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Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Betreff des Beitrags: The Woman (2011)
BeitragVerfasst: 15. Dez 2012, 00:33 
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The Woman
(The Woman)
mit Pollyanna McIntosh, Brandon Gerald Fuller, Lauren Ashley Carter, Chris Krzykowski, Sean Bridgers, Angela Bettis, Marcia Bennett, Shyla Molhusen, Gordon Vincent, Zach Rand, Jordan Carrasquillo, Carlee Baker, Lauren Schroeder
Regie: Lucky McKee
Drehbuch: Lucky McKee / Jack Ketchum
Kamera: Alex Vendler
Musik: Sean Spillane
Keine Jugendfreigabe
USA / 2011

Chris Cleek, ein perfekter Vater mit Bilderbuchfamilie, trifft bei einem Jagdausflug auf eine verwahrloste Frau und kann das sich wild sträubende Wesen einfangen. Im Keller legt er sie in schwere Ketten und stellt sie nach dem Dinner seiner Familie vor. Gemeinsam, so Chris Plan, sollen die Cleeks die Frau fortan zu einem nützlichen Mitglied der Gesellschaft erziehen. Mit dieser Entscheidung reißt er Frau und Kinder in einen bitteren Strudel des Wahnsinns, an dessen Ende ein Blutbad steht ...


Nach dem 2008 erschienenen "Red" handelt es sich bei "The Woman" nun schon um die zweite Regie-Arbeit von Lucky McKee, die auf einem Roman des Bestseller-Autors Jack Ketchum beruht. Und auch wenn einige Leute jetzt eventuell erstaunt sein mögen, handelt es sich hier meiner Meinung nach um die zweitbeste filmische Umsetzung eines Romans des Autors, wobei "Evil" allerdings immer noch unangefochten den ersten Platz einnimmt. McKees Werk überzeugt insbesondere durch die unglaubliche Härte, die sich schon nach relativ kurzer Zeit bemerkbar macht und sich mit zunehmender Laufzeit immer mehr intensiviert. Dabei sind es aber keineswegs explizite Gewaltdarstellungen, sondern vielmehr eine im Kopf des Zuschauers entstehende Brutalität, die diese Story förmlich unauslöschbar in das Gedächtnis einbrennen. Die wenigen visuell härteren Passagen beschränken sich viel eher auf ein Minimum und halten zudem auch erst in den letzten 20 Minuten Einzug in das Geschehen. Dafür sind die Szenen dann aber auch wirklich recht derbe ausgefallen und beinhalten auch eine Menge an Blut, doch hier liegt auf keinen Fall die eigentliche Stärke dieses außergewöhnlich intensiven Filmes. Es ist vielmehr die Darstellung der scheinbar so perfekten Familie, die beim Betrachter den größten Horror auslösen, bietet sich doch nach Außen hin eine regelrechte Bilderbuch-Familie, die aber keinesfalls so perfekt ist, wie man zu Beginn noch meinen könnte.

Hinter der perfekten Fassade brodelt es gehörig und das merkt man auch schon nach einer sehr kurzen Zeitspanne. Familien-Oberhaupt Chris ist der scheinbar perfekte Vater-und Ehemann, der ziemlichen Wert auf Perfektion legt. Das allerdings sämtliche Familien-Mitglieder unter ihm leiden müssen, äußert sich auch in der kleinsten Einstellung der Geschichte. Bei seiner Ehefrau und den Töchtern äußert sich das durch ängstliche Gesten, denn Widerworte werden nicht geduldet oder aber mit schallenden Ohrfeigen beantwortet. Sohn Brian hingegen mutiert schon in jungen Jahren zu einer regelrechten Kopie seines Vaters und legt dessen Charakterzüge an den Tag, was vor allem im actiongeladenen Finale in der heimischen Scheune stark zum Ausdruck kommt. Die eigentliche Hauptfigur "The Woman" steht im Prinzip die ganze Zeit über eher im Hintergrund des Geschehens, das sich ganz eindeutig auf die furchtbaren Familien-Verhältnisse fokussiert, wodurch man das Werk auch als eine Mischung aus Horror/Drama-und Terrorfilm ansehen sollte. Und dieser Terror tritt in allen möglichen Varianten zu Tage, wobei es insbesondere der Umgang zwischen Chris und seiner Familie einem streckenweise das Blut in den Adern gefrieren lässt.

Sean Bridgers liefert in der Rolle des Vaters eine wahre schauspielerische Gala ab und verleiht der Figur eine erschreckend realistische Grausamkeit, die den Ereignissen ganz unweigerlich ihren Stempel aufdrückt. Dies geschieht alles hinter der Maske eines immer freundlichen Mannes, den sich wohl jede Frau als perfekten Schwiegersohn nur wünschen kann. Hinter der Fassade tun sich dann jedoch unergründliche Tiefen der menschlichen Seele auf die so schwarz sind, das man die eigene Hand vor den Augen nicht erkennt. Etliche offensichtliche Andeutungen während der gesamten Geschichte lassen einen die furchtbaren Zustände erahnen, die in dieser Familie vorherrschen. das beste Beispiel dafür ist Tochter Peggy, dessen Seele ganz offensichtlich zerstört ist. Auf die speziellen Gründe dafür möchte ich nicht weiter eingehen, um niemandem die Spannung zu nehmen, doch wer den Film schon gesehen hat weiß ganz genau, worauf ich anspiele, denn die Andeutungen sind doch mehr als eindeutig.

Der absolute Höhepunkt dieses beeindruckenden Szenarios wird komischerweise von etlichen Leuten als Schwäche ausgelegt, es handelt sich um die vorherrschende Grundstimmung des Geschehens, bei dem Lucky McKee in meinen Augen ein kleines Meisterwerk vollbracht hat. Enthalten gewisse Passagen eine sehr dreckige-und siffige Atmosphäre, so herrscht doch in Großteilen des Filmes vielmehr eine manchmal schon etwas glatt-und steril erscheinende Heile Welt-Stimmung vor, die aber gerade einen wunderbaren Kontrast entstehen lässt. Die Geschichte erhält dadurch einen fast künstlichen Anstrich, was aber auf die vorgegaukelte Fassade eines perfekten Familienlebens bezogen genau der richtige Weg ist, um die Verlogenheit noch einmal gesondert hervorzuheben. Wenn man den gesamten Film einmal aus dieser Sichtweise betrachte, dann muss man dem Regisseur ein Riesen-Kompliment machen, denn besser hätte man das Ganze überhaupt nicht in Szene setzen können. Und so bietet sich dann auch ein rundum gelungenes Filmerlebnis, dessen visuelles Highlight ganz sich das furiose Final in der Scheune ist, bei dem es zudem auch noch eine kleine Überraschung zu sehen gibt, die man in dieser Art nicht vorhersehen konnte. Teils Horror/Drama, teils Terrorfilm bietet "The Woman" erstklassige Genre-Kost, die man nicht so schnell vergessen wird.


Fazit:


Lucky McKee hat hier meiner Meinung nach alles richtig gemacht und so letztendlich einen beeindruckenden Film geschaffen, der sich unauslöschlich in das Gehirn des Zuschauers einbrennt. Zwar enthält die Geschichte bestimmt nicht so viel visuelle Härte wie manch einer sich das gewünscht hätte, doch insgesamt gesehen ist "The Woman" ein ungemein harter Genre-Beitrag, der vom Betrachter allerdings auch die Fähigkeit verlangt, sich in das Szenario hineinzuversetzen. Denn nur wenn man das kann entfaltet der Film seine ungemeine Wucht und kann auch die seelischen-und körperlichen Grausamkeiten transportieren, die sich innerhalb einer scheinbar glücklichen Familie abspielen und dem Zuschauer schwer zu schaffen machen.


9/10

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 Betreff des Beitrags: Re: The Woman
BeitragVerfasst: 1. Apr 2013, 11:39 
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The Woman hat mich äusserst angenehm überrascht! Eigentlich hatte ich einen eher anspruchslosen Horrorthriller erwartet, dass Jack Ketchum
die Vorlage und das Drehbuch dazu geliefert hat ist mir im Vorfeld entgangen. Der Film ist von der ersten Minute an sehr spannend in Szene gesetzt,
geizt nicht mit Härte, egal ob realer oder sich im Kopf abspielender und bietet einige Überraschungen und Wendungen. Ausgezeichnet! 9/10

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