichen Filmhälften den besonderen Reiz dieses Filmes ausmachen. Pavetto hat hier sehr gekonnt die Elemente einer Liebesbeziehung mit denen des Dramas und diversen extrem heftigen Horror Zutaten gemischt und so letztendlich ein mehr als stimmiges Gesamtpaket geschnürt.

Wenn man das Ende erst einmal kennt, dann sieht man die Geschichte rückwirkend aus einem ganz anderen Blickwinkel und muss eingestehen, das die Abläufe nicht gänzlich frei von kleineren Logiklöchern sind. Dennoch ist es insgesamt gut gelungen, die hintergründige Kern Thematik gekonnt ins Bild zu setzen. Der ruhige Aufbau der Geschehnisse steht in einem krassen Kontrast zu den später folgenden Gewaltexzessen, die stellenweise richtig derbe und brachial ausfallen. Dadurch entfaltet "The Perfect Husband" auch seine immense Kraft und stürzt den Betrachter in ein wahres Wechselbad der Gefühle. Nach Beendigung des Werkes muss man dann auch erst einmal kräftig durchatmen und das Gesehene sacken lassen, sollte danach aber durchaus zu der Erkenntnis gelangen, das es sich hier um eine richtig gute Low Budget Perle handelt, die man Freunden des Genres nur wärmstens empfehlen kann.


Fazit:


"The Perfect Husband" wird die Fans in zwei Lager spalten und zu so man angeregter Diskussion führen. Für mich eine der positivsten Überraschungen des Jahres werden andere den Film ganz bestimmt nicht so gut wegkommen lassen. Einen Blick sollte man aber definitiv riskieren, denn sollte man sich doch seinen ganz eigenen Eindruck verschaffen und eventuell sogar auch so wie ich zu der Einschätzung gelangen, das man dieses Werk als absolute Bereicherung ansehen kann.


8/10


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