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Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Betreff des Beitrags: You're Next (2011)
BeitragVerfasst: 22. Apr 2014, 13:44 
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You're Next
(You're Next)
mit Sharni Vinson, Nicholas Tucci, Wendy Glenn, AJ Bowen, Joe Swanberg, Margaret Laney, Amy Seimetz, Ti West, Rob Moran, Barbara Crampton, L.C. Holt, Simon Barrett, Lane Hughes, Kate Lyn Sheil
Regie: Adam Wingard
Drehbuch: Simon Barrett
Kamera: Andrew Droz Palermo
Musik: Mads Heldtberg / Jasper Justice Lee / Kyle McKinnon
keine Jugendfreigabe
USA / 2011

Um die Familie wieder enger zusammenzubringen, laden Aubrey und Paul Davison alle vier Kinder nebst Anhang zwecks Familienzusammenführung in ihren einsam gelegenen und etwas heruntergekommenen Wochenendlandsitz ein. Doch der traute Familienabend bekommt schnell eine blutige Wendung als eine Bande blutrünstiger Angreifer mit Tiermasken das einsame Haus der Davisons überfällt. Die Familie hat keine Ahnung, wer sie bedroht, warum die gnadenlosen Maskenmänner ausgerechnet sie ausgesucht haben und ob die Feinde sich innerhalb oder außerhalb des riesigen alten Hauses befinden. Sie wissen nur eins: Keiner von ihnen ist sicher.


Normalerweise ist es nicht unbedingt ein gutes Zeichen, wenn ein Film erst Jahre nach seinem Erscheinen den Weg auf DVD findet. Zumeist handelt es sich dann überwiegend um eher schlechte Werke doch das es auch vollkommen anders gehen kann, beweist vorliegender "You're Next" von Adam Wingard, mit dem sich eine absolut lohnenswerte Kombination aus Home Invasion Thriller-und Slasher präsentiert. Was einmal mit Filmen wie "Funny Games" begann gehört ja mittlerweile zum guten Ton und ist ein fester Bestandteil des Horror-Genres geworden, denn harter Terror in den eigenen vier Wänden ist in der heutigen Zeit ein bewährtes Mittel, um dem Zuschauer zumeist ein äußerst intensives Film-Erlebnis zu servieren. Kaum eine andere Thematik löst nämlich so große Ängste beim Menschen aus, als wenn man sich in den eigenen vier Wänden nicht mehr sicher fühlen kann und dort von Außenstehenden physisch und psychisch terrorisiert wird. Auch dieser Beitrag nimmt sich des Themas an und rundet es dabei mit diversen Elementen des Slashers ab, was insgesamt gesehen für eine höchst explosive-und intensive Mixtur sorgt, die dem Betrachter ordentlich zusetzt. Zugegeben, der Film braucht bis auf seine Eingangs-Sequenz, in der ein junges Päärchen brutal ermordet wird eine gute halbe Stunde bis er so richtig auf Touren kommt und in dieser Zeitspanne wird man fast ausschließlich mit den jeweiligen Charakteren konfrontiert, die sich hier zu einem Familientreffen einfinden. Schnell merkt man dabei das hier längst nicht alles in Ordnung ist, denn offensichtliche Spannungen die in erster Linie unter den Geschwistern bestehen sind ein deutliches Indiz dafür, das man sich untereinander nicht sonderlich ausstehen kann.

Das an dieser Stelle lediglich die Spitze des Eisberges angekratzt wird kehrt sich im weiteren Verlauf der Geschehnisse heraus, wobei man durchaus frühzeitig erahnen kann, worauf die gesamte Chose am Ende hinaus läuft. Damit ist man im Prinzip auch schon bei der einzigen Schwäche des Werkes angelangt, denn trotz diverser eingebauter Wendungen ist die Geschichte relativ leicht zu durchschauen. Wer also einen Ausbund an Innovation und etliche Neuerungen erwartet wird eher enttäuscht sein, denn die vorhandenen Plot-Twists sind für Kenner der Materie nicht unbedingt überraschend. Mich persönlich hat das weniger gestört, denn trotz dieses Mankos schafft es "You're Next" eigentlich fast spielerisch, ein ordentliches Spannungspotential aufzubauen und das Szenario mit einer bedrohlichen Grundstimmung auszustatten, von der die Ereignisse bis zum bitteren Ende zehren können. Neben diesen für einen Film dieser Art lebensnotwendigen Zutaten hat Regisseur Adam Wingard seine Erzählung mit einem ordentlichen Härtegrad ausgestattet, der sich sowohl auf psychischer, wie auch auf visueller Ebene jederzeit zu erkennen gibt. Dabei artet das Ganze jedoch zu keiner Zeit in eine sinnlose Schlachteplatte aus und zunächst bekommt man die Gewaltdarstellungen auch hauptsächlich nur im Ansatz zu sehen. Mit zunehmender Laufzeit wird die Schraube der Gewalt jedoch immer höher geschraubt und gerade zum Ende hin wartet man dann auch mit mehreren expliziten Szenen auf.

Es ist insbesondere diese Herangehensweise die mir hier sehr gut gefallen hat, denn Wingard fällt nicht sofort sprichwörtlich mit der Tür ins Haus, sondern lässt ein immenses Steigerungspotential in seiner Geschichte erkennen. Immer näher führt er den Zuschauer an die Grenzen der Belastbarkeit, denn trotz einer vorhandenen Vorhersehbarkeit der Abläufe kann man sich eines unglaublich starken Gefühls der Beklemmung unmöglich erwehren. Wenn man dann noch die Zusammenhänge gänzlich vor sich ausgebreitet sieht erhält man zusätzlich einen brutalen Tiefschlag verpasst, denn die Motive für die etlichen Morde hinterlassen ein wahrlich flaues Gefühl im Magen und führen einem einmal mehr eindrucksvoll vor Augen, zu welchen Taten mancher Mensch doch in der Lage ist wenn er sich selbst bereichern kann. Man wird also die ganze Zeit über mit eher negativen Emotionen konfrontiert und so nimmt man es nur zu gerne hin, das mit der jungen Erin (Sharni Vinson) eine Sympathieträgerin mit von der Partie ist, die sich im Laufe der Zeit als wahre Kampf-Amazone und Survival-Expertin zu erkennen gibt. Gleichzeitig handelt es sich bei ihr auch um die einzige Figur, die über eine wirklich charismatische Ausstrahlung verfügt und der man einen Hauptteil seiner Aufmerksamkeit schenkt. Sämtliche anderen Akteure sind nämlich einfach zu unsymphatisch oder leben ganz einfach nicht lange genug, als das man sich eingehend mit ihnen beschäftigen würde.

Neben einer Menge Härte, einer sehr gut agierenden Hauptdarstellerin und den ansonsten üblichen Zutaten beinhaltet die Geschichte an einigen Stellen zudem auch etwas bissigen Humor, der in erster Linie in der Schluss-Einstellung seinen absoluten Höhepunkt findet. Doch auch zuvor offenbart sich teils schwarze Situationskomik und auch diverse Dialoge sind von unverhohlenem Sarkasmus und einer menge Ironie durchzogen. Dennoch ist "You're Next" in der Hauptsache ein relativ harter Genre-Vertreter, für den man definitiv eine ganz dicke Empfehlung aussprechen kann. Lediglich die Liebhaber innovativer Momente werden nicht so ganz auf ihre Kosten kommen, da die als Überraschungsmomente gedachten Passagen doch eher leicht vorhersehbar sind. Manch einer mag das aber eventuell vollkommen anders sehen, denn wie immer liegt das im Auge des jeweiligen Betrachters. Wie dem aber auch sei, dieser Film hat mir wirklich so richtig gut gefallen und beinhaltet genau die richtige Kombination aus Atmosphäre, Terror und visueller Härte, so das ein intensives Film-Erlebnis vorprogrammiert ist. Wer Home Invasion Thriller und Slasher liebt kommt hier auf jeden Fall auf seine Kosten und wird mit einem Szenario belohnt, das komischerweise bei mehreren Kritiken im Netz gar nicht so gut wegkommt, was ich persönlich überhaupt nicht nachvollziehen kann.


Fazit:


Nicht sonderlich innovativ, dafür aber knallhart und kompromisslos kommt mit "You're Next" eine Genre-Film daher der eine ganze Menge zu bieten hat. Zudem ist mit Hauptdarstellerin Sharni Vinson eine Figur an Bord, die sich nicht so einfach in die Opferrolle hinein drängen lässt und den Tätern mit enormer Gegenwehr-und Einfallsreichtum zu Leibe rückt.


8,5/10


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 Betreff des Beitrags: Re: You're Next (2011)
BeitragVerfasst: 25. Mai 2014, 19:25 
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Beiträge: 23
Geschlecht: nicht angegeben
Hier Stimme ich dir in jedem Punkt zu,You r next ist endlich der Weckruf des Slashergenres auf den ich seit Famine gewartet habe.

Ein toller sehr stimmiger 80iger Jahre Hommageslasher,die Blu mußte ich mir kurz nach Erscheinen sichern :-)

Ich gebe ihm aber 9 /10 !


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