Unsere kleine Filmwelt

Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Betreff des Beitrags: Warte, bis es dunkel wird (2014)
BeitragVerfasst: 14. Sep 2015, 17:02 
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Warte, bis es dunkel wird
(The Town That Dreaded Sundown)
mit Addison Timlin, Veronica Cartwright, Anthony Anderson, Travis Tope, Joshua Leonard, Andy Abele, Gary Cole, Edward Herrmann, Ed Lauter, Arabella Field, Denis O'Hare, Spencer Treat Clark, Wes Chatham, Morganna May
Regie: Alfonso Gomez-Rejon
Drehbuch: Roberto Aguirre-Sacasa / Earl E. Smith
Kamera: Michael Goi
Musik: Ludwig Göransson
FSK 16
USA / 2014

Texarkana ist ein Doppelstädtchen an der Grenze zwischen Texas und Arkansas, wo Jami elternlos bei ihrer Großmutter aufgewachsen ist. Als sie eine Halloween-Autokinovorführung über den Schrecken der Stadt, eine Mordserie, die vor drei Jahrzehnten ungelöst endete, besucht, beginnt der Terror von neuem: Ein maskierter Killer tötet ihren Freund Corey. Jami kann vorerst entkommen und beginnt auf eigene Faust in der obskuren Geschichte nachzuforschen, derweil immer mehr Bekannte dem brutalen Schlitzer zum Opfer fallen.


Das kleine Städtchen Texarkana war in den 40er Jahren Schauplatz einer Mordserie, die dem sogenannten Phantom Killer zugeschrieben wurde. Während sich der 1976 erschienene Film "Der Umleger" von Charles B. Pierce in einem teils dokumentarischen Erzählstil mit den damaligen Geschehnissen befasste, ist Alfonso Gomez-Rejon bei seiner nun erschienenen Neuauflage "Warte, bis es dunkel wird" einen etwas anderen Weg gegangen und hat damit einen sehr spannenden Horrorfilm kreiert. Das momentan stark beworbene Remake kann sich absolut sehen lassen und präsentiert dabei eine insbesondere in atmosphärischer Hinsicht absolut überzeugende Story, die beim Zuschauer für so manchen Gänsehaut Moment sorgen kann. Gomez-Rejon setzt dabei auf die oft verwendete Film im Film Thematik, wobei diese allerdings keinesfalls vordergründig zur Geltung kommt, sondern vielmehr dazu dient einen wunderbaren Retro Look aufzubauen. So ähneln die Tötungen der neuerlichen Mordserie denen aus dem Originalfilm, was einem auch immer wieder durch diverse kleinere Einblendungen verdeutlicht wird. Das ist dem Spannungsaufbau der Ereignisse sehr förderlich.

In diesem Punkt unterscheidet sich die vorliegende Neuinterpretation dann wohl auch am stärksten vom Original, denn der dramaturgische Aufbau der Geschehnisse ist hier definitiv besser gelungen. In Verbindung mit der extrem dichten und größtenteils bedrohlichen Grundstimmung entwickelt sich so ein herrlich intensives Filmerlebnis, das den Betrachter von der ersten bis zur letzten Minute bei Atem hält. Endet die 1976er Verfilmung noch mit einem offenen Finale da die Identität des Killers nicht geklärt werden konnte, so kann man sich hier auf ein gelungenes Ratespiel freuen, in dem zum Ende hin sogar eine wirklich überraschende Wendung Einzug in das Szenario hält. Die Macher haben sich gerade als Schlusspunkt eine überraschende Wendung einfallen lassen, die man nun wirklich nicht unbedingt vorher sehen konnte. Doch auch die Zeit bis dahin vergeht wie im Flug, denn "Warte, bis es dunkel wird" beinhaltet etliche sehenswerte Momente und präsentiert dabei auch etliche Morde, bei denen es auch einige blutige Momente zu sehen gibt.

Aufgrund der 16er Freigabe sollte man jedoch keine Erwartungen an einen hoch angesiedelten Härtegrad haben, denn trotz einiger lohnenswerter Einstellungen bewegt sich das Ganze durchgehend in einem sehr überschaubaren Rahmen, was an dieser Stelle aber keinesfalls als negative Kritik zu verstehen ist. Übertrieben blutige Passagen hat der Film auch überhaupt nicht nötig, überzeugt er doch viel mehr durch seine erstklassige Atmosphäre, gut agierende Darsteller und einen mehr als gelungenen Spannungsaufbau. Diese Mischung sollte dann auch für einen überdurchschnittlich guten Gesamteindruck vollkommen ausreichend sein, denn die vorhandenen Zutaten wurden absolut erstklassig miteinander vermengt. Gomez-Rejon hat meiner Meinung nach ein in allen Belangen stimmiges Gesamtwerk geschaffen und die Tatsache das es sich hier um kein Remake im eigentlichen Sinne handelt, ist zusätzlich als äußerst positiv zu bewerten. Eine 1:1 Kopie von Charles B. Pierce's "Der Umleger" wäre sicherlich der falsche Weg gewesen, den Originalfilm jedoch als Untermalung für eine neuerliche Mordserie her zu nehmen zeugt von einem innovativen Ansatz.

Für mich persönlich handelt es sich bei "Warte, bis es dunkel ist" um eine der bisher positivsten Überraschungen des Jahres, präsentiert sich doch endlich einmal wieder ein Horrorfilm der dem Zuschauer eine gepflegte Gänsehaut verpassen kann. Eine überraschende Wendung am Ende, eine gute Darsteller Riege und gut inszenierte Morde ergeben ein richtig gelungenes Gesamtpaket, das man Freunden des Genres definitiv und ohne Bedenken empfehlen kann. In einer Zeit, in der Horrorfilme zumeist nur noch durch den vorhandenen Härtegrad definiert werden ist "Warte, bis es dunkel wird" einmal wieder eine wohlwollende Abwechslung und besticht vor allem durch seinen nicht alltäglichen Drehstil, der dem Film auf jeden Fall seinen ganz eigenen Charakter verpasst. Man sollte in diesem Fall vielleicht wirklich zum limitierten Steelbook von Tiberius Film greifen, denn nur in dieser Veröffentlichung ist auch das Original "Der Umleger" enthalten, das man sich zum besseren Verständnis zuerst anschauen sollte. Das ist zwar nicht zwingend notwendig um die Zusammenhänge zu erkennen, doch letztendlich offenbart sich so ein weitaus stimmigeres Gesamtbild.


Fazit:


"Warte, bis es dunkel wird" ist nicht nur ein extrem atmosphärischer Horrorfilm, sondern gleichzeitig auch eine äußerst gelungene Neuinterpretation des 76er Werkes von Charles B. Pierce. Ich persönlich kann nur jedem empfehlen sich beide Filme nacheinander anzuschauen, denn so ergibt sich doch eine ganz andere Betrachtungsweise der Ereignisse, als wenn man nur das vorliegende Remake schauen würde.


8/10


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