Unsere kleine Filmwelt

Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Betreff des Beitrags: Dear Wendy (2005)
BeitragVerfasst: 27. Okt 2013, 23:29 
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O-Titel: Dear Wendy
Herstellungsland: D/DK/F/GB
Erscheinungsjahr: 2005
Darsteller: u. a. Jamie Bell, Bill Pullman, Michael Angarano, Danso Gordon, Novella Nelson, Chris Owen, Alison Pill, Mark Webber, Trevor Cooper, Matthew Geczy, Teddy Kempner, Thomas Bo Larsen
FSK: KJ

Inhalt:


Liebe Wendy, ich schreibe den Brief um die Geschichte aus meiner Sicht zu erzählen. Richard genannt "Dick" ist nicht mehr mit ihr zusammen. Er wirkt traurig und verloren.

Arbeiter gehen in die Mine, und wie jeden Morgen muss Dick seinen Vater hinunter in den Grubenschacht begleiten. Sein Vater will, dass Dick auch Bergarbeiter wird. Aber Dick verlässt den Fahrstuhl nie. Clara, die Haushälterin, fährt ihn anschließend nach Hause. Sie kommen auf dem Rückweg bei Salamon vorbei. Schoko-Muffins besorgen. Auch Sheriff Krugsby ist dort. Und Clara verschafft Dick einen Job in diesem Laden. Er stapelt Ware in die Regale mit einem Kerl namens Stevie. Mr. Salamon hat Angst vor den Gangs auf den Straßen und dass er Opfer eines Raubüberfalls wird.

Dick hat nicht viele Freunde, und damit sie ihm etwas gutes tut, will sie, dass sie zu Sebastian auf seinen Geburtstag geht, auch wenn Richard das ablehnt. An diesem Tag bekam Huey seine Beinprothesen. Dick muss das Geschenkt selbst besorgen, weshalb er zu dem Spielzeugladen geht, in dem Susan, die Tochter der Besitzerin, an der Kasse steht. Sie ist eine Schulkollegin. Sie gibt Dick eine Spielzeugwaffe. Aber Dick ist Pazifist, aus ganzer Überzeugung heraus. Aber als der Geburtstag naht und Clara ihn zurecht gemacht hat, möchte er die Waffe doch lieber behalten, denn irgendwie vermittelt sie ihm ein gutes Gefühl... Sicherheit. Deshalb verschenkt er kurzerhand eines seiner Bücher und behält die Waffe. DEr Laden nimmt sie nicht gegen die Bezahlung zurück.

Jahre später stirbt Dicks Vater an einem Herzanfall im Stollen. Der Sheriff gibt sein Bedauern zum Ausdruck. Dicks Mutter war schon vorher gestorben, und nun ist er allein. Und er bleibt im Electric Park. Clara hat gekündigt. Beim Aufräumen entdeckt er die damals gekaufte Spielzeugpistole wieder, aber als er Stevie zu der Waffe befragt, stellt er fest, dass es eine echte Waffe ist.

Es klingelt, als Richard zu Abend isst. Stevie. Er will ihm etwas zeigen: 7,63 mm Automatik. Auch er hat eine Waffe. Eine Patrone für Richard hat er außerdem mitgebracht, denn er will ihm das Schießen beibringen. Sie gehen mitten in der Nacht zu dem geschlossenen Teil der Mine. Stevie zeigt Dick, wie er seine Waffe benutzen soll. Und Richard schießt. Und er gibt seiner Waffe einen Namen: Wendy. Stevie hingegen ist da weniger einfallsreich, und nennt seine einfach Badsteel. Waffen bringen Unheil in die Welt. Damals hielt Richard sie noch für ungefährlich. Und jetzt hat er einen neuen "Freund" gefunden. In den folgenden Tagen üben sie mehrmals mit den Waffen umzugehen. Außerdem beschäftigen sie sich mit ihrem Material und mit allerlei Schusswunden, was ihnen ein Gefühl der Sicherheit bringt... mal wieder.

Irgendwie ist es ein Jammer, dass sie die Sache mit den Waffen für sich behalten, und damit das nicht so bleibt, weihen sie Susan, Freddie und Huey ein. Zusammen sind sie die Looser vom Electric Park. Richard will sie zu glücklicheren Menschen machen, und er gibt ihnen einen Namen: Die Dandies. Freddie hat in der Mine eine weitere Falltür entdeckt. Und sie richten dort ihren Tempel und auch ihr Wohnzimmer ein. Jeder bringt irgendwas für ihre Behausung mit. Und auch Susan und Huey tauchen eines Tages mit Waffen auf. Eine Kaliber .52 (Lyndon) für Huey und zwei kleine Handfeuerwaffen (Lee und Grant) für Susan. Nur Freddie will ein ganz bestimmtes Exemplar haben, was er sich aber noch nicht leisten kann. Und es werden Regeln festgelegt. Die wichtigste lautet: Niemals mit seinem "Partner" angeben. Und niemals in der Öffentlichkeit ziehen.

Alle scheinen glücklich und zufrieden zu sein. Bis Sheriff Krusby einen Jungen zu Richard mit nach Hause bringt - Sebastian. Er hat einen Menschen erschossen, und zu seinen Bewährungsauflagen gehört es, dass er sich mit einem gleichaltrigen Jungen trifft, der einen guten Einfluss auf ihn hat, und der Sheriff ist überzeugt davon, dass Richard ein solcher Junge ist. Sebastian muss sich einmal pro Woche bei Richard melden. Um seinen Einfluss aber noch größer werden zu lassen, möchte er, dass Sebastian zu einem Dandie wird.

Als Sebastian bei der Mine eintrifft, sind die Dandies gerade beim Floretttraining. Richard stellt die anderen und ihre Begleiter vor. Sebastian lehnt ab. Vorerst. Richard sei ein wenig zu nett von seiner Persönlichkeit für Wendy. Und Richard ist eifersüchtig, dass er seine Wendy angefasst hat.

Beim nächsten Treffen hat Sebastian Waffen mit dabei. Auch die gewünschte für Freddie. Für die Waffenübergabe wird eine Zeremonie abgehalten. Ihr Name soll Woman sein. Und alle sind froh darüber, außer Richard, denn Sebastian hat sich dadurch bei den anderen Beliebtheit erkauft. Richard will ihn deshalb in einem Duell herausfordern. Ein Schießwettbewerb. Doch dann nimmt Sebastian Wendy in die Hand und schießt vier Mal auf die Zielscheibe. Vier Mal ins Schwarze. Und Richard tickt aus, denn wie konnte Sebastian es sich erlauben, die Waffe eines anderen Dandys zu benutzen. Richard lässt sich die Augen verbinden, doch dieses Mal verfehlt er die Scheibe komplett. Entnervt zieht Richard von dannen, aber kurz darauf entscheidet er sich um, damit Stevie das Korn von der Waffe wegfeilt, damit nur noch Richard sie benutzen kann. Wendy gehört ihm.

Richard zieht sich immer mehr zurück, so dass sich alle Sorgen um ihn machen. Aber es ist schlussendlich Sebastian, der sich an Richard wendet. Alle haben Angst, und Clarabelle hat sogar Todesangst. So sehr, dass sie noch nichtmal ihr Haus wieder verlässt, um ein paar Meter weiter ihre Nichte zu besuchen. Deshalb planen die Dandies ein Manöver: Sie wollen Clarabelle Sicherheit geben, damit sie endlich wieder das Haus verlassen kann. Doch als diese mit Hilfe von Dick und Sebastian das Haus verlässt, stürzt sie. Niemand soll ihre Tasche anfassen, sonst wird sie noch geklaut. Ein Cop eilt zu Hilfe und hebt ihre Tasche auf. Völlig von Sinnen nimmt Clarabelle dann eine Schrotflinte, und erschießt den Cop. Und damit ist der Startschuss gesetzt, für ein ganz ganz furchtbares Ende...

Wertung:

Hier geht es um Waffen. Um Waffen, die eigentlich eingesetzt werden sollen, um sich selbst Sicherheit oder sogar Selbstsicherheit zu geben, doch dabei bleibt es leider nicht, denn nur, weil in der gesprochenen Präambel der Dandies das Wort "Tod" durch "Leben" ersetzt wird, ist eine Waffe noch lange kein Lebensspender, auch wenn sich alle lebendiger durch ihren Besitz fühlen. Leider endet das hier in einem ganz furchtbaren Ende, weshalb der Film auch eine KJ-Freigabe erhalten hat, auch wenn bis dahin keine großen Gewaltmomente zu sehen waren. Eigentlich handelt der Film nur von ein paar Jungendlichen, die sich irgendwann per Zufall Waffen angeschafft haben, damit sie sich besser fühlen. Aber bei den Gefühlen ist es nicht geblieben, denn die Waffen wurden auch eingesetzt. Anfangs war es etwas Gutes, was die Dandies bewirken wollten, doch das kehrte sich ins Gegenteil, als sie merkten, dass man ihnen ihre Waffen abnehmen könnte. Fast wie süchtige Junkies.

Das es in den Vereinigten Staaten viele Menschen mit Waffen gibt, ist allen wohl bekannt, und bestimmt haben dort viele einfach nur eine Waffe um sich sicherer zu fühlen. Doch manchmal bezahlt man mit dieser vermeintlichen Sicherheit mit einem sehr hohen Preis, der, wenn es ganz dick kommt, auch "Leben" heißt. Und natürlich hat der Film dabei einen Fingerzeig auf die Gesellschaft. Ob das von Lars von Trier geschriebene Drehbuch allerdings die Waffenlobby an sich moralisieren wollte, kann man nur vermuten, denn es ist absolut grausam, was dort passiert, und es passiert nur, weil alle im Waffenbesitz sind und damit wird natürlich der Waffenhandel und -besitz verurteilt, ob das nun so gewollt war oder nicht.

Die Atmosphäre, die der Film dabei versprüht, könnte der ein oder andere vielleicht sogar als langweilig-einlullend beschreiben, aber gerade das ist es, was die Gesellschaft in Amerika ausmacht: Es kümmert niemanden, wenn ein paar Spätpubertierende mit Waffen herum ballern, denn jeder Amerikaner hat das Recht eine Waffe zu besitzen. Man darf aber dabei auch nicht außer Acht lassen, dass dieser Film zwar mit Bill Pullman in einer der Hauptrollen gedreht worden ist, der Film aber nicht zwangsläufig in den USA spielen müsste. Es gibt allerdings eindeutige Hinweise darauf, auch wenn es kein Hollywoodfilm ist.

An Schauspielern gibt es neben Bill Pullman eigentlich niemanden, der auch nur annähernd bekannt wäre, und auch Pullman ist hier nicht im Vordergrund sondern fast gleichberechtigt neben den anderen Darstellern. Keiner Stich heraus. Vielleicht ein wenig Richard aber nur marginal. Der Ton ist exzellent, denn gerade die Schüsse kommen schon mit einer gewissen Wucht über die Lautsprecher, was dem Film, im Gegensatz zu seiner manchmal etwas trägen Handlung, gut tut.

Für meinen Teil kann ich sagen, dass sich dieser Film gelohnt hat. Dabei kann man glaube ich hier nicht auf die Allgemeinheit schließen. Warum steht der jetzt aber in Kontroverse & Skandalfilm? Weil die Kontroverse der Waffenbesitz in Amerika ist, über die es sich tagtäglich lohnt neu zu sinnieren. Die Diskussion war oder ist ja momentan wieder aktuell dort am Aufkochen. Und gerade das Ende, was ich hier mit Absicht nicht verraten habe, bietet genug Stoff für kontroverse Diskussionen und ist auch ein Stückchen weit skandalös, und deshalb passt der Film hier rein. Er hätte aber auch als Drama durchgehen können.

Abschließend gibt es hier 08/10 Dandies.

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Und Blaine, der Mono fuhr weiter Richtung Südosten unter dem Dämonenmond. "Warum taufte die Frau ihren Sohn Siebeneinhalb?" - "Weil sie seinen Namen aus einem Hut gezogen hat!"


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